Das Medium Text aus linguistischer Perspektive. Textlinguistik, Textbegriff und Intertextualität


Wissenschaftliche Studie, 2019

33 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Zur Textlinguistik

2. Zum Textbegriff

3. Textualitätskriterien

4. Zur Intertextualität

5. Text und Stil

6. Zur Textsorte

7. Zur Textsortenklassifizierung

Schluss

Literatur

Einleitung

Über Texte werden fremde Sprachen erworben. Texte transportieren die fremde Kultur. Auf der Grundlage der Entwicklungsschritte in Nachbarwissenschaften wie Linguistik, Literaturwissenschaft, Psychologie, Kognitionswissenschaften und Sprachdidaktik sind vielfältige Erkenntnisse wie Textualität, Textsorten und Textfunktionen anhand Textlinguistik, aktiver Rolle des Lesers im Rezeptionsprozess eines Textes und den Modellen der Textverarbeitung mittels der Analysen der menschlichen Sprachverarbeitung über die Rolle von Texten im Fremdsprachenunterricht theoretisch und praktisch geliefert.

Es wird zunächst versucht, einen relevanten Textbegriff und die Textauffassungen von DE BEAUGRANDE und DRESSLER (1981) darzustellen. Im Rahmen der Textproduktion und Textinterpretation werden das Modell der Wissenssysteme von HEINEMANN und VIEHWEGER (1991) und das prozedurale Textmodell von DE BEAUGRANDE und DRESSLER vorgestellt. Im Hinblick auf Textanalyse werden die wichtigen Arten der thematischen Entfaltung nach BRINKER (1988) vorgestellt. Ergänzend wird auf das Problem der Textklassifizierung eingegangen.

Ich beginne mit einigen begrifflichen Klärungen, nämlich zur Textlinguistik, zum Text, zur Textsorte.

1. Zur Textlinguistik

Drei Hauptphasen prägen die Geschichte der Textlinguistik aus, die sind: der transphrastische, der kommunikativ-pragmatische und der kognitivistische Ansatz.

Die Textlinguistik ist eine junge Teildisziplin der Linguistik, die sich seit Ende der 60er Jahre entwickelt hat, und die vielfältig und heterogen ist. Die hat sich auf „die Konstituenten, Strukturen und Erzeugungsbedingungen von Sätzen“ (WERLICH 1975: 2) konzentriert. HARTMANN gehört zu den Begründern der Textlinguistik. WEINRICH (1976: 109) war der erste, der den Terminus „Textlinguistik“ benutzt hat. WEINRICH (1976) hat diesen Teilbereich „Textlinguistik“ (TL) genannt. HARTMANN (1964, 1968, 1971) hat programmatisch künftige Perspektiven und Aufgaben der TL vorgestellt.

Die Satzgrammatik wird zu einer Textgrammatik erweitert, d. h. die Texte werden als Verkettungen von Sätzen angesehen. Die ersten größeren Arbeiten waren von HARWEG (1968). KALLMEYER/MEYER-HERMANN haben folgende Definition für Textlinguistik (TL) vorgestellt:

Textlinguistik soll – in einer ersten Näherung – als diejenige linguistische Disziplin charakterisiert werden, deren Gegenstandsbereich „Texte“, genauer „Textvorkommen“ natürlicher Sprache sind, und deren Aufgabe darin besteht, die allen Textvorkommen gemeinsam invarianten Merkmale, d. h. die „Textualität“ zu beschreiben […]. (KALLMEYER/MEYER-HERMANN 1980: 242)

Der Terminus „Textwissenschaft“ hat sich in das Grenzgebiet zwischen Linguistik und Literaturwissenschaft entwickelt. Anschließend wird es festgestellt, dass ein Text nicht allein durch interne linguistische Merkmale zu definieren ist, sondern von in erster Linie von der umgebenden Kommunikationssituation und durch kulturell und sozial bedingte Konventionen bestimmt wird. So kann ein Satz (oder sogar nur ein Wort) einen Text darstellen, (…). (BOECKEL 1986: 24)

2. Zum Textbegriff

Aufgrund der Komplexität des Textbegriffs gibt es vielfältige Definitionen und mannigfaltige Textauffassungen. Angesichts der großen Anzahl von Textdefinitionen bzw. Textdefinitions-versuchen ist eine umfassende Gegenstandsbestimmung des Textes sehr schwierig. Diese Darstellungen werden nicht als neuere Phänomene gesehen, sie sind vielmehr eine Art Systematisierung dieser Erscheinungen im Rahmen der Textlinguistik.

Der Textbegriff ist vielfältig und widersprüchlich definiert: […] er wird definiert als ein übersprachlicher Zeichenkomplex, als Mittel der Kommunikation, als eine sprachliche und kommunikative Handlung, als Ausschnitt eines gesellschaftlichen Diskurses, als Produkt sozialen Handelns, als kognitives Konstrukt oder als Mittel der Wissenskonstitution. (KLEMM 2002: 17)

In Bezug auf den Kontext von Texten sind Texte „([…] als nur ein Faktor unter anderen im umfassenden Bereich menschlichen Handelns und kommunikativer Prozess anzusiedeln sind.“ (WERLICH 1975: 13)

Die sprachliche Kommunikation ist gesprochen oder geschrieben zu realisieren. In beiden Äußerungen gibt es textliche und nicht-textliche Äußerungen. Nicht-textliche Äußerungen sind „sprachliche Äußerungen, die durch Beliebigkeit in der Abfolge sprachlicher Einheiten (hier: Sätze) in einer beliebigen zeitlichen und /oder räumlichen Ausdehnung gekennzeichnet sind.“ (WERLICH 1975:16)

Textliche Äußerungen sind „[…] alle jene sprachlichen Äußerungen auf, die durch (sich überlagernde Schichten von) Kohärenz und Kompletion in der Abfolge ihrer sprachlichen Einheiten gekennzeichnet sind.“ (WERLICH 1975: 17)

Die Formen des Handelns sind unterschiedlich, kommunikatives Handel, sprachlich und /oder nicht-sprachlich realisierbares Handeln oder nur sprachlich realisierbares Handeln. Der Text ist als Mittel sprachlichen Handelns zu verstehen. Textvorkommen sind nach Texttypen und ihren zugordneten Textformen und Textformvarianten zu klassifizieren. WERLICH hat den Versuch unternommen, ein texttypologisches Modell vorzustellen, indem er Texte unter textgrammatischer Fragestellung untersucht hat.

Aus der Sicht der sprachlichen Kommunikation zählen Texte in differenzierter Kommunikation, Nicht-Texte haben sehr begrenzte kommunikative Wirkungen. Für die öffentlichen Bereiche sind schriftliche Texte mehr bedeutend als mündliche. Fiktionale und nicht-fiktionale Texte sind nach WERLICH (ebd. 18-21) die großen Textgruppen.

Die Texttypen sind nach WERLICH (ebd.:38) fünf: Deskription, Narration, Exposition, Argumentation und Instruktion. Der Text wird auch durch texttypische Konstituenten und textformspezifische Konstituenten gekennzeichnet. WERLICH (ebd.: 70) hat alle Manifestationen der fünf Texttypen in zwei große Gruppen eingeteilt: die der subjektiven und die der objektiven Textformen. Subjektive Narration ist z. B. ein Allgemeinbegriff. Die narrativen Textformvorkommen sind wie Anekdote, Märchen, Kriminalgeschichte, Biographie, Novelle und Roman.

WERLICH (ebd.: 71) hat im einen Kreisdiagramm für das gesamte Feld der Textformen vorgestellt (s. Anhang, Anlage 1, S. 33). Diese Auffassung von Text umfasst mündliche und schriftliche Texte. Aufgrund verschiedener Kommunikationszusammenhänge unterscheidet sich der mündliche Sprachgebrauch vom schriftlichen.

Mit HARTMANN (1964) kann man „mit ´Text´ […] alles bezeichnen, was an Sprache so vorkommt, daß es Sprache in kommunikativer oder wie immer sozialer, d. h. partner-bezogener Form ist.“ (Zit. nach THÜMMEL 1978: 118)

HARTMANN (1971: 10f.) hat den Text als „das originäre sprachliche Zeichen“ definiert.

Nach HARWEGs Auffassung (1968/1979: 141ff.) gibt es eine Unzahl von Texten, die nicht nebeneinander, sondern nacheinander existieren. Laut HARWEG (1968: 148): „Ein Text ist ein durch ununterbrochene pronominale Verkettung konstituiertes Nacheinander sprachlicher Einheiten.“ Sein Textbegriff umfasst auch mündliche Satzfolgen.

Nach HARWEG (2001: 23) können die Sätze eines Textes durch bestimmte Ausdrücke miteinander verkettet sein. Der Text wird auch nach vielen Linguisten als eine Folge von Sprechakten aufgefasst. Er wird als „eine hierarchisch strukturierte Abfolge von Sprechhandlungen definiert, von denen eine die übrigen dominiert.“ (ebd.: 35) Die Sprechaktinterpretation des Textes ist nach HARWEG (ebd.: 36) sich vielmehr zu der Einordnung des Textes in einem bestimmten Texttyp geeignet.

Texte sind mündliche und schriftliche Manifestationen/ Vorkommensweisen der Sprachverwendung in der natürlichen Kommunikation (Text als Kategorie der Sprachtätigkeit), die Laute, Wörter, Sätze, Satzgruppen und die Mittel ihrer Verflechtung als ihre Bestandteile enthalten (HARTMANN 1971: 10 ) (Text als eine Kategorie des Sprachsystems). Texte sind stets auf ein Thema bezogen und stellen eine kommunikative Funktionseinheit dar. Als solche werden Texte partner- und situationsabhängig konzipiert. In der Regel stellt der Text eine kohärente Folge von Sätzen dar (jedoch ist die Kohärenz nicht allein auf sprachliche Mittel zurückzuführen (vgl. SANDIG 1973:19)) und weist bestimmte invariante Strukturen auf. Diese sind abhängig von Absicht und Zweck der Äußerung, die ihr erst “Sinn“ bzw. Funktionsfähigkeit geben. (HARTMANN 1971: 18). (HELLMICH/KARBE 1983: 206)

DRESSLER (1972: 1) formulierte: „Ein Text ist eine abgeschlossene sprachliche Äußerung.“ Nach GÜLICH/RAIBLE (1977:47): „Ein Text [ist]ein komplexes sprachliches Zeichen, das nach den Regeln des Sprachsystems (Langue)gebildet ist. Textextern gesehen wäre ein Text […] gleichbedeutend mit ‚Kommunikationsakt‘.“

NUSSBAUMER (1991: 33) definierte den Textbegriff wie folgt: „ich verstehe im folgenden unter Text immer eine monologische geschriebene sprachliche Äußerung von mehreren Sätzen Länge, wobei die Sätze untereinander einen- noch zu spezifizierenden- Zusammenhang haben.“ HEINEMANN und VIEHWEGER (1991: 126) hatten einer anderen Meinung nach:

Unter Texten werden Ergebnisse sprachlicher Tätigkeiten sozial handelnder Menschen verstanden, durch die in Abhängigkeit von der kognitiven Bewertung der Handlungsbeteiligten wie auch des Handlungskontextes vom Textproduzenten Wissen unterschiedlicher Art aktualisiert wurde, das sich in Texten in spezifischer Weise manifestiert. […] Der dynamischen Textauffassung folgend, wird davon ausgegangen, daß Texte keine Bedeutung, keine Funktion an sich haben, sondern immer nur relativ zu Interaktionskontexten sowie zu den Handlungsbeteiligten, die Texte produzieren und rezipieren. (HEINEMANN/VIEHWEGER 1991: 126)

Nach SCHRÖDER (1993: 198) wird der Begriff Text verwendet „für die Gesamtheit aller kommunikativen Äußerungen […], die in einer kommunikativen Situation untereinander kohärent […] (sind, Z.W.), ein untrennbar Ganzes bilden und im komplexen Zusammenspiel eine kommunikative Funktion signalisieren. „

Nach BRINKER (2001: 17): „Der Terminus ‚Text‘ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert.“

Nach DUDEN 10 (2002: 887) ist der Text: „a) [schriftlich fixierte] im Wortlaut festgelegte, inhaltlich zusammenhängende Folge von Aussagen, […].“

Aus dem Lexikon BUßMANN wird der Text wie folgt definiert:

Text [lat. textus > Gewebe<, >Text<].

(1) Vortheoretische Bezeichnung einer formal begrenzten, schriftlichen Äußerung, die mehr als einen Satz umfasst, z. B. Er wird vom Redetext ab („Text als Dokument“, NÖTH 2000).
(2) Als Grundbegriff der Textlinguistik bezeichnet T. eine monologische, im prototypischen Fall schriftlich fixierte sprachliche Einheit, die insgesamt als sinnvolle kommunikative Handlung intendiert oder rezipiert wird.

Der linguistische T.-Begriff umfasst in einem weiteren Sinne zwar auch mündliche Äußerungen.“ In der Anfangsphase der Textlinguistik war die Einheit „Text“ grammatisch (HARWEG 1968) begründet. Heute spricht man von dem „Zusammenwirken pragmatischer, semantisch-kognitiver und grammatischer Merkmale, das den intertextuellen Bezug auf eine Textsorte herstellt. Demnach sind T. bestimmt durch (a) eine situationsspezifische, auf einen Rezipienten gerichtete Intention, die in einer komplexen Handlungsstruktur auf den Illokutionen der einzelnen Äußerungen aufbaut (…)(b) eine gegliedert, thematisch verknüpfte Menge von Propositionen bzw. Äußerungsbedeutungen, die insgesamt eine leitende „Textfrage“ … beantworten und meist in einem dominanten Textthema zusammengefasst werden können, und (c) eine satzübergreifende sprachliche Form, in der Handlungen und Inhalte ausgedrückt, sequenziert und aufeinander bezogen werden. Dabei entsteht ein kognitiv-kommunikativer Sinnzusammenhang, die Kohärenz des Textes, die normalerweise in den formalen Mitteln der Kohäsion (z. B. Konjunktionen, Proformen) zum Ausdruck kommt und als konstitutive Eigenschaft von Texten zu gelten hat.

(3) Als Terminus der Semiotik (vgl. NÖTH [2000: 391]) umfasst Text nicht nur alle Formen mündlichen Sprechens, sondern auch nonverbale Ausdrucksmittel wie Gestik, Mimik oder Bilder sowie im weiteren Sinn jede Ausprägung eines semiotischen Systems, z. B. Filme, Happenings oder Zeremonien. (BUßMANN 2002: 683)

Nach ERNST (2004: 173): „Text ist etwas tatsächlich Geäußertes, also ein Element der parole. So muss letztlich jede sprachliche Äußerung als Text aufgefasst werden, auch wenn sie nur aus einem Satz, einem Wort oder gar einem Laut (wie au) besteht.“

BRINKER (2005:17) definiert den Text wie folgt: „Der Terminus „Text“ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert.“

Nach SANDIG (2006: 307): „Texte sind Mittel sprachlichen Handelns, Interagierens.“ Texte erfüllen verschiedene kommunikative Funktionen. Ausgehend von diesen unterschiedlichen Textfunktionen sind somit unterschiedliche Textsorten zu ordnen.

Ausgehend von linguistischen Definitionen besteht der Text aus der kleineren Einheit (Satz), die miteinander in einem semantischen Zusammenhang steht. Die Vielzahl der Definitionen verdeutlicht die Schwierigkeiten bei der Textdefinition. Anhand Prototypentheorie ist der Text als prototypische Kategorie zu verstehen.

Der Lernende begegnet in ihrem privaten Leben verschiedene Arten von Texten. Beim Lernen einer Sprache werden die geschriebenen Texte (kontinuierliche Texte), wie z. B. literarische Texte, Argumentationen oder Kommentaren, auch die nicht-kontinuierlichen Texte wie z. B. bildhafte Darstellungen wie Diagramme, Bilder, Karten, Tabellen oder Graphiken bearbeitet . Diese PISA-Textbestimmung hat sehr weit den Textbegriff definiert. (BUSCH/STENSCHKE 2007: 228)

An einen Leser oder mehrere wendet sich das geschriebene sprachliche Gebilde, wird aber das hörbare sprachliche Gebilde vom Hörer wahrgenommen. Der Text wird von einem Verfasser ausgehend von einer Absicht oder mehreren geschrieben. Das richtige Verstehen eines gesprochenen Textes verlangt richtige Aussprache und Betonung. Man unterscheidet zwischen lesbaren und hörbaren Texten. Folgende Übersicht nach (o. V. 2005: 324) veranschaulicht einige Beispiele für beide Arten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Textualitätskriterien

Eine genauere Definition des Textbegriffs ist mit Hilfe verschiedener Textualitätskriterien von DE BEAUGRANDE und DRESSLER in der Lage, Text von Nicht-Text zu unterscheiden. Die Autoren gehen auf folgende Kriterien ein, die sind: Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität und Intertextualität.

Es wird der Versuch unternommen, näher zu beschreiben, was Kohärenz und Kohäsion bedeuten. Kohärenz ist in Bezug auf einen konzeptuellen Zusammenhang und „bezeichnet den Bedeutungszusammenhang, der in sprachlichen Zeichen realisiert wird, um ihn jemand anderem verständlich zu machen. […] Kohäsion bezeichnet also die Reflexion von Kohärenz in den sprachlichen Mittel.“ (BOECKEL 1986: 26)

Kohäsion ist der strukturell-grammatische Zusammenhang des Sprachgewebes namens Text. Anhand Vertextungsmittel ist die syntaktische und semantische Vertextungsstruktur an der Textoberfläche nachvollziehbar. Neben Pro-Formen werden andere wichtige Verkettungsmittel wie z. B. Rekurrenz, Substitution, Ellipse und explizite meta-kommunikative Verknüpfung. Ein weiteres Textualitätskriterium ist die Kohärenz, die der inhaltlich-thematische Zusammenhang eines Textes bedeutet. Der Text enthält Wissen, das durch das Thema strukturiert wird.

Das Textthema ist nach BRINKER (2001: 56): „die größtmögliche Kurzfassung eines Textinhalts.“ Ein weiteres Kriterium ist die Text-funktionalität, „die im Text erkennbare Kommunikationsabsicht des Textautors“ bedeutet. „Sie soll vom Rezipienten (Hörer bzw. Leser) erkannt werden.“ (BUSCH/STENSCHKE 2007: 236) BOECKEL 1986:

BRINKER (1979: 7) unterscheidet zwischen einer grammatischen, einer thematischen und einer pragmatischen Explikation des Kohärenzbegriffs. Diese Unterscheidung wird im Folgenden dargestellt:

Die grammatische Explikation des Kohärenzbegriffs besteht in einer systematischen Beschreibung der syntaktisch-semantischen Beziehungen zwischen Sätzen bzw. zwischen sprachlichen Einheiten in aufeinanderfolgenden Sätzen. (BRINKER 1979: 7)

Die lexiko-grammatische Ebene untersucht die Kohäsionsmittel anhand folgender Kategorien: Referenz, Ellipse, Konnexion und lexikalische Köhäsion. Die thematische Ebene untersucht die inhaltliche Gliederung „einmal unter Bezug auf die Makrostruktur und die Rekonstruktion von Fragen, zum anderen die Zuordnung zu einem bestimmten Texttyp mit einer dominanten Textfunktion. „(BRINKER 2001: 69)

Die Textcharakteristika im Hinblick auf die außersprachlichen Größen Sinnkonstanz, Horizont, Situation, Kontext und Script werden auf der pragmatischen Ebene betrachtet. Alle diese Ebenen mit ihren unterschiedlichen Aspekten leisten einen wichtigen Beitrag zur Textkonstitution. SOWINSKI hat die Kriterien im folgenden Zitat zusammengefasst:

1. Kohäsion als Verbindung der Worte in der Textoberfläche, 2. Kohärenz als vorwiegend semantischer Textzusammenhang (der ‚Textwelt‘), […], 3. Intentionalität als Ausdruck der Textabsicht. 4. Akzeptabilität als Einstellung des Rezipienten, der die vorliegenden Sprachäußerungen als Text anerkannt, 5. Informativität als Kennzeichen der Neuigkeit und Unerwartetheit eines Textes […], 6. S ituationalität als Situations-angemessenheit des Textes, 7. Intertextualität als Ausdruck der Abhängigkeit von anderen Texten. (SOWINSKI 1983: 53f.)

Andere Beschreibungsdimensionen werden in dieser Tabelle nach ADAMZIK zusammengefasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kataloge von Beschreibungsdimensionen (ADAMZIK 2004: 55).

ADAMZIK (2004: 58f.) hat ein Ordnungsraster für Dimensionen der Textbeschreibung zugrundegelegt, indem es den folgenden Fragen zuordnet: ‚Was‘ (Thema), ‚Wozu‘ (Funktion), ‚Wie‘ (sprachliche Gestalt) und ‚In welchem Kontext‘ (Situation). Die Dimensionen hat sie im folgenden Schema dargestellt: „Die Doppelpfeile symbolisieren die (Kohärenz-) Beziehungen zwischen den Dimensionen“ erläuterte ADAMZIK.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Dimensionen der Textbeschreibung nach ADAMZIK (2004: 59)

Im folgenden Zitat wird deutlich in der Textlinguistik den Textbegriff anhand Textualitätskriterien erklärt:

Text: eine schriftsprachliche, kommunikative Einheit, deren Elemente – in aller Regel sind die Sätze – inhaltlich-thematisch (Kohärenz)und strukturell-grammatisch (Kohäsion) miteinander verknüpft sind. Texte weisen eine spezifische kommunikative Funktion auf und können in einem sortentypischen und intertextuellen Zusammenhang zu anderen Texten stehen. Texte können entlang folgender Merkmale beschrieben werden: Sprachlichkeit, Schriftlichkeit, Kohäsion, Kohärenz, Funktionalität und Sortenhaftigkeit. (BUSCH/STENSCHKE 2007: 229)

Prozeduraler Ansatz von DE BEAUGRANDE und DRESSLER (1981) ist ein Modell der Textproduktion und Textrezeption, das die Phasen: Planung, Ideation (Ideenfindung), Entwicklung und grammatische Synthese enthält. Diese „Phasen der Verarbeitungsdominanz“ wie von BEAUGRANDE und DRESSLER (1981: 41) genannt werden, sind „mentale Entscheidungs- und Auswahloperationen bei der Produktion und Rezeption.“ (FIX/POETHE/YOS 2003: 19)

Die Typologisierung von Wissenssystem ist die Grundlage des Wissensmodells von HEINEMANN und VIEHWEGER (1991). Dieses Wissen umfasst nach den Autoren das sprachliche Wissen, das enzyklopädische Wissen, Interaktionswissen, Wissen über allgemeine kommunikative Normen, metakommunikatives Wissen und Wissen über globale Textstrukturen.

Bei der thematischen Entfaltung BRINKER (1988) geht es um die thematisch-semantische Struktur, in der das Textthema als inhaltlicher Kern eines Textes und Träger seiner kommunikativen Funktion, zum Gesamtinhalt des Textes entfaltet wird. Nach BRINKERs Vorschlag wird die thematische Struktur von Textexemplaren analysiert. (vgl. BUßMANN 2002: 697- 698, FIX/POETHE/YOS 2003: 22 f.)

Die Themenentfaltung vollzieht sich durch Verknüpfung von Teilinhalten, darunter formulierte BRINKER:

Die Entfaltung des Themas zum Gesamtinhalt des Textes kann als Verknüpfung bzw. Kombination relationaler, logisch-semantisch definierter Kategorien beschrieben werden, welche die internen Beziehungen der in den einzelnen Textteilen (Überschrift, Abschnitten, Sätzen usw.) ausgedrückten Teilinhalte bzw. Teilthemen zum thematischen Kern des Textes (dem Textthema) angeben (z. B. Spezifizierung, Begründung usw.). (BRINKER 1988: 56)

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Das Medium Text aus linguistischer Perspektive. Textlinguistik, Textbegriff und Intertextualität
Autor
Jahr
2019
Seiten
33
Katalognummer
V914548
ISBN (eBook)
9783346234513
ISBN (Buch)
9783346234520
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Text, Textlinguistik, Textualitätskriterien, Textsorten
Arbeit zitieren
Asma Hammadi (Autor), 2019, Das Medium Text aus linguistischer Perspektive. Textlinguistik, Textbegriff und Intertextualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914548

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