Über die Einflüsse auf die Entwicklung der Tibetischen Medizin im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wurzeln der Medizin in Tibet
2.1. Die vorbuddhistischen Traditionen
2.2. Die Verkündigung der Medizinlehre durch Buddha Shakyamuni

3. Das Tibetische Großreich (7. bis 9. Jahrhundert v. Chr.) und die Anfänge der wissenschaftlichen Medizin
3.1. Einführung der Schrift und des Buddhismus unter König sRong bRtsan sGampo im 7. Jahrhundert
3.1.1. König sRong bRtsan sGampo und die Medizin
3.2. Erster internationaler Medizinerkongress unter König Khri sRong lde bRtsan im 8. Jahrhundert.
3.2.1. gYu-thog Yon-tan mGon-po und die “Vier Tantras”
3.2.2. Die erste medizinische Konferenz

4. Heilkundige aus fremden Ländern
4.1. „Bharadhvaja“ als Vertreter der Indischen Medizin / des Ayurveda.
4.2. „Hen-weng Hang“ als Vertreter der Chinesischen Medizin
4.3. „Galenos“ als Vertreter der Griechischen Medizin

5. Fazit

6. Zitierte Literatur

1. Einleitung

Diese Seminararbeit geht auf die geschichtliche Entwicklung, beziehungsweise insbesondere auf die Entwicklung der Tibetischen Medizin zwischen dem 7. bis 8. Jahrhundert ein, da speziell in dieser Zeit andere Medizinsysteme großen Einfluss auf die Tibetische Medizin nahmen und sie in ihrer Entstehung und Entwicklung beeinflusst haben.

In Zusammenspiel und Wechselwirkung der unterschiedlichen Medizinsysteme Asiens entwickelten sich unter dem Einfluss individueller Kulturen und Religionen alle Systeme unterschiedlich und doch scheinen sie alle gewisse Ähnlichkeiten in sich zu tragen. Diese Tatsache der gegenseitigen Einflussnahme werde ich in dieser Arbeit am Beispiel der Tibetischen Medizin beleuchten.

Die Betrachtung in dieser Arbeit konzentriert sich vor allem auf die Zeit des tibetischen Großreiches (7.- 9. Jahrhundert), welche in der tibetischen Selbstwahrnehmung die Zeitepoche der „frühen Verbreitung“ des Buddhismus entspricht (Kollmar-Paulenz 2006: 26), denn die Regierungszeit des ersten tibetischen Herrschers König sRong bRtsan sGampo im 7. Jahrhundert markiert mit der Entstehung des Schriftsystems und der Einführung des Buddhismus in Tibet einen wichtigen Punkt in der tibetschen Geschichte und vor allem auch in Bezug auf die Entwicklung der wissenschaftlichen Medizin Tibets. Ebenfalls die Regierungszeit des Königs Khri sRong lde bRtsan spielt für die Entstehung der Tibetischen Medizin eine entscheidende Rolle, weshalb ich auch diese Zeit genauer beleuchten werde.

In der Zeit des 7. und 8. Jahrhunderts prägten vor allem die drei Medizinsysteme die Entstehung und Entwicklung der Tibetischen Medizin entscheidend und daher werde ich im letzten Teil dieser Arbeit Vergleiche zwischen der Tibetischen Medizin und Charakteristika des Ayurveda, der Traditionellen Chinesischen Medizin, als auch der Griechischen Medizin ziehen um damit grob die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen.

Als Hintergrundinformation zur Entstehung des Medizinsystems werde ich weiterhin die Wurzeln der Medizin in Tibet erläutern, welche zurückreichen in die Zeit, als die Heilungspraktiken noch Aufgabe von Schamanen waren.

Die Literaturrecherche gestaltet sich in Bezug auf die Themenstellung nicht einfach, da in den meisten deutsch- oder englischsprachigen Werken über die Tibetische Medizin die Geschichte nur eine sehr untergeordnete Rolle einnimmt und dementsprechend verkürzt und plakativ wiedergegeben wird. Zum Teil habe ich hilfreiche Einführungen in die Tibetische Medizin eingesehen und verwendet (Rechung 1973; Clifford 1984; Finkh 1975), mit Beckwith (1979+1987) liegen auch weiterführende Informationen, sowohl zur Geschichte als auch zur Bedeutung der Griechischen Medizin in Tibet, vor. Des Weiteren greife ich in Bezug auf eine Beschreibung der prägenden Medizinsysteme teilweise auf einschlägige Fachliteratur zurück.

2. Die Wurzeln der Medizin in Tibet

2.1. Die vorbuddhistischen Traditionen

Haben archäologische Ausgrabungen eine Besiedlung des tibetischen Raumes schon für das Paläolithikum nachgewiesen, so herrscht noch Unklarheit darüber, welche Völker zu dieser Zeit das Land bevölkerten (Kollmar-Paulenz 2006: 16; Beckwith 1987: 8). Fest steht jedoch, dass die Tibeter eine gemeinsame, wenn auch regional akzentuierte kulturelle Identität besitzen, genauso wie eine gemeinsame Sprache (Kollmar-Paulenz 2006: 16). Vor dem Einzug des Buddhismus in Tibet im 7. Jahrhundert herrschten dort, wie auch im restlichen nordasiatischen Raum, schamanische Praktiken vor, welche für die Region Tibet heute mit dem Begriff „Bon“ beschrieben werden, und welche von Aberglauben, Geistern und Geisterbeschwörung geprägt waren.

Die Hypothese Bon sei die Religion des vorbuddhistischen Tibet gewesen ist allerdings umstritten (Geoffrey 2003: 459-472). Aus den vorhandenen Quellen scheint es nicht eindeutig möglich, eine frühe autochtone tibetische „Religion“ zu rekonstruieren (Kollmar-Paulenz 2006: 43); vielmehr scheint es so zu sein, dass es eine Gruppe von religiösen Spezialisten gab, welche für Divinationspraktiken, Heilungen und Begräbnisrituale zuständig waren, wie dies in den meisten Teilen Ost- und Südasiens verbreitet war (Geoffrey 2003: 469). Diese schamanischen Praktiken und die Naturheilkunde wurden durch die Einführung des Buddhismus in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts unter dem tibetischen König sRong bRtsan sGampo reformiert und weiterentwickelt. Die medizinischen Texte des so genannten Bon entstanden zumeist erst nach der Einführung des Buddhismus und sind daher nur wenig repräsentativ für die medizinische Tradition vor dieser Zeit (Clifford 1987: 79).

2.2. Die Verkündigung der Medizinlehre durch Buddha Shakyamuni

Die Geschichte der Tibetischen Medizin ist eng verknüpft mit der Lehre Buddhas: Buddha selbst hat in seiner Emanation als Medizin Buddha die Medizinlehre in Form des rGyud-bzhi (tib.) verkündet, wobei der Ursprung dieser medizinischen Weisheiten bei Buddha Kashyapa (dem Buddha des vergangenen Weltzeitalters) liegt (Clifford 1987: 73). Die Verkündigung fand nach Buddha Shakyamunis vierjährigen Aufenthalt im Medizinwald in lTa-na-sdug in Form eines Dialoges vor den unterschiedlichsten Zuhörern statt und so war es möglicherweise sein Leibarzt Jivaka (Clifford 1987: 86), welcher als einziger die Lehre vollständig verstand und diese in 156 Kapiteln und 5900 Versen auf Papier aus purem Gold niederschrieb (ebd.: 1984: 75). Der Original-Text soll sich Uddiyana (Nordwest-Indien oder Afghanistan) befinden (Rechung 1973: 10-11; Clifford 1984: 75). Unabhängig von den historischen oder legendären Gestalten, die in Bezug auf die Überlieferung des medizinischen Wissens genannt werden, ist letztlich nur die jeweilige Emanation des Buddhas der eigentliche Träger dieses Wissens (Clifford 1984: 74).

3. Das tibetische Großreich (7. bis 9. Jahrhundert v. Chr.) und die Anfänge der wissenschaftlichen Medizin

Die Grenzen des historischen Tibet umfassten ein weitaus größeres Gebiet als die heutige Tibetische Autonome Region (TAR). So reichte das tibetische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht von Nordchina bis Nordindien. In Bezug auf diese Arbeit und die Darstellung der medizinischen Entwicklung jener Zeit, sind insbesondere die Regierungszeiten der Könige sRong bRtsan sGampo (620-649) und Khri sRong lde bRtsan (755-797) von bedeutender Relevanz. Historisch tritt Tibet erstmals massiv mit der Regierungszeit des Königs sRong bRtsan sGampo in Erscheinung und ab dieser Zeit liegen auch eine ganze Reihe historischer Quellen vor (Kollmar-Paulenz 2006: 30). König sRong bRtsan sGampo übernahm wahrscheinlich in den Jahren zwischen 618 und 620 die Macht und unter seiner Herrschaft stieg Tibet zu einem Imperium in Zentralasien auf, welches dem chinesischen Reich sowohl in territorialer Ausdehnung, als auch Macht durchaus ebenbürtig war (Kollmar-Paulenz 2006: 30-31; Schwarz 1998: 21; Beckwith 1987: 20). Es kam dadurch zu einem intensiven kulturellen Austausch und vor allem über die Seidenstrasse bestand Kontakt zu allen wichtigen Staaten und Kulturen Asiens, sowie Austausch bis hin nach Europa (Schwarz 1998: 21-22). Vor allem die Eroberung von Zentral-Asien durch die Türken im späten 6. Jahrhundert war hier von besonderer Bedeutung, denn es entstand die Verbindung Zentral-Asiens mit den großen Zivilisationen Eurasiens, Europa, Persien, Indien und China (Beckwith 1987: 9). Die nachfolgende Blütezeit Tibets, in welcher König Khri sRong lde bRtsan regierte, spielt insbesondere für die Geschichte der Heilkunde eine große Rolle, da unter seiner Regierung ein besonders reger Austausch auf medizinischem Gebiet stattfand. (Finkh 1975: 17-18).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Über die Einflüsse auf die Entwicklung der Tibetischen Medizin im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr.
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Geschichte der Medizin)
Veranstaltung
Alternative Heilmethoden – Der sanfte und abwechslungsreiche Weg zur Heilung
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V91046
ISBN (eBook)
9783638042925
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einflüsse, Entwicklung, Tibetischen, Medizin, Jahrhundert, Alternative, Heilmethoden, Heilung
Arbeit zitieren
Alexandra Schulz (Autor), 2007, Über die Einflüsse auf die Entwicklung der Tibetischen Medizin im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91046

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