In der heutigen Zeit erscheint es als selbstverständlich, daß wir uns mit Freunden und Bekannten zu einem Kaffee verabreden. Es erscheint dabei nicht mehr der Kaffeegenuß allein relevant zu sein, vielmehr rückt die Wahl der Örtlichkeit oder die Frage „Welcher Kaffee?“ in den Mittelpunkt. In Deutschland wurde der Kaffee jedoch erst im 18. Jahrhundert zum Massengetränk. Interessant erscheint v.a. das Zusammentreffen der neuen Institutionen des Alltags, der Kaffeehäuser, und die beginnende Formierung des Bürgertums. Bei diesem Wandlungsprozess waren zunächst nur die bürgerlichen Ober- und Mittelschichten betroffen. Die frühen Kaffeehäuser dienten als neue Örtlichkeiten bzw. Räume für das städtische Bürgertum.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Aufstieg des Kaffees zum Massenkonsummittel
2.1 Genuss und Anwendung in der Ursprungskultur
2.2 Globalisierung des Kaffees im 17. und 18. Jahrhundert
2.3 Weg der Verbreitung des Kaffees und des Kaffeekonsums in Europa
3 Neue Räume für das Bürgertum im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert
3.1 Die Begriffe Bürgertum und Aufklärung
3.2 Genuss in privaten Räumen
3.2.1 Das Kaffeekränzchen der Frau
3.2.2 Kaffee als Alltagsgetränk
3.3 Genuss in der Öffentlichkeit: Das Kaffeehaus
3.3.1 Der Begriff der Öffentlichkeit
3.3.2 Das Kaffeehaus im 18. Jahrhundert
3.3.3 Gäste und Zugang
4 Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung des Kaffees im 18. Jahrhundert, insbesondere dessen Rolle bei der gesellschaftlichen Transformation und der Herausbildung neuer privater und öffentlicher Räume für das aufstrebende Bürgertum. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie sich der Integrationsprozess des Kaffees in die Alltagskultur vollzog und inwiefern neue Institutionen wie Kaffeehäuser und bürgerliche Kaffeekränzchen zur Differenzierung und Identitätsbildung der bürgerlichen Schichten beitrugen.
- Kaffee als Katalysator für gesellschaftliche Veränderungen
- Die Entwicklung und Bedeutung des Kaffeehauses als öffentlicher Raum
- Weibliche Kaffeekultur und der private Raum
- Soziale Distinktion durch Konsum und Verhaltenscodes
- Die Rolle der Aufklärung bei der Raumkonstitution
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Das Kaffeehaus im 18. Jahrhundert
Das Kaffeehaus wurde zum Treffpunkt für Personen, die mit den herrschenden gesellschaftlichen Normen nicht übereinstimmten und aus verschiedenen Ständen, „Juncker und Bauer/ Herr und Knecht/ Christe und Jude“, kamen. Schon von den Zeitgenossen wurde die unterschiedliche Mischung des Publikums, die in den Kaffeehäusern verkehrte, als „eine hochlöbliche Gewohnheit und die längst Gelegenheit“ gesehen, „der Menschen Gemüther zu vereinigen / und die Hoffarth aus der Welt zu vertreiben“. Die Obrigkeit sah in ihnen eine Gefahr, da diese nicht den traditionellen Denkweisen und den Vorstellungen der tradierten Gesellschaft entsprachen. Kaffeetrinker sahen sich selber als Vorreiter für eine neue Gesellschaftsordnung.
Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden in allen bedeutenderen Städten Westeuropas Kaffeehäuser eingerichtet. Für die wohlhabenden Schichten der Bevölkerung fand das Große Kaffeehaus als wichtige Institution Einzug in den Lebensalltag. Der wichtigste Faktor für die Ausbreitung des Kaffeekonsums lag in der Einführung der Kaffeehaustradition aus dem Orient. Vorbilder waren die Kaffeehäuser in Konstantinopel, die dort bereits seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zum gewohnten Bild der Stadt gehörten. Im Orient waren die Kaffeehäuser Orte der Unterhaltung und Bildung, in denen gewerbsmäßige Unterhalter auftraten, deren Lieder oft das Wissen um historische Ereignisse widergaben.
Das erste Kaffeehaus entstand vermutlich 1647 in Venedig, der Stadt, die den Levantehandel für Europa dominierte und damit der Haupteinfuhrort für den Kaffee war. Archivarisch gesichert sind aber die frühen englischen Einrichtungen in Oxford 1650 und in London 1652. Es folgten weitere in Marseille, Paris, Den Haag und Amsterdam.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Etablierung des Kaffees als wichtiges Genussmittel in Deutschland und stellt die zentrale Fragestellung nach dem soziokulturellen Integrationsprozess des Kaffees in die Alltagskultur des 18. Jahrhunderts vor.
2 Der Aufstieg des Kaffees zum Massenkonsummittel: Dieses Kapitel beschreibt die Ursprünge des Kaffees im Orient, dessen Verbreitung durch den Levantehandel und den medizinischen Diskurs sowie die anschließende Globalisierung und Etablierung als konsumierbare Ware in Europa.
3 Neue Räume für das Bürgertum im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert: Hier wird die historische Konstituierung des Bürgertums im Kontext der Aufklärung untersucht, wobei die Differenzierung zwischen dem privaten Raum (Kaffeekränzchen) und dem öffentlichen Raum (Kaffeehaus) als zentrale Orte der Identitätsbildung hervorgehoben wird.
4 Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die Bedeutung des Kaffees als Indikator und Katalysator für einen neuen Affektstandard und die bürgerliche Individualisierung zusammen und reflektiert den Wandel der Institution Kaffeehaus zum Ende des 18. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Kaffee, Bürgertum, 18. Jahrhundert, Kaffeehaus, Kaffeekränzchen, Aufklärung, Soziale Distinktion, Konsumgeschichte, Öffentlichkeit, Privatsphäre, Affektstandard, Identitätsbildung, Kolonialwaren, Alltagskultur, Zivilisationsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Bedeutung des Kaffees als Genussmittel im 18. Jahrhundert und dessen Rolle bei der gesellschaftlichen Transformation, insbesondere der Formierung des Bürgertums.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Kaffeekultur, der Konstruktion privater und öffentlicher Räume, sowie soziologischen Aspekten der bürgerlichen Identitätsstiftung durch Konsum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung verfolgt die Forschungsfrage, wie sich der Integrationsprozess des Kaffees in die deutsche Alltagskultur vollzog und wie er zur Differenzierung bürgerlicher Lebenswelten beitrug.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine kulturhistorische und sozialgeschichtliche Analyse, gestützt auf zeitgenössische Quellen sowie Theorien zur Zivilisation, zum sozialen Raum und zum Strukturwandel der Öffentlichkeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Aufstiegs des Kaffees zum Massenkonsummittel und eine detaillierte Analyse der neuen Räume (Kaffeehäuser und private Zirkel) für das aufstrebende Bürgertum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation am besten?
Kaffee, Bürgertum, 18. Jahrhundert, Kaffeehaus, Öffentlichkeit, Soziale Distinktion und Aufklärung sind die zentralen Schlagworte der Arbeit.
Welche Rolle spielten die Kaffee-Surrogate für die Unterschichten?
Surrogate waren für die Unterschichten entscheidend, da sie den Konsum einer "Kaffee-Ersatz-Kultur" ermöglichten, während der echte Bohnenkaffee aufgrund hoher Kosten ein Statussymbol des Bürgertums blieb.
Warum wird das Kaffeehaus als "Institution der Aufklärung" bezeichnet?
Das Kaffeehaus fungierte als Ort des Informationsaustauschs und der kritischen Diskussion, abseits von höfischen oder korporativen Zwängen, und förderte dadurch die gesellige Selbstverständigung des Bürgertums.
- Quote paper
- Dargleff Jahnke (Author), 2004, Neue Räume für Kaffee und Bürgertum im 18. Jahrhundert., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91115