In dieser Arbeit soll beantwortet werden, was ein postmoderner Film ist und ihn auszeichnet und ob aufgrund der gemeinsamen Merkmale ein eindeutiger Einfluss von Godards "À bout de soffle" auf den postmodernen Film konstatiert werden kann.
Zunächst sollen die ‘politique des auteurs‘ und die Nouvelle Vague näher erläutert werden, deren Theorie eng mit Godards Filmschaffen zusammenhängt. Danach erfolgt eine Analyse von Godards "À bout de souffle" in Bezug auf stilistische und inhaltliche Mittel, durch die Metafiktion erreicht wird. Es folgt eine nähere Betrachtung der Merkmale des postmodernen Films, ehe untersucht werden soll, inwiefern "À bout de souffle" als Film zwischen Moderne und Postmoderne betrachtet werden kann.
Anschließend sollen die Ähnlichkeiten zwischen Godards Film und dem postmodernen Film anhand einiger Filmbeispiele aufgezeigt werden, um die Rolle von "À bout de souffle" als ein Grundstein des späteren postmodernen Films zu verdeutlichen.
Mit "À bout de souffle" schuf Jean-Luc Godard einen Film, der radikal mit den etablierten Erzähltraditionen des klassischen Hollywood-Kinos brach. Als Regisseur der Nouvelle Vague wandte er sich gegen alle Regeln des französischen ‘cinéma de qualité‘ und brachte einen Film auf der Leinwand, der keine Illusion mehr sein wollte, sondern sich selbst thematisierte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Autorenfilm und die politique des auteurs
3. Jean-Luc Godard und die Nouvelle Vague
4. Analyse von Jean-Luc Godards À bout de souffle (1960)
4. 1 Diskontinuität durch inhaltliche und technische Stilbrüche
4.2 Intermedialität und intramediale Bezüge
4.3 Zerstörung der filmischen Illusion durch Metafiktion und Selbstreflexivität
5. Postmoderne Tendenzen im Film
5.1 Der Begriff der Postmoderne mit Bezug auf den Film
5. 2 Jean-Luc Godards À bout de souffle zwischen Moderne und Postmoderne
6. Einfluss von Jean-Luc Godards À bout de souffle auf den postmodernen Film
6.1 Pulp Fiction (1994)
6.2 True Romance (1993)
6.3 Natural Born Killers (1994)
6.4 Wild at Heart (1990)
6.5 Fazit
7. Schlussbemerkung: Godards Einfluss auf den postmodernen Film
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Jean-Luc Godards Film "À bout de souffle" (1960) auf das postmoderne Kino, indem sie zentrale metafiktionale und intermediale Stilmittel analysiert und deren Anwendung in ausgewählten Filmen der 1990er Jahre nachweist.
- Die Theorie der "politique des auteurs" und ihr Einfluss auf die "Nouvelle Vague".
- Stilistische und inhaltliche Analysen von Godards "À bout de souffle".
- Definition und Merkmale des postmodernen Films, wie Intermedialität und Doppelcodierung.
- Vergleichende Untersuchung des Godardschen Einflusses auf Filme wie "Pulp Fiction" und "Natural Born Killers".
- Die Rolle der Metafiktion als Distanz schaffendes Element zwischen Film und Zuschauer.
Auszug aus dem Buch
4.1 Diskontinuität durch inhaltliche und technische Stilbrüche
À bout de souffle folgt auf inhaltlicher Ebene keiner linearen Erzählstruktur. Der Film beginnt in medias res: In der Anfangsszene befindet sich der Protagonist Michel bereits auf der Flucht, ohne dass dem Rezipienten die Ursache dafür erklärt wird. Alle interagierenden Charaktere im Film kennen sich zudem bereits, ohne dass der Zuschauer in die Geschichte und die Personenkonstellationen eingeführt wird. À bout de souffle bricht damit deutlich mit den narrativen Erzähltraditionen des Hollywood-Kinos „welches transparente, aber hochgradig standardisierte filmische Darstellungsformen hervorbrachte und den Zuschauer mit möglichst optimal auf die Vermittlung der Geschichte hin funktionalisierten Informationen versorgte“ (Flückiger 2016: 191).
Godards Film beschränkt sich zudem nicht mehr auf drehbare und für die Erzählstruktur notwendige Szenen. „Vielmehr scheinen die erzählerischen Entwicklungen einem Zufallsprinzip zu folgen, in dem wenig informative Szenen – durch die Stadt flanieren, im Café sitzen, mit dem Auto herumfahren, diskutieren, im Bett herumliegen – viel Raum einnehmen“ (Flückiger 2016: 191). Mit dieser Erzählweise verletzt Godard die Regeln der Kontinuität und wendet sich von der Umsetzung einer formalisierten Story ab, die sich deutlich einem Genre zuordnen lässt, geradlinig erzählt wird und die Erwartungen der Zuschauer erfüllen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von "À bout de souffle" als Bruch mit klassischen Traditionen ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Einfluss des Films auf das postmoderne Kino.
2. Der Autorenfilm und die politique des auteurs: Dieses Kapitel erläutert die filmtheoretische Aufwertung des Regisseurs zum "Autor" und die Abkehr vom französischen "cinéma de qualité".
3. Jean-Luc Godard und die Nouvelle Vague: Der Text beschreibt die Entstehung der "Nouvelle Vague" durch die Filmkritiker der "Cahiers du cinéma" und deren Streben nach ästhetischer Innovation.
4. Analyse von Jean-Luc Godards À bout de souffle (1960): Hier werden die stilistischen und inhaltlichen Neuerungen des Films, wie der Einsatz von Jump Cuts und Metafiktion, detailliert analysiert.
4. 1 Diskontinuität durch inhaltliche und technische Stilbrüche: Fokus auf die Zerstörung der linearen Erzählweise und der filmischen Kontinuität.
4.2 Intermedialität und intramediale Bezüge: Analyse des Umgangs mit Referenzen an andere Medien und die Einbettung von Pop- und Hochkultur.
4.3 Zerstörung der filmischen Illusion durch Metafiktion und Selbstreflexivität: Untersuchung der Mittel, die den Rezipienten aus der Illusion des Films herauslösen und zur aktiven Auseinandersetzung bewegen.
5. Postmoderne Tendenzen im Film: Dieses Kapitel definiert postmoderne Merkmale, wie Pluralismus und Doppelcodierung, im Kontext des Kinos.
5.1 Der Begriff der Postmoderne mit Bezug auf den Film: Theoretische Einordnung des Postmodernismus anhand des Pluralismusbegriffs von Wolfgang Welsch.
5. 2 Jean-Luc Godards À bout de souffle zwischen Moderne und Postmoderne: Einordnung von Godards Erstlingswerk als avantgardistischer, moderner Film, der bereits postmoderne Wege vorgab.
6. Einfluss von Jean-Luc Godards À bout de souffle auf den postmodernen Film: Vergleich des Godardschen Stils mit ausgewählten Filmen der 1990er Jahre.
6.1 Pulp Fiction (1994): Analyse der postmodernen Referenzen und Metafiktion in Tarantinos Werk.
6.2 True Romance (1993): Betrachtung der Parodie von Filmtraditionen und Popkultur-Anspielungen bei Tony Scott.
6.3 Natural Born Killers (1994): Untersuchung der Ästhetisierung von Gewalt und der medienkritischen Ebene bei Oliver Stone.
6.4 Wild at Heart (1990): Analyse der Verbindung von Romantik und Gewalt als postmoderne Parodie bei David Lynch.
6.5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Kontinuität und Weiterentwicklung von Godards Stilelementen in späteren postmodernen Produktionen.
7. Schlussbemerkung: Godards Einfluss auf den postmodernen Film: Zusammenfassendes Fazit über Godards Rolle als Wegbereiter für das moderne postmoderne Kino.
Schlüsselwörter
Jean-Luc Godard, À bout de souffle, Nouvelle Vague, Postmoderne, Film, Metafiktion, Intermedialität, Autorenfilm, Politique des auteurs, Jump Cuts, Doppelcodierung, Filmgeschichte, Popkultur, Kino, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den künstlerischen Einfluss von Jean-Luc Godards Film "À bout de souffle" auf die Entwicklung des postmodernen Kinos, insbesondere im Hinblick auf stilistische Neuerungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die Theorie des Autorenfilms ("politique des auteurs"), die "Nouvelle Vague", Konzepte der Intermedialität sowie die Merkmale postmodernen Erzählens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, ob und inwiefern der Film "À bout de souffle" als technischer und inhaltlicher Grundstein für spätere postmoderne Filme betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, die sowohl theoretische Grundlagen (Filmtheorie) als auch praktische Filmanalysen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse von Godards Film, eine theoretische Abgrenzung der Postmoderne im Film und den Vergleich mit Beispielen wie "Pulp Fiction" oder "Natural Born Killers".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Metafiktion, Doppelcodierung, Intermedialität, Nouvelle Vague und der Autorenstatus des Regisseurs.
Wie unterscheidet sich Godards Umgang mit Gewalt von dem der untersuchten postmodernen Filme?
Während Godard Gewalt und Stile eher intellektuell dekonstruiert, nutzen spätere postmoderne Regisseure wie Oliver Stone oder Quentin Tarantino häufig eine bewusste Ästhetisierung und Exzessivität bei der Darstellung von Gewalt.
Inwieweit spielt die "politique des auteurs" eine Rolle für die ausgewählten Regisseure?
Die Arbeit zeigt auf, dass Regisseure wie Tarantino oder Stone einen stark erkennbaren "Autoren-Stil" pflegen, der der Godardschen Vorstellung des Regisseurs als kreativem Hauptverantwortlichen sehr nahekommt.
- Quote paper
- Sophie Barwich (Author), 2020, Jean-Luc Godard. Sein Einfluss auf den postmodernen Film durch "À bout de souffle", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/912115