"Return On"-Kennzahlen. Beschreibung, Berechnung sowie Eignung zur Unternehmenssteuerung


Bachelorarbeit, 2019

81 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Formelverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel des Projektes
1.2 Ablauf der Arbeit

2 Kennzahlen und Jahresabschluss
2.1 Grundlegende Informationen zu Kennzahlen
2.1.1 Begriffsbestimmung, Funktionen und Zielevon Kennzahlen
2.1.2 Unternehmenssteuerung mit Kennzahlen
2.1.3 Arten von Kennzahlen
2.1.3.1 Statistische Differenzierung
2.1.3.2 Differenzierung nach der Zielsetzung, Erfolgswirksamkeit & Objektbezug
2.1.4 Risiken und Nachteile von Kennzahlen
2.1.5 Traditionelle Kennzahlensystemezur Unternehmenssteuerung
2.2 Bilanzanalyse
2.2.1 Aufbau der Bilanz und des Gewinn-& Verlustkontos
2.2.2 Gewinn-& Verlustrechnung
2.3 Visualisierung von Kennzahlen

3 Beschreibung und Berechnung von „Return on“ Kennzahlen
3.1 Traditionelle „Return on“ Kennzahlen
3.1.1 Return on Assets (ROA) & Return on Fixed Assets (ROFA)
3.1 .2 Return on Investment (ROI)
3.1.3 Return on Equity (ROE)
3.1.4 Returnon Sales (ROS)
3.2 Erweiterte „Return on“ Kennzahlen
3.2.1 Return on Net Assets (RONA)
3.2.2 Return on invested Capital (ROIC)
3.2.3 Return on Capital Employed (ROCE)
3.3 Cash Flow Return on Investment (CFROI)
3.4 Risk Adjusted Profitability MeasurementKennzahlen
3.5 Zusammenfassung aller „Return on“ Kennzahlen

4 Fallstudie -Bilanzanalyse der fiktiven XYZ AG
4.1 Bilanz und Gewinn-& Verlustrechnung der XYZ AG
4.2 Absolute Kennzahlen zur Ermittlung der „Return on“ Kennzahlen
4.3 Berechnung und Interpretation der „Return on“ Kennzahlen

5 Eignung vonKennzahlen& Kennzahlensysteme zur Unternehmenssteuerung
5.1 Eignung der Return on Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung
5.2 Eignung des ROA & des ROI zur Unternehmenssteuerung
5.3 Eignung des ROE zur Unternehmenssteuerung
5.4 Eignung des ROS zur Unternehmenssteuerung
5.5 Eignung des ROCE/RONA & des ROIC zur Unternehmenssteuerung
5.6 Eignung des CFROI zur Unternehmenssteuerung

6 Fazit
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ansätze für weitere wissenschaftliche Arbeiten

Quellenverzeichnis

Zusammenfassung

Um die Ertragskraft einer Unternehmung beurteilen zu können, werden auf Rentabilitätskenn­zahlen zugegriffen. In der Literatur existieren verschiedene Meinungen darüber, welche Ren­tabilitätskennzahlen sich für die Unternehmenssteuerung am besten eignen. Return on Kenn­zahlen bilden bestimmte Rentabilitätskennzahlen ab, die es im Rahmen dieser Arbeit, auf ihre Eignung zur Unternehmenssteuerung, zu untersuchen gilt.

Im Verlauf dieser Arbeit werden Return on Kennzahlen mithilfe einer Literaturrecherche be­schrieben und anhand eines rechnerischen Fallbeispiels eines fiktiven Unternehmens durch­gerechnet und interpretiert. Anschließend werden die Kennzahlen auf ihre Eignung zur Unter­nehmenssteuerung untersucht.

Diese Arbeit verdeutlicht, dass eine reine Betrachtung traditioneller Kennzahlen, Fragen be­züglich bestimmter Sachverhalte im Unternehmen nicht beantworten kann, sodass erweiterte Return on Kennzahlen zur Beurteilung bestimmter Sachverhalte herangezogen werden müs­sen. Auch der CFROI besitzt gegenüber traditioneller Kennzahlen gewisse Vorteile, die in die­ser Arbeit analysiert werden.

Abstract

In order to be able to evaluate the profitability of a company, profitability ratios are getting accessed. There are different opinions in the literature about which profitability ratios are best suited for corporate management. Return on ratios represent certain profitability indicators, which must be examined in the context of this work on their suitability for corporate manage­ment.

In the course of this work, return on ratios are described using a literature search and calcu­lated and interpreted using a mathematical case study of a fictitious company. The key figures are then examined for their suitability for corporate management.

This work makes it clear that a pure examination of traditional key figures cannot answer ques­tions about certain situations in the company, so that extended return on key figures must be used to assess certain situations. CFROI also has certain advantages over traditional ratios, which are analysed in this work.

Abkürzungsverzeichnis

Abb Abbildung

bzw beziehungsweise

BIB Bruttoinvestitionsbasis

CAPM Capital Assets Pricing Model

CFROI Cash Flow Return on Investment

EBIT Earnings before Interest and Taxes

EBT Earnings before Taxes

EK Eigenkapital

EVA Economic Value Added

FK Fremdkapital

GKV Gesamatkostenverfahren

GuV Gewinn- und Verlust

HGB Handelsgesetzbuch

Hrsg Herausgeber

IFRS International Financial Reporting Standards

KEK Eigenkapitalkosten

KFK Fremdkapitalkosten

n.. Nutzungsdauer

NOPAT Net Operating Profit after Taxes

RAPM Risk Adjusted Profitibility Measurement

RAROC Risk Adjusted Return on Capital

ROA Return on Assets

ROACE Return on Average Capital Employed

ROCE Return on Capital Employed

ROE Return on Equity

ROFA Return on Fixed Assets

ROI Return on Investment

ROIC Return on Invested Capital

RONA Return on Net Assets

ROS Return on Sales

UKV Umsatzkostenverfahren

WACC Weighted Average Cost of Capital

z.B. zum Beispiel

ZVEI Zentralverband der elektronischen Industrie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Statische Differenzierung von Kennzahlen

Abbildung 2: Return on Investment Kennzahlensystem

Abbildung 3: ZVEI-Kennzahlensystem

Abbildung 4: „Säulendiagramm“

Abbildung 5: „Kreisdiagramm"

Abbildung 6: Cash Flow Return on Investment (CFROI)

Abbildung 7: Vergleich absoluter Kennzahlen der XYZ AG (2014-2018)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispiel Preisindex 2015 - 2019

Tabelle 2: Bilanz für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften (HGB)

Tabelle 3: Bestandskonto: Zugänge und Abgänge

Tabelle 4: Buchungen auf das Schlussbilanzkonto

Tabelle 5: Buchungen auf das GuV-Konto

Tabelle 6: Gewinn- und Verlustrechnung (HGB)

Tabelle 7: Positiver Leverage-Effekt

Tabelle 8: Negativer Leverage-Effekt

Tabelle 9: Neutraler Leverage-Effekt

Tabelle 10: Zusammenfassung der betrachteten Return on Kennzahlen

Tabelle 11: Bilanz der XYZ AG AKTIVA

Tabelle 12: Bilanz der XYZ AG PASSIVA

Tabelle 13: Gewinn- und Verlustrechnung der XYZ AG

Tabelle 14: EBIT der XYZ AG

Tabelle 15: NOPAT der XYZ AG

Tabelle 16: Net Assets der XYZ AG

Tabelle 17: Brutto-Cash-Flow der XYZ AG

Tabelle 18: Bruttoinvestitionsbasis der XYZ AG

Tabelle 19: Innerbetrieblicher Kennzahlenvergleich (2014 - 2018)

Formelverzeichnis

Formel 1: Gliederungskennzahl

Formel 2: Fixkostenanteil

Formel 3: Materialkostenanteil

Formel 4: Beziehungszahl

Formel 5: Umsatz je beschäftigte Person innerhalb einer Periode

Formel 6: Preisindex

Formel 7: Return on Assets (ROA)

Formel 8: Durchschnittliches Gesamtkapital

Formel 9: Gesamtkapitalrentabilität

Formel 10: Return on Fixed Assets (ROFA)

Formel 11: Return on Investment (ROI) - Enge Fassung/Weite Fassung

Formel 12: Return on Investment (ROI)

Formel 13: Return on Equity (ROE)

Formel 14: Return on Sales (ROS)

Formel 15: Return on Net Assets (RONA)

Formel 16: Return on invested Capital (ROIC)

Formel 17: Weighted Average Cost of Capital (WACC)

Formel 18: Eigenkapitalkostensatz

Formel 19: Return on Capital Employed (ROCE) & (ROACE)

Formel 20: ROCE-Spread

Formel 21: Cash Flow Return on Investment (CFROI) nach der Internen Zinsfußmethode

Formel 22: Cash Flow Return on Investment (CFROI) in vereinfachter Form

Formel 23: Ökonomische Abschreibung

Formel 24: Durchschnittliche Nutzungsdauer „n“

Formel 25: Cash Flow Return on Investment (CFROI) vollständig

Formel 26: Return on Risk Adjusted Capital (RORAC)

Formel 27: Risk Adjusted Return on Capital (RAROC)

Formel 28: ROE-Aufteilung

Formel 29: EBIT-Marge

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

„Miss alles, was sich messen lässt und mach alles messbar, was sich nicht messen lässt.“

Mit diesem Zitat macht der Mathematiker Archimedes (287 v. Chr. - 212 n. Chr.) deutlich, welche Bedeutung die Transformation von Sachverhalten in Zahlen besitzt. Der zweite Teil dieses Zitates kann auf Unternehmenserfolge bezogen werden, welche erst dann messbar werden, wenn bestimmte, absolute Kennzahlen ins Verhältnis zueinander gesetzt werden.

Kennzahlen sind essenzielle Werkzeuge für das Controlling im Unternehmen. Sie sind ein unverzichtbares unternehmerisches Führungsinstrument, um Zusammenhänge im Unterneh­men sichtbar- und Schwachstellen kenntlich zu machen. Außerdem setzen Sie Maßstäbe, üben Erfolgskontrollfunktionen aus und dienen zur Umsetzung der Unternehmensziele in kon­krete Zielvorgaben.1

Es existieren eine Fülle von Kennzahlen, welche in unterschiedlichen Bereichen einer Unter­nehmung Anwendung finden. Diese unterscheiden sich sowohl in ihrer statischen Beschaffen­heit als auch in ihrer jeweiligen Zielrichtung, ihrer Erfolgswirksamkeit und ihrem Objektbezug. Heutzutage werden jegliche Zahlen undifferenziert als Kennzahlen bezeichnet, obwohl diese weder einen logischen Zusammenhang zur Beurteilung der wirtschaftlichen Situationen im Un­ternehmen beinhalten noch einen Ansatz darstellen, um die Erhaltung eines Unternehmens abzusichern.2 STÄHLE spricht in seinen Ausführungen von einer Fülle von Quantität und feh­lender Qualität.3

Um einen Überblick über die wesentlichen Sachverhalte im Unternehmen beizubehalten, sollte sich die Unternehmenssteuerung auf ausgewählte Kennzahlen beschränken und Zusammen­hänge zu anderen Kennzahlen in Form eines Kennzahlensystems herstellen.

Rentabilitätskennzahlen, welche sich größtenteils mit den Daten der Jahresabschlussanalyse ermitteln lassen, eignen sich besonders, um die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens beurteilen zu können. Teilweise werden diese auch als Spitzenkennzahlen von Kennzahlen­systemen benutzt. Im englischsprachigem Raum werden die meisten Rentabilitätskennzahlen mit „Return on“ versehen. In der Literatur besteht kein einheitlicher Konsens darüber, welche Formel bei welcher Return on Kennzahl angewendet wird.

In dieser Arbeit werden Return on Kennzahlen in ihren unterschiedlichen Ausführungen, zu­sammen mit ihren Formeln beschrieben und auf ihre Eignung zur Unternehmenssteuerung untersucht. Hierauf bezogen lautet die zentrale Frage dieser Arbeit:

Welche Return on Kennzahlen existieren und inwiefern eignen sich diese zur Unternehmens­steuerung?

Hierzu sollen alle „Return on“ Kennzahlen zusammen mit ihren Formeln, Berechnungen und Informationen aufgeführt- und anschließend mit weiteren Kennzahlen im Bereich der Ertrags­lage verglichen werden, um zum Schluss entscheiden zu können, für welche Funktionen die jeweiligen Kennzahlen in der Unternehmenssteuerung in Betracht gezogen werden können. Dieser Vergleich soll hauptsächlich dazu dienen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwi­schen deutschen und englischen Kennzahlen zu verdeutlichen. Um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit Zahlen belegen zu können, werden alle Kennzahlen anhand eines Fallbei­spiels durchgerechnet.

1.2 Aufbau der Arbeit

Kapitel 1 dieser Arbeit soll einen Einstieg in die Thematik der Return on Kennzahlen ermögli­chen. Die im ersten Kapitel aufgestellte Forschungsfrage, gilt es im Verlauf dieser Arbeit zu beantworten.

Kapitel 2 beinhaltet theoretische Grundinformationen zu Kennzahlen und der Jahresab­schlussanalyse. Um die aktuelle, wirtschaftliche Lage eines Unternehmens beurteilen zu kön­nen, wird eine Bilanzanalyse durchgeführt. Mithilfe der Bilanzanalyse werden entscheidungs­relevante Informationen bereitgestellt, die zur Berechnung von Rentabilitätskennzahlen benö­tigt werden. Dem Leser soll ein Bild davon verschafft werden, welche Eigenschaften Kennzah­len besitzen und worauf zugegriffen werden muss, um Informationen für die Berechnung von Return on Kennzahlen zu erhalten.

In Kapitel 3 erfolgt die tiefgehende Beschreibung der Return on Kennzahlen gemeinsam mit ihren jeweiligen Formeln. Dies geschieht auf Basis der, im vorherigen Kapitel aufgelisteten Bilanz- und GuV-Größen und weiteren Größen, welche im Verlauf des dritten Kapitels eben­falls erklärt werden. Dieser Abschnitt beinhaltet somit alle Informationen zur weiteren Bearbei­tung der Arbeit.

Bezugnehmend auf Kapitel 3 werden nun in Kapitel 4 alle beschrieben Kennzahlen in einer fiktiven Fallstudie, anhand einer Bilanzanalyse durchgerechnet und interpretiert.

Darauf aufbauend werden die Return on Kennzahlen in Kapitel 5 auf ihre Eignung zur Unter­nehmenssteuerung überprüft. Mit diesem Teil der Arbeit soll die Forschungsfrage vollständig beantwortet werden.

Kapitel 6 stellt das letzte Kapitel dieser Arbeit dar. In diesem Kapitel werden die Erkenntnisse aus den vorherigen Kapiteln zusammengefasst und die Arbeit abgeschlossen.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Grundlegende Informationen zu Kennzahlen

2.1.1 Begriffsbestimmung, Funktionen und Ziele von Kennzahlen

Kennzahlen werden im weiteren Sinne als Instrumente und Informationen betrachtet, welche sich für die jeweils zur Kennzahl passenden Bedürfnisse der Unternehmenssteuerung und Unternehmensanalyse eignen. Im engeren Sinne lassen sich Kennzahlen in absolute und re­lative Zahlen einteilen, die bestimmte Sachverhalte im Unternehmen zahlenmäßig beschrei­ben können.4 Sie werden benötigt, um aus einer Fülle von Informationen, die wesentlichen und relevanten Informationen zu extrahieren, eine objektive Darstellung der Unternehmenssi­tuation zu erstellen und Maßstäbe zu setzen. Für die Unternehmenssteuerung sind Kennzah­len Analyseinstrumente von elementarer Bedeutung und wichtig, um Schwachstellen rechtzei­tig zu erkennen.5

Als Synonyme werden die Begriffe „Kennziffern“, „Kontrollzahlen“, „Kontrollziffern“, „Messzif­fern“, „Messzahlen“, „Ratios“, „Richtzahlen“, „Schlüsselgrößen“ und „Schlüsselzahlen“ ver- wendet.6 Die Relevanz von Kennzahlen für die Unternehmenssteuerung, wird anhand der ge­nannten Begrifflichkeiten nochmals verdeutlicht.

„In der unternehmerischen Praxis lässt sich die Verwendung einer Vielzahl von Kennzahlen und Kennzahlensystemen beobachten, wobei ein einheitliches Konzept zur angemessenen Abbildung des Unternehmenserfolgs fehlt.“7 Der Erfolg der angewendeten Kennzahlen hängt somit davon ab, ob die jeweilige Kennzahl zum Unternehmen passt. Kennzahlensysteme müs­sen somit optimal auf das Unternehmen zugeschnitten sein, damit diese zur Steuerung im Unternehmen verwendet werden können. Folglich sind Kennzahlen abhängig vom Unterneh­men, der Strategie und von äußerlichen Faktoren.8

Besonders für die Führungsebene werden Kennzahlen zur Vereinfachung komplexer Sach­verhalte verwendet. Es wird auch von einer „Verdichtung der Informationen“ gesprochen.9 „Kennzahlen sind grundsätzlich nicht dazu geeignet, Probleme zu lösen. Die Verwendung von Kennzahlen dient vielmehr dazu, betriebswirtschaftlich relevante Fragen zu stellen: Was än­dert sich wann, warum und in welcher Höhe.“10 Der eigentliche Sinn von Kennzahlen besteht somit darin, Vergleiche zwischen den Kennzahlen aufzustellen, da nur so ökonomische Aus­sagen getroffen werden können.

Diese Vergliche erstrecken sich auf drei mögliche Dimensionen. Der Perioden- oder Zeitver­gleich, der Betriebsvergleich und der Soll-/Ist-Vergleich. Beim Perioden- oder Zeitvergleich handelt es sich um den Vergleich verschiedener Geschäftsperioden.11 Der Zeitvergleich stellt identische Sachverhalte innerhalb eines Unternehmens, über unterschiedliche Perioden ge­genüber. Beispielsweise kann die Gesamtkapitalrentabilität des Geschäftsjahres mit der Ge­samtkapitalrentabilität der Vorjahre verglichen werden. Dies ermöglicht, dass die wirtschaftli­che Situation im Unternehmen klargestellt wird, Erkenntnisse über die Entwicklung des Unter­nehmens gewonnen werden und dass negative Entwicklungen früh erkannt und präventiv un­terbunden werden können.12

Der Betriebsvergleich stellt einen Vergleich zwischen unterschiedlichen Unterneh- men/Branchen auf. Beim Soll-/Ist-Vergleich dagegen, werden Planwerte mit den tatsächlichen Ist-Werten verglichen.13 Das Ziel eines Soll-/Ist-Vergleiches ist es, durch das Erkennen von eingetretenen oder vorhersehbaren Abweichungen, welche die Zielerreichung beeinflussen können, geeignete Maßnahmen zur Beseitigung dieser Abweichungen zu finden.14

2.1.2 Unternehmenssteuerung mit Kennzahlen

Um ein Unternehmen steuern und organisieren zu können, bedarf es an passenden Messin­strumenten. Kennzahlen haben hierbei die Funktion, alle Aktivitäten im Unternehmen mit Zah­len kenntlich zu machen und zu bewerten. Dadurch entsteht ein messbarer Erfolg, welcher mit dem Erfolg von vergangenen Jahren bzw. mit dem Erfolg anderer Unternehmen verglichen werden kann.15

WEBER differenziert zwischen den fünf nachfolgenden Funktionen von Kennzahlen.16

Informationsfunktion

Die Informationsfunktion ist eine zentrale Funktion von Kennzahlen. Sowohl für die interne- als auch für externe Betrachtung haben Kennzahlen eine informative Funktion und vermitteln zweckorientiertes Wissen, um Entscheidungen für unterschiedliche Sachverhalte treffen zu können. Diese Informationsaufgabe kann durch Kennzahlenvergleiche erfüllt werden. Kenn­zahlenvergleiche können sowohl innerbetrieblich als auch zwischenbetrieblich stattfinden. Dies geschieht mit Ist-Ist-Vergleichen (Periodenvergleich), oder Soll-Ist-Vergleichen. Während bei innerbetrieblichen Vergleichen sowohl Verhältniskennzahlen als auch absolute Kennzah­len verglichen werden, werden bei zwischenbetrieblichen Vergleichen überwiegend Verhält­niskennzahlen verwendet. Eine Kontrolle anhand von innerbetrieblichen Vergleichen, kann mithilfe von Plan- bzw. Soll-Ist-Vergleichen durchgeführt werden.17

Operationalisierungsfunktion

Mithilfe von Kennzahlen lassen sich konkrete Ziele und Leistungen operationalisieren und so­mit messbar machen. Das heißt, dass Kennzahlen Unternehmensziele mit Zahlen untermau­ern können.

Anregungsfunktion

Kennzahlen sorgen dafür, dass bei laufenden Prozessen und Sachverhalten frühzeitig auf Auf­fälligkeiten und Veränderungen aufmerksam gemacht wird, sodass diese anhand der verdich­teten Informationen schnell erkannt werden. Folglich kann die Reaktionszeit auf kritische Ver­änderungen verkürzt- und der rechtzeitige Eingriff in die laufenden Prozesse ermöglicht wer­den.

Vorgabefunktion

Mit der Vorgabefunktion setzen Kennzahlen zahlentechnische Maßstäbe für die Teilbereiche des Unternehmens bzw. für das gesamte Unternehmen, indem die operationalisierten Ziele in jedem Unternehmensbereich individuell festgelegt werden. Diese dienen dann jeweils als Richtwerte der einzelnen Unternehmensbereiche.

Steuerungs- & Kontrollfunktion

Durch die Erfassung von Soll-Ist-Vergleichen mithilfe von Kennzahlen, können Effektivitäts­und Effizienzbewertungen durchgeführt werden, sodass Kennzahlen einen Kontrollcharakter erhalten. In der Unternehmensführung können Kennzahlen somit zur Entscheidungshilfe her­angezogen werden.

2.1.3 Arten von Kennzahlen

Die Differenzierung von Kennzahlen geschieht in vier verschiedenen Arten. Hierzu gehört die Statische Differenzierung, die Differenzierung nach der Zielerreichung, die Differenzierung nach der Erfolgswirksamkeit und die Differenzierung nach dem Objektbezug.18

2.1.3.1 Statistische Differenzierung

Abbildung 1 zeigt, wie die Statische Differenzierung Kennzahlen in absolute- und relative Kennzahlen klassifiziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Statische Differenzierung von Kennzahlen19

Wenn eine Zahl unabhängig von anderen Zahlen betrachtet werden kann, handelt es sich um eine absolute Kennzahl. Bei absoluten Kennzahlen finden keine Relativierungen zwischen zwei Kennzahlen statt, sodass ihre Bedeutung nur durch einen Vergleich zwischen absoluten Kennzahlen untereinander verdeutlicht werden kann.19 20 Da absolute Kennzahlen ohne diesen untereinander stattfindenden Vergleich kaum Aussagekraft besitzen, erkennen viele Autoren absolute Zahlen nicht als Kennzahlen an.21 Wie man Abb. 1 entnehmen kann lassen sich ab­solute Zahlen in Einzelzahlen (z.B. Umsatz), Summen (z.B. Summe der Gesamtkosten, Bi­lanzsumme), Differenzen (z.B. Betriebsergebnis als Differenz von Kosten und Leistungen) und Mittelwerte (z.B. durchschnittlicher Lagerbestand) gliedern.

Neben der Einteilung in Einzelzahlen, Summen, Differenzen und Mittelwerten können absolute Kennzahlen in Bestandszahlen und Bewegungszahlen eingeteilt werden. Bestandszahlen ge­ben Informationen über bestimmte Zustände zu bestimmten Zeitpunkten oder durchschnittli­che Zustände für einen Zeitraum. Als Beispiele können hierbei Auftragsbestände, Lagerbe­stände, Personalbestand und Kapitaleinsatz genannt werden. Im Gegensatz zu Bestandszah­len, zeigen Bewegungszahlen Ereignisse eines Zeitraums auf. Beispiele hierfür wären Um­sätze des Monats, Deckungsbeiträge, Vertriebskosten etc.22

Bei Verhältniszahlen handelt es sich um zwei Zahlen, welche in Verhältnis zueinander stehen. Das Ergebnis hiervon ist eine Prozentzahl oder wird in einem Faktor zum Ausdruck gebracht.23 Die Beziehungsgröße steht dabei im Zähler und die Bezugsgrundlage im Nenner (z.B. Teil­masse im Bezug zur Gesamtmasse). Somit kann eine Zahl anhand einer anderen Zahl ge­messen werden. Zu den Verhältniszahlen gehören Gliederungszahlen, Beziehungszahlen und Messzahlen (Indexzahlen).24

Um Gliederungszahlen zu erhalten, muss eine Gesamtgröße in einzelne Teilgrößen aufgeteilt werden. Durch das Verhältnis einer Teilgröße zur Gesamtgröße, wird die Gliederungszahl er- mittelt.25 Das Kreisdiagramm eignet sich als ein besonders gutes Hilfsmittel, um Gliederungs­zahlen zu visualisieren.26

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beziehungszahlen entstehen hingegen dadurch, dass eine Teilmenge zu einer anderen Teil­menge in Relation gesetzt wird. Zwischen diesen Teilmengen besteht ein sachlicher Zusam­menhang und im Gegensatz zur Gliederungszahl, stellt keine dieser Teilmengen eine überge­ordnete Größe dar.27 Damit Beziehungszahlen bedeutsam und aussagefähig sind, müssen die ins Verhältnis gesetzten absoluten Kennzahlen passend zur Sachlage gewählt sein und zeit­lich miteinander in Verbindung stehen.28

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Gegensatz zu Gliederungs- und Beziehungszahlen, werden bei Indexzahlen Zeitfaktoren berücksichtigt, sodass verschiedene Zeiten/Perioden ins Verhältnis zueinander gesetzt wer­den. Dadurch sollen Entwicklungen über einen Zeitablauf verdeutlicht werden. Gleichartige Größen werden somit über bestimmte Zeiträume in Beziehung zueinander gesetzt.29 30 Es wird ein bestimmter Zeitpunkt/Zeitraum ausgewählt, welcher als Basis gilt. Zu diesem Zeit- punkt/Zeitraum wird die „Basiszahl“ mit 100 angesetzt. Alle weiteren Zahlen verschiedener Zeitpunkte/Zeiträume werden auf diese Basiszahl bezogen. Tabelle 1 verdeutlicht beispielhaft, wie ein sogenannter Preisindex zustande kommt. Die Preise der verschiedenen Jahre werden mit dem Preis im Jahr 2015 ins Verhältnis gesetzt, welcher folglich als Basispreis gilt.

Beispiel für Indexzahlen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Beispiel Preisindex 2015 - 201930

2.1.3.2 Differenzierung nach der Zielrichtung, der Erfolgswirksamkeit und dem Objektbezug

Differenzierung nach der Zielrichtung

Die Zielrichtung der Kennzahlen lässt sich in Erfolgs-, Liquiditäts- und Wertsteigerungskenn­zahlen differenzieren. Zu den Erfolgskennzahlen zählen hierbei alle Renditekennzahlen, wel­che im Verlaufe dieser Arbeit genauer analysiert werden. Unter anderem fallen hierunter tra­ditionelle Erfolgsgrößen wie die Umsatzrentabilität, die Eigenkapitalrentabilität und die Ge­samtkapitalrentabilität. Aufgrund der Allgemeinheit traditioneller Kennzahlen, gewinnen spezi­ellere Kennzahlen wie der Return on Capital Employed oder der Return on invested Capital immer mehr an Bedeutung. Anhand des Einsatzes von Ertragsgrößen wie dem EBIT, ermög­lichen diese Kennzahlen die Ermittlung des operativen Geschäftserfolges, weil Fremdkapital­zinsen und Steuern mithilfe des EBITs bereinigt werden.31

Liquiditätskennzahlen zielen darauf ab, die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens herauszu­finden. Dabei werden bestimmte Vermögensposten auf der Aktivseite der Bilanz, mit Kapital­posten auf der Passivseite der Bilanz in Relation gesetzt. Im Gegensatz zu Liquiditätskenn­zahlen messen Wertsteigerungskennzahlen den Marktwert der Unternehmung. Die bedeut- samste Wertsteigerungskennzahl ist der Economic Value Added (EVA), welcher den betrieb­lichen Übergewinn misst. Folglich bedeutet ein positiver EVA Wert, dass der Unternehmens­wert gesteigert wurde.32

Differenzierung nach der Erfolgswirksamkeit

Sachverhalte im Unternehmen, welche mithilfe von Kennzahlen untersucht werden, können langfristig oder kurzfristig erfolgswirksam sein. Strategische Kennzahlen weisen eine hohe Er­folgswirksamkeit auf, sind langfristig ausgerichtet und werden auch als Effektivitätskennzahlen bezeichnet. Außerdem wird die Bezeichnung Key-Performance-Indicators (Schlüsselkennzah­len) mit strategischen Kennzahlen in Verbindung gebracht. Demgegenüber werden operative Kennzahlen als Effizienzkennzahlen bezeichnet.33 „Operative Kennzahlen beziehen sich häu­fig auf das Halten eine Niveaus, sind also eher statische Größen.“34

Differenzierung nach dem Objektbezug

Die Differenzierung nach dem Objektbezug kategorisiert Kennzahlen in Leistungs- und Kos­tenkennzahlen. Leistungskennzahlen beziehen sich dabei auf die Einhaltung zeitlicher und qualitativer Vorgaben. Kostenkennzahlen beziehen sich auf anfallende Kosten wie z.B. Pro­zesskosten, Qualitätskosten oder Distributionskosten.35

2.1.4 Risiken und Nachteile von Kennzahlen

Im folgenden Kapitel sollen die Grenzen von einzelnen Kennzahlen aufgegriffen werden und Maßnahmen beschrieben werden, um dagegen vorzugehen.

Aufgrund ihrer komprimierten und verdichteten Form haben Kennzahlen den Anschein, kom­plexe und umfangreiche Sachverhalte kurz, präzise und prägnant darzustellen. Jedoch warnt STÄHLE in seinen Ausführungen vor einer kompletten Verlässlichkeit auf einzelne Kennzah­len. Er kritisiert unter Anderem, dass eine Fülle von Kennzahlen existieren, welche qualitativ wenig Aussagewert besitzen. Gefährlich wird es demnach, wenn nur eine quantitative Kenn­zahl zur Beschreibung eines Sachverhaltes vorliegt. Aus diesem Grund sollte beachtet wer­den, dass aus der falschen Gewinnung und Nutzung von Kennzahlen, gravierende Fehlent­scheidungen resultieren können.36

Bei der Arbeit mit Kennzahlen können unterschiedliche Fehlerquellen existieren. Folgende Fehlerquellen werden von STÄHLE aufgegriffen37:

- Fasche Aufstellung der Kennzahl aufgrund von falschen Überlegungen bezüglich der Kennzahl und aufgrund von falschen Aufstellungsmethoden.
- Die fehlende Aktualität: Eine Kennzahl, die zwar richtig aufgestellt wurde, jedoch zeit­lich überholt ist und im Bezug zum aktuellen Zeitpunkt unpassend gewählt wird.
- Eine falsche Interpretation der Kennzahl.

Bei einer Betrachtung von unternehmensübergreifenden Vergleichen von Kennzahlen treten, neben den genannten Fehlerquellen, weitere Probleme auf. STÄHLE zählt in seinem Werk mehrere Faktoren auf. Im Folgenden werden einige dieser Faktoren aufgegriffen38:

- Unterschiedlicher Standort
- Unterschiedliche technische Ausrüstung
- Unterschiedliche Produktionstechnik
- Unterschiedliche Produktionstiefe
- Unterschiedliches Produktionsprogramm
- Unterschiedliche Betriebsgröße
- Unterschiedliche Finanzstruktur

Anhand der genannten Punkte kann die Schwierigkeit bei zwischenbetrieblichen Vergleichen erkannt werden, die beispielsweise aufgrund von einem unterschiedlichen Standort (unter­schiedliche Rechnungslegungen USGAAP bzw. HGB) entstehen.

Eine Kennzahlenanalyse kann somit nur dann sinnvoll sein, wenn mehrere, aufeinander bau­ende Kennzahlen gleichzeitig betrachtet werden. Außerdem müssen die aufgezählten Fakto- ren39 bei zwischenbetrieblichen Vergleichen berücksichtigt werden. Nach TAVASLI muss dem­nach eine Struktur vorhanden sein, welche die Wirkungen und Zusammenhänge der Kenn­zahlen eindeutig und verständlich darstellt.40 Somit kann der Übergang in das nächste Kapitel dieser Arbeit, der Kennzahlensysteme, stattfinden.

2.1.5 Traditionelle Kennzahlensysteme zur Unternehmenssteuerung

Die möglichen Risiken und Nachteile von einzelnen Kennzahlen wurden im vorherigen Kapitel aufgegriffen. „Einzelne Kennzahlen haben den Vorteil der Eindeutigkeit. Eindeutigkeit kann aber zu Einseitigkeit führen.“41 Anhand von einzelnen Kennzahlen werden die Ursachen, Be­ziehungen und Zusammenhänge zwischen einzelnen Kennzahlen nicht veranschaulicht. Um gegen eine isolierte Kennzahlenanalyse vorgehen zu können und Verwirrung und Intranspa­renz zu vermeiden, werden Kennzahlensysteme genutzt, welche mehrere Kennzahlen bein­halten, die in sinnvoller und sachlicher Beziehung zueinander stehen.42

Kennzahlensysteme besitzen meist eine Spitzenkennzahl, welche das gesamte Kennzahlen­system repräsentiert und von dem weitere Kennzahlen in einer logischen Anordnung abgelei­tet werden.43

Nach HORVATH lassen sich Kennzahlensysteme in zwei Erscheinungsformen einteilen. Die erste Erscheinungsform von Kennzahlensystemen sind Ordnungssysteme. Bei diesen Syste­men werden Kennzahlen bestimmten Sachverhalten zugewiesen (z.B. Absatzbereich der Un­ternehmung). Die zweite Erscheinungsform bilden die Rechensysteme ab, welche auf eine rechnerische Zerlegung von Kennzahlen abzielen und eine pyramidenartige, hierarchische Struktur besitzen. Die betriebswirtschaftlich wichtigste Aussage des Unternehmens soll in ver­dichteter Form anhand der Spitzenkennzahl präzisiert werden. Ergebnisgrößen werden dem­entsprechend oft als Spitzenkennzahl eingesetzt.44

Du Pont Kennzahlensystem

Eines der bekanntesten und bedeutsamsten, traditionellen Kennzahlensysteme, welches die Spitzenkennzahl Return on Investment (ROI) beinhaltet, ist das „Du Pont System of Financial Control“. Dieses Kennzahlensystem wurde im Jahre 1919 vom gleichnamigen Unternehmen „E. I. du Pont de Nemours and Company“ entwickelt und seitdem mehrmals verbessert.45 Ab­bildung 2 verdeutlicht den Aufbau des Du-Pont Kennzahlensystems.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Return on Investment Kennzahlensystem46

Der Return on Investment setzt sich aus dem Produkt der Umsatzrendite und des Kapitalum­schlags zusammen. In Bezug auf die Zerlegung der Spitzenkennzahl in die Komponenten Um­satzrendite und Kapitalumschlag, könnte der betriebswirtschaftliche Zusammenhang zunächst fraglich erscheinen. Durch diese Zerlegung können in den abgeleiteten Kennzahlen mögliche Ursachen und Stellschrauben ermittelt werden, um die Spitzenkennzahl Return on Investment zu erhöhen.

Die Umsatzrendite ergibt sich aus der Division des Gewinnes vor- oder nach Zinsen durch den Umsatz. Eine Erhöhung der Umsatzrendite kann beispielsweise durch die Erweiterung der Verkaufsgebiete bzw. durch eine bessere Preispolitik erreicht werden.46 47 Der Gewinn aus der nächsten Stufe des ROI-Baumes lässt sich ermitteln, indem die fixen Kosten von dem De­ckungsbeitrag subtrahiert werden.

Ein verringerter Kapitaleinsatz kann bei gleichbleibendem Umsatz zu einen erhöhten Kapital­umschlag und somit auch zu einer höheren Kapitalrendite/Return on Investment führen. Falls also das primäre Ziel eines Unternehmens die Steigerung des Kapitalwertes ist, wird dies durch die Reduzierung des eingesetzten Kapitals, bei gleichbleibendem Umsatz ermöglicht.48 Der Kapitalumschlag ergibt sich aus der Division des Umsatzes durch das Gesamtvermögen. Das Gesamtvermögen lässt sich nochmal aufteilen in Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Das Anlagevermögen beinhaltet alle Vermögensgegenstände im Unternehmen, die zur lang­fristigen Nutzung im benötigt werden. Im Gegensatz zum Anlagevermögen beinhaltet das Um- laufvermögen alle Vermögensgegenstände, die nur kurzfristig zum Verbrauch, zur Verarbei­tung oder zur Rückzahlung verwendet werden.49 Das Anlagevermögen lässt sich in immateri­elle Vermögensgegenstände (z.B. geleistete Anzahlungen), Sachanlagen und Finanzanlagen einteilen. Unter Sachanlagen fallen beispielsweise Maschinen und Anlagen, Grundstücke und Gebäude, Fahrzeuge, Geschäftsausstattungen usw. und unter Finanzanlagen fallen beispiels­weise Beteiligungen. Das Umlaufvermögen hingegen beinhaltet Vorräte (Roh-, Hilfs- und Be­triebsstoffe, Halb- und Fertigerzeugnisse etc.), Forderungen, Wertpapiere und Liquide Mittel.50 ZVEI-Kennzahlensystem

Das ZVEI-Kennzahlensystem ist ein im Jahr 1969, vom „Zentralverband der elektrotechni­schen Industrie e.V.“ (ZVEI), in Frankfurt am Main erstmalig veröffentlichtes System und ist in Deutschland weit verbreitet. Dieses System umfasst ca. 140 Einzelkennzahlen, welche das Ziel haben, Zielgrößen als Kennzahlen zu formulieren und diese dazu zu befähigen, Rentabi­litätsanalysen mit Zeit- und Betriebsvergleichen durchzuführen. Branchenneutralität ist ein Merkmal, dass auf die Kennzahlen im ZVEI-Kennzahlensystem zutrifft, weil alle Kennzahlen in diesem System auf weitere Bereiche im Unternehmen übertragen werden können.51

Das oberste Ziel dieses Systems ist die Ermittlung der Effizienz des Unternehmens52, welches sich in zwei zentrale Ziele einteilen lässt, die das ZVEI-Kennzahlensystem verfolgt. Zum einen soll das System als Planungsinstrument dienen, das durch Plangrößen unternehmerische Ziele zahlentechnisch untermauert und zum anderen soll es mithilfe von Zeit- und Betriebsver­gleichen als Analyseinstrument dienen.

Das ZVEI-Kennzahlensystem kann in die Wachstums- und in die Strukturanalyse eingeteilt werden. Die Wachstumsanalyse besteht aus absoluten Kennzahlen wie dem Jahresüber­schuss oder dem Cash-Flow. Diese absoluten Kennzahlen werden mit Werten aus den Vor­perioden verglichen, um die jeweilige Entwicklung der Kennzahl zu ermitteln.53 Hierzu werden auch Indexzahlen als Hilfsmittel verwendet.

Die Strukturanalyse, welche als Kern des ZVEI-Kennzahlensystems gilt, soll die Effizienz des Unternehmens analysieren. Die Spitzenkennzahl der Strukturanalyse ist die Eigenkapitalren­tabilität. Das Unternehmen wird anhand von Kennzahlengruppen, wie z.B. der Rentabilität und des Umsatzes als Ertragskennzahlen oder der Liquidität als Risikokennzahl analysiert.

Nachteile dieses Kennzahlensystems sind, dass die Erstellung und Nutzung dieses Systems mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden ist, dass das System lediglich auf ein Hauptziel ausgerichtet ist und dass Ertrags- und Risikokennzahlen nicht immer voneinander abzugren­zen sind.54 55

Abbildung 3 soll den Aufbau des ZVEI-Kennzahlensystems nochmal visualisieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: ZVEI-Kennzahlensystem55

RL-Kennzahlensystem

Das RL-Kennzahlensystem (Rentabilitäts-Liquiditäts-Kennzahlensystem), welches von Thomas Reichmann und Laurenz Lachnit entwickelt wurde, beinhaltet im Vergleich zum ZVEI- Kennzahlensystem eine geringere Anzahl an Kennzahlen. Die Grundstruktur dieses Kennzah­lensystems beinhaltet einen Rentabilitätsteil und einen Liquiditätsteil und ist unternehmens­übergreifend identisch. Der Sonderteil dieses Kennzahlensystems dagegen kann firmenspe­zifisch gestaltet werden.56

Die Effizienzmessung des Erfolges geschieht anhand von Rentabilitäts- und Erfolgsgrößen und im Sonderteil anhand von Deckungsbeiträgen, Umsatzanteilen und Kostenstrukturen. Der allgemeine Teil auf der Liquiditätsseite, enthält neben der Spitzenkennzahl Liquide Mittel, wei­tere Kennzahlen wie Cash-Flow und Working Capital. Der Sonderteil auf der Liquiditätsseite dient als Planungsinstrument bei kritischer Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens.57

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das RL-Kennzahlensystem von dem ROI- Kennzahlensystem bzw. dem ZVEI-Kennzahlensystem darin unterscheidet, dass es eine du­ale Kennzahlenhierarchie für Liquidität und Erfolg besitzt. Somit bildet das RL-Kennzahlensys- tem eine Weiterentwicklung des ROI- und des ZVEI-Kennzahlensystems ab. Außerdem kann die Grundstruktur dieses Systems für unternehmensübergreifende, externe Analysen verwen­det werden, während der Sonderteil für individuelle, auf das Unternehmen zugeschnittene In­formationsbedürfnisse Verwendung findet.58

2.2 Bilanzanalyse

2.2.1 Aufbau der Bilanz und des Gewinn- und Verlustkontos

Im folgenden Text wird der Aufbau einer Bilanz mit Ihren gesetzlichen Anforderungen und ihrer Gliederung erklärt und anhand von Tabelle 2 visualisiert. Um Return-On Kennzahlen und wei­tere Kennzahlen ablesen und berechnen zu können, werden auf die unterschiedlichen Posten der Aktiv- bzw. der Passivseite der Bilanz zugegriffen.

Die Bilanz wird grundsätzlich dafür benötigt, Rechenschaft über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens bzw. über den Erfolg des Unternehmens gegenüber der Geschäftsführung, den Gesellschaftern, den Banken und den Kunden abzulegen. Die Geschäftsführung benötigt die Informationen aus der Bilanz, um die Vermögenslage und die Geschäftsausstattung im Unternehmen einsehen zu können.

Für die Gesellschafter ist es bedeutsam, den effizienten Einsatz des Kapitals anhand der Bi­lanz zu erkennen. Eine aufrechte Beziehung zwischen den Kunden und dem Unternehmen, ist nur durch eine gewährleistete Stabilität des Unternehmens möglich. Um Informationen über die Stabilität des Unternehmens zu erlangen, greifen die Kunden auf die Bilanz zurück. Auch Banken möchten darüber informiert werden, wie gut Ihre Kredite im Unternehmen eingesetzt werden bzw. welcher Kreditrahmen anhand der Bilanz für die Zukunft vereinbart werden kann.59

Während Kapitalgesellschaften gesetzlich verpflichtet sind eine Bilanz aufzustellen, deren Gliederung klar definiert ist, sind Nicht-Kapitalgesellschaften (Personengesellschaften, Einzel­kaufleute) nicht verpflichtet ihre Bilanz nach einer bestimmten Gliederung aufzustellen. Die Gliederung der Bilanz bei großen bzw. mittelständischen Unternehmen muss nach den Vor­schriften des Gesetzes erfolgen.60

Die Posten der Aktivseite und Passivseite müssen vollständig und in vorgegebener Reihen­folge angegeben werden. Kleine Kapitalgesellschaften haben die Möglichkeit eine verkürzte Form der Bilanz zu erstellen. Hierzu müssten nur die Buchstaben und römischen Zahlen der Bilanz in Tabelle 2 in der richtigen Reihenfolge berücksichtigt werden. Nicht-Kapitalgesell­schaften müssen zwar keine einheitliche Bilanzstruktur einhalten, jedoch müssen diese Ge­sellschaften eine Bilanz aufstellen, welche die Regelungen der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung einhalten.61

Der Aufbau der Bilanz wird vom Gesetzgeber im Handelsgesetzbuch (HGB) §266 genau vor- geschrieben.62 Auf der linken Seite der Bilanz befinden sich die Posten der Aktivseite (Aktiva). Diese Seite der Bilanz zeigt das vorhandene Vermögen im Unternehmen auf. Die rechte Seite der Bilanz hingegen bildet die Passivseite (Passiva) ab. Auf dieser Seite wird das Kapital des Unternehmens dargestellt. Aus der Passivseite wird ersichtlich, ob das Vermögen im Unter­nehmen (Aktiva) durch Eigen- oder Fremdkapital finanziert wird.63

Tabelle 2 zeigt die Gliederung und den detaillierten Aufbau der Bilanz nach §266 des Han­delsgesetzbuchs, mit der richtigen Ordnung und Reihenfolge der jeweiligen Posten, welche im späteren Verlauf dieser Arbeit, zur Erstellung einer Bilanz benötigt wird.

[...]


1 Vgl. Preißler, 2008, S. 4

2 Vgl. Siegwart/Reinecke/Sander, 2010, S. 15 f

3 Vgl. Stähle, 1969, S. 66

4 Vgl. Gladen, 2014, S. 9

5 Vgl. Preißler, 2008, S. 3

6 Vgl. Siegwart/Reinecke/Sander, 2010, S. 17 zitiert nach Meyer, 2007, S. 9

7 Vgl. Gleich, 2011, S. 9 zitiert nach Mellewigt/Decker, 2007, S. 433

8 Vgl. Preißler, 2008, S. 5

9 Vgl. Gladen, 2014, S. 11

10 Vgl. Schierenbeck/Lister, 2001, S .179

11 Vgl. Schierenbeck/Lister, 2001, S. 180

12 Vgl. Siegwart/Reinecke/Sander, 2010, S. 27

13 Vgl. Schierenbeck/Lister, 2001, S. 180

14 Vgl. Siegwart/Reinecke/Sander, 2010, S. 28

15 Vgl. Berschin, 1980, S. 25

16 Vgl. Weber, 1995, S. 188

17 Vgl. Ebert, 2011. S. 186 f

18 Vgl. Werner, 2017, S. 366

19 In Anlehnung an: Preißler, 2008, S. 12

20 Vgl. Preißler, 2008, S. 12

21 Vgl. Gladen, 2014, S. 14

22 Vgl. Preißler, 2008, S. 12 f

23 Vgl. Tavasli, 2007, S. 174

24 Vgl. Preißler, 2008, S. 14

25 Vgl. Siegwart/Reinecke/Sander, 2010, S. 18

26 Vgl. Gladen, 2014, S. 15

27 Vgl. Preißler, 2008, S. 15

28 Vgl. Siegwart/Reinecke/Sander, 2010, S. 19

29 Vgl. Preißler, 2008, S. 16

30 Eigene Darstellung

31 Vgl. Werner, 2017, S. 367 - 369

32 Vgl. Werner, 2017, S. 447 f

33 Vgl. Werner, 2017, S. 373

34 S. Gladen, 2014, S. 371

35 Vgl. Werner, 2017, S. 373 f

36 Vgl. Stähle, 1969, S. 66

37 Vgl. Stähle, 1969, S. 66 f

38 Vgl. Stähle. 1969, S. 67

39 Anmerkung vom Autor: Weitere, zum zwischenbetrieblichen Vergleich benötigte Gesichtspunkte können in den Ausführungen von Stähle nachgeschlagen werden: Stähle, 1969, S. 67

40 Vgl. Tavasli, 2007, S. 177

41 Vgl. Preißler, 2008, S. 48

42 Vgl. Preißler, 2008, S. 48

43 Vgl. Reichmann, 2017, S. 82

44 Vgl. Horvâth, 2011, S. 501

45 Vgl. Krause/Arora, 2008, S. 44

46 In Anlehnung an: Preißler, 2008, S. 50

47 Vgl. Reichmann, 2017, S. 82

48 Vgl. Reichmann, 2017, S. 82

49 Vgl. Preißler, 2008, S. 50

50 Vgl. Schüler, 2006, S. 10 - 12

51 Vgl. Preißler, 2008, S. 51

52 Vgl. Reichmann, 2017, S. 84

53 Vgl. Jung, 2014, S. 167 f

54 Vgl. Jung, 2014, S.168

55 S. Reichmann, 2017, S. 85

56 Vgl. Preißler, 2008, S. 53

57 Vgl. Horvâth, 2011, S. 510

58 Vgl. Preißler, 2008, S. 55

59 Vgl. Hering, 2014, S. 15 f

60 Vgl. Heesen/Gruber, 2018, S. 5 f

61 Vgl. Heesen/Gruber, 2018, S. 6

62 Vgl. Thomsen, 2014, S. 11

63 Vgl. Thomsen, 2014, S. 11 f

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
"Return On"-Kennzahlen. Beschreibung, Berechnung sowie Eignung zur Unternehmenssteuerung
Hochschule
Technische Hochschule Mittelhessen
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
81
Katalognummer
V910989
ISBN (eBook)
9783346233004
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ROI, Rentabilität, Unternehmenssteuerung, BWL, Return, Jahresabschlussanalyse, Kennzahlen, Kennzahlensystem
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, "Return On"-Kennzahlen. Beschreibung, Berechnung sowie Eignung zur Unternehmenssteuerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/910989

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