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Wie das Iberoromanische das Niederländische dominierte. Fehlende Sprachloyalität als Grund für das Curaçao-Paradoxon?

Título: Wie das Iberoromanische das Niederländische dominierte. Fehlende Sprachloyalität als Grund für das Curaçao-Paradoxon?

Trabajo Escrito , 2020 , 16 Páginas , Calificación: 2.0

Autor:in: Anonym (Autor)

Romanística - Interdisciplinario
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Papiamento trat erstmals in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Erscheinung und war bereits etwa ein Jahrhundert später ein gängiges Kommunikationsmittel vieler Mitglieder der weißen Oberschicht. Diese Tatsache bezeichnet Kramer als „Paradoxon“ und er schreibt die Entwicklung u.a. der nicht vorhandenen Sprachloyalität der Niederländer zu. Ob (und wenn ja inwieweit) diese Behauptung in Bezug auf das Curaçao-Paradoxon zutrifft, soll in dieser Arbeit untersucht werden.

Die noch immer zu den Niederlanden gehörende Antilleninsel Curaçao unterscheidet sich deutlich von den meisten (ehemaligen) europäischen Karibikkolonien. Denn während sich auf Jamaika, Haiti und Kuba die jeweilige oder eine kreolisierte Form derselben zur Hauptkommunikationssprache entwickelt hat, gelang dies dem Niederländischen auf Curaçao nicht. Obwohl die Voraussetzung für die Entstehung eines Idioms mit niederländischem Basiswortschatz gegeben war (denn ein Großteil der weißen Oberschicht auf Curaçao sprach Niederländisch), bildete sich stattdessen ein iberoromanisches Kreol heraus. Kramer geht davon aus, dass dieses Kreol (das Papiamento) aus einer portugiesischen Handelssprache entstanden ist, welche auf Curaçao als Verständigungssprache sowohl zwischen Niederländern und Sepharden als auch zwischen Herren und Sklaven fungierte.

Um die Zusammenhänge so verständlich wie möglich darzulegen, werden zunächst einige historische Hintergründe veranschaulicht. Dazu gehören die Ziele und Rahmenbedingungen des niederländischen Kolonialismus: Es wird ein Überblick über die koloniale Expansion der Niederländer gegeben, mit Fokus auf die niederländische Westindien-Kompanie und den transatlantischen Sklavenhandel. Des Weiteren werden die sozioökonomischen Verhältnisse auf Curaçao geschildert. Im Anschluss wird der Begriff Sprachloyalität (bzw. Sprachilloyalität) erläutert und der Zusammenhang dieser Thematik mit der der Gruppenidentität. Es folgt die Präsentation einiger Faktoren, die die Sprachentwicklung auf der Insel begünstigt haben (sollen), zusammengeführt von Bart Jacobs, der sich mit der Thematik (im Gegensatz zu Kramer) intensiv auseinandergesetzt hat. Mit Blick auf diese Faktoren und die Historie des niederländischen Kolonialismus soll anschließend untersucht werden, ob das sogenannte Curaçao-Paradoxon tatsächlich darauf zurückzuführen ist, dass die Niederländer (zu der damaligen Zeit) keine Loyalität gegenüber ihrer Sprache besessen haben.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der niederländische Kolonialismus

2.1 Die Handelsgesellschaften VOC und WIC

2.2 Der Niedergang des Wohlstands der WIC

2.2.1 Externe Gründe

2.2.2 Interne Gründe

2.3 Der Sklavenhandel im Antillenraum

2.4 Die Besiedlungsgeschichte von Curacao

3. Sprachloyalität, Sprachilloyalität und Gruppenidentität

3.1 Definition: Sprachloyalität und Sprachilloyalität

3.2 Sprachloyalität als Zeichen der Gruppenidentität

4. Fehlende Sprachloyalität der Niederländer als Grund für das Curacao-Paradoxon?

4.1 Faktoren, die die Entwicklung eines Ibero-romanisch basierten Kreols zum Hauptkommunikationsmittel begünstigt haben könnten

4.1.1 Die Ablehnungshaltung der Niederländer

4.1.2 Die Anpassungsbereitschaft der Niederländer

4.1.3 Die heterogene Oberschicht und die Rolle der sephardischen Juden

4.1.4 Die Vielzahl der Sklavenfreilassungen und die nicht vorhandene Plantagenwirtschaft

4.1.5 Das hohe soziale Prestige des Papiamento

5. Fazit

6. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob das sogenannte Curaçao-Paradoxon – die Tatsache, dass sich auf der Antilleninsel Curaçao trotz niederländischer Kolonialherrschaft keine niederländisch basierte Sprache, sondern ein iberoromanisch basiertes Kreol als Hauptkommunikationsmittel etablierte – auf eine mangelnde Sprachloyalität der Niederländer zurückzuführen ist.

  • Historischer Hintergrund des niederländischen Kolonialismus und der Handelsgesellschaften (VOC/WIC).
  • Theoretische Auseinandersetzung mit den Konzepten Sprachloyalität und Sprachilloyalität.
  • Analyse soziolinguistischer Faktoren wie der Ablehnungshaltung und Anpassungsbereitschaft der Kolonialherren.
  • Untersuchung der Rolle der heterogenen Oberschicht und der sephardischen Juden.
  • Betrachtung der ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen, insbesondere Sklavenfreilassungen und Plantagenwirtschaft.

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Die Ablehnungshaltung der Niederländer

Einer der Gründe, die wahrscheinlich dazu beigetragen haben, dass das Niederländische sich auf Curaçao nicht durchgesetzt hat, war die negative Haltung der Kolonialherren gegenüber der nicht-weißen Bevölkerung und der damit einhergehende Widerwille, diese zu unterrichten und zu evangelisieren. Allgemein ist bekannt, dass die Christianisierung, insbesondere in den spanischen, französischen und portugiesischen Kolonien, die Übermittlung der Kolonialsprache erleichtert und beschleunigt hat (vgl. Jacobs 2013: 795).

Das Desinteresse der Niederländer, diese Aufgabe zu übernehmen, kann auf soziolinguistische Motive zurückgeführt werden, denn bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts betrachteten die Niederländer ihre Sprache als hierarchisch überlegen, weshalb ihnen der Gedanke missfiel, dass ihre Untergebenen diese sprächen (vgl. Jacobs 2013: 795). Diese Attitüde ist historisch (zumindest für die VOC) gut belegt: Niederländische Beamte in Batavia äußerten explizit ihre Befürchtungen darüber, der Klang des Niederländischen könne, ähnlich wie die lokale Varietät des Portugiesischen, durch den Sprachgebrauch der indigenen Bevölkerung verhunzt werden. Diese Bedenken machten es attraktiver für die niederländischen Kolonialherren, die lokale Varietät anzunehmen.

Jacobs (2013: 795) resümiert, dass die Tatsache, dass es Sklaven auf Curaçao nicht erlaubt war, Niederländisch zu lernen, für eine ähnliche Haltung der niederländischen Oberschicht auf Curaçao spreche.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Curaçao-Paradoxons und die Forschungsfrage zur Rolle der Sprachloyalität.

2. Der niederländische Kolonialismus: Überblick über die koloniale Expansion und die spezifische Situation auf Curaçao im Kontext von Handelsgesellschaften.

3. Sprachloyalität, Sprachilloyalität und Gruppenidentität: Theoretische Klärung der Begriffe und deren Bedeutung für das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb von Sprachgemeinschaften.

4. Fehlende Sprachloyalität der Niederländer als Grund für das Curacao-Paradoxon?: Untersuchung spezifischer Faktoren, die die Entwicklung des Papiamento gegenüber dem Niederländischen begünstigt haben.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der These und Widerlegung der alleinigen Verantwortung fehlender Sprachloyalität zugunsten struktureller Rahmenbedingungen.

6. Ausblick: Vorschlag für weiterführende historische Untersuchungen zur nationalen Identität der Niederländer.

Schlüsselwörter

Curaçao-Paradoxon, Papiamento, Sprachloyalität, Sprachilloyalität, Niederländischer Kolonialismus, WIC, Sprachkontakt, Gruppenidentität, Kreolsprachen, Sephardische Juden, Sklavenfreilassungen, Plantagenwirtschaft, Soziolinguistik, Karibik, Kolonialgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die sprachgeschichtliche Entwicklung auf der Karibikinsel Curaçao und hinterfragt, warum sich dort kein niederländisch basierter Dialekt, sondern das iberoromanische Papiamento als Hauptsprache etablieren konnte.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind der niederländische Kolonialismus, soziolinguistische Theorien zur Sprachloyalität sowie die sozialen und demografischen Gegebenheiten der Kolonie im 17. und 18. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die These zu prüfen, ob eine spezifisch niederländische "Sprachilloyalität" – also das mangelnde Interesse am Erhalt der eigenen Sprache – die Hauptursache für das Scheitern des Niederländischen auf der Insel war.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine historische und soziolinguistische Analyse, die primär auf der Auswertung bestehender Fachliteratur und historischer Dokumentationen basiert.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Ablehnungshaltung der Kolonialherren, der wirtschaftlichen Anpassungsbereitschaft, der Rolle der sephardischen Juden und der demografischen Situation durch Sklavenfreilassungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die wichtigsten Begriffe sind Curaçao-Paradoxon, Papiamento, Sprachloyalität, Sprachkontakt und koloniale Sprachpolitik.

Welche Rolle spielten die sephardischen Juden auf Curaçao?

Sie fungierten als wichtiger Faktor für die Verbreitung des Papiamento, da sie einerseits die niederländischen Siedler zur sprachlichen Anpassung motivierten und andererseits selbst früh zum Papiamento wechselten.

Warum konnte sich das Niederländische laut der Autorin nicht durchsetzen?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass nicht mangelnde Loyalität der Niederländer, sondern pragmatische Rahmenbedingungen und das Desinteresse der Kolonialmacht an einer dauerhaften kulturellen Durchdringung der lokalen Bevölkerung ausschlaggebend waren.

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Detalles

Título
Wie das Iberoromanische das Niederländische dominierte. Fehlende Sprachloyalität als Grund für das Curaçao-Paradoxon?
Universidad
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Romanistik)
Curso
Romantisch basierte Kreolsprachen
Calificación
2.0
Autor
Anonym (Autor)
Año de publicación
2020
Páginas
16
No. de catálogo
V913764
ISBN (Ebook)
9783346232489
ISBN (Libro)
9783346232496
Idioma
Alemán
Etiqueta
Papiamento Kreolsprache Antillen Niederlande Sprachilloyalität
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anonym (Autor), 2020, Wie das Iberoromanische das Niederländische dominierte. Fehlende Sprachloyalität als Grund für das Curaçao-Paradoxon?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/913764
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