Die Liebe als Verhaltensideal im Drama "Die zärtlichen Schwestern" von Christian Fürchtegott Gellert


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Liebe in Die zärtlichen Schwestern
2.1 Die Liebespraxis der Figuren
2.1.1 Lottchen und Damis
2.1.2.. Siegmund und Julchen
2.1.3 Fazit
2.2 Funktion und Bewertung der Liebe in Die zärtlichen Schwestern

3 Moralvermittlung bei C. F. Gellert

4 Conclusio

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Behauptung, es gäbe in der Literatur letztlich nur die Themen Liebe und Tod1, verweist pointiert auf die Omnipräsenz des Liebessujets die gesamte Literaturgeschichte hindurch. Damit gehen ebenso traditionsreiche Debatten über das Wesen, die Bedeutung, die Form oder die Funktion der Liebe einher. Unabhängig davon, ob Liebe als etwas existiert, das eine inhärente Funktion besitzt, bietet Literatur die Möglichkeit, funktionalisierte Konzepte von Liebe zu entwerfen. Auch dort, wo sich Liebe in der Literatur scheinbar zum zwecklosen Eigenwert entwickelt, ist eine mehr oder weniger latente Funktion derselben nicht auszuschließen.

Anhand der Literatur des Aufklärungszeitalters wurde wiederholt der Vollzug des Wandels von einer auf familienpolitischen Gründen basierenden Ehepartnerwahl hin zu einer Liebesbeziehung als Grundlage der Ehe nachgezeichnet.2 Günter Saße erkennt vor der romantischen Liebe, die im Wesentlichen noch dem heutigen abendländischen Konzept von Liebe entspricht, die Vorstufe der zärtlichen Liebe, die ihrerseits aus der vernünftigen Liebe hervorgegangen sei.3 Während sich die Liebe in ihrer romantischen Konzeption als eine nach außen hin abgegrenzte Beziehungsform zwischen zwei Personen etabliert, ist die zärtliche Liebe gegenüber der Gesellschaft noch geöffnet und erfüllt als Kern der Familien- und Freundschaftsbande eine gesellschaftsordnende Funktion.3 Als einer der einflussreichsten Schriftsteller der Empfindsamkeit 4 prägt Christian Fürchtegott Gellert maßgeblich die Ausgestaltung des literarischen Konzepts der zärtlichen Liebe. Gellert tritt aber nicht nur als Literat in Erscheinung, sondern gestaltet die Geistesgeschichte seiner Zeit auch durch eine Morallehre mit, die zunächst in gut besuchten Vorlesungen Rezeption findet, bevor sie als Moralische Vorlesungen gedruckt publiziert wird.5

Um den Fragen nachzugehen, welche Rolle die Liebe in Gellerts unter Zeitgenossen weitverbreiteter Auffassung von menschlicher Moral spielt, und wie die zärtliche Liebe bei Gellert konkret konzipiert ist, soll eine Untersuchung seines 1747 publizierten Dramas Die zärtlichen Schwestern6 erfolgen, dem Text der „die fortgeschrittenste Stufe der empfindsamen Liebessemantik“7 zeigt. Für die Untersuchung sollen die folgenden Thesen überprüft werden. In dem Drama tritt praktizierte zärtliche Liebe als eine Perfektion der Tugendhaftigkeit der Liebespartner auf und wird durch ihre Bewertung im Drama als Verhaltensideal dargestellt. Die Liebe nimmt in der moralischen Programmatik Gellerts damit die Schlüsselrolle zu einer gelungenen Lebensführung ein. Um diese Thesen zu belegen, soll das Verhältnis von Tugenden und zärtlicher Liebe in Die zärtlichen Schwestern herausgearbeitet werden. Dazu soll zunächst anhand der Figuren Lottchen und Damis aufgezeigt werden, dass Tugendhaftigkeit konstitutiv für zärtliche Liebe ist. Kontrastiv soll eine Untersuchung der jeweiligen Partner, Siegmund und Julchen, darstellen, dass das Fehlen einzelner Tugenden Unfähigkeit zur zärtlichen Liebe bedeutet. Anschließend soll in einem weiteren Schritt der Stellenwert ermittelt werden, den die Liebe in dieser Konzeption des Dramas zugewiesen bekommt, indem die Auswirkungen des Verlaufs der Liebesbeziehung auf das Schicksal der Figuren betrachtet werden. Dies soll die unauflösbare Verflechtung von zärtlicher Liebe und einem verwirklichten Lebenssinn aufzeigen, um hiervon ausgehend in einem weiteren Kapitel das Drama im Kontext der Morallehren C.F. Gellerts zu verorten. Mit Blick auf dessen didaktische Schriften soll das Liebeskonzept des Dramas in seinem intendierten funktionalen Wert zur Vermittlung von menschlichen Pflichten erfasst werden. Abschließend sollen die zusammengefassten Ergebnisse dargestellt werden, und ein Ausblick darauf gegeben werden, welche neuen Perspektiven diese eröffnen können.

2 Die Liebe in Die zärtlichen Schwestern

Das Drama Die zärtlichen Schwestern verhandelt zwei problematische Liebesbeziehungen. Zunächst entfaltet sich die Handlung anhand der Beziehung der Figuren Julchen und Damis. Cleon, der Vater zweier Schwestern, hat den reichen Damis in sein Haus geladen, in der Hoffnung ihm seine jüngere Tochter Julchen antrauen zu können. Diese sieht jedoch ihre Freiheit durch eine Eheschließung gefährdet und weigert sich, gegenüber Damis Gefühle zu bekennen. Die Schwester Lottchen fasst den Plan, der jüngeren durch eine List deren Gefühle für den Brautwerber zu entdecken. Lottchen selbst hat in Siegmund einen Liebhaber, der ihr Aufgrund mangelnden Vermögens jedoch keine Heirat in Aussicht stellen will. Während nun alle Figuren darum bemüht sind, Julchen von der Heirat mit Damis, dem Idealbild eines Mannes, zu überzeugen, gerät die Treue Siegmunds zu Lottchen, ihrerseits das Idealbild einer Frau, ins Wanken. Um einer Erbschaft Willen zeigt er die Bereitschaft, seine Liebhaberin sowie deren Umfeld zu hintergehen. In beiden Paaren trifft je ein ideal liebender Partner auf einen Charakter, der einseitig die Liebesbeziehung in Frage stellt. Während Julchen im Handlungsverlauf den Zugang zu ihren Gefühlen findet, und es so zu einer glücklichen Bestätigung der Liebe in einer Heirat kommt, wird Siegmund seiner Untreue wegen aus der Gesellschaft des Dramas ausgeschlossen. Das Drama entwirft eine Vorstellung von Liebe, die untrennbar mit Tugendhaftigkeit verknüpft ist. An den positiv gezeichneten Figuren Lottchen und Damis lässt sich aufzeigen, welche Bedingungen eine gelungen praktizierte zärtliche Liebe an die Tugendhaftigkeit der Figuren stellt. Der Umkehrschluss, die Unfähigkeit, zärtlich zu lieben, ohne den aufgezeigten Bedingungen zu genügen, kann daraufhin mittels einer Betrachtung der problematisch gezeichneten Figuren Siegmund und Julchen gezogen werden. Aus den der Bewertungen der Liebe durch die Figuren und deren Schicksalen lässt sich schließlich für die Liebe ein Stellenwert in der Welt des Dramas angeben.

2.1 Die Liebespraxis der Figuren

2.1.1 Lottchen und Damis

Die Figur Lottchen wird bereits in der ersten Szene als besonders tugendhaft dargestellt. Im Dialog mit ihrem Vater Cleon bezeichnet sie sich als in ihren „Augen so geringe“ (ZS, I, 1, S. 5), dass sie die Zuschreibung ihres Vaters, die wegen der Wiederholungen durch andere Figuren als zuverlässig betrachtet werden muss, als „Schmeichelei“ (ebd.) abweist. Mit dieser an den Tag gelegten Bescheidenheit erfährt sie Glück durch das Einfühlen in das Glück anderer. Es ist für sie ehrenhaft, sich am Wohlergehen ihrer Schwester „aufrichtig zu vergnügen“ (ebd.). Dieses Verhalten entspricht auch ihrer Wertschätzung der Familienbande, die sie über praktizierte Tugend hinaus als eine natürliche Pflicht ansieht.8 Demgemäß erfüllt sie ihre familiären Pflichten bereitwillig, die sie als „Schuldigkeit“ (ZS, I, 11, S. 26) empfindet, und übernimmt an Stelle der toten Mutter die Haushaltung. Diese Haltung spiegelt sich weiterhin in den Bemühungen wider, die Lottchen unternimmt, um ihre Schwester deren Brautwerber zuzuführen. Lottchen handelt hier im Sinne der Schwester, da sie deren unterdrückten Gefühle bereits erkannt zu haben glaubt,9 sowie zu deren Gunsten, da sie ihr mit Damis einen reichen und ehrenvollen Ehemann zum Gewinn machen will. Die Ehe der beiden muss nach Lottchen auf „beständiger Liebe“ (ZS, I, 1, S. 6) fußen, welcher die Figur einen eigenständigen Wert zugesteht. Diese Liebe entspringt dem Herzen, dem Organ des Fühlens, mit welchem das Gegenüber in seiner Werthaftigkeit wahrgenommen wird, und kann nicht durch materielle Anreize geschaffen werden.10 Betont wird das in der Bewertung ihres eigenen Liebhabers Siegmund, der ihr, nun mittellos, „ebenso schätzbar“ (ZS, I, 1, S. 7) ist als vormals, als er noch vermögend war. Die Liebe zu Siegmund, die sie als „zärtlich“ (ZS, I, 1, S.8) beschreibt, ist eine Replik seiner Zuneigung zu ihr, die ihr aufgrund innerlicher Werte jenseits von Schönheit und Reichtum entgegengebracht wird. Aktiv praktiziert wird diese Liebe im Drama ausschließlich verbal. Die Liebe selbst oder die Wertschätzung abstrakter Tugenden am Partner wird ausgesprochen, wodurch die Wahrhaftigkeit der Liebe an die Aufrichtigkeit in der Äußerung geknüpft ist. Lottchens Aufrichtigkeit gegenüber Siegmund zeigt sich daran, dass sie die Liebesbekundung in Unwissenheit seiner Anwesenheit ausspricht, womit eine Täuschungsabsicht nicht unterstellt werden kann. Lottchen beherrscht die geforderte versprachlichte Liebespraxis perfekt, die in einer Übereinstimmung des Ausdruckes mit der Seele besteht, und will Julchen deshalb bei der Veräußerung ihrer Gefühle verhelfen.11 Ohne jeglichen Neid stellt Lottchen ihre Fähigkeiten in den Dienst des Familienmitglieds. Auch eine scheinbare Bevorteilung der Jüngeren durch alleiniges Erben eines Ritterguts, lässt Lottchens nicht an ihren Prinzipien zweifeln. Sie erfreut sich auch in dieser Situation daran, „die Regung des Vergnügens bei andern ausbrechen zu sehen.“ (ZS, II, 7, S. 39). Der Versuchung widerstehend, die von dem Reichtum ausgeht, demonstriert Lottchen hier ein weiteres Mal dazu erforderliche charakterliche Größe.12 Der dritte Akt stellt schließlich weitere elementare Tugenden Lottchens auf die Probe: Ihre Beständigkeit und Treue.13 Obwohl ihr Liebhaber Siegmund von allen Seiten des Verrats bezichtigt wird, bleibt sie ihm verpflichtet. Erst als sie durch Cleon von der Bitte um Julchens Hand erfährt und somit den Beweis für Siegmunds Untreue erhält, löst sie sich von ihm. Ihre Beständigkeit in der Liebe lässt sich von außen nicht beeinflussen, erst die eigene Erkenntnis der Unwürdigkeit des Liebhabers lässt sie sich abwenden. Doch selbst nach dieser Einsicht verliert Lottchen ihre tugendhafte Vorbildfunktion nicht. Als Ehepartner kommt Siegmund nun nicht mehr in Frage und wird weggeschickt, doch in ihrer Friedfertigkeit und Gutmütigkeit plädiert sie dennoch dafür, es dem „Betrüger nicht übelgehen“ (ZS, III, 20, S. 85) zu lassen.14 Darüber hinaus zeigt sich ihre Selbstlosigkeit, da sie dem Verräter auch noch an ihrem Erbe Anteil haben lässt, damit er „künftig weniger Ursache habe[], ein redliches Herz zu hintergehn.“ (ebd.).

Das männliche Pendant zur tugendhaften Figur Lottchen bildet Damis, der Brautwerber Julchens. Wie Lottchen legt er eine große Bescheidenheit an den Tag, sieht sich nicht „ohne Fehler“ (ZS, II, 2, S. 32). Während Lottchens Altruismus außerhalb der Partnerschaft auf die Familienbande fokussiert ist, macht Damis die Freundschaft zum Anlass für Selbstlosigkeit. Seinem Freund Siegmund bietet er sein „Haus und sein Vermögen“ (ZS, III, 9, S. 68) an. Seiner Freundin Lottchen wegen will er lieber das eigene Glück verlieren, als sie ihrem Unglück entgegen gehen zu sehen.15 Die von der Vernunft dominierte Freundschaft trennt er allerdings von der durch Gefühl bestimmten Liebe ab,16 welcher auch er einen eigenständigen Wert einräumt. „Und mir wird nichts in der Welt zu schwer sein, das ich nicht für Julchen wagen sollte“ (ZS, I, 4, S. 11) postuliert er, und weist seiner Geliebten damit die höchste Wertigkeit zu. Seine Körpersprache steht in Einklang mit seinen Liebesbekundungen, die „Tränen der Wollust“ (ZS, II, 3, S. 33) attestieren ihm also auch Aufrichtigkeit. Gerade in Kontrast zu den unwahren Anschuldigungen wird ersichtlich, dass tatsächlich sein „Herz gar keines Betrugs fähig ist“ (ZS, III, 2, S. 59). Das Einfühlen in die Gefühle des Partners äußert sich bei Damis in zusammen mit Julchen empfundener Traurigkeit.17 Praktiziert wird diese Liebe um ihrer selbst willen, „ohne alle Belohnung“ (ZS, II, 2, S. 32). Wie für Lottchen spielt auch für Damis der Reichtum keine Rolle bei der Liebeswahl, und so verändert auch das Erbe nichts an der Wahl seiner Braut.18 Den Verräter Siegmund betreffend übernimmt Damis, der nicht in der Position ist, ihm verzeihen zu können, stattdessen die Aufgabe, das Verbrechen in seiner Tragweite zu verurteilen.19

Die zärtliche Liebe, wie sie von den Vorbildfiguren Lottchen und Damis praktiziert wird, ist eng verwandt mit der Freundschaft und der Familienbande. Gekennzeichnet sind diese Bereiche von „Wohlwollen, Selbstlosigkeit, Aufrichtigkeit, [und] Mitempfinden“.21 Man kann diese Eigenschaften, die im Drama durch die mit dem Herzen wahrgenommenen Tugenden des Gegenübers hervorgerufen werden, unter dem Begriff der Zärtlichkeit subsumieren. Zärtliche Liebe nun wird durch stetige sprachliche Bekundung der Wertschätzung des Partners ausgelebt, die Ehe stellt ihren Höhepunkt und ihr Ziel dar. Um den sprachlichen Bekundungen Glauben schenken zu können wird der Aufrichtigkeit ein fundamentaler Wert zugewiesen.20 Die Aufrichtigkeit, die einen Einklang der Äußerungen mit den Gefühlen herstellt, macht folglich ein Verbergen der Gefühle unmöglich. Damis wendet sich beim Versuch, Julchen seine Liebe vorzuenthalten, der reglementierten Sprache des Hofes zu.21 Äußerliche Qualitäten, wie Reichtum oder Schönheit, bilden keine Grundlage für zärtliche Liebe. Vielmehr werden diese eher in den Dienst der Liebe gestellt. So verbindet Lottchen mit der Aussicht auf das Erbe einzig die Hoffnung, Siegmunds „Umstände zu verbessern“ (ZS, I, 12, S. 27). Geschätzt werden die innerlichen Qualitäten des Partners, die sich in Tugendhaftigkeit und zirkulär in der Wertschätzung der Tugenden anderer niederschlagen. Die Beständigkeit dieser Qualitäten soll in einer langen Bekanntschaft festgestellt werden, die der Ehe vorausgeht,22 wobei diese keine Garantie für eine genaue Kenntnis der Person geben kann. Damis eröffnet Lottchen noch nach zwei Jahren Bekanntschaft mit Siegmund: „Sie kennen ihn nicht“ (ZS, III, 14, S. 76). Das transsubjektive Tugendsystem wird insofern als innerliche Qualtität übernommen, als es vom Gefühl realisiert wird, indem es sich „mit Tugend paart und die Tugend des Gegenübers zu empfinden vermag“.25 In diesem Kreislauf findet in der zärtlichen Liebe eine ständige Bestärkung der Tugendhaftigkeit statt, denn am Beispiel des Partners wächst die eigene Tugend mit, sofern die Fähigkeit des Empfindens dieser Qualitäten vorhanden ist.23 Es gilt: „empfindsam-tugendhafte Eigenschaften motivieren die Liebe, die sich als gegenseitige Bestärkung der Partner in den empfindsamen Tugenden realisiert.“24 Verallgemeinert lässt sich festhalten, dass die zärtliche Liebe einer partnerbezogenen Praxis der zeitgenössischen Tugenddoktrin gleichzusetzen ist,25 deren Erfolg durch eine Ehe ausgewiesen wird. Der Auffassung, dass die Liebe damit genuin gut ist, tragen die jeweils letzten Äußerungen der beiden positiv gezeichneten Figuren Rechnung, in denen die Liebe selber vor den Verfehlungen des Liebhabers verteidigt wird. So wiederholt Lottchen sinngemäß den letzten Ausspruch Damis´, wenn sie sagt: „Doch nicht die Liebe, die Torheit des Liebhabers hat mich unglücklich gemacht“ (ZS, III, 20, S. 85).

[...]


1 Vgl. Neuhaus, Stefan: Figurationen der Liebe. In: Ders.(Hg.): Figurationen der Liebe in Geschichte und Gegenwart, Kultur und Gesellschaft. (Film – Medium – Diskurs 43) Würzburg: Königshausen & Neumann 2012, S. 5-17, hier S. 5.

2 Siehe etwa: Kluckhohn, Paul: Die Auffassung der Liebe in der Literatur des 18. Jahrhunderts und in der deutschen Romantik. 3.Aufl. Tübingen: Niemeyer 1966; Greis, Jutta: Drama Liebe. Zur Entwicklungsgeschichte der modernen Liebe im Drama des 18.Jahrhunderts. (Germanistische Abhandlungen 69) Stuttgart: Metzler 1991; Saße, Günter: Die Ordnung der Gefühle. Das Drama der Liebesheirat im 18. Jahrhundert. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996; 3 Vgl. Saße, Ordnung, S. 30-59.

3 Ebd., S. 47.

4 Vgl. Singh, Sikander: Christian Fürchtegott Gellert und die Empfindsamkeit. In: Michael Hofmann (Hg.): Aufklärung. Epoche – Autoren – Werke. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2013, S. 27-43, hier S. 42.

5 Koopmann, Helmut: Drama der Aufklärung. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler 1979, S. 98: „Mindestens ebenso berühmt wie sein Fabeln […] waren seine Vorlesungen über Moral, die er in Leipzig vor in der Regel überfüllten Auditorien hielt.“

6 Textgrundlage dieser Arbeit ist: Gellert, Christian Fürchtegott: Die zärtlichen Schwestern. Ein Lustspiel von drei Aufzügen. Im Anhang: Chassirons und Gellerts Abhandlungen über das rührende Lustspiel. Hrsg. von Horst Steinmetz. Stuttgart: Reclam 2015; im Folgenden werden Zitate daraus im Fließtext mit dem Kürzel ZS, Akt, Szene, Seitenzahl angegeben.

7 Greis, Liebe, S. 34; Greis verwendet den Begriff empfindsam synonym zu dem in dieser Arbeit gebrachten Begriff zärtlich.

8 „Dazu gehört ja gar keine Tugend, einer Person etwas zu gönnen, für welche das Blut in mir spricht.“ (ZS, I, 1, S. 6).

9 „Sie liebt den Herrn Damis und weiß es nicht, daß sie ihn liebt“ (ZS, I, 1, S. 10).

10 „Nein lieber Papa, solche Bewegungsgründe zur Ehe sind wohl nicht viel besser als die Zwangsmittel. Julchen hat Ursachen genug in ihrem eigenen Herzen und in dem Werte ihres Geliebten, die sie zur Liebe bewegen können[…]“ (ZS, I, 1, S. 6).

11 Vgl. Detken, Anke: Im Nebenraum des Textes. Regiebemerkungen in Dramen des 18. Jahrhunderts. (Theatron. Studien zu Geschichte und Theorie der dramatischen Künste 54) Tübingen: Niemeyer 2009, S. 112113; auch Greis, Liebe, S. 36.

12 So bewahrt sie nur der Glaube an Siegmunds Größe vor der Angst, ihn an diese Versuchung zu verlieren: „Wenn ich ihre Größe nicht kennte: so würde ich gezittert haben, Ihnen die Nachricht meiner Schwester zu hinterbringen.“ (ZS, II, 9, S. 41).

13 „Sie wollen gewiß das Vergnügen haben, meine Treue zu versuchen und mich zu erschrecken, weil Sie wissen, daß ich nicht erschrecken kann.“ (ZS, III, 14, S. 76).

14 Koopman sieht in dem Verzeihen selber eine Tugend: „Das Verzeihen gehört ebenfalls zu den bürgerlichen Tugenden, die jetzt auf die Bühne gebracht werden können […]“ (Koopmann, Aufklärung, S. 109).

15 „Ihnen bin ich´s schuldig; aber ich mag nicht die größte Wohltat von Ihnen genießen und zugleich Ihr Unglück sehn.“ (ZS, III, 16, S. 79)

16 „Ich habe, um ihren Befehl zu erfüllen, die letzten Bemühungen angewandt, die ängstlichen Regungen der Liebe zu ersticken und den Charakter eines aufrichtigen Freundes anzunehmen. Die Vernunft hat nunmehr über mein Herz gesiegt.“ (ZS, I, 6, S. 14)

17 „Und seitdem ich sie traurig gesehen habe, habe ich große Lust es auch zu sein.“ (ZS, II, 4, S. 35)

18 „Und wenn Ihr Frauenzimmer zehn Rittergüter hätte: so würde mir Julchen auch in einer Schäferhütte besser gefallen.“ (ZS, II, 19, S. 52)

19 „Wir haben alles untersucht. Er ist ein Betrüger.“ (ZS, III, 10, S. 69) 21 Saße, Ordnung, S. 99, [Einschub J.Z.].

20 Vgl. ebd., S.116.

21 Vgl. ZS, I, 6, S. 15.

22 Saße, Ordnung, S.31, hält bereits für die vernünftige Liebe fest: „Doch anders als Geld und Rang, die objektiv festgestellt werden können, ist die Tugendhaftigkeit des Partners nicht ohne weiteres zugänglich. Um sie zweifelsfrei ermitteln zu können, hat dem Ja-Wort eine lange und intensive Prüfung vorauszugehen, die die Übereinstimmung des Charakters der/des Geliebten mit dem transsubjektiven Tugendsystem festellt […]“. 25 Saße, Ordnung, S. 46.

23 So ist die dazu befähigte Figur Lottchen durch das Beipiel Siegmunds „zärtlich, ruhig und mit der ganzen Welt zufrieden worden“ (ZS, I, 4, S. 10) während Siegmund umgekehrt die Fähigkeit nicht besitzt, so hat „ihn die ausnehmende Zärtlichkeit, die ganz bezaubernde Unschuld, die eldelste Freundschaft […] nicht treu und tugendhaft erhalten können.“ (ZS, III, 9, S. 68).

24 Greis, Liebe, S. 35.

25 Vgl. Saße, Ordnung, S.115: „Selbstlosigkeit, Aufrichtigkeit, die Transparenz des Äußeren für das Innere – all das gehört zum Inventar empfindsamer Tugenddoktrin.“

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Liebe als Verhaltensideal im Drama "Die zärtlichen Schwestern" von Christian Fürchtegott Gellert
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V911010
ISBN (eBook)
9783346232427
ISBN (Buch)
9783346232434
Sprache
Deutsch
Schlagworte
C. F. Gellert, Gellert, Christian Fürchtegott Gellert, Die zärtlichen Schwestern, Liebe, Liebeskonzepte, Liebesbegriffe, Empfindlichkeit, Bürgerliches Trauerspiel, Dramenanalyse, Aufklärung, Liebe in Literatur, Literarische Liebeskonzepte, Theorie der Liebe, Liebe im 18. Jahrhundert, Liebe in der Aufklärung, Liebe in der Literatur der Aufklärung
Arbeit zitieren
Julien Zigan (Autor), 2016, Die Liebe als Verhaltensideal im Drama "Die zärtlichen Schwestern" von Christian Fürchtegott Gellert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/911010

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