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Die Initiationsthematik im deutschsprachigen Pop-Roman der Jahrtausendwende

Titel: Die Initiationsthematik im deutschsprachigen Pop-Roman der Jahrtausendwende

Magisterarbeit , 2007 , 180 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Nicole Gast (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Protagonisten popliterarischer Texte zeichnen sich dadurch aus, dass ihr jugendliches Verhalten mit ihrem Erwachsenenstatus kollidiert. Durch das Aufwachsen in einer sich stetig verändernden und schnell wachsenden Medien- und Konsumgesellschaft in eine frühe Erwachsenenrolle gedrängt, holen sie sich als “Post-Adoleszente“ zwischen Anfang Zwanzig und Mitte Dreißig, eben das zurück, was ihnen während der Adoleszenz verwehrt blieb: das kindliche Freiheitsgefühl durch die Abgabe jeglicher Verantwortung.
Meist sozial isoliert befinden sie sich auf der Suche nach Bindungen, Orientierung und nicht zuletzt der eigenen Identität. Den Reifeprozess, der zum Erwachsensein bzw. zur Eingliederung in die Gesellschaft nötig ist und der eigentlich während der Pubertät bzw. der Adoleszenzphase hätte ablaufen sollen, erleben sie verspätet. Popliterarische Texte sind somit durch ihre jugendlichen bzw. jugendlich gebliebenen Protagonisten prädestiniert, um Initiationen (Übergänge) in Individuations- und Sozialisationsprozesse zu schildern.
Die Ausgangsfrage der Magisterarbeit ist diejenige, ob der deutschsprachige Pop-Roman der Jahrtausendwende als Initiationstext gelesen werden kann. Zur Beantwortung dieser Frage werden drei ausgewählte Romane der jüngeren deutschen Popliteratur auf diesen Gesichtspunkt hin untersucht. Es handelt sich hierbei um Christian Krachts "Faserland" (1995), der die Ära der neuen deutschen Popliteratur einläutete und somit von „initialer Bedeutung“ für die Generation nachfolgender junger Pop-Autoren war, Selim Özdogans "Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist" (1995) und Benjamin von Stuckrad–Barres "Soloalbum" (1998).
Weiterhin beleuchtet die Arbeit das Phänomen Popliteratur und beschreibt das Aufkommen und die Veränderung der Initiationsthematik innerhalb der amerikanischen und deutschen Literaturgeschichte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I: Die Initiationsthematik in der Literatur

1. Initiation – einige Definitionsansätze

1.1. Der anthropologische Begriff der Initiation

1.2. Der Begriff der Adoleszenz

1.3. Initiation als literaturwissenschaftlicher Terminus

1.3.1 Initiation story und novel of initiation

2. Kriterien zur Typisierung von Initiationen

2.1. Freiwillige und unfreiwillige Initiation

2.2. Aktive und passive Initiation

2.3. Decisive, tentative und uncompleted initiation

2.4. Denitiation, negative Identitätsfindung bzw. positive /negative Initiation

2.5. Mentoren und tempter figures

3. Initiationserlebnisse

3.1. Schauplätze der Initiation

3.2. Zeichen des Wandels

4. Initiation und Literaturgeschichte

4.1. Initiation in der US- amerikanischen Literatur

4.2. Initiation in der deutschen Literatur

Teil II: Popliteratur zur Jahrtausendwende

1. Was ist Pop? Definitionsansätze zu Pop, Popliteratur und Pop-Roman

2. Themen popliterarischer Texte

3. Popliteratur am Ende des Jahrtausends – verspätete Initiationsgeschichten?

Teil III: Die ausgewählten Pop-Romane

1. Christian Kracht: Faserland

1.1. Autor und autobiografischer Gehalt des Textes

1.2. Inhaltsangabe

1.3. Orientierungslosigkeit: der Protagonist als `Suchender´

1.3.1. Identitätssuche

1.3.1.1. Die Namenlosigkeit des Protagonisten

1.3.1.2. Markenversessenheit

1.3.2. Bindungsprobleme

1.3.2.1. Das Verhältnis zu den Eltern

1.3.2.2. Die Unfähigkeit zur Freundschaft

1.3.3. Realitäts-, Zivilisations- und Weltflucht

1.3.3.1. Kindheitserinnerungen und Zukunftsträume

1.3.3.2. Alkohol und Erbrechen: von Reaktionen auf die Überflussgesellschaft

1.3.3.3. Abkehr vom `Fatherland´ und der Suizid

1.4. Faserland – ein Initiationstext?

2.Selim Özdogan: Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist

2.1. Autor und autobiografischer Gehalt des Textes

2.1.1. Özdogan und Migrationsliteratur

2.2. Inhaltsangabe

2.3. Zukunftsangst

2.3.1 Literatur als Refugium

2.3.2 Alkohol und Esther: von Mitteln der Betäubung

2.3.2.1. Sex

2.4. Verlustängste

2.4.1. Freundschaft

2.4.1.1. Suizid und Gewalt

2.4.1.2. Desillusionierung und Isolation

2.5. Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist – ein Initiationstext?

3. Benjamin von Stuckrad-Barre: Soloalbum

3.1. Autor und autobiografischer Gehalt des Textes

3.2. Inhaltsangabe

3.3. Einsamkeit

3.3.1. Ende einer Liebesbeziehung

3.3.2. Alkohol und Musik: von Spendern des Trostes

3.3.3. Ironie und Indifferenz als Resultat des Alleinseins

3.4. Soloalbum – ein Initiationstext?

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Magisterarbeit untersucht, ob der deutschsprachige Pop-Roman der Jahrtausendwende als Initiationstext verstanden werden kann. Im Zentrum steht die Frage, ob und wie sich das Thema der Initiation in ausgewählten Werken der jüngeren deutschen Popliteratur widerspiegelt, wobei die Protagonisten als "Post-Adoleszente" betrachtet werden, die Reifeprozesse verspätet nachholen.

  • Thematisierung von Identitäts- und Sinnsuche in der Popliteratur.
  • Untersuchung der Reifeprozesse bei Protagonisten in Kracht, Özdogan und Stuckrad-Barre.
  • Analyse des "Pop-Begriffs" und dessen Abgrenzung zu klassischen Gattungen wie Bildungs- und Adoleszenzroman.
  • Vergleichende Einordnung der Texte in den Kontext US-amerikanischer Initiationstexte.
  • Diskussion über "verspätete Initiationsgeschichten" und das Phänomen der "Früherwachsenheit".

Auszug aus dem Buch

1. Initiation – einige Definitionsansätze

Der Begriff Initiation wird nicht nur in der Literaturwissenschaft benutzt, sondern unter anderem auch in den Feldern der Anthropologie, Mythologie und Religion. Im Deutschen ist Initiation hauptsächlich als ein Fremdwort innerhalb der vergleichenden Religionswissenschaft und der Anthropologie bekannt; im angelsächsischen und romanischen Sprachraum ist es dagegen ein normal verwendetes Substantiv, das Vorgänge wie `Einführung´ oder auch `Einleitung´ bezeichnet. Ethnologen, Anthropologen, Theologen, Soziologen und auch Psychologen mögen sich sicher sein, was, zumindest innerhalb ihres Bereiches, mit dem Wort Initiation bezeichnet werden soll; innerhalb der literaturwissenschaftlichen Forschung differieren die Definitionen jedoch. Es erscheint daher sinnvoll, sich erst einmal mit dem Ursprung des Wortes und seinen Bedeutungen zu befassen. Der Terminus Initiation kommt vom lateinischen initium (= `Anfang´) und bedeutet soviel wie Einführung in ein Wissensgut, Einweihung in eine Wissenschaft bzw. Einweihung als Segnung oder Ordinierung. Im profanen Bereich meint Initiation eine Einführung in etwas Neues.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Initiation in der Popliteratur ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob deutschsprachige Pop-Romane der Jahrtausendwende als Initiationstexte gelesen werden können.

Teil I: Die Initiationsthematik in der Literatur: Dieser Teil erarbeitet theoretische Grundlagen, definiert den Begriff der Initiation, stellt Kriterien zur Typisierung auf und beleuchtet die Initiation in der Literaturgeschichte.

Teil II: Popliteratur zur Jahrtausendwende: Das Kapitel definiert den Begriff "Pop", untersucht die Themen popliterarischer Texte und hinterfragt, ob diese eine "verspätete Initiationsgeschichte" darstellen.

Teil III: Die ausgewählten Pop-Romane: Hier erfolgt die konkrete Textanalyse der Romane von Christian Kracht, Selim Özdogan und Benjamin von Stuckrad-Barre unter den erarbeiteten initiatorischen Aspekten.

Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen und bestätigt, dass die untersuchten Pop-Romane als Initiationstexte gelesen werden können, wobei die Initiationserfahrungen oft als "verspätet" zu deuten sind.

Schlüsselwörter

Initiation, Popliteratur, Adoleszenz, Identitätsfindung, Christian Kracht, Faserland, Selim Özdogan, Benjamin von Stuckrad-Barre, Soloalbum, Bildungsroman, Initiationstext, Reifeprozess, Post-Adoleszenz, Individuation, Sozialisation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob der deutschsprachige Pop-Roman der Jahrtausendwende initiatorische Züge aufweist und die Protagonisten somit als verspätete Initianden gelesen werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Adoleszenzphase, die Suche nach Identität, das Scheitern an gesellschaftlichen Normen, Bindungsprobleme und die Darstellung dieser Prozesse in der Popliteratur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob sich das Thema der Initiation in deutschsprachigen Pop-Romanen der Jahrtausendwende finden lässt und ob sie als solche verstanden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, basierend auf Definitionen und Kriterien zur Typisierung von Initiationen, unter anderem von Peter Freese und Mordecai Marcus, die auf drei ausgewählte Pop-Romane angewendet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Initiation, eine definitorische Klärung der Popliteratur und eine detaillierte Textanalyse der Romane von Kracht, Özdogan und Stuckrad-Barre.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Initiation, Popliteratur, Adoleszenz, Identitätsfindung und Reifeprozess charakterisieren.

Warum werden gerade diese drei Autoren ausgewählt?

Kracht, Özdogan und Stuckrad-Barre werden ausgewählt, da ihre Romane als exemplarisch für die deutschsprachige Popliteratur der 1990er Jahre gelten und sich ihre männlichen Protagonisten in vergleichbaren Lebensphasen befinden, was einen repräsentativen Vergleich ermöglicht.

Was unterscheidet den deutschen Pop-Roman vom klassischen Bildungsroman?

Während der klassische Bildungsroman oft auf ein harmonisches Ende und eine Integration in die Gesellschaft hinarbeitet, zeigen Pop-Romane meist einen "Post-Adoleszenten", der an einer desillusionierenden Realität scheitert und oft keine klare soziale Integration erfährt.

Ende der Leseprobe aus 180 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Initiationsthematik im deutschsprachigen Pop-Roman der Jahrtausendwende
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Note
1,0
Autor
M.A. Nicole Gast (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
180
Katalognummer
V91065
ISBN (eBook)
9783638039802
ISBN (Buch)
9783638936477
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Initiationsthematik Pop-Roman Jahrtausendwende Initiation Faserland Soloalbum Christian Kracht Benjamin von Stuckrad-Barre Es ist so einsam im Sattel Popliteratur Pop-Literatur amerikanische Gegenwartliteratur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Nicole Gast (Autor:in), 2007, Die Initiationsthematik im deutschsprachigen Pop-Roman der Jahrtausendwende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91065
Blick ins Buch
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