1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem 1976 erschienenen Lehrwerk ‘Challenges’ unter dem Aspekt der Analyse von Sprachfunktionen. Die Beschäftigung mit dem Lehrwerk unter dem genannten Gesichtspunkt scheint deswegen interessant, da nur ein Jahr zuvor die Liste des Threshold Levels herauskam; in dieser Aufstellung finden sich zum ersten mal explizit dargestellte Verbalisierungsformen von Sprachfunktionen.
Im Gegensatz zu anderen Spracherwerbsbereichen ist also die der Vermittlung von Sprachfunktion ein relativ junges Thema. Bis heute ist das Gebiet nicht ausführlich erforscht, Hilfestellungen für Lehrer und Lerner müssen immer wieder ergänzt werden. Zum Erscheinungsjahr des Lehrwerkes ‘Challenges’ galt die Vermittlung von Sprachfunktionen als Innovation. Die zweite Liste des Threshold Level erschien erst im Jahre 1983. Das Lehrwerk stellt daher eine, für die Zeit seines Erscheinens gesehen, relativ progressive Konzeption dar. Gleichzeitig kann der Kritiker der heutigen Zeit den Prozeß der Erforschung des Gebietes von Sprachfunktionen an ‘Challenges’ exemplarisch verfolgen. Die Frage nach der Behandlung dieses Gebietes der Spracherwerbsforschung nach und in Ansätzen ggf. vor Erscheinen dieses Lehrwerkes könnte eine interessante Tätigkeit sein. Die Diskussion dieser Fragestellung würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Die folgenden Kapitel werden sich ausschließlich mit dem Lehrwerk ‘Challenges’ auseinandersetzen. Dabei wird es im zweiten Kapitel darum gehen, allgemeine Informationen über Art und Aufbau des Lehrwerkes zu geben. Sowohl die formale Eigenschaft als Multi - Media Projekt, als auch inhaltliche Aspekte werden hier dargestellt werden. Das darauffolgende Kapitel befaßt sich im Anschluß an die Gesamtdarstellung mit der Sequenz ‘Somewhere to Live’. Die Fokussierung eines inhaltlichen Bereiches dient einer exemplarischen Darstellung der Konzeption des Lehrwerkes, die aufgrund ihres begrenzten zeitlichen und inhaltlichen Rahmens erlaubt, die Untersuchung zu vertiefen. Die Analyse von Sprachfunktionen wird anhand der von Dieter Mindt 1993 definierten Bedeutung von Sprachfunktionen im vierten Kapitel stattfinden. Die Planung einer Sprachanwendungsphase folgt im fünften Kapitel, wobei es unterschiedliche Anregungen zu dem Thema geben soll. Eine abschließende Auswertung steht am Ende dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ALLGEMEINE INFORMATIONEN ZUM LEHRWERK ‘CHALLENGES’
2.1. Die Konzeption als Multi - Media - Projekt
2.2. Zielgruppe
2.3. Inhalt
2.4. Konzeption
3. DIE SEQUENZ „SOMEWHERE TO LIVE“
4. ANALYSE DER SPRACHFUNKTIONEN IN ‘CHALLENGES’
4.1. Allgemeines zur Definition von „Sprachfunktionen“
4.2. Betrachtung der Sprachfunktionen im Multi - Media- Projekt „Challenges“
5. PLANUNG VON SPRACHANWENDUNGSPHASEN ZUR VERMITTLUNG VON SPRACHFUNKTIONEN
5.1. Techniken mit Video:
5.2. vier - Phasenarbeit mit Videos:
5.3. Aufgabenvorschläge/Diskussionsthemen für die Arbeit mit der Sequenz ‘Somewhere to live’
5.4. Planung einer Sprachanwendungsphase zur Vermittlung von Sprachfunktionen
6. KRITIK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das 1976 erschienene Lehrwerk "Challenges" unter dem Aspekt der Vermittlung von Sprachfunktionen. Ziel ist es, die didaktische Konzeption des Multi-Media-Projekts zu analysieren, insbesondere anhand der Filmsequenz "Somewhere to live", und konkrete Planungsvorschläge für den Englischunterricht in der Sekundarstufe I abzuleiten, um den gezielten Sprachanwendungsbedarf der Schüler zu decken.
- Analyse der theoretischen Einbettung von Sprachfunktionen im Fremdsprachenunterricht.
- Evaluation des Multi-Media-Konzepts von "Challenges" hinsichtlich Lernerzentriertheit und Authentizität.
- Detaillierte Untersuchung der Sequenz "Somewhere to live" als Fallbeispiel für kommunikative Situationen.
- Entwicklung didaktischer Methoden zur Arbeit mit Videomaterial im Englischunterricht.
- Kritische Würdigung der Lehrwerksgestaltung und Vorschläge zur Optimierung der Sprachfunktionsvermittlung.
Auszug aus dem Buch
4.1. Allgemeines zur Definition von „Sprachfunktionen“
Die Vermittlung von Sprachfunktionen wird heutzutage, ebenso wie die Vermittlung des Wortschatzes, der Grammatik und der Aussprache, als Prinzip der Planung von Englischunterricht berücksichtigt. Die Vermittlung von Sprachfunktionen ist von daher relevant, als es oft nicht ausreicht, die linguistische Bedeutung zu kennen, um eine Mitteilungsabsicht einer sprachlichen Äußerung zu verstehen. Dieselbe Äußerung kann in unterschiedlichem Kontext verschieden gedeutet und gemeint sein. Piepho bezeichnete diese Fähigkeit als kommunikative Kompetenz. Sobald eine Äußerung als Sprechakt aufgefaßt wird, gliedert sie die Handlung des Sprechers beim Hervorbringen der Äußerung in drei Teile: den Äußerungsakt (utterance act, der Sprecher produziert Schallwellen, physikalisch feststellbare Laute), den propositionalen Akt (der Sprecher macht eine Aussage (prediction) über jemanden oder etwas), den illokutionären Akt, der schließlich die inhaltliche Bedeutung im Sinne der Intention des Sprechers vermittelt. Der Fremdsprachenunterricht muß alle drei dieser Komponenten vermitteln.
Während in der Anfangsphase der Vermittlung einer Fremdsprache viel Wert auf die phonologische Kompetenz gelegt wird, geht es im weiteren Verlauf verstärkt um den propositionalen Akt; lexikalische, sowie grammatikalische Strukturen treten in den Vordergrund. Innerhalb dieser Entwicklung gewinnt der illokutionäre Akt immer mehr an Bedeutung, da die Vermittlung lexikalischer, grammatikalischer und phonologischer Elemente meist situativ gestaltet ist. Sobald die ersten drei Fertigkeiten in ihren Grundzügen vermittelt wurden, fällt der Fokus auf den illokutionären Akt. Die Verfeinerung und Differenzierung von Sprachmitteln für spezielle Arten von Kommunikationssituationen wird meist im Kurssystem der Sekundarstufe II, aber auch in der Sekundarstufe I, immanent. Die illokutionären Akte werden auch Sprachfunktionen (language functions) und Redefunktionen (speechfunctions) genannt. Die Verwendung der Sprachmittel hängt nach Dieter Mindt von folgenden Gesichtspunkten ab: Rolle des Sprechers, Rolle des Angesprochenen, Beziehung der beiden zueinander, Situation, Thema, Intention der Äußerung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Relevanz des Lehrwerks "Challenges" für die Analyse von Sprachfunktionen und steckt den Rahmen der Untersuchung ab.
2. ALLGEMEINE INFORMATIONEN ZUM LEHRWERK ‘CHALLENGES’: Dieses Kapitel beschreibt den strukturellen Aufbau des Multi-Media-Projekts und dessen Eignung für Jugendliche in der Sekundarstufe I.
3. DIE SEQUENZ „SOMEWHERE TO LIVE“: Es erfolgt eine detaillierte Inhaltsübersicht der zwanzigminütigen Einstiegssequenz, die als Grundlage für die spätere Analyse dient.
4. ANALYSE DER SPRACHFUNKTIONEN IN ‘CHALLENGES’: Hier wird die theoretische Basis für Sprachfunktionen definiert und auf die Filmsequenz "Somewhere to live" angewandt.
5. PLANUNG VON SPRACHANWENDUNGSPHASEN ZUR VERMITTLUNG VON SPRACHFUNKTIONEN: Das Kapitel bietet methodische Anleitungen zur Videoarbeit und entwirft ein konkretes Unterrichtsszenario für eine Schulstunde.
6. KRITIK: Abschließend wird das Lehrwerk kritisch gewürdigt, wobei Stärken in der Konzeption sowie Defizite in der Übersichtlichkeit aufgezeigt werden.
Schlüsselwörter
Sprachfunktionen, Englischunterricht, Challenges, Multi-Media-Projekt, Sprechakt, kommunikative Kompetenz, Videodidaktik, Sekundarstufe I, Lehrwerksanalyse, Unterrichtsplanung, Redemittel, Sprachanwendung, Landeskunde, Sprachvermittlung, Methodik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Lehrwerk "Challenges" unter dem Fokus, wie Sprachfunktionen in einem Multi-Media-Kontext vermittelt werden und wie diese in die Unterrichtsplanung integriert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Konzeption des Lehrwerks, die theoretische Definition von Sprachfunktionen sowie die praktische Umsetzung der Sequenz "Somewhere to live" im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Effektivität des Lehrwerks bei der Vermittlung von Sprachfunktionen zu bewerten und konkrete methodische Anregungen für Lehrkräfte zur Arbeit mit Videosequenzen zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode findet Verwendung?
Die Arbeit nutzt eine fachdidaktische Analyse des Lehrwerks basierend auf einschlägiger Literatur zur Sprechakttheorie und Unterrichtsplanung nach Dieter Mindt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Sprachfunktionen, der Anwendung dieser auf das Lehrwerk "Challenges" sowie der methodischen Planung von Sprachanwendungsphasen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie kommunikative Kompetenz, authentisches Material, Lernerzentriertheit und den Einsatz von AV-Medien im Fremdsprachenunterricht.
Warum ist das Thema des "höflichen Ablehnens" im Buch so bedeutend?
Das Lehrwerk thematisiert an mehreren Stellen das Ablehnen von Zimmerangeboten, was Schülern hilft, soziale Interaktionen in der Fremdsprache authentisch und taktvoll zu bewältigen.
Welche Kritik äußert der Autor an der Konzeption von "Challenges"?
Der Autor kritisiert die teilweise mangelnde Übersichtlichkeit der grafischen Gestaltung sowie das Fehlen einer systematischen Auflistung der Sprachfunktionen, die als Index nützlich wäre.
- Quote paper
- Tatjana Schikorski (Author), 2001, Videoprogramme im Englischunterricht - Die Analyse des Lehrwerks "Challenges" (1976), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91545