Die Arbeit setzt sich auseinander mit Husserls Auffassung einer transzendentalen Phänomenologie. Ziel der Arbeit ist es dabei die Subjektivität, Intersubjektivität und Objektivität herauszuarbeiten.
Intersubjektivität, die alltagssprachlich und (zumindest vom philosophischen Standpunkt aus) naiv häufig mit Objektivität gleichgesetzt wird, ist eine Grundvoraussetzung von Wissenschaft, wenn nicht gar von Wissen überhaupt. Mithin kann man behaupten, dass Intersubjektivität mit einer aus ihr resultierenden Objektivität geradezu sinnstiftenden Charakter für Wissenschaft hat. Dennoch wird sie in dieser, ihrer Selbstverständlichkeit kaum thematisch, weil sie uns als sozialen Wesen in geradezu jedem erdenklichen Kontext, der unseren je privatesten, innersten, ureigensten psychischen Kontext übersteigt, selbstverständlich inhärent ist.
Bereits an dieser beginnenden Stelle drängt diese kurze Betrachtung die Frage nach einem wichtigen Schritt auf dem Weg zur phänomenologischen Betrachtung von Intersubjektivität auf, nämlich danach, welche Rolle das beziehungsweise der Andere sowohl für die Bestimmung individueller, also subjektiver, Existenz sowie für die Konstitution von Wahrheit im Sinne von objektiver Gültigkeit besitzt. Diese Anmerkungen, die noch in keiner Weise den Erfordernissen einer phänomenologischen Herangehensweise genügen, sollen hier nur vorab als Eckpunkte der späteren ausführlichen Betrachtung erwähnt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ausgangspunkt: Husserls Konzept der transzendentalen Subjektivität
2.1 Solipsismus
2.2 Transzendentale Subjektivität
2.3 Problem und Möglichkeit der Fremderfahrung/ fremden Subjektivität
3 Von der transzendentalen Subjektivität zur transzendentalen Intersubjektivität und intersubjektiven Objektivität
3.1 Primordiale Reduktion
3.2 Konstituierende Intersubjektivität & transzendente Objektivität
3.3 Intersubjektive Subjektivität: Monadologie als Synthese
4 Fazit: Bedeutung für die Phänomenologie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Problem der Intersubjektivität in der Philosophie Edmund Husserls, insbesondere die Frage, wie die Wahrnehmung fremder Subjekte innerhalb einer transzendentalen Phänomenologie möglich ist und inwiefern dies eine notwendige Voraussetzung für die Konstitution objektiver Weltgeltung darstellt.
- Die Auseinandersetzung mit dem Solipsismusvorwurf und der Rolle der Epoché.
- Die Differenzierung zwischen empirischer und transzendentaler Subjektivität.
- Die Analyse der Fremderfahrung durch Leiblichkeit und Appräsentation.
- Der Übergang von der primordialen Konstitution zur intersubjektiven Gemeinschaft (Monadologie).
Auszug aus dem Buch
2.1 Solipsismus
Als Solipsismus bezeichnet man in der Philosophie gemeinhin eine Auffassung, die ein Bewusstsein oder ein Ich als das tatsächlich einzig existierende Subjekt, den „solus ipse“ (Husserl 20121: 89), und mithin die Unmöglichkeit eines „alter ego“ postuliert. Ein solches tatsächliches Postulat Husserls ist hingegen nicht Gegenstand der Kritik gewesen, sie erstreckt sich vielmehr auf den Vorwurf an seine Methodik, mittels derer eine angemessene Erfassung des Anderen als alter ego nicht möglich sei (Theunissen 1965: 153 ff).
Der Solipsismus bzw. der Vorwurf eines solchen an Husserls Phänomenologie basiert auf einer ganzen Reihe von Missverständnissen und Fehlinterpretationen, die von der sich anfangs als egologisch darstellenden Phänomenologie und ihrer Methode der Reduktion und Epoché ausgehen, des weiteren aber teilweise auch auf ein grundsätzlich unvollständiges Verständnis des Ziels des phänomenologischen Projekts verweisen. Eng verbunden mit einem dieser Missverständnisse wiederum ist Husserls Konzeption der Intentionalität und der aus ihr resultierende „Vorrang des Subjekts“ (Zahavi 2009: 49). Das gängige Postulat, dass Bewusstsein immer Bewusstsein von etwas ist, bringt Zahavi auf die folgende Formel:
„Der Gedanke ist eher, dass jedes Phänomen, jedes Erscheinen eines Gegenstandes, immer ein Erscheinen von etwas für jemanden darstellt. Wenn man verstehen möchte, wie körperliche Gegenstände […] als das erscheinen können, was sie sind, und zwar mit der Bedeutung, die sie haben, dann muss man zwangsläufig das Subjekt oder die Subjekte mit einbeziehen, denen sie erscheinen.“ (Ders. 2007: 18)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Intersubjektivität als Grundvoraussetzung für Wissenschaft und Objektivität ein und skizziert die Problematik des philosophischen Anfangens bei Husserl.
2 Ausgangspunkt: Husserls Konzept der transzendentalen Subjektivität: Dieses Kapitel behandelt die kritische Auseinandersetzung mit dem Solipsismus, definiert den Begriff der transzendentalen Subjektivität und erörtert die Herausforderungen der Fremderfahrung.
3 Von der transzendentalen Subjektivität zur transzendentalen Intersubjektivität und intersubjektiven Objektivität: Der Hauptteil erläutert den Weg über die primordiale Reduktion hin zur konstituierenden Intersubjektivität und der monadologischen Synthese, um eine intersubjektiv gesicherte Objektivität zu begründen.
4 Fazit: Bedeutung für die Phänomenologie: Das Fazit stellt dar, dass die Analyse der Intersubjektivität keine bloße Ergänzung, sondern eine unabdingbare Voraussetzung für die Phänomenologie als philosophische Grundwissenschaft ist.
Schlüsselwörter
Phänomenologie, Edmund Husserl, Intersubjektivität, Transzendentale Subjektivität, Solipsismus, Fremderfahrung, Epoché, Intentionalität, Leiblichkeit, Appräsentation, Objektivität, Alter Ego, Monadologie, Konstitution, Ur-Eigenes.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Husserlsche Konzept der Intersubjektivität und analysiert, wie trotz der methodischen Ausgangslage eines egologischen Bewusstseins die Erfahrung fremder Subjekte und eine objektive Welt konstituiert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der transzendentale Idealismus, die Rolle des Leibes in der Wahrnehmung, die Methode der Reduktion und die Überwindung des Solipsismus durch das Konzept der Intersubjektivität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nachweis zu erbringen, dass die transzendentale Phänomenologie durch die Einbeziehung mehrerer Subjekte erst die Möglichkeit zur Konstitution einer intersubjektiv gültigen Objektivität gewinnt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die phänomenologische Analyse, um die erkenntnistheoretischen Strukturen und die konstitutiven Leistungen des transzendentalen Ichs in Bezug auf die Weltwahrnehmung freizulegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der primordialen Reduktion, der kritischen Auseinandersetzung mit der Fremderfahrung innerhalb der Primordialsphäre sowie der Entwicklung einer transzendentalen Intersubjektivität als Gemeinschaft von Monaden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Phänomenologie, Intersubjektivität, Transzendentale Subjektivität, Solipsismus, Leiblichkeit und Konstitution.
Wie unterscheidet sich die "empirische" von der "transzendentalen" Subjektivität bei Husserl?
Während die empirische Subjektivität das Subjekt als mundanes, in der Welt existierendes Wesen betrachtet, bezieht sich die transzendentale Subjektivität auf das konstituierende Ich, das die objektive Welt als solche erst ermöglicht.
Warum spielt der menschliche Leib eine so wichtige Rolle für die Intersubjektivität?
Der Leib fungiert als „Nullpunkt aller Orientierungen“ und ermöglicht durch seine Doppelstellung als Inneres und Äußeres eine besondere Form der Erfahrung, die Husserl als Ausgangspunkt für die Fremderfahrung und die Appräsentation nutzt.
Was bedeutet der Begriff "Paarung" in Husserls Philosophie?
Paarung beschreibt eine wechselseitige, verähnlichende Apperzeption, durch die mein Ego und das Alter Ego sich gegenseitig aufeinander beziehen und das eigene Primordiale transzendieren, um Objektivität zu ermöglichen.
Ist die Phänomenologie nach Husserl solipsistisch?
Nein, der Vorwurf des Solipsismus basiert auf Fehlinterpretationen der Epoché. Husserls Ansatz zielt explizit darauf ab, durch die Intersubjektivität eine transzendentale Basis zu schaffen, die über das singuläre Bewusstsein hinausgeht.
- Citar trabajo
- Stefan Herber (Autor), 2015, Die transzendentale Phänomenologie bei Edmund Husserl. Subjektivität, Intersubjektivität und Objektivität, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/911973