The paper “Who Can Question Blumenberg Except for Blumenberg Himself” brings forward the question of which factors and features of the philosophy of this German thinker of the second half of the 20th century make it the case that he has moved away from academic mainstream and given philosophy back the typical characteristics of German philosophical tradition: erudition, cultivated character, adequacy, good taste in the selection of vital problems and their solutions, and, above all, critical thinking, which, on the journey between the peaks of Kant and Blumenberg himself, frequently waned, disappeared in dark gorges of being and time and vanished in polished aesthetics of the hermeneutics of God’s intentions. The study focuses on Blumenberg’s concept of actio per distans, which, combined with the theory of absolute metaphor and cognitive metaphor, gives rise to his historical phenomenology and politically, economically and phenomenologically oriented anthropology. At the end, the author mentions the problem of ‘metametaphorics’, which is newly developed as a project based on a deep misunderstanding of Blumenberg's metaphorology: the paper presents several arguments proving a discrepancy between metaphorology and metametaphorics, derived primarily from Blumenberg’s theory of (the constant cultural reproduction of) myth.
Inhaltsverzeichnis
1. Es kommt etwas Neues mit Blumenbergs Philosophie – aber was?
2. Wie sich das Leben erträgt
4. Die Rezeption der Quellen schafft die Quellen der Rezeption (Blumenberg 1979, 329)
4a. Geschmack lässt sich nicht gebieten
4b. Metametaphorik
4c. Das Verweilen des Mythos
5. Der arme Leibniz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Einzigartigkeit von Hans Blumenberg, indem sie dessen Abkehr vom akademischen Mainstream hin zu einer historischen Phänomenologie und einer phänomenologisch orientierten Anthropologie analysiert. Ziel ist es, Blumenbergs Ansatz der "Arbeit am Mythos" und seine Theorie der Metaphorik kritisch zu beleuchten, um zu verstehen, wie sein Denken als Korrektiv zur zeitgenössischen Philosophie fungieren kann.
- Die historische Phänomenologie Blumenbergs im Kontext der "Lebenszeit und Weltzeit".
- Die Rolle der Metapher und Metaphorik als Bedingung des Sagbaren.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der "Metametaphorik" als Fehlinterpretation der Blumenbergschen Philosophie.
- Die Funktion und Existenz von Mythen in der modernen Lebenswelt.
- Das Verhältnis von Vernunft, Mythos und menschlicher Selbsterhaltung.
Auszug aus dem Buch
4a. Geschmack lässt sich nicht gebieten
Nur selten trifft man in der neueren Philosophiegeschichte auf derart breitkronige, buschige Aussagen, wie es die in Blumenbergs Werken enthaltenen sind. Die weit aufladenden Äste seines Wissens wurden bekanntlich schon vielmals beschrieben und bewundert; der Mann dürfte keinen Kopf, vielmehr eine Versickerungsanlage oder ein Retention-Behälter auf den Schultern getragen haben, wo er seine Kenntnisse schön ordnungsgemäß gelagert hat. Mit Hinsicht auf die historische Phänomenologie scheint eben diese Gabe, ein ungeheures Wissen zu sammeln und zu nutzen, die wichtigste Bedingung dafür gewesen zu sein, was ein weiteres Merkmal seiner Philosophie ausmacht: die Wahl der Fragen und Probleme, die Blumenberg getroffen hat, um darüber zu sprechen und nachzudenken, ist ganz offensichtlich nie unter einem institutionellen oder persönlichen Zwang geschehen.
Er hat sich von den Fremden wie auch von seiner selbst, von eigener Selbstsucht, vom Willen, Berühmtheit zu erlangen, von der Selbstgefälligkeit des Sein und Zeit Verfassers nicht in Bedrängnis bringen lassen, auf alles eine präfabrizierte Antwort bereit zu haben. Philosophie ist für Blumenberg eine Geschmackssache, und dies geht nur, wenn sie parallel dazu eine Sache des Wissens ist. Das Wissen um die Philosophie in den Grenzen des bloßen Geschmacks, das dem Philosophen Blumenberg vielleicht angeboren war, macht den Unterschied zu den vielen anderen Philosophen des 20. Jahrhunderts nicht nur in Deutschland aus. Man kann sagen, dass Heidegger, Gadamer, Jonas, Jaspers, Habermas, oder meinetwegen auch Sartre Philosophen – im Sinne der zur Zunft der Philosophen gehörigen Personen – waren. Sie waren gebildet, anerkannt, erfahren und meistens völlig blind gegenüber den Geschmacksgrenzen, die sie nicht selten brutal verletzt haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Es kommt etwas Neues mit Blumenbergs Philosophie – aber was?: Das Kapitel beschreibt Blumenbergs Philosophie als eine neue, diskrete Herangehensweise an das Verhältnis zwischen Mensch und Welt, die durch "actio per distans" und absolute Metaphern geprägt ist.
2. Wie sich das Leben erträgt: Hier wird Blumenbergs Werk "Lebenszeit und Weltzeit" als zentrales Dokument seiner historischen Phänomenologie gewürdigt, das eine neue Anthropologie der Selbsterhaltung der Vernunft fordert.
4. Die Rezeption der Quellen schafft die Quellen der Rezeption (Blumenberg 1979, 329): Dieser Abschnitt dient als Einleitung zur detaillierten Analyse von Blumenbergs Arbeitsweise, seinem Verständnis von Geschmack in der Philosophie und seiner Metaphorologie.
4a. Geschmack lässt sich nicht gebieten: Der Autor thematisiert Blumenbergs eigenwillige Auswahl philosophischer Probleme, die sich der institutionellen Verengung entzieht und Philosophie als eine untrennbare Verbindung von Wissen und persönlichem Geschmack begreift.
4b. Metametaphorik: Das Kapitel kritisiert den Begriff der "Metametaphorik" als ein aus einem Missverständnis geborenes Projekt und unterstreicht die fundamentale Bedeutung der kognitiven Metapher im Gegensatz zur mythischen Struktur.
4c. Das Verweilen des Mythos: Es wird erörtert, warum Mythen trotz des wissenschaftlichen Fortschritts und des "Entweder-Oder" des logischen Denkens in unserer Welt existent und wirksam bleiben.
5. Der arme Leibniz: Den Abschluss bildet eine Reflexion über die Grenzen des Fragens, wobei das Schicksal des Philosophen als Metapher für das unendliche Streben nach Vernunft dient.
Schlüsselwörter
Mythos, Mythologie, Sprache, Metapher, Arbeit am Mythos, historische Phänomenologie, politische Anthropologie, ökonomische Anthropologie, Metametaphorik, Prometheus, Blumenberg, Vernunft, Erkenntnistheorie, Weltzeit, Lebenszeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Wesentlichen?
Die Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen von Hans Blumenberg und analysiert, warum sein Denken eine notwendige Abkehr vom akademischen Mainstream darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Phänomenologie, der Bedeutung der Metaphorik, der Rolle des Mythos sowie einer anthropologischen Sicht auf die menschliche Selbsterhaltung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, Blumenbergs "denkende Kritik" zu würdigen und aufzuzeigen, wie seine Philosophie als eigenständiger Typus des Denkens gegen vereinfachende Interpretationen verteidigt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Der Autor nutzt eine phänomenologische und ideengeschichtliche Methode, um Blumenbergs Konzepte wie die "Arbeit am Mythos" und die "actio per distans" tiefgreifend zu explorieren.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Blumenbergs Werke, sein Verständnis von Geschmack als philosophische Kategorie, die Kritik an der "Metametaphorik" sowie das beständige Verweilen von Mythen in modernen Kontexten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind historische Phänomenologie, Arbeit am Mythos, Metaphorik, philosophische Anthropologie und die kritische Auseinandersetzung mit der Moderne.
Inwiefern unterscheidet sich Blumenbergs Philosophie vom heideggerianischen Denken?
Blumenberg wird als Gegenpol dargestellt, der die deutsche Philosophie aus der "massenhaften Flucht" zur analytischen Philosophie zurück zur Vernunft führt, während er sich gleichzeitig von dogmatischen oder rein ästhetisierenden Interpretationen absetzt.
Warum spielt der "Geschmack" eine so zentrale Rolle in der Argumentation des Autors?
Der Autor argumentiert, dass Blumenbergs philosophische Qualität gerade in seiner Fähigkeit liegt, Fragen unabhängig von institutionellen Zwängen zu wählen, was den persönlichen "Geschmack" zu einem notwendigen Begleiter des Wissens macht.
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- Bretislav Horyna (Autor), 2019, Nemo contra Deum nisi Deus ipse. Wer darf Blumenberg infrage stellen ausser Blumenberg selbst?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/911348