Die emotionale Wahrnehmung und Wirkung der Filmmusik im Film "Oben"


Hausarbeit, 2019

17 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktionalität der Musik im Film

3. Techniken der Filmmusik
3.1 Underscoring
3.2 Mickey-Mousing
3.3 Leitmotiv-Technik
3.4 Mood-Technik
3.5 Das Pauli-Modell

4. Oben
4.1 Inhalt

5. Die Musik in Bezug auf den gesamten Film

6. Analyse der Filmmusik anhand von zwei ausgewählten Szenen
6.1 Szene 1: „Married Life“
6.2 Szene 2: „52 Chachki Pickup“

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Musik ist eine Sprache, die wir alle sprechen. Mit keinem filmischen Mittel können so viele Gefühle und Emotionen zum Ausdruck gebracht werden als mit der Musik, die im Film eingesetzt wird. Ob es eine romantische Melodie ist, die uns bei Liebesfilmen ins Schwärmen bringt oder das schnelle Orchester, welches unseren Puls bei einer Verfolgungsjagd ansteigen lässt. Mit meist nur wenigen Mitteln ändert der Einsatz von Filmmusik die Stimmung und die erzeugte Atmosphäre. Auch Jahre später kann man sich an Filme und deren charakteristische Musik erinnern.

Die Gründe, weshalb einen diese Musik so ergreift und wie Regisseure und Produzenten es schaffen, Zuhörer ganz unbewusst auf eine emotionale Reise mitzunehmen, werde ich in meiner Hausarbeit erläutern. Zunächst habe ich die Funktionalität von Filmmusik im Allgemeinen beschrieben sowie die gängigen Techniken kurz genannt. Hauptsächlich habe ich mich bei meiner Analyse auf den computeranimierten Film „Oben“ von der Walt Disney Company und Pixar Animation Studios konzentriert, an dem ich beispielhaft erklären werde, wie Filmmusik in der Praxis funktioniert und wie die Techniken dabei angewandt werden können.

Zuerst werde ich einen kurzen inhaltlichen Einblick in den Film geben. Danach werde ich zunächst auf die Musik im gesamten Film eingehen, anschließend folgt die detaillierte Analyse der Musik an zwei konkreten Szenen aus dem Film. Das Fazit schließt die Arbeit ab. Die Beweggründe, welche mich zu dieser Themenfindung animiert haben, sind meinem persönlichen Interesse an der Produktion von Filmen und an den Emotionen, die durch das Hören von Musik erzeugt werden können, geschuldet. Ich beschäftigte mich schon lang mit verschiedenen filmischen Mitteln und auch heute noch empfinde ich persönlich die Musik als wichtigstes Werkzeug für die Erzeugung von Emotionen beim Zuhörer.

2. Funktionalit ät der Musik im Film

Zunächst muss man die Filmmusik und ihre Funktion näher betrachten, um zu verstehen, inwiefern sie unsere Wahrnehmung beeinflusst.

Die Wissenschaft differenziert die Begriffe funktionale und funktionelle Musik. Kungel (2008, S. 110f) schreibt: „Funktionelle Musik findet ihren Anwendungsbereich im Außermusikalischen, etwa als Kaufhausmusik. Funktionale Musik setzt dagegen eine innere Anteilnahme voraus.“ Die Filmmusik zählt zur funktionalen Musik, oftmals hat sie verschiedene Funktionen gleichzeitig und die Anwendungsbereiche überschneiden sich. Die Filmmusik versteht sich in erster Linie als eines der filmischen Gestaltungsmittel und zählt zur auditiven Ebene. Dazu gehören die visuellen Mittel wie Bild- und Kameraeinstellungen oder die Mise-en-scène.

Mise-en-scène „ist die Existenz eines torfilmischen Raums, eines Schauplatzes, der auf eine bestimme Weise inszeniert werden kann“ (Kurwinkel & Schmerheim, 2013, S. 120-124). Als weiteres filmisches Mittel zählt man die Narrativen. Hier geht es um die Dramaturgie, Handlung, Schauspieler und Genres an sich. Zu der auditiven Ebene zählt neben der Filmmusik, die Sprache oder auch Hintergrundgeräusche.

Allgemein kann man unterscheiden, ob die Quelle der Musik im Film zu sehen ist oder nicht,-die zwei Varianten lauten On-Screen-Musik und Off-Screen-Musik (Lamberts-Piel, 2005, S. 11). Der Einsatz von On-Screen-Musik ist gegeben, wenn das erklingende Lied beispielsweise im Bild live von einer Band gespielt wird, offensichtlich mit einem Ursprung. Der Einsatz von On-Screen-Musik ist dennoch vor allem bei Spielfilmen äußerst selten. Hauptsächlich ist die Musik eine Off-Screen-Variante und wird in der sogenannten Post-Production-Phase hinzugefügt. Lamberts-Piel (2005) erklärt: „Die Post-Production umfasst Schnitt, Nachsynchronisation von Geräuschen (Sound Design) und Dialoge, bildliche Spezialeffekte, meist auch die Filmmusik-Produktion und schließlich die Mischung der Tonspuren“ (S. 22). Der Hörer kann den Ursprung von Tönen bei der Off-Screen-Musik nicht nachvollziehen, doch dies ist für den Inhalt dieser Szenen irrelevant.

Eine weitere wichtige Eigenschaft, die der Filmmusik als filmisches Mittel zugeordnet wird, ist die Manipulation von Raum und Zeit. Denn für das Gehirn gehören Musik und Raumvorstellungen zusammen (Kungel, 2008, S. 127).

Musik kann durch Manipulation unsere räumlichen Vorstellungen durch Hallradius oder Nachhallzeit generieren, genau wie klangliche Raumeigenschaften durch moderne Hallgeräte und Raumsimulatoren erzeugt werden können (Kungel, 2008, S. 127). Die Zeit kann durch Musik ebenso einfach manipuliert werden, Bullerjahn (2016) erwähnt:„je langsamer das erlebte Tempo, desto geringer ist die geschätzte Dauer“ (S. 186). Musik kann die Zeit durch das Tempo dehnen aber sie genauso gut verkürzen. Hierbei kommt es auf die Intensität der Musik an und in welcher Dynamik sie eingespielt wird. Außerdem kann sie einem das Gefühl geben, die Zeit stünde still. „Dieses Gefühl lässt sich auch durch eine überraschend auftretende Pause erzeugen“ (Kungel, 2008, S. 131f).

Die Auseinandersetzung mit Filmmusik dient laut Hickethier (2012) nicht nur der Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung, sondern auch der Steigerung des ästhetischen Genusses (S. 3). Die Emotionalisierung von Bildern gilt als eine der wichtigsten Funktionen von Filmmusik. Kungel (2008, S. 117) unterscheidet zwischen „direkter und indirekter Impression“. Bildmaterialien erzeugen in uns Emotionen, die Musik kann diese Gefühle verstärken und weit darüber hinaus unsere Gefühle verändern. Emotionales Bildmaterial kann durch direkte Impression verstärkt werden oder neutrales Bildmaterial kann so „aufgeladen werden“. Als Mittel dienen hier Instrumente, Harmonik, Melodie und die Dynamik der Musik. Die indirekte Impression hingegen beschäftigt sich mit dem Protagonisten als Gegenstand. So beschreibt Kungel (2008, S. 121), dass Musik die Aufgabe hat, die Wahrnehmungen/ Erinnerungen oder Emotionen der gezeigten Person auszudrücken und für den Rezipienten zu interpretieren.

3. Techniken der Filmmusik

Es gibt verschiedene Kompositionstechniken, die in Filmen eingesetzt werden, um die Bild-Ton-Zuordnung deutlich zu machen. Diese werden im folgenden Abschnitt erläutert und anhand des Filmbeispiels im weiteren Verlauf genauer erklärt.

3.1 Underscoring

Underscoring auch deskriptive Technik (Kahl, 2017) genannt, hat zur Aufgabe, das ohnehin Sichtbare sowie Handlungen oder Geräusche zu illustrieren. Die Musik wird der Handlung und Abfolge der Bilder nach geschrieben, sprich die Musik wird nach genauem Betrachten der Bilder komponiert, um so eine Synchronität zu erzeugen. Die expressive Funktion der Technik verdeutlicht und intensiviert die sichtbare Stimmung im Film.

3.2 Mickey-Mousing

Mickey-Mousing nennt man eine vollkommene Bewegungsillustration, sie wird meistens in Zeichentrickfilmen genutzt. Sie gilt als Sonderform des Underscorings, es vollzieht sich hierbei eine vollständige Bild-Ton-Synchronität, doch eine lautmalerische Verfahrensweise dieser Art gilt heute als längst überholt (Keller, 1996).

3.3 Leitmotiv-Technik

Diese Technik hat es zur Aufgabe, den Zuhörern zusätzliche Informationen zu liefern. „Es werden entweder einzelnen Personen spezielle Themen, Motive bzw. Instrumente zugeordnet, die den Hörer zu einer gewissen akustischen „Voraussicht“ befähigen können, oder es werden Handlungselemente mit Themen belegt, sodass etwa ein Liebesmotiv, vom Hörer sofort als solches eingeordnet wird“ (Lamberts-Piel, 2005, S. 16).

3.4 Mood-Technik

Diese Technik wird genutzt um, Stimmungen und Emotionen in Szenen zu veranschaulichen, darüber hinaus sollen seelische Gefühlszustände der Schauspieler verdeutlicht werden. Im Gegensatz zur Leitmotiv-Technik (3.3) wird die Musik hier an keinen bestimmten Protagonisten gebunden. Die expressive Mood-Technik bezieht sich auf die Protagonisten. Sie soll die Gefühlswelt unterstreichen. Dagegen bezieht sich die sensorische Mood-Technik immer auf die allgemeine Stimmung und Atmosphäre (Lehmann, o.D). Dies gelingt durch eine bedachte Wahl der Instrumentierung, Harmonik und Harmonie erzeugt.

3.5 Das Pauli-Modell

Das Pauli-Modell ist auch bekannt als das Modell der Arbeitstechniken im Film. Hansjörg Pauli entwarf ein Modell, das sich auf drei Kategorien beschränkt. Zunächst gibt es die paraphrasierende Klassifizierung. Hierbei handelt es sich um eine unterstützende Form der Musik. Die Stimmung im Film wird durch die passende Musik illustriert und verdeutlicht. Das Gegenstück dazu bildet die polarisierende Variante. „Als polarisierend bezeichne ich eine Musik, die Kraft ihres eindeutigen Charakters inhaltlich neutrale oder ambivalente Bilder in eine eindeutige Ausdrucksrichtung bringt“ (Pauli, 1976, zitiert nach Kungel, 2008, S. 109). Als dritte und letzte Kategorie wird die kontrapunktierende Art genannt. Die Kraft dieser Musik liegt darin Widersprüche zu schaffen und das Nachdenken anzuregen (Kungel, 2008), der Zuhörer bemerkt sofort, dass etwas nicht stimmt, und ist irritiert.

4. Oben

Der Film „Oben“ gewann 2010 den Oscar in den Kategorien „Bester Animationsfilm“ und „Beste Filmmusik“, die von dem US-amerikanischen Komponisten Michael Giacchino komponiert wurde. Des Weiteren wurde Michael Giacchino für die Filmmusik mit einem Grammy Award und einem Golden Globe ausgezeichnet (Zobl, 2009).

4.1 Inhalt

In dem Animationsfilm steht der 78-jährige Hauptcharakter Carl Fredericksen im Mittelpunkt. Der ehemalige Ballon-Verkäufer verliebt sich als Kind in seine spätere Ehefrau Ellie. Sie haben gemeinsam die Vision irgendwann zusammen zu den sogenannten „Paradise Falls“ nach Südamerika zu reisen. Der Film wird bestimmt durch Abenteuerlust und die Liebe der beiden, doch der plötzliche Tod der Ehefrau hat zur Folge, dass die anfängliche Unbeschwertheit des Films schwindet und Carl Fredericksens bedrückte Stimmung oftmals Thema des Films wird. Eines Tages beginnt die Reise in das Unbekannte plötzlich doch, mit seinem Haus, das an Luftballons befestigt wurde und einem unfreiwilligen Begleiter, dem kleinen Pfadfinder Russell. Gemeinsam kämpfen sich die beiden durch den Dschungel Südamerikas. Darüber hinaus entsteht eine tiefe Freundschaft und das zweite Abenteuer, neben der Ehe mit seiner verstorbenen Frau, bringt wieder Freude in sein Leben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die emotionale Wahrnehmung und Wirkung der Filmmusik im Film "Oben"
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
2,0
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V914814
ISBN (eBook)
9783346214379
ISBN (Buch)
9783346214386
Sprache
Deutsch
Schlagworte
film, filmmusik, oben, wahrnehmung, wirkung
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Die emotionale Wahrnehmung und Wirkung der Filmmusik im Film "Oben", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914814

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