Die PISA-Studie 2000 hat Deutschland eindeutig vor Augen geführt, dass das deutsche Bildungssystem in der Krise steckt. Deutschland, das wie kaum ein Land in der Welt auf sein Wissensvermögen bzw. geistiges Potenzial angewiesen ist, hinkt im weltweiten Vergleich schulischer Leistung hinter den Besten her. Es ist deutlich geworden, dass der Wandel der außerschulischen Erziehungsbedingungen und die zukünftigen Bildungs- und Qualifikationsanforderungen in hohem Maße veränderte Herausforderungen an schulische Bildungs- und Erziehungsprozesse stellt. Gleichzeitig jedoch scheint die heutige Halbtagsschule mit ihrer gegenwärtigen institutionellen Struktur diesen neuen Herausforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Aus diesem Grund haben momentan pädagogische Konzepte ganztägiger institutioneller Schulbetreuung Konjunktur. Besonders auf bildungs- und sozialpolitischer Ebene sowie in der pädagogisch-wissenschaftlichen Diskussion scheinen ganztägige Schulkonzepte eine neue Welle von Argumente losgetreten zu haben. Fast alle Bundesländer haben in den letzten Jahren Überlegungen und Konzepte für Schulen mit erweiterten Öffnungszeiten und Betreuungsangeboten am Nachmittag vorgelegt. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung fordert die Ganztagsschule als Innovation im Bildungssystem, doch nicht nur die Vielfalt der möglichen Ganztagskonzepte erschwert schnelle Entscheidungen, auch Vor- und Nachteile des Konzepts müssen gegeneinander aufgewogen werden.
In dieser Ausarbeitung meines Referats zum Thema Argumente zur Ganztagsschule soll auf diese Vor- und Nachteile eingegangen werden. Die gängigsten Argumente für und gegen das Konzept Ganztagsschule sollen in den folgenden Kapiteln gegenüber gestellt werden. Der begrenzte Umfang der Arbeit lässt nur eine vereinfachte Fragestellung zu und so möchte ich nach einem möglichen positiven oder negativen Trend in der aktuellen Argumentation fragen. Welche Linie der Argumentation überwiegt in der momentanen Debatte?
Ich habe mich ergänzend zur Literatur von JOSEF SCHEIPL, WILHEM BERANEK und Anderen, auch auf Internetquellen bezogen. So waren die Beiträge auf der Seite www.ganztagsschulen.org und den Webinhalten des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung Rheinland Pfalz sehr hilfreich.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Ganztagsschule
1.1 Begriffsklärung
1.2 Von der Ganztagsschule zur Halbtagsschule
2 Argumente zur Ganztagsschule
2.1 Debatte zur Ganztagsschule bis heute
2.1.1 Aktuelle Meinung zur Ganztagsschule
2.2 Argumentation in den 80er Jahren
3 Argumente zur Ganztagsschule aus aktueller Sicht
3.1 Ganztagsschule – Notwendigkeit oder Risiko?
3.1.1 Familie
3.1.2 Kinder und Jugendliche
3.1.3 Schule
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld und die kontroversen Argumentationslinien rund um das Konzept der Ganztagsschule im deutschen Bildungssystem, insbesondere vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Anforderungen und der PISA-Debatte.
- Historische Entwicklung und Begriffsdefinition der Ganztagsschule
- Wandel der bildungspolitischen Argumentation seit den 80er Jahren
- Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Pro- und Contra-Argumente aus Sicht von Familien, Kindern und Jugendlichen sowie der Schule
- Analyse aktueller Trends und Erfordernisse für ein effektives Schulwesen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Familie
Beginnen möchte ich mit den Pro Argumenten. Die Familie befindet sich in einer Umbruchsituation, dass traditionellen Rollenschemata ist aufgehoben und eine zunehmenden Zahl von berufstätigen Müttern spricht für das Konzept der Ganztagsschule. Das Bild der Familie wird auch zunehmend aspektreicher. Das Bild von Alleinerziehenden mit ihren Kindern ist zu einer Alltäglichkeit geworden. Die Elternteile brauchen zunehmend Raum für eigene Aktivitäten. Wer sich im Spannungsfeld von z. B. Fürsorge für das Kind, Haushaltspflichten und Beruf überfordert fühlt, wird in der Ganztagsschule eine Entlastungsmöglichkeit sehen und dies im Bewusstsein einer verantwortungsvollen und erzieherisch sinnvollen Betreuung der Schüler.
Doch spricht aus erziehungswissenschaftlicher Sicht einiges dagegen. Der Begriff Familie wird als ein intensives, auf Zuneigung der Familienmitglieder beruhendes Miteinander verstanden. Die Ganztagsschule leistet dem Funktionsverlust von Familie Vorschub, die nun auch noch ihre eigentliche Aufgabe, die der Erziehung, an eine staatliche Institution abgibt. Man spricht hierbei von einer Verschulung der Gesellschaft, der Entstehen von Abhängigkeit und eine Verringerung an Eigenverantwortung können erfolgen. Kinder könnten im Sinne von Zielen erzogen werden, die mit denen der Eltern nicht in Einklang stehen und dem elterlichen Einfluss entzogen sind. Wichtige Erziehungsbeiträge, wie das Abschalten und der Entspannung im privaten Raum, Grundlegungs-, Weiterentwicklungs-, Bestätigungs- und Korrekturmöglichkeit des Wertebewusstseins, intime Fragen des Kindes und des jungen Menschen (…), werden dem Elternhaus entzogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Ganztagsschule: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen und unterscheidet zwischen verschiedenen Organisationsformen wie der offenen und gebundenen Ganztagsschule.
2 Argumente zur Ganztagsschule: Hier wird der historische Verlauf der bildungspolitischen Debatte seit den 1950er Jahren bis in die 1990er Jahre nachgezeichnet und die sich wandelnden Schwerpunkte der Argumentation dargestellt.
3 Argumente zur Ganztagsschule aus aktueller Sicht: Dieses Kapitel analysiert detailliert die verschiedenen Perspektiven von Eltern, Kindern sowie der Schule selbst auf die Chancen und Risiken ganztägiger Schulformen.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Kontroversen zusammen und betont die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung vor Ort sowie die Bedeutung der Ganztagsschule zur Bewältigung gegenwärtiger bildungspolitischer Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Bildungssystem, PISA-Studie, Chancengleichheit, Familienpolitik, Halbtagsschule, Erziehungsauftrag, Schulentwicklung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, pädagogische Konzepte, Sozialisation, Schulbetreuung, Bildungsreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kontroversen Diskussion über die Einführung und Umsetzung von Ganztagsschulen in Deutschland und wägt dabei verschiedene gesellschaftliche und pädagogische Argumente gegeneinander ab.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der Schulform, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Auswirkungen auf Familien, Kinder sowie die Schulkultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Gegenüberstellung von Pro- und Contra-Argumenten, um zu ergründen, welche Argumentationslinie in der aktuellen Debatte überwiegt und ob ein positiver Trend erkennbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Diskursanalyse, die auf erziehungswissenschaftlichen Fachquellen sowie aktuellen bildungspolitischen Online-Informationen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Argumente seit den 80er Jahren und eine aktuelle Betrachtung, die spezifisch auf die Bedürfnisse von Familien, Schülern und Lehrkräften eingeht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ganztagsschule, Bildungsgerechtigkeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Wandel von Erziehungsprozessen.
Wie unterscheidet sich die Sicht von Eltern von derjenigen der Kinder?
Während Eltern die Ganztagsschule häufig als Entlastung für Familie und Beruf wahrnehmen, äußern Kinder oft Skepsis bezüglich des Drucks durch verpflichtende Nachmittagsaktivitäten und der Einschränkung von Freizeit.
Welche Rolle spielt die PISA-Studie für die Argumentation?
Die PISA-Studie fungiert als Katalysator, der den Bildungsnotstand in Deutschland verdeutlicht hat und somit den Druck zur Innovation im Bildungssystem, insbesondere durch Ganztagsangebote, massiv erhöht hat.
- Citation du texte
- Sebastian Woye (Auteur), 2008, Argumente zur Ganztagsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91391