Argumente zur Ganztagsschule

Notwendigkeit oder Risiko


Hausarbeit, 2008
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Die Ganztagsschule
1.1 Begriffsklärung
1.2 Von der Ganztagsschule zur Halbtagsschule

2 Argumente zur Ganztagsschule
2.1 Debatte zur Ganztagsschule bis heute
2.1.1 Aktuelle Meinung zur Ganztagsschule
2.2 Argumentation in den 80er Jahren

3 Argumente zur Ganztagsschule aus aktueller Sicht
3.1 Ganztagsschule Notwendigkeit oder Risiko?
3.1.1 Familie
3.1.2 Kinder und Jugendliche
3.1.3 Schule

4 Fazit

Einleitung

Die PISA-Studie 2000 hat Deutschland eindeutig vor Augen geführt, dass das deutsche Bildungssystem in der Krise steckt. Deutschland, das wie kaum ein Land in der Welt auf sein Wissensvermögen bzw. geistiges Potenzial angewiesen ist, hinkt im weltweiten Vergleich schulischer Leistung hinter den Besten her. Es ist deutlich geworden, dass der Wandel der außerschulischen Erziehungsbedingungen und die zukünftigen Bildungs- und Qualifikationsanforderungen in hohem Maße veränderte Herausforderungen an schulische Bildungs- und Erziehungsprozesse stellt. Gleichzeitig jedoch scheint die heutige Halbtagsschule mit ihrer gegenwärtigen institutionellen Struktur diesen neuen Herausforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Aus diesem Grund haben momentan pädagogische Konzepte ganztägiger institutioneller Schulbetreuung Konjunktur. Besonders auf bildungs- und sozialpolitischer Ebene sowie in der pädagogisch-wissenschaftlichen Diskussion scheinen ganztägige Schulkonzepte eine neue Welle von Argumente losgetreten zu haben. Fast alle Bundesländer haben in den letzten Jahren Überlegungen und Konzepte für Schulen mit erweiterten Öffnungszeiten und Betreuungsangeboten am Nachmittag vorgelegt. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung fordert die Ganztagsschule als Innovation im Bildungssystem, doch nicht nur die Vielfalt der möglichen Ganztagskonzepte erschwert schnelle Entscheidungen, auch Vor- und Nachteile des Konzepts müssen gegeneinander aufgewogen werden.

In dieser Ausarbeitung meines Referats zum Thema Argumente zur Ganztagsschule soll auf diese Vor- und Nachteile eingegangen werden. Die gängigsten Argumente für und gegen das Konzept Ganztagsschule sollen in den folgenden Kapiteln gegenüber gestellt werden. Der begrenzte Umfang der Arbeit lässt nur eine vereinfachte Fragestellung zu und so möchte ich nach einem möglichen positiven oder negativen Trend in der aktuellen Argumentation fragen. Welche Linie der Argumentation überwiegt in der momentanen Debatte?

Ich habe mich ergänzend zur Literatur von JOSEF SCHEIPL, WILHEM BERANEK und Anderen, auch auf Internetquellen bezogen. So waren die Beiträge auf der Seite www.ganztagsschulen.org und den Webinhalten des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung Rheinland Pfalz sehr hilfreich.

1. Die Ganztagsschule

Im Hinblick auf die Aufgabenstellung dieser Ausarbeitung ist es erforderlich eine kurze Analyse des Begriffes und seiner Entstehung im einleitenden Kapitel zu erarbeiten. Anschließend sollen dann die Hauptargumente der Pro- und Kontraaussagen über die Ganztagsschule zusammengefasst werden.

1.1 Begriffsklärung

Entscheidend für die Bildung des Begriffes Ganztagsschule kann das Ergebnis der Tagung des UNESCOtInstituts für Pädagogik in Hamburg im Jahre 1961 angesehen werden. Bei dieser Tagung hat sich die Überlegung durchgesetzt, zur Kennzeichnung der unterschiedlichen Modelle zu Schulversuchen mit ganztägiger Unterrichts- und Erziehungsgestaltung bestimmte Bezeichnungen einzuführen.1

„ Es kann verschiedene Former) der Ganztagsschule geben. Dadurch wird dem Elternhaus eine weitgehende Entscheidungsfreiheit geboten."2

Der Ausdruck Ganztagsschule wird in diesem Bericht als Oberbegriff und zugleich als Bezeichnung für ein spezifisches pragmatisches Modell verwendet. Drei Hauptformen werden hierbei unterschieden.

"Die offene Schule ist im Kern eine Halbtagsschule und ihr Nachmittagsangebot ist freiwillig. In einer geregelten Form gibt es Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Förderunterricht und Freizeitangebote."

"Die offene Schule ist im Kern eine Halbtagsschule und ihr Nachmittagsangebot ist freiwillig. In einer geregelten Form gibt es Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Forderunterricht und Freizeitangebote." tur dadurch charakterisiert,Die „echte Ganztagsschule" ist in der Literatur dadurch charakterisiert, dass eine angemessene Verteilung von Unterricht am Vor- und Nachmittag stattfindet, sowie die weitgehende Integration von Übungen und Hausaufgaben in die Unterrichtszeit. Alle Schüler nehmen daran als Pflicht teil.3 Die dritte Form ist die Tagesheimschule, sie hat starke Ähnlichkeit mit der gebunden Ganztagschule.

und Übergangsformen. In der öffentlichen Debatte wird gegenwärtig der Begriff Ganztagsschule in der Regel an zwei Differenzlinien unterschieden: Einerseits nach gebundener und offener Form; andererseits ob die Form der Betreuung eine reine Nachmittagsbetreuung ist oder ein eigenes, pädagogisches Konzept beinhaltet. Jede Ganztagsschule kann grundsätzlich in offener oder gebundener Form angeboten werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass angesichts der definitorischen Unklarheiten, was genau unter einer Ganztagsschule zu verstehen ist, Stellungnahmen in Bezug auf die Ganztagsschule stets sehr differenziert betrachtet und eingeschätzt werden müssen. Bei den Pro und Contra Argumenten zur aktuellen Debatte um die Ganztagsschule muss daher besonders die definitorische Klärung des jeweiligen Ganztagsschulkonzepts beachtet werden.4

1.2 Von der Ganztagsschule zur Halbtagsschule

Die Geschichte der Ganztagsschule in Deutschland umfasst inzwischen fast 100 Jahre. In Deutschland ist heutzutage in Vergessenheit geraten, dass seit der Weimarer Republik Konzepte ganztägiger Schulbetreuung immer wieder diskutiert worden sind. Hinzukommt, dass eine ganztägige Schulorganisation bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts die Normalform der Schule darstellte. Der Unterricht, der auf den Vor- und Nachmittag verteilt stattfand, dauerte in der Regel von 8-12 Uhr und von 14-16 Uhr. Erst vom Ende des 19. Jahrhunderts an erfolgte in zunehmender Maße eine Umstellung auf den heute meist üblichen Vormittagsunterricht.5 Die vornehmlichsten Gründe für ein Verlegen des Unterrichts auf den Vormittag waren aber nicht pädagogischer Natur. Es waren vorwiegend medizinische und praktische Gründe, welche die ganze Breite von Bedingungen für und gegen den geteilten Unterricht ausmachten, und denen sich auch die Volksschulen anschlossen. Alle diese Faktoren trugen dazu bei, dass die Ganztagschule, als Form des abgelöst wurde.6

2. Argumente zur Ganztagsschule

2.1 Debatte zur Ganztagsschule bis heute

Diskussion beginnt mit der Gründung der ersten Tagesheimschulen 1956 in Frankfurt und Kassel. Tagesheimschulen prägten Art und Form des schulischen Ganztagsangebots. Erst Ende der 60er Jahre wurde die Gesamtschule in Ganztagsform getestet, parallel dazu entstand ein eigenes Experimentalprogramm zur Ganztagsschule durch den Bildungsrat. Bis zu den 80er Jahren gibt es eine kontinuierliche Entwicklung im Ganztagsschulbereich. Anfang der 80er Jahre tritt dann aber eine eigentümliche Zäsur auf. Ein nahezu abruptes Ende der öffentlichen Debatten um die Ganztagsschule beendet auch die Weiterentwicklung. Fragen der Ganztagsbetreuung gelten nun eher als privates Problem, denn als öffentliche Angelegenheit. Die Argumentation zielt darauf ab, dass Erziehung und Betreuung Sache der Eltern und keine Aufgabe der Schule sei.

In den 90er Jahren spricht man von der Renaissance der Ganztagsschulidee. Nun werden die Argumente durch zwei Entwicklungen geprägt: Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 und die absehbare weitergehende Integration der europäischen Gesellschaften ab 1992 (Vertrag von Maastricht). Die neue große Aufmerksamkeit seitens der pädagogischen Praxis, wie auch der Wissenschaft bringen neue Argumente hervor.7 Insbesondere seit der Bekanntgabe der PISA-Befunde ist eine nachhaltige Diskussion um das deutsche Bildungssystem entstanden. Das Thema Ganztagsschule steht dabei häufig im Mittelpunkt der Diskussion. Dieses kann durch die Vielfalt der journalistischen Beiträge zum Thema Ganztagsschule in nahezu allen großen Tageszeitungen und Zeitschriften verdeutlicht werden. Betrachtet man zudem die Reaktion auf diese Artikel, z.B. in Form von Leserbriefen, so ist ein deutliches Interesse an dem Thema in der Öffentlichkeit zu erkennen.8

[...]


1 Beranek, Wilhelm, Kind - Eltern t Ganztagsschule in: Beiträge zur pädagogischen Psychologie, Heft 425- 433, S. 7.

2 Bernstein, Basil, Sozialdeterminanten des Lernens in: Kölner Zeitschrift für Soziologie, Sonderheft 4/1970, S.52.

3 Balluseck, Hilde von (Hrsg.), Ganztagserziehung t ja bitte!, Berlin1996, S. 34 Zwischen und innerhalb dieser drei Grundformen bestehen allerdings vielfältige Varianten

4 Lepping, Dirk, Ganztagsschule t Vom Tabuthema zum Modethema? Die Debatte und die Begründung der Ganztagsschule in Deutschland seit Beginn der Neunziger Jahre, Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt Sekundarstufe II im Fach Pädagogik, Münster 2003, S. 15- 23.

5 Ludwig, Harald, Entstehung und Entwicklung der modernen Ganztagsschule in Deutschland, Band 1, Wien 1993, S. 32.

6 Scheipl, Josef, Ganztagsschule t Problem und Aufgabe, München 1974, S. 10-14.

7 Bargel, Tino/ Kuthe, Manfred, Ganztagsschule : Untersuchungen zu Angebot und Nachfrage, Versorgung und Bedarf, Bad Honnef 1991, S. 1-3

8 Lepping, Dirk, Ganztagsschule t Vom Tabuthema zum Modethema? (Siehe Anm. 4), S. 30. 4

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Argumente zur Ganztagsschule
Untertitel
Notwendigkeit oder Risiko
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Ganztagsschule: Diskussion und aktuelle Befunde
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V91391
ISBN (eBook)
9783638056342
ISBN (Buch)
9783640319909
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Argumente, Ganztagsschule, Diskussion, Befunde
Arbeit zitieren
Sebastian Woye (Autor), 2008, Argumente zur Ganztagsschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91391

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