Funde und Befunde zur Bewaffnung des schwerbewaffneten Infanteristen der „Dunklen Jahrhunderte“ und der Archaischen Zeit


Seminararbeit, 2008
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rüstung des Infanteristen
2.1 Der Helm
2.2 Der Brust-/ Rückenpanzer
2.3 Die Arm- und Beinschienen
2.4 Der Schild

3. Bewaffnung
3.1 Der Speer
3.2 Das Schwert

4. Zusammenfassung

5. Literatur – und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Bewaffnung der Infanteristen ist immer wieder an die militärischen und technologischen Gegebenheiten angepasst worden –ob nun in der Antike oder in der neuen Geschichtsschreibung. Aus heutiger Sicht stellt sich damit die Frage, ob früher für bestimmte Einsatzszenarien Entwicklung betrieben wurde, oder ob die Entwicklung die Einsatzszenarien bestimmt.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich aus den zuerst leicht bewaffneten Fußtruppen der Armeen der verschiedenen Volker hochspezialisierte Truppenteile, deren technologische Ausrüstung immer komplexer wurde.

Zu den frühen Infanterie-Einheiten der Geschichte gehörten die griechischen Infanteristen oder aber später Hopliten. Sie sind Grundlage für diese Arbeit, die sich mit der Entwicklung der Ausrüstung dieser Truppengattung befasst.

In der wissenschaftlichen Diskussion um die Ausrüstung – und vor allem um die Verwendung der Ausrüstung – gibt es wenige Kontroversen. Eine davon ist sicherlich die ob und wenn ja bis wann der Wurfspeer bei Infanteristen zur Ausrüstung gehörte. Eine zweite befasst sich mit der Rolle des Schwertes in der damaligen Kampfführung.

Auf diesem Gebiet haben sich vor allem A.M. Snodgrass mit seinem Werk „Arms and Armour of the Greek“ und Tim Everson mit „Warfare in Ancient Greece“ hervorgetan. Sie bilden gleichzeitig die Basis dieser Ausarbeitung, wobei der Schwerpunkt auf dem Werk von Everson liegt.

2. Rüstung des Infanteristen

Der griechische, schwerbewaffnete Infanterist, der Hoplit, zeichnete sich durch seine schwere Rüstung und seine Bewaffnung aus. Diese erstmals „standardisierte Uniform“ ermöglichte eine Schlachtenordnung, die durch Disziplin in der Lage war, an Zahl überlegene Feinde zu schlagen. Damit prägte der Hoplit seine Zeit und führte zum einen zu einer deutlichen Steigerung der Schlagkraft der griechischen Armee, förderte aber auch die Weiterentwicklung in Produktion und Forschung[1].

Durch den Entwicklungsbedarf und den damit verbundenen Fortschritt wurden die Produktionskosten für die Herstellung der benötigten Rüstungsteile soweit gesenkt, dass nicht nur die elitären Schichten, sondern eine breite Masse Zugang zu dieser Art der Rüstung erhielt. Das wiederum machte es möglich eine einheitliche Ausrüstung in eine Schlachtenordnung zu integrieren: Die Phalanx wurde entwickelt. Diese Kombination, der schwerbewaffnete Infanterist und die Phalanx, machten den griechischen Hopliten zum erfolgreichsten Soldatentypus seiner Zeit – und damit zur Exportware.

Doch wie kam es zur dieser Entwicklung? Sicher ist, dass es nicht einen Mann gab, der den Hopliten über Nacht erfunden hat, sondern dass seine Entwicklung ein langwieriger Prozess war. Grundsätzlich bestand die Rüstung des Hopliten aus mehreren Segmenten:

- Helm
- Brust/ Rückenpanzer
- Beinschienen
- Schild

Hauptelement der Rüstung war der runde Schild (Hoplon), von welchem der Hoplit seinen Namen erhalten hat. Mit ihm waren zwangsweise alle Hopliten ausgerüstet, was sich in der Kampfweise begründet (auf welche später eingegangen wird).

2.1 Der Helm

Der Helm war ein wichtiger Teil der Rüstung, da er die verwundbarste Stelle des Körpers schützt – den Kopf. Seine Entstehungsgeschichte geht in etwa auf die Zeit um 1650 v. Chr. zurück. Aus dieser Zeit sind über 50 Gräber entdeckt worden, in denen Helme gefunden wurden, die Platten aus Wildschweinhauern enthielten, welche mit Löchern versehen waren, so dass sie auf Leder- oder Fellkappen befestigt werden konnten. Mit fortschreitender Entwicklung wurde diese Art des Helmes immer weiter verbessert: von Anfänglich bloßem Hauptschutz hin zu echten Helmen mit Wangenschutz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[2]

Diese Helme werden, obwohl schon 300 Jahre nicht mehr im Gebrauch, sogar bei Homer erwähnt:

„a helm wrought of hide, and with many a tight-stretched thong was it made stiff within, while without white teeth of a boar of gleaming tusks were set thick on this side and that, well and cunningly, and within was fixed a lining of felt“ (Iliad, bk. X, 11. 261-5, Loeb translation).[3]

Dieser Helm wurde von den Griechen im ganzen Mutterland und auf den Inseln, sowie seltener auf Kreta verwendet[4]. Spuren wurden desweiteren auf einer Elfenbeinschnitzerei mykenischer Art auf Zypern und als Fundstücke oder auf Papyri in Ägypten gefunden[5]. Manche dieser Helme wurden mit Bronze verstärkt, allerdings blieben Wildschweinhauer das Hauptmaterial dieser Art von Helm bis sie ab ca. 1150 nicht mehr verwendet wurden.

Diese Art von Panzermaterial zu verwenden erscheint auf den ersten Blick etwas seltsam, da man doch bereits die Bronzeverarbeitung zu dieser Zeit kannte. Allerdings war die Herstellung von solchen Bronzeplättchen sehr viel schwerer als die Produktion von Speerspitzen oder Schwertern: Sie mussten massiv genug sein, um effektiven Schutz zu bieten, aber dennoch leicht genug, um mehrere auf dem Kopf zu tragen. Diese Kombination war zu der damaligen Zeit nicht möglich, so dass man die oben genannte Alternative wählte. Zusätzlich war die Wildschweinjagd integraler Bestandteil des mykenischen Kriegerkultes, so dass man annehmen kann, dass solche Helme gleichzeitig als Statussymbole gebraucht wurden. Da Wildschweinhauer aus sehr viel dichterem Material bestehen als Knochen, hätte ein Hieb diese Platten zwar zerstört, seine Wirkung wäre aber deutlich abgemildert worden.

Der erste aus Bronze bestehende Helm datiert etwa aus dem Jahre 1400 v. Chr. aus Knossos[6]. Dieses frühe Modell besteht aus dem Bronzehelm an sich, und links und rechts einem ebenfalls aus Bronze befestigtem Wangenschutz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[7]

Es hat bereits den Aufsatz in der Mitte des Helmes, in den Pferdehaare zur Zierde eingesetzt wurden, der allerdings in der Hauptfunktion wohl dem Ableiten der Hiebe von der Mitte des Kopfes auf die Seiten diente. Allerdings scheint es sich hier um sehr weit fortgeschrittene Einzelstücke zu handeln, da ähnliche Funde aus der gleichen Zeit sehr selten sind.

Ab ca. 1150 wandeln sich die aus Wildschweinhauern hergestellten Helme in mit Bronzeplatten verstärkte Lederhelme und in aus Bronze hergestellte Helme. Das Auftauchen beider Arten von Helmen kann mit dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage beantwortet werden: Wie im weiteren Verlauf deutlich werden wird, wurden durch die Ausrüstung der Soldaten mit Beinschienen und Brust-/Rückenpanzern aus Bronze eine sehr große Menge an Bronze benötigt, die nicht gedeckt werden konnte. Es ist also durchaus möglich, dass die bronzeverstärkten Helme nur aus der Not geborene „Sparversionen“ sind.[8] Diese bronzeverstärkten scheinen bis in die Mitte des achten Jahrhunderts die hauptsächlich verwendeten Helme zu sein, da für Vollbronzehelme nur wenig bis keine Hinweise zu finden sind. Ab ca. 750 v. Chr. tauchen dann mehrteilige Vollbronzehelme in Darstellungen auf, die dem Aussehen nach von den Assyrern übernommen bzw. kopiert worden sind. Mit Sicherheit auf 725 v. Chr. datiert ist das früheste Fundstück aus der Zeit nach den Dunklen Jahrhunderten: der bei Argos gefundene sogenannte Kegelhelm[9].

[...]


[1] Vgl. Snodgrass, A. M.: Arms and Armour of the Greeks, New York 1976 S. 49

[2] Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great, Gloucestershire 2004

[3] Aus: Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great, Gloucestershire 2004, S. 7

[4] Auf Kreta sind Wildschweine nicht heimisch

[5] Die Helmfunde in Ägypten stammen vermutlich von griechischen Söldnern, vgl. Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great, Gloucestershire 2004, S. 8

[6] Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great, Gloucestershire 2004, S. 12

[7] Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great, Gloucestershire 2004

[8] Vgl. Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great, Gloucestershire 2004, S. 39

[9] Vgl. Everson, Tim: Warfare in ancient Greece Arms and Armour from the Heroes of Homer to Alexander the Great, Gloucestershire 2004, S. 73

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Funde und Befunde zur Bewaffnung des schwerbewaffneten Infanteristen der „Dunklen Jahrhunderte“ und der Archaischen Zeit
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V91157
ISBN (eBook)
9783640099818
Dateigröße
2405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funde, Befunde, Bewaffnung, Infanteristen, Jahrhunderte“, Archaischen, Zeit
Arbeit zitieren
Patrick Saal (Autor), 2008, Funde und Befunde zur Bewaffnung des schwerbewaffneten Infanteristen der „Dunklen Jahrhunderte“ und der Archaischen Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91157

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