Darstellendes Spiel. Die Rolle des Spielens in der frühkindlichen Erziehung


Hausarbeit, 2020

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition Darstellung (Wiedergabe):

2. Definition Spiel

3. Darstellendes Spiel
3.1. Definition darstellendes Spiel:
3.2. Spielformen:

4. Darstellende Spiel Bedeutung für Kinder

5. Darstellende Spiel Bedeutung für Jugendliche und Erwachsene

6. Welche Entwicklungsbereiche werden gefördert?

7. Rolle der Erziehenden

8. Sachanalyse: weihnachtliches Krippenspiel

9. Abschlussbemerkung

10. Literaturverzeichnis:

Da die Themen „darstellendes Spiel“ und „das Spiel an sich“ untrennbar miteinander verbunden sind, ist es notwendig bei den Definitionen zuerst auf jede einzelne Begrifflichkeit einzugehen und die wichtigsten Aussagen zusammenzufassen.

1. Definition Darstellung (Wiedergabe):

Unter Darstellung versteht man die Umsetzung von Ereignissen und Sachverhalten mittels diversen Zeichen, Modellen und Handlungen. Voraussetzung ist die Absicht und der Wille einer Wiedergabe und die Verdeutlichung. Darstellungen finden wir im Bereich der Kunst, der Musik, des Schauspiels bis hin zur Computergrafik und schließt zahlreiche Vermittlungsmethoden zwischen Text, Bild und künstlerischer Aufführung ein. (vgl. Wikipedia)

2. Definition Spiel

Spiel ist eine freiwillige, selbstbestimmte Tätigkeit deren Motivation aus dem Spielenden selbst entsteht. Spiel ist aktiv, zweckfrei, lustbetont und phantasiegeleitet, Spiel ist der Wechsel von Spannung und Entspannung. Weiterhin ist Spiel geprägt von Wiederholungen, von Ritualen und von Übung; der Spielprozess steht im Mittelpunkt und nicht ein Arbeitsergebnis. Hier trifft die Bezeichnung: „die Lust am Tun“. (vgl. Pausewang, 1997, S. 10) Voraussetzung für lustvolles Spielen ist eine angemessene Spielatmosphäre, die Befriedigung der Grundbedürfnisse des Spielenden, ausreichend Spielzeit und ein zur Verfügung stehender Spielraum. Der Spielende setzt sich mit sich, seiner Umwelt und anderen Personen auseinander, nimmt Eindrücke auf, verarbeitet diese, und sortiert und speichert diese Ergebnisse. Er vergleicht seine innere Welt mit seiner Außenwelt und dies ist der Grundstein seiner Entwicklung. Spielerisch bereitet sich das Kind auf sein Leben vor. Beim Spiel erprobt das Kind eigene Grenzen, überschreitet diese und wächst an den selbst gestellten Aufgaben. Beim selbstbestimmten Spiel zeigt das Kind Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Durchhaltevermögen und eine schier unerschöpfliche Entdeckungsfreude. (vgl. ebd., S. 16)

Bereits der Säugling beginnt zu spielen. Je älter die Kinder sind, umso weitschichtiger und umfangreicher wird das Spiel. (vgl. ebd., S. 19)Die Grundformen des Spieles sind bei allen Kindern sehr ähnlich. Diese Spielformen lösen sich nicht ab, sondern es gibt fließende Übergänge, vielfältige Überschneidungen, Spielformen bleiben erhalten und entwickeln sich weiter. (vgl. Dietrich et al., 2018, S. 192)

Im Funktionsspiel/ Sensomotorisches Spiel/ Explorationsspiel erforscht bereits der Säugling seinen eigenen Körper und seine Umwelt, macht Erfahrungen und sortiert diese kognitiv und festigt diese durch ständige Wiederholungen. Er macht sich dadurch ein Bild von sich selbst und seiner Umwelt und das Explorationsspiel nimmt entsprechend der Steigerung der Beweglichkeit des Kindes zu. Als praktische Beispiele seien hier im Säuglingsalter das Greifen, das Mundeln, das Lallen usw. genannt. (vgl. ebd.) Die Kinder spielen aus Freude an der Bewegung. Sie experimentieren mit ihrem Körper und ihren Fähigkeiten, wie balancieren, rennen, wippen, schaukeln usw.

Man unterscheidet im Funktionsspiel zwei Phasen. Einmal die unspezifisch funktionale Phase. Diese ist gekennzeichnet dass die Aktivität oder die Bewegung nicht sinnvoll oder sachgerecht erscheint. Hier sind den Kindern Materialerfahrungen wichtig und erfahren die Handhabung und den Nutzen von Gegenständen. Beispiele dafür sind Sachen auf den Boden fallen lassen, Schränke ausräumen oder im Sandkasten matschen. Die zweite Phase ist das spezifisch funktionale Spiel; hier ist ein Sinn in der Spielhandlung und Bewegung zu erkennen, wie zum Beispiel das Bauen von Türmen mit Bauklötzen.

Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt das Konstruktionsspiel. Das Kind begreift immer mehr Zusammenhänge und setzt zielgerichtet eigene Ideen in die Tat um. Es sucht und braucht Problembewältigung im Spiel (erste Rollenspiele mit imaginären Spielpartnern) und entwickelt durch seine schöpferische Kraft eine ungeahnte Kreativität. (vgl. ebd.) Es wählt selbstbestimmt neue Herausforderungen und stärkt damit sein Selbstbewusstsein. Jetzt werden vom Kind aktiv Material und Personen mit einbezogen. Jetzt wird gebastelt, gebaut und gemalt.

Gegen Ende des zweiten Lebensjahres beginnt das Kind mit dem Symbol- und Rollenspiel. Im Symbolspiel gibt das Kind fiktiv den Gegenständen andere Funktionen und agiert nach dem Motto: „So tun als ob“. Häufig finden sich hier Tätigkeiten die das Kind nicht alleine machen kann, z. B. Kapitän auf einem Schiff sein. (vgl. ebd., S. 193) Im weiteren Verlauf versetzt sich das Kind selbst oder seine Spielpartner in andere aufregende Rollen, dies wird dann als Rollenspiel bezeichnet. Es werden hier wirkliche oder erfundene Situationen durchgespielt und die Kinder schlüpfen in die verschiedensten Rollen. Es kann damit Eindrücke verarbeiten, Handlungen aus verschiedenen Perspektiven erfahren. Das Kind bildet damit seine eigene Identität aus und kann Ängste und Konflikte bewältigen. Ein Beispiel hierfür ist das Vater-Mutter-Kind-Spiel. (vgl. Thiesen, 2014, S. 157) Wichtig ist hierbei, dass das Spielmaterial möglichst nicht perfekt vorgefertigt ist, um bei den Kindern die Phantasie und Kreativität umfangreich anregen zu können.

Bei den Regelspielen agieren die Kinder zu zweit oder in Kleingruppen. Die Regeln dienen als Richtschnur und stellen eine Vorbereitung auf Normen, Werte und Verbindlichkeiten des späteren Lebens dar. Für die Regeleinhaltung bedarf es einer vorherigen Absprache, Regeln werden von den Kindern erfunden und verändert. (vgl. ebd., S. 193) Zu den Regelspielen gehören Kartenspiele, Brettspiele, sportliche Spiele, Kreisspiele, Straßenspiele, etc. Mit zunehmendem Alter können sich die Kinder immer mehr an die Spielregeln halten und es geht ihnen mehr und mehr um einen Wettbewerb im Spiel. Dies fördert die Leistungsbereitschaft und das Durchhaltevermögen. Weiterhin lernen die Kinder den Umgang mit dem Verlieren können bzw. sich mit der gesamten Gruppe über das Gewinnen auszutauschen.

3. Darstellendes Spiel

3.1. Definition darstellendes Spiel:

Das darstellende Spiel findet vor Publikum statt. Zuschauer können hier unbeteiligte Personen/ Gäste sein oder die spielende Gruppe wird aufgeteilt und eine Hälfte spielt, die zweite Hälfte übernimmt die Zuschauerrolle. (vgl. Pausewang, 1997, S. 154) Dies wird in vielen Ratespielen oder auch bei Singspielen im Kreis praktiziert. Das Publikum kann auch ins Geschehen mit einbezogen werden. Dies ist zum Beispiel beim Mitspieltheater im Handpuppenspiel der Fall. Im darstellenden Spiel wird anderen etwas vorgeführt und vorgespielt unter Regieanweisungen aus der Gruppe oder von außen durch einen Spielleiter. Es bietet die Möglichkeiten Erfahrungen im Spiel mit anderen zu sammeln, sich selbst zu entdecken, sich auszudrücken und anderen mitzuteilen. Hierbei ist Fantasie und Kreativität gefragt, der Spielende nimmt Anregungen von außen auf, verarbeitet diese und stellt seine Vorstellungen produktiv dem Publikum und seinen Mitspielern vor. Es findet ein reger sozialer Austausch statt und führt zur Förderung von sprachlichem und nichtsprachlichem Denken. Es zielt bei der Durchführung nicht auf handwerkliche Perfektion, sondern auf das Erlebnis einer darstellenden Gestaltung und ist eine wesentliche Grundlage für unsere Erfahrungen in der Gesellschaft, unsere eigene Welterfahrung. Das darstellende Spiel soll neben einer körperlich-sinnlichen Erfahrung eine Entdeckungsreise, ein ganz besonderes Abenteuer sein.

3.2. Spielformen:

Pantomimenspiel (darstellendes Spiel ohne Worte)

Diese Art des darstellenden Spieles finden wir von Anfang an wo Lieder gesungen oder Texte gesprochen werden und diese Inhalte pantomimisch von allen Beteiligten begleitet werden. (vgl. Merget, 1998, S. 9) Das Pantomimenspiel ist gerade für jüngere Kinder eine wunderbare Möglichkeit des Einstieges in das Spielen vor Publikum. Bei der Pantomime kann sich der Akteur auf seinen Ausdruck von Körperhaltung, Mimik und Gestik konzentrieren ohne einen Text lernen und sprechen zu müssen. Oft finden die Kinder mehr Mut zum Mitspielen, wenn sie sich ganz auf das Einüben von ausdrucksstarken Bewegungen stützen können. Pantomimenspiel findet sich sehr häufig als Ratespiele oder als gemeinsame Scherzspiele. Voraussetzung ist das vorherige Erkennen von den Charakteren der Personen, Lebewesen, Dinge und Szenen. Nach diesem Erfassen und Hineindenken in diese Charakteristika müssen die Akteure überzeugend spielen, d. h. es erfolgt eine übertreibende Darstellung. (vgl. Pausewang, 1997, S. 154 ff.) Ein besonderer Reiz liegt im originellen Erfinden und Einbringen von eigenen Ideen – dazu sollen die Kinder ermutigt und ermuntert werden. Bei längerem Pantomimentheater kann auch von einem Erzähler die Geschichte vorgetragen werden und die Mimen spielen dazu. Kostüme und Maske sind hierbei möglich, es muss aber darauf geachtet werden, dass der Körperausdruck damit nicht überdeckt wird. Zumeist werden auch Gegenstände pantomimisch dargestellt, wie zum Beispiel das Essen einer Banane. Oder eine imaginäre Türe wird geöffnet oder geschlossen auf variantenreiche Art und Weise: ganz leise schleichend oder wütend knallend.

Figurentheater (Puppen zum Leben erwecken)

Spielfiguren für das Figurentheater sind vielfältig und auch in den meisten Fällen selbst herzustellen und zu gestalten. Es beginnt mit dem Anmalen (z. B. mit Wasser- oder Fingerfarbe) der eigenen Finger und Zehen. Mit den einfachsten Mitteln ist ein Finger-/ Zehentheater hergestellt und eignet sich für frei erfundene Erzählspiele oder Singspiele im Tagesablauf. Eine Weiterführung sind die Fingerpuppen; hierbei werden über die Finger „Kostüme“ aus Filz oder Papier gestülpt und Haare aus Wolle kreativ gestaltet. Die berühmtesten Handpuppen sind die Kasperlefiguren. Hier wird der Zeigefinger in den Kopf gesteckt und Daumen und Mittelfinger bedienen die Arme der Puppe. Eine weitere Variante sind die Stabpuppen – hierbei sind die Figuren an Stäbe oder Stecken befestigt und werden daran verkleidet und angezogen. Hier können einfache Dinge aus dem Haushalt oder Garten zum Leben erweckt werden. Als Beispiele seien angeführt ein Kochlöffel oder Äste und Wurzeln. Komplexer sind dann bereits die Schattenspielfiguren, welche über einen Lebensstab und Führungsstäbe zum Leben erweckt werden. Marionettenspielfiguren haben bereits eine historische Bedeutung und das bekannteste deutsche Marionettentheater ist die Augsburger Puppenkiste. „Durch das Führen der Marionettenpuppen durch schwer sichtbare Fäden scheinen die Puppen sich realitätsgetreu zu bewegen und durch den Raum zu schweben.“ (Dienstbier, 2013, S. 330ff.)

Figurentheater wird ebenfalls immer vor Publikum gespielt, oft wird dieses mit in die Handlung einbezogen, z. B. in Form von Mitspieltheater.

Das Kind ist ein faszinierter Zuschauer und kann den Spieler hinter der Puppe vergessen. So wird die Puppe mit ihren Bewegungen und der Sprache für das Kind zur Realität und kann mit dieser ins Gespräch kommen. Die Kinder werden von den Puppen ernst genommen und tauchen ein in das Reich des Ungekannten, d. h. sie sind Teil des magischen Geschehens und das Kind erlebt die Geschichte mit.

Wichtig ist für die Erziehenden, dass diese Puppen für die Kinder erst mal lebendig gemacht werden müssen bevor das Kind damit auch selbst spielen kann. Für die Kinderhände sollten die Handpuppen möglichst leicht, handlich und benutzerfreundlich gestaltet werden, da sonst die Kinder schnell die Lust am Puppenspiel verlieren. (vgl. Pausewang, 1997, S. 157)

Für Handpuppenvorführungen werden nicht unbedingt Bühnenaufbauten benötigt. Ein Tuch über einem Stuhl oder Tisch ist als Bühne bereits ausreichend. Hier ist Kreativität und Fantasie gefragt. Einfache und günstige Bühnen können als Klappbühnen aus Pappkartons gestaltet werden und ein Tuch dient als Bühnenvorhang. Falls die Bühne beleuchtet werden soll gibt es zu bedenken, dass die Lichtquelle von vorne kommen sollte.

Bei der Handhabung der Puppen gilt es zu beachten, dass die Puppen hoch genug gehalten werden müssen und nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Bewegung entstehen muss. Auch sollten nicht zu viele Spieler gleichzeitig agieren. Wenn die Puppen sprechen sollen diese den Blick auf das Publikum oder die auf die anderen Puppen richten. An Hand der Bewegung muss der Zuschauer erkennen können welche Puppe gerade spricht. Es muss laut und klar und langsam gesprochen werden. Jede Puppe bekommt seine eigene individuelle Stimme.

Der Spielinhalt ist meist ein fröhliches Spiel mit lebensnahen Inhalten. Der Ablauf ist handlungsreich und ein Spannungsbogen muss aufgebaut werden mit einer Auflösung kurz vor dem Schluss. Werden die Zuschauer mit einbezogen sieht das Kind nicht nur ein Puppenspiel sondern erlebt das Spiel hautnah. (vgl. ebd., S. 161)

Schattenspiel (Zuschauer sehen Schattendarstellungen)

Beim Schattenspiel kann der Zuschauer die Figuren oder die Darsteller nicht unmittelbar sehen, sondern erkennt nur einen Schatten, ein Umrissbild. Daher ist es bedeutend dass die Umrisse (sowie auch die Kostüme) eine deutliche Silhouette haben. Da es sich um ein flächiges Spiel handelt werden überbetonte Spielbewegungen dargeboten. Es handelt sich um eine pantomimische Darstellung ohne Worte, Geräusche, Töne und Musik kommen von außen. Körper-, Kopf-, Arm- und Handbewegungen wirken vor allem auch durch eine rhythmische Darstellung. (vgl. ebd. S. 162 f.) Für dieses Schattenspiel werden einfache Requisiten benötigt: ein Raum der abgedunkelt werden kann, ein senkrecht gespanntes Leintuch als Schattenschirm und eine helle Lichtquelle. Bei der Verwendung eines Diaprojektors können über Folien sogar farbiges Licht oder mit Hilfe von Zeichnungen Kulissen „aufgebaut“ werden. Oder Objekte können vom Himmel herabschweben und im Boden versinken. (vgl. Zimmer, 2012, S. 200f.) Wichtig ist noch das Herausfinden des optimalen Abstandes zwischen Lichtquelle und Bühnentuch. Dieser liegt in der Regel nahe an der Leinwand.

Theaterspiel (Bretter die die Welt bedeuten)

Das Theaterspiel ist eine Darbietung in Szenen mit geschlossenen und offenen Handlungen und dessen Ursprung reicht bis in die Frühzeit der menschlichen Zivilisation zurück in Form von Tänzen in den Steinzeitkulturen. Bereits in der griechischen Antike haben Bühnentheater stattgefunden, im Mittelalter meist mit christlichen Themen und das Theater in der heutigen Form ist erstmals im Barock aufgetreten. (vgl. Dietrich et al., 2018, S. 199) Hier war es in den gehobenen Bevölkerungsschichten üblich, den ganzen Tagesablauf theatralisch zu gestalten – im Bereich der täglichen Handlungen sowie der „Kostüme“. Im Theaterspiel (aus dem altgriechischen „Schaustätte“), möchte der Spieler eine Rolle für die Zuschauer durchschaubar machen. Theater ist Kunst und kann die Gesellschaft wiederspiegeln, bestätigen und kritisieren. Beim Theaterspiel wird unterschieden ob die Gruppe ein Theater besucht oder eine eigene Theateraufführung ins Leben ruft. (vgl. ebd., S. 210) Theaterspiel findet vor Publikum statt und zum Teil auch in Interaktion miteinander.

Beim Theaterspielen verwandeln sich Menschen in andere, der Spieler muss sich in diese Rolle hineinversetzten, sie interpretieren und sich selbst wahrnehmen und reflektieren. Der Schauspieler kann agieren und spielen „ohne Folgen“ und hat dabei viele Freiheiten, welche natürlich im Rahmen von Norman und Werten bleiben müssen. Er wird vom Zuschauer gesehen (durch Aussehen, Körpersprache, Mimik, Gestik und Bewegungen) und er wird gehört (durch Lautgebung und Inhalt). (vgl. Pauswang, 1997, S. 166) Es können unterschiedlichste Themen und Belange behandelt werden, Festgefahrenes kann hinterfragt werden und auch unbequeme Themen und Fragen erarbeitet werden. Je jünger die Kinder sind umso mehr sollte mit Themen aus dem alltäglichen Umfeld gearbeitet werden. Bereits im Kita-Alter kommt das Theaterspiel bei Singspielen im Kreis vor: eine Geschichte, welche im Lied beschrieben wird, kann von den Kindern dargestellt werden; auch ergänzt durch einzelne Requisiten. Oder Mitmachgeschichten wie die „Löwenjagd“ oder „Mein rechter, rechter Platz ist leer, ich wünsche mir die Judith als Katze her“. (vgl. Jaszus, 2014, S. 493)

Es gibt verschiedene Theaterbereiche: das Sprechtheater, das Musiktheater, die Bewegungs- und Tanztheater und das Figurentheater. (vgl. Wikipedia) Zum Sprechtheater gehören das Schauspiel, die Komödien, das Kabarett und das Szenische Spiel wie Sketche oder gespielte Witze. Im Musiktheater finden wir die Opern/Operetten, Musicals, Singspiele, Klanggeschichten und viele Spiellieder. Das Bewegungs- und Tanztheater umfasst die Bereiche Pantomime, Ballett, Spiel- und Bewegungslieder oder Geschichten, das Menschenschattenspiel und das Menschenschattentheater. Zum Figurentheater gehören das Schattentheater mit Stabpuppen, das Handpuppen und Marionettentheater, das Tischtheater und das Spiel mit den Fingerpuppen.

Um die Spielfreude der Kinder zu wecken und zu erhalten ist es wichtig, dass die Kinder freiwillig teilnehmen und niemand muss ein perfekter Darsteller sein. Alle Mitwirkenden sollen in das Gruppenerlebnis mit einbezogen werden und Erfolgserlebnisse fördern das Engagement jedes einzelnen. Das Theaterspiel weckt Emotionen und regt die Fantasie und Kreativität an.

Eine wichtige Funktion ist die des Spielleiters: Dieser sollte bereits Erfahrungen mit Theaterspielen gesammelt haben oder sich von Teammitgliedern einarbeiten lassen. Der Spielleiter muss sich in die Lage der Zuschauer hineinversetzen und das Geschehen aus deren Blickwinkeln betrachten. Er ist verantwortlich für den gesamten Ablauf, für die Organisation und muss das Umfeld + Mitspieler im Auge behalten. Weiterhin muss der Spielleiter empathisch mit den Theaterspielern und der gesamten Gruppe umgehen, d. h. behutsam aber überzeugend beratend einwirken. (vgl. Eimuth et al., 2005, S. 91) Er muss ein Organisations- und Beobachtungstalent sein mit großer Freude am darstellenden Spiel und offen sein für Veränderungen. (vgl. List, o.J., o.S.)

Bei den Proben bedarf es bei allen Mitwirkenden einer gewissen Ausdauer und einem Durchhaltevermögen. Dafür werden viele Sozialkompetenzen durch das gemeinsame Handeln und Erleben gestärkt: die Kontaktfähigkeit wird gefördert, Kompromisse müssen eingegangen werden und es wird von allen Hilfsbereitschaft und Empathie benötigt. Es ist weiterhin bei der Realisierung des Projektes viel Kreativität gefordert und fördert die Problemlösefähigkeiten des gesamten Teams.

Schon Ernest Hemingway sagte: „Niemand weiß, was in ihm drinsteckt, solange er nicht versucht hat, es herauszuholen“. (Eimuth at al., 2005, S. 87)

Ein Theaterspiel ist phantasieanregende Kunst und verzaubert die Zuschauer genauso wie die Mitwirkenden – dieses Gefühl des gemeinschaftlichen Erlebens, der gegenseitigen Anerkennung, die Aufmerksamkeit und am Ende der Applaus des Publikums stärken Alles und Jeden. (vgl. Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, 2007, S. 10ff.)

4. Darstellende Spiel Bedeutung für Kinder

Das darstellende Spiel ist eine eigenmotivierte Auseinandersetzung mit der Welt. Hierfür werden soziale und emotionale Kompetenzen benötigt. Die Kinder können Rollen ausprobieren und ausleben, sich in andere Charaktere und Situationen hineinversetzten und diese erleben. Dadurch schulen sie in der körperlichen Entwicklung ihre Ausdruckfähigkeit, zum Beispiel durch den Einsatz von Mimik und Gestik.

Die Kinder arbeiten mit ihrer Fantasie und ihrer Kreativität auf allen Ebenen. Sie betrachten ihre Innen- und Außenwelt und vermischen Fantasie und Realität. Außerdem ist im gesamten Ablauf eines darstellenden Spieles immer wieder die Fähigkeit zur Problemlösung gefragt: der Spieler kann sich mit Ideen einbringen und die Vorschläge von Mitwirkenden aufnehmen.

Die Resilienz (Stärke und Widerstandskraft) wird gefordert und gefördert. Die Kinder müssen den Mut haben mitzumachen, brauchen Ausdauer und Durchhaltevermögen und müssen Herausforderungen annehmen. Ihre Zuversicht in eigene Möglichkeiten steigt und ihr Selbstwertgefühl, Ihr Selbstwirksamkeitsglaube und ihr Selbstbewusstsein werden gestärkt. Sie können mit Aggressionen und Ängsten darstellend umgehen und diese somit verarbeiten. (vgl. Rönnau-Böse, Fröhlich-Gildhoff, 2020, S. 53)

Das darstellende Spiel bedeutet für die Kinder eine Möglichkeit der Vergangenheits-bewältigung, der Gegenwartsbewältigung sowie die Vorbereitung auf ihre Zukunft. (Dietrich et al.,2018, S. 200ff.) Es hat eine große Bedeutung für eine umfassende Entwicklung der Persönlichkeit eines Menschen. Die Auseinandersetzung mit dem darstellenden Spiel fördert die Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeit, der Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit.

Die Kinder machen vielfältige Gruppenerlebnisse im darstellenden Spiel. Durch den sozialen Austausch erfahren sie, dass jedes Gruppenmitglied gleich wichtig ist für das ganzheitliche Geschehen. Die Darsteller können individuelle Stärken erkennen und einbringen, lernen die Leistungen anderer zu akzeptieren und interaktiv zu handeln. Sie erleben Daseinsfreude im Hier und Jetzt und können an ihrer Lebensfreude wachsen und gedeihen.

5. Darstellende Spiel Bedeutung für Jugendliche und Erwachsene

Bei Jugendlichen und Erwachsenen dient das darstellende Spiel als Gegengewicht/ Ausgleich zu den Anforderungen des täglichen Alltags. Hier können positive Erlebnisse gesammelt werden und dies dient der Entspannung. Zunehmend kommen elektronische Spiele am Computer, Spielekonsolen oder am Handy zum Einsatz. Spielen findet dann mehr als Freizeitgestaltung und Hobby statt, meist im Sport mit Wettbewerbscharakter. (vgl. ebd.,S. 194) Erfahrungen, welche hierbei gemacht werden, dienen der Bewältigung ihres Lebens. Es werden Fähigkeiten und Fertigkeiten für zukünftige Herausforderungen eingeübt.

6. Welche Entwicklungsbereiche werden gefördert?

Das darstellende Spiel fördert die kindliche Entwicklung auf allen Ebenen.

Die kognitive Entwicklung der Kinder wird gefordert und gefördert, wie zum Beispiel die Lern- und Denkfähigkeit und die Übertragung von neuen Eindrücken auf andere Situationen. Die Kinder entwickeln und verfolgen eigene Ideen im sprachlichen und künstlerischen Bereich und geben Ihren Gedanken, Träumen und Wünschen einen künstlerischen Ausdruck. ( vgl. Orientierungsplan, 2015, S. 123f.)

Dann wird die körperliche Entwicklung gefördert; hier wird die Ausdruckfähigkeit durch den Einsatz von Mimik und Gestik ausprobiert, trainiert und reflektiert. Bewegungen werden geübt und die Möglichkeiten des Ausdruckes über Bewegungen werden erfahren. Die Kinder erleben ihre eigenen körperlichen Fähigkeiten und Grenzen kennen und ebenso die der Mitspieler. (vgl. ebd., S. 112) Und sie lernen diese Grenze anzunehmen. Erweitert werden ebenso grob- und feinmotorische Fähigkeiten durch das aktive Agieren und die Wiederholungen.

Weiterhin kommt es zur Förderung der sprachlichen Entwicklung: die Kommunikations-fähigkeit der Kinder wird durch das darstellende Spiel gefördert. Dabei erleben die Kinder die Freude an der Kommunikation und verbessern ihre Ausdrucksfähigkeit im verbalen und nonverbalen Bereich. (vgl. ebd., S. 134) Es werden Verknüpfungen erstellt von Sprache mit Musik und Sprache mit Bewegung und somit die Sprachkompetenzen erweitert. Die Sprache wird genutzt um an der Gemeinschaft teilzuhaben und das Zusammenspiel zu gestalten.

Auch die emotionalen Entwicklung wird gefordert: das Kind lernt eigene Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen und ebenso die Gefühle anderer zu verstehen. Es erfährt die Signale anderer (Gestik und Mimik) zu deuten und darauf zu reagieren. Es erlebt seine eigene Wertigkeit und die Verlässlichkeit seiner Möglichkeiten; dies stärkt seine Resilienz und sein Selbstwertgefühl. Gefördert wird die Akzeptanz eigene Gefühle und Bedürfnisse aufschieben oder anpassen zu können.

Und ebenfalls entscheidend kommt es zur Förderung der sozialen Entwicklung: das darstellende Spiel ist eine Möglichkeit zum Aufbau sozialer Beziehungen und festigt den Gruppenzusammenhalt. Das Grundbedürfnis des Kindes nach Anerkennung und Gruppenzugehörigkeit wird erfüllt und dies übermittelt ihm Sicherheit und Geborgenheit. Das Kind muss sich einbringen und aber auch zurückhalten können, d. h. es findet ein ständiges Gleichgewichthalten zwischen Dominanz und Anpassung statt. Die Kooperationsfähigkeit der Kinder wird genauso gestärkt wie Einfühlsamkeit und Rücksichtnahme. Die ganze Gruppe muss sich an Normen und Werten orientieren, Regeln und Grenzen einhalten. (Dietrich et al., 2018, S. 203)

7. Rolle der Erziehenden

Die wichtigste Rolle des Erziehenden ist die Beobachtung der Kinder. Hier zeigen sich die individuellen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Defizite der Kinder und dem entsprechend kann damit umgegangen werden. Themen und Interessen werden beobachtet und dokumentiert um darauf reagieren und die Neugierde der Kinder entsprechend wecken zu können. Die Fachkraft muss in Beziehung mit den Kindern gehen und dabei inklusiv denken.

Der Erziehende muss den Mut haben sich selbst im darstellenden Spiel auszuprobieren und diese Spielform in dem Tagesverlauf einzuplanen. Diese Thematik sollte im Team abgesprochen und gemeinsam verfolgt werden. Die einzelnen Aktivitäten müssen dokumentiert und bildhaft festgehalten werden (z. B. Fotos und Videos).

Genauso entscheidend ist die gemeinsame Reflexion von Angeboten und Durchführungen. Diese Reflexion sollte in der Gruppe der Kinder genauso wie im Team erfolgen.

Der Erziehende muss das Material (Maske, Requisiten, technisches Zubehör), die Zeit und den Raum zu Verfügung stellen. Dieser muss Phantasie und Kreativität bei der Herstellung von Puppen, Requisiten, Bühnen usw. besitzen.

Ebenso muss er für die Einhaltung von Regeln und der Sicherheit aller Personen verantwortlich sein. Der organisatorische Ablauf liegt ebenfalls in der Händen des Erziehenden. Er muss Unterstützung anbieten und Motivation ausstrahlen, die Vorbereitung, Durchführung und Lenkung der Aktivität übernehmen und unter Umständen als Spielleiter fungieren. Und es ist wichtig Teilaufgaben delegieren zu können um den Kopf ganz frei für die Kinder zu haben.

Da noch „kein Meister vom Himmel gefallen ist“ sollte sich der Erziehende um Möglichkeiten seiner Fort- und Weiterbildung auf diesem Gebiet bemühen.

Doch das Wichtigste ist dass der Erziehende selbst Freude und Spaß am darstellenden Spiel zeigt und dies den Kindern glaubhaft vermitteln kann.

8. Sachanalyse: weihnachtliches Krippenspiel

Eigenen Erfahrungen: Seit nun mehr über 13 Jahren bin ich zusammen mit einem kleinen Team für das Kinderkrippenspiel in der Kinderchristmette bei den Comboni Missionaren in Mellatz, Gemeinde Opfenbach, verantwortlich. Dabei schreibe ich lebensnahe Geschichten selbst, die meist auch einen aktuellen Hintergrund haben. Themenbereiche sind hier zum Beispiel Armut, Flüchtlinge, Mediensucht, Obdachlosigkeit oder Weihnachten im Altenheim. Jeden Sonntag im Advent organisieren wir Kindergottesdienste – hier befragen wir die Kinder, wer beim Krippenspiel mitmachen möchte. Das Alter reicht von einem Jahr bis zu Erwachsenen, meist Elternteile der teilnehmenden Kinder. Unser jüngstes Kind war dabei ein halbes Jahr alt und hat den Jesus in der Krippe dargestellt und die ältesten Kinder sind Jugendliche bis ca. 15 Jahren. Der Reiz an dieser jedes Jahr wieder bunt gemischten Gruppe liegt in der Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit der Mitspieler. Zu Beginn umreiße ich kurz den Inhalt der Geschichte und die Kinder können frei wählen welche Rollen sie übernehmen wollen und ob sie etwas sprechen wollen oder nicht. Dabei ist der Zusammenhalt zwischen den Kindern besonders hervorzuheben: die älteren Kinder nehmen die jüngeren an der Hand und leiten diese. Weiterhin zeige ich mich verantwortlich für die Requisiten, Maske, Kostüme, Beleuchtung, Mikrofontechnik, Pressearbeit und die Zusammenarbeit mit der musikalischen Begleitung. Der Austausch findet über Email-Informationen statt und geübt wird jeden Adventssonntag nach der Kirche im Kirchenraum. Die Generalprobe findet dann am 24.12. früher Nachmittag statt. Die Eltern unterstützen mich mit helfenden Tätigkeiten wie zum Beispiel dem Technikaufbau oder agieren als Souffleusen. Das Wichtigste für die Kinder ist, dass jeder den Text so sprechen kann wie es ihm am leichtesten fällt und wir schreiben das Drehbuch während der Probewochen immer wieder nach den Wünschen und Vorschlägen der Kinder um. Bei all unseren Krippenspielen wird das Publikum, also die Kirchgänger, mit einbezogen und es entsteht ein großes Gemeinsames zwischen Alt und Jung, zwischen Neuem und Traditionen.

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Details

Titel
Darstellendes Spiel. Die Rolle des Spielens in der frühkindlichen Erziehung
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V913648
ISBN (eBook)
9783346229304
ISBN (Buch)
9783346229311
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellendes, spiel, rolle, spielens, erziehung
Arbeit zitieren
Christl Jäger (Autor), 2020, Darstellendes Spiel. Die Rolle des Spielens in der frühkindlichen Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/913648

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