Diese Arbeit stellt Kommunikations- und Konfliktlösungsmodelle vor. Die Dialog-Modelle "beschäftigen sich zentral mit der Frage, wie gemeinsame Wirklichkeit zwischen den an einem Kommunikationsprozess Beteiligten konstruiert wird." Anhand des Kommunikationsmodells nach Paul Watzlawick von 1996 wird im nächsten Abschnitt versucht, die Kernmerkmale dieses Prozesses zu identifizieren. Das nun folgende, selbstkonstruierte Beispiel soll zur Unterstützung und Veranschaulichung dienen.
Es gibt unterschiedliche Kommunikationsmodelle, die den Prozess der Kommunikation näher beleuchten, sich jedoch hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Tradition, Komplexität und inhaltlichen Schwerpunkten unterscheiden. Hierbei wird zwischen den allgemeinen Kommunikationsmodellen, die interdisziplinärer Natur sind und mithilfe verschiedener Wissenschaftsrichtungen die Thematik der Kommunikation näher zu erläutern versuchen, und den psychologischen Kommunikationsmodellen, welche eine eingeschränktere und differenzierte Perspektive einnehmen, unterschieden. Nach Krauss und Fussel (1996) können psychologische Kommunikationsmodelle in vier Gruppen unterteilt werden: Encoder/ Decoder- Modelle, Intensionsorientierte Modelle, Perspektivübernahmemodelle und Dialog-Modelle.
Inhaltsverzeichnis
1. Kommunikations- und Konfliktlösungsmodelle
1.1 Selbstkonstruiertes Beispiel
1.2 Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick
1.3 Die fünf Axiome
2. Mittel nonverbaler Kommunikation
2.1. Haptische Signale, Körpersprache, Proxemik, physische Charakteristika
2.2. Aspekte für den (LER) Unterricht: Bezug zu den thematischen Schwerpunkten im Rahmenlehrplan
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht theoretische Kommunikationsmodelle und nonverbale Kommunikationsmittel, um deren Bedeutung für die Konfliktlösung und das Unterrichtsgeschehen im Fach LER zu analysieren. Die zentrale Fragestellung fokussiert darauf, wie Lehrkräfte durch das Verständnis und den bewussten Einsatz nonverbaler Signale Kommunikationsstörungen im Klassenverband reduzieren und soziale Interaktionen positiv beeinflussen können.
- Grundlagen der Kommunikationsmodelle nach Paul Watzlawick
- Analyse der fünf Axiome der Kommunikation
- Bedeutung nonverbaler und paraverbaler Kommunikationsmittel
- Einfluss von haptischen Signalen, Körpersprache und Proxemik
- Relevanz physischer Charakteristika im pädagogischen Kontext
- Bezugnahme zum Rahmenlehrplan für LER
Auszug aus dem Buch
1.3 Die fünf Axiome
Das erste Axiom beschreibt die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren. Hierbei geht man davon aus, dass jedes Verhalten in einer interpersonalen Situation Mitteilungscharakter wie bspw. Handeln oder Nichthandeln, Schweigen, Worte oder fehlende Worte aufweist. Ein jedes Verhalten wird als Kommunikation beschrieben, folglich kann man nicht nicht kommunizieren. Watzlawick beschreibt, dass Kommunikation gewollt oder ungewollt stattfindet, sobald sich Menschen gegenseitig wahrnehmen. Wie das Verhalten einer Person gewertet wird, hängt von der Interpretation ab.
Auf das selbstkonstruierte Beispiel bezogen, sieht die Lehrerin, dass Karsten mit dem Kopf auf der Tischplatte liegt und seine Schulsachen nicht ausgepackt hat. Außerdem kann sie das Gesicht des Jungen nicht sehen. Der Junge macht einen ablehnenden Eindruck. Die Lehrerin geht wahrscheinlich davon aus, dass Karsten gelangweilt oder müde ist und keine Lust auf die nun anstehende Unterrichtseinheit hat, weshalb sie abwertend auf die Situation reagiert ohne sein Verhalten näher zu hinterfragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kommunikations- und Konfliktlösungsmodelle: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftlichen Perspektiven der Kommunikation ein und differenziert zwischen allgemeinen und psychologischen Modellen.
1.1 Selbstkonstruiertes Beispiel: Anhand einer konkreten Unterrichtssituation zwischen einer Lehrkraft und einem Schüler wird ein praktischer Fall illustriert, um spätere theoretische Ausführungen zu veranschaulichen.
1.2 Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick: Hier wird das Modell von Watzlawick vorgestellt, das durch Interaktivität und psychologische Prozessorientierung geprägt ist.
1.3 Die fünf Axiome: Die zentralen Kommunikationsaxiome nach Watzlawick werden detailliert erläutert und auf das zuvor eingeführte Fallbeispiel angewandt.
2. Mittel nonverbaler Kommunikation: Das Kapitel erläutert die Bedeutung nonverbaler Signale, die den größten Anteil der zwischenmenschlichen Kommunikation ausmachen.
2.1. Haptische Signale, Körpersprache, Proxemik, physische Charakteristika: Hier werden spezifische Kategorien nonverbaler Kommunikation wie Berührungen, Mimik, Gestik und Raumverhalten theoretisch fundiert analysiert.
2.2. Aspekte für den (LER) Unterricht: Bezug zu den thematischen Schwerpunkten im Rahmenlehrplan: Abschließend wird der pädagogische Nutzwert der nonverbalen Kommunikation untersucht und in den Rahmenlehrplan für LER eingeordnet.
Schlüsselwörter
Kommunikationsmodelle, Paul Watzlawick, fünf Axiome, nonverbale Kommunikation, Metakommunikation, Körpersprache, Haptik, Proxemik, physische Charakteristika, Klassenverband, Lehrer-Schüler-Interaktion, Konfliktlösung, Rahmenlehrplan, soziale Beziehungen, pädagogische Psychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Kommunikationsprozessen im schulischen Kontext unter besonderer Berücksichtigung der psychologischen Kommunikationsmodelle von Paul Watzlawick sowie der Rolle nonverbaler Kommunikationsmittel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den fünf Axiomen der Kommunikation, den verschiedenen Kanälen nonverbaler Signale (Haptik, Gestik, Mimik, Proxemik) und deren Anwendung zur Verbesserung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie ein bewusstes Verständnis nonverbaler Kommunikation dazu beitragen kann, Fehlinterpretationen und Konflikte im Unterricht zu vermeiden sowie die Qualität der sozialen Interaktion zwischen Lehrkräften und Schülern zu steigern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse psychologischer Fachliteratur (insb. Watzlawick, Mehrabian, Röhner & Schütz) basiert und diese durch ein konstruiertes Fallbeispiel sowie einen Abgleich mit dem LER-Rahmenlehrplan veranschaulicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Kommunikationsaxiome, eine tiefgehende Untersuchung nonverbaler Wirkfaktoren und eine praktische Reflektion für den Lehrberuf.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kommunikationspsychologie, Interaktion, Körpersprache, Konfliktprävention und pädagogische Professionalität definieren.
Wie spielt das Modell von Watzlawick in die Konfliktlösung hinein?
Watzlawicks Axiome helfen, Kommunikationsstörungen – wie etwa die Eskalation zwischen Lehrerin und Schüler – als zirkuläre Prozesse zu erkennen, bei denen durch Metakommunikation und Bewusstwerdung der Inhalts- und Beziehungsebene Abhilfe geschaffen werden kann.
Welchen Einfluss haben physische Charakteristika auf den Unterricht?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Lehrkräfte dazu neigen, auf Basis von Attraktivität oder Kleidung vorschnelle Urteile über Schüler zu fällen, was zu einer als unfair empfundenen Behandlung führen kann und daher einer kritischen Reflexion bedarf.
Warum ist die Unterscheidung zwischen digitaler und analoger Modalität so wichtig?
Da Inhaltsaspekte oft digital (verbal) und Beziehungsaspekte analog (nonverbal) übermittelt werden, entstehen bei Widersprüchen zwischen diesen Ebenen häufig Kommunikationsstörungen, die gerade in Lehr-Lern-Situationen fatale Auswirkungen auf das Lernklima haben können.
Welcher Bezug besteht explizit zum Rahmenlehrplan für LER?
Die Ergebnisse zur nonverbalen Kommunikation werden in das Themenfeld "Miteinander leben - soziale Beziehungen" eingeordnet, insbesondere in den Bereich der Interaktion in Gruppen und Peergroups.
- Arbeit zitieren
- Julia Kobán (Autor:in), 2017, Kommunikation und Konfliktlösung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914818