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Die Debatte um einen EU-Beitritt der Türkei

Vergleich des wissenschaftlichen Diskurses mit der in den deutschen Medien geführten Debatte

Title: Die Debatte um einen EU-Beitritt der Türkei

Thesis (M.A.) , 2007 , 167 Pages , Grade: noch offen

Autor:in: Jenni Egenolf (Author)

Politics - Topic: European Union
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Summary Excerpt Details

„Eine Türkei, die in die EU eintreten kann, wird eine andere sein,
als die, die wir kennen. (...)
Eine EU, in die die Türkei eingetreten ist, wird auch eine andere sein.“

Als Grenzland zwischen Europa und Asien, zwischen Christentum und Islam und zwischen westlichem und östlichem Kulturkreis, lässt die Türkei in ihrer Geschichte bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts ein großes Interesse an Europa erkennen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bewegt sich die Türkei kontinuierlich auf Europa zu, indem sie westliche Gesellschaftsentwürfe zum Leitbild für die Modernisierung des türkischen Staates, der Gesellschaft und der Wirtschaft erklärte. Zur Vollendung dieser Entwicklung, strebt die Türkei nun den Beitritt in die Europäische Union (EU) an.

Der Beschluss des Europäischen Rates von Brüssel am 3. Oktober 2005 Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufzunehmen, hat europaweit kontroverse Debatten ausgelöst. Die öffentliche und fachliche Aufmerksamkeit für den möglichen Beitritt der Türkei ist geradezu überwältigend. Die Debatte wird vor allem im Kreis der Altmitglieder der Europäischen Union in zahlreichen tagespolitischen Medien, in politischen Zentren, in Fachjournalen und Expertenrunden heftig ausgetragen. Je greifbarer die Beitrittsperspektive für die Türkei wurde, desto heftiger wurden die geführten Diskussionen.
In der auf breiter Basis geführten Debatte, die durch satte Polemik, flammende Plädoyers, sowie neutrale Problemskizzen charakterisiert ist, werden eine Vielzahl von Argumenten für das Für und Wider einer EU-Mitgliedschaft der Türkei vorgetragen. Hier ist eine Aufteilung in zwei verschiedene Argumentationsebenen zu beobachten. Einerseits verläuft die Debatte auf der Ebene der von der EU vorgegebnen Beitrittskriterien, den Kopenhagener Kriterien. Hier werden in erster Linie die politischen, rechtlichen, ökonomischen und sozialen Aspekte eines EU-Beitritts der Türkei näher beleuchtet. Andererseits thematisiert eine andere Ebene der Argumentationen die kulturelle und religiöse Andersartigkeit der Türkei. Damit wird die Beitrittsmöglichkeit eines Landes zum ersten Mal mit kulturell-religiösen Fragestellungen verbunden.
Gleichzeitig gewinnen die offenen Fragen nach der Identität und Finalität der EU und ihren Grenzen sowie die Diskussion welches Ausmaß an Erweiterung für die Union finanziell und strukturell überhaupt erwünscht und verkraftbar ist, im Rahmen der türkischen Beitrittsdebatte wieder an Bedeutung.[...]

Excerpt


Gliederung

1. Ziel und Aufbau der Arbeit

2. Die Türkei – Ein Kurzüberblick

2.1 Geostrategische Lage

2.2 Die Wurzeln der Westorientierung

2.2.1 Das Osmanische Reich

2.2.2 Die Jungtürken

2.2.3 Der Niedergang des Osmanischen Reiches und die Gründung der türkischen Republik

2.2.4 Die Kulturrevolution Atatürks und ihre Ziele

2.2.5 Die sechs Prinzipien des Kemalismus

3. Die Entwicklung des institutionellen Anschlusses der Türkei an die Europäische Union

3.1 Das Assoziierungsabkommen

3.2 Die problematische Entwicklung der türkischen Integration bis zum Ende der 80er Jahre

3.3 Der Antrag auf Vollmitgliedschaft

3.4 Die veränderte Ausgangssituation der Türkei - EU Beziehungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts

3.5 Die weitere Entwicklung der Beziehungen bis zur Realisierung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei

3.6 Das Zollunionsabkommen zwischen der Türkei und der EU

3.7 Wichtige Entwicklungen im Vorfeld des Europäischen Rates von Luxemburg

3.8 Das Gipfeltreffen der Europäischen Union in Luxemburg

3.9 Der Beschluss von Helsinki

3.10 Das Dokument über die Beitrittspartnerschaft und die weiteren Entwicklungen bis 2004

3.11 Die Erlangung des Beitrittskandidatenstatus und die weitere Entwicklung bis heute

4. Europäische Perspektiven – Chancen und Risiken für die EU im Falle eines EU-Beitritts der Türkei

4.1 Geopolitische und geostrategische Dimension

4.1.1 Von der anti- Riegelfunktion zur multidimensionalen strategischen Partnerschaft

4.1.2 Geopolitische Bedeutung – Außenbeziehungen der Türkei

4.1.3 Geostrategische Bedeutung

4.1.4 Energie- und Sicherheitspolitik

4.1.4.1 Die Türkei als Energieversorger

4.1.4.2 Die Türkei als sicherheitspolitischer Stabilisator

4.1.4.3 Politische und soziale Stabilisierung der Türkei

4.2 Institutionelle Dimension

4.3 Ökonomische und soziale Dimension

4.3.1 Die wirtschaftliche Situation der Türkei

4.3.2 Wirtschaft

4.3.3 Migration

4.4 Geographische Dimension

4.5 Kulturelle Dimension

4.5.1 Kultur

4.5.2 Politische Kultur

4.5.3 Religion

4.6 Identität

4.6.1 Definition europäischer Identität durch geschichtlichen und religiösen Hintergrun

4.6.2 Definition europäischer Identität durch Willenserklärung zur Zugehörigkeit

4.6.3 Definition europäischer Identität - EU als Werte- und Rechtsgemeinschaft

4.6.4 Identität – Die allgemeine Diskussion

4.6.5 Die europäische Identität

4.6.6 Die türkische Identität

4.7 Mögliche Alternativen zu einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei

4.7.1 Privilegierte Partnerschaft

4.7.2 Erweiterte Assoziierte Mitgliedschaft

4.7.3 Abgestufte Integration

5. Türkische Perspektiven – Chancen und Risiken für die Türkei im Falle eines EU-Beitritts

5.1 Politik

5.2 Wirtschaft

5.3 Gesellschaft

6. Die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei in den deutschen Medien

6.1 Theoretisch-methodische Zuordnung der Analyse

6.1.1 Die wissenssoziologische Diskursanalyse

6.1.1.1 Die Medieninhaltsanalyse

6.1.2 Allgemeine methodische Vorüberlegungen

6.1.2.1 Forschungspraktische theoretische Herangehensweise

6.1.2.2 Quantitative und qualitative Elemente der Inhaltsanalyse

6.1.2.3 Qualitative Forschung - Interpretation und Kontrolle – hermeneutischer Zirkel und seine methodische Umsetzung

6.1.2.4 Qualitative Analyseinstrumente I - Frames, Argumentationsmuster, Argumentationsebene/stil, Bias

6.1.2.5 Qualitative Analyseinstrumente II und quantitative Gewichtung von Frames, Argumenten und Schlüsselbegriffen

6.2 Untersuchungsvorgehen

6.2.1 Untersuchungszeitraum

6.2.2 Untersuchungseinheiten

6.2.3 Ausschlusskriterien

6.3 Ergebnisse

6.3.1 Vergleich der Relevanz des Themas

6.3.1.1 Querschnitt- und Symbolanalyse

6.3.1.2 Längsschnittanalyse

6.3.2 Feinanalyse und Rekonstruktion der Frames

6.3.3 Codierung, Identifizierung und Gewichtung der Frames

6.3.3.1 Codierschema für die Inhaltsanalyse

6.3.3.2 Identifizierte Frames

7. Vergleich und Bewertung des wissenschaftlichen Diskurses mit der in den Medien geführten Debatte

8. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, den wissenschaftlichen Diskurs über einen möglichen EU-Beitritt der Türkei dem in deutschen Medien geführten gesellschaftlichen Diskurs gegenüberzustellen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob beide Debatten mit ähnlichen Argumentationslinien und Themenschwerpunkten arbeiten oder signifikante Unterschiede aufweisen, und welche Faktoren diese Differenzen begründen könnten.

  • Analyse der Chancen und Risiken eines türkischen EU-Beitritts aus europäischer und türkischer Perspektive.
  • Untersuchung der historischen Wurzeln und der Entwicklung der institutionellen Annäherung der Türkei an die EU.
  • Qualitative Diskursanalyse von Kommentaren in ausgewählten deutschen Printmedien zur Identifizierung dominanter Frames.
  • Bewertung des Einflusses politischer, ökonomischer und kultureller Argumente in der öffentlichen Debatte.
  • Vergleich der medialen Gewichtung einzelner Themengebiete mit der wissenschaftlichen Fachdiskussion.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Das Osmanische Reich

Die Eroberung Istanbuls stellte das Ende des tausendjährigen Oströmischen Reichs dar und markierte zugleich den Beginn der osmanischen Großmacht in Europa. Das Osmanische Imperium, das sich auf drei Kontinente, nämlich Europa, Asien und Afrika erstreckte, verstand sich jedoch von Beginn an im politischen und diplomatischen Sinne eher als eine europäische und nicht als eine asiatische Macht.

Spätestens im 16. Jahrhundert hatte das osmanische Reich unter Süleyman (1520-1566) begonnen, eine Rolle als europäische Großmacht zu spielen und sich auf Europa zuzubewegen, als ein Vertrag mit Frankreich unterzeichnet wurde, der sich in erster Linie gegen das Habsburgreich, den gemeinsamen Gegner in Zentraleuropa richtete. In der Blütezeit des Osmanischen Reiches konnte jedoch keinesfalls von einer Suche nach europäischen Modellen die Rede sein, denn die osmanischen Türken betrachteten sich als kulturell und zivilisatorisch gegenüber dem christlichen Europa überlegen. Doch zu Beginn des 17.Jahrhunderts begann sich die osmanisch-türkische Vormachtstellung zu relativieren. Als das Osmanische Reich dann 1768 in Folge des türkisch-russischen Krieges große Gebietsverluste auf dem Balkan und im Kaukasus hinnehmen musste, war diese Vormachtstellung in der Europapolitik endgültig verloren. Grund hierfür war die mangelnde militärische Konkurrenzfähigkeit des Osmanischen Reiches gegenüber den anderen europäischen Großmächten, die auf die abendländischen Fortschritte im Bereich Wissenschaft und Technik zurückzuführen war.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Ziel und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Zielsetzung, die methodische Vorgehensweise und den Aufbau der Untersuchung des wissenschaftlichen und medialen Diskurses.

2. Die Türkei – Ein Kurzüberblick: Historischer Überblick über die Geostrategie, die Wurzeln der Westorientierung sowie die Entwicklung vom Osmanischen Reich zur modernen Türkischen Republik.

3. Die Entwicklung des institutionellen Anschlusses der Türkei an die Europäische Union: Detaillierte Nachzeichnung der vertraglichen Beziehungen von den Anfängen bis zur Erlangung des Beitrittskandidatenstatus.

4. Europäische Perspektiven – Chancen und Risiken für die EU im Falle eines EU-Beitritts der Türkei: Vertiefende wissenschaftliche Analyse der geopolitischen, institutionellen, ökonomischen, geographischen und kulturellen Argumente.

5. Türkische Perspektiven – Chancen und Risiken für die Türkei im Falle eines EU-Beitritts: Untersuchung der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen aus Sicht der Türkei.

6. Die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei in den deutschen Medien: Methodische Erläuterung der Diskursanalyse und Vorstellung der Ergebnisse anhand von Zeitungsbeiträgen.

7. Vergleich und Bewertung des wissenschaftlichen Diskurses mit der in den Medien geführten Debatte: Synoptische Gegenüberstellung der Ergebnisse und kritische Bewertung der medialen Darstellung.

8. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Einordnung der Debatte in den Kontext der Finalität der Europäischen Union.

Schlüsselwörter

Türkei, Europäische Union, EU-Beitritt, Diskursanalyse, Medienberichterstattung, Geopolitik, Europäische Identität, Zollunion, Beitrittsverhandlungen, Beitrittskriterien, kulturelle Dimension, politische Kultur, Migration, Integrationsmodelle, Westorientierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie ein möglicher EU-Beitritt der Türkei sowohl in der wissenschaftlichen Fachdiskussion als auch in deutschen Printmedien thematisiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten gehören geopolitische und geostrategische Interessen, die institutionelle Einbindung, ökonomische Auswirkungen sowie Identitäts- und kulturelle Fragen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu ermitteln, ob Wissenschaft und Medien ähnliche Argumentationsmuster nutzen oder ob die mediale Debatte durch Vereinfachungen und Vorurteile geprägt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine wissenssoziologische Diskursanalyse in Kombination mit Elementen der Medieninhaltsanalyse, insbesondere der Frame-Analyse.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Analyse der Pro- und Contra-Argumente sowie eine empirische Untersuchung von Zeitungsartikeln zu bestimmten Zeiträumen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem die Zollunion, die Kopenhagener Kriterien, der Status als Beitrittskandidat, die Frage der "europäischen Identität" und die verschiedenen Integrationsmodelle.

Welche Rolle spielt das Militär in der türkischen Debatte?

Das Militär wird einerseits als Garant für die säkulare Grundordnung der Republik gesehen, andererseits aber auch als Reformbarriere für eine tiefgreifende Demokratisierung nach EU-Maßstäben kritisiert.

Wie unterscheiden sich die Medien von der Wissenschaft in ihrer Berichterstattung?

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Medien oft verkürzte, wertende Statements bevorzugen, während die wissenschaftliche Diskussion Themen aus verschiedenen Perspektiven differenzierter hinterfragt.

Warum ist die "Brückenfunktion" der Türkei in der Debatte so bedeutend?

Die Türkei wird oft als geographisches und strategisches Bindeglied zum Nahen Osten gesehen, wobei Befürworter dies als Chance zur Stabilisierung und Gegner als Sicherheitsrisiko durch Krisenregionen interpretieren.

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Details

Title
Die Debatte um einen EU-Beitritt der Türkei
Subtitle
Vergleich des wissenschaftlichen Diskurses mit der in den deutschen Medien geführten Debatte
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
noch offen
Author
Jenni Egenolf (Author)
Publication Year
2007
Pages
167
Catalog Number
V91202
ISBN (eBook)
9783640151158
Language
German
Tags
Debatte EU-Beitritt Türkei
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jenni Egenolf (Author), 2007, Die Debatte um einen EU-Beitritt der Türkei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91202
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