Burnout bei Führungskräften. Ursache, Verlauf und Prävention


Hausarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1.Problemstellung
1.2.Vorgehensweise

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Burnout
2.1.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.1.2 Begriffsdefinition & -abgrenzung
2.1.3 Ursachen für ein Burnout
2.1.4 Krankheitsverlauf
2.2 Führungskräfte
2.2.1 Eigenschaften & Aufgaben
2.2.2 Burnout-Gefährdung

3. Vermeidung eines Burnout bei Führungskräften in der Praxis
3.1 Erkennen von Anzeichen
3.2 Präventionen
3.3 Handlungsempfehlungen für Unternehmen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Viele Menschen streben vor allem ein Ziel an: Erfolg. Bereits nach dem Abitur geht es los - man beginnt ein Studium an der Universität und das bedeutet Stress: Vorlesungen, Lernen, Klausuren. Ist das Semester geschafft, nutzt man die Semesterferien zum Arbei-ten und für Praktika.1

Endlich hält man den Abschluss in der Hand! Doch wer erfolgreich sein will, muss jetzt in seinem Job noch mehr leisten. Freiwillige Überstunden, hohes Engagement und keine Schwäche zeigen. Nach ein paar Jahren hat sich die ganze Arbeit und der Stress gelohnt und man ist Top-Manager und ganz oben auf der Karriereleiter angekommen. Doch jetzt heißt es: Arbeiten bis in die Nacht hinein, maximal sechs Stunden Schlaf, auch im Ur-laub erreichbar sein, noch mehr arbeiten und sogar wenn man krank ist, hat man keine Zeit sich zu erholen. Zeit zum Verschnaufen gibt es nicht - nicht jetzt, wenn man end-lich erfolgreich ist.

Plötzlich wird alles zu viel. Man leistet keine gute Arbeit mehr, distanziert sich von sei-nen Mitmenschen, man bekommt Schlafstörungen und wird seinen eigenen und den An-forderungen anderer nicht mehr gerecht. Man erleidet einen Burnout. Eine Krankheit, die sich leise einschleicht und für die gerade Führungskräfte viele Kriterien erfüllen. Wenn man die Krankheit erkennt, ist es meist schon zu spät.

Doch woran erkennt man, wann eine Führungskraft erkrankt? Welche Ursache steckt hinter einem Burnout? Welche präventiven Maßnahmen können ergriffen werden, um einen Burnout zu verhindern?

An dieser Stelle, kann man sich auch die Frage stellen, ob das Burnout überhaupt eine ernst zunehmende Krankheit ist. Schließlich ist der Begriff ziemlich „in“ und modisch.

Die aufgeführte Problematik wird im Folgenden mit der Intention behandelt, Perspekti-ven und Handlungsmöglichkeiten für Belastungen am Arbeitsplatz aufzuzeigen.

1.2. Vorgehensweise

Im folgenden Kapitel werden die theoretischen Grundlagen behandelt. Dieses Kapitel teilt sich in zwei separate Theorieteile auf. Im Theorieteil „Burnout“ wird im ersten Un-terkapitel zunächst der geschichtliche Hintergrund thematisiert. Daraufhin wird der Be-griff des Burnouts definiert und beispielsweise zu ähnlichen Krankheiten wie Depres-sionen abgegrenzt. Bei der Definition werden schon wichtige Merkmale der Krankheit charakterisiert. Daraufhin wird im nächsten Kapitel auf die Ursachen eingegangen mit besonderem Blick auf die situativen Gegebenheiten am Arbeitsplatz. Im letzten Unter-kapitel zur Thematik Burnout wird der Krankheitsverlauf beschrieben. Im nächsten Ka-pitel wird die Führungskraft definiert und der Arbeitsalltag thematisiert. Danach wird auf die besondere Anfälligkeit dieser Kohorte eingegangen, indem beide Theorieteile zusammengelegt werden: die Thematik Burnout bei Führungskräften wird behandelt. Der Praxisteil und somit das 3. Kapitel handelt insbesondere von der Vermeidung eines Burnouts bei Führungskräften. Wie erkennt man erste Anzeichen bevor oder während ein Burnout eintritt? Des Weiteren wird der Umgang mit den benannten Symptome und weitere Präventionen thematisiert. Daraus werden dann im letzten Unterkapitel im Pra-xisteil mögliche präventive Maßnahmen für Unternehmen gezogen. Zuletzt wird ein Fazit mit besonderen Augenmerk auf die Leitfragen gezogen.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Burnout

2.1.1 Geschichtlicher Hintergrund

Das Phänomen des Burnouts findet seinen Ursprung in helfenden Berufen. Erstmalig definierte der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger die Symptome im Jahr 1974 in einem Artikel in einer Fachzeitschrift.2 Er charakterisierte das Burnout-Syndrom anhand von Beobachtungen an sich selbst. Aufgrund einer schweren Jugend, die er eine zeitlang sogar auf der Straße verbrachte, hatte der Psychoanalytiker hohe Anforderungen an sich selbst und spürte eine große Verantwortung für Randgruppen. Neben seinem zehnstün-digem Arbeitsalltag engagierte er sich aufgrund seines hohen sozialen Ethos ehrenamt-lich für diese hilfsbedürftigen Menschen. Er behandelte seine Klienten bis in die Nacht hinein, um seinen eigenen hohen Anforderungen gerecht zu werden. Er war permanen-tem Stress ausgesetzt. Es kam allmählich zu Rollenkonflikten. Er hatte das Gefühl, er kümmere sich nicht mehr genug um seine Familie. Er fühlte emotionale Erschöpfung und Zynismus begleitend von physischen Beschwerden. Er vollbrachte seine Arbeit nicht mehr so gut wie früher. Es entwickelte sich eine Streben gegen die Arbeit - eine Überforderung. Diese Symptome sind bis heute bedeutend bei der Diagnose Burnout.3

2.1.2 Begriffsdefinition & -abgrenzung

Es gibt keine einheitliche Definition für das Burnout-Syndrom. Wörtlich übersetzt aus dem Englischen beschreibt das Burnout einen Zustand des „Ausbrennens“ bei Men-schen. Zu Zeiten von Freudenberger forschte die amerikanische Professorin für Psycho-logie Christina Maslach weiterhin auf dem Gebiet. Sie erstellte einen Fragebogen, wel-cher die Merkmale des Burnouts zusammenfasste.4 Das Burnout schließt sich nach ihrer Definition aus drei Bestandteilen zusammen. Zum einen spürt der Betroffene eine emo-tionale Erschöpfung sowie physische Ermüdung, d. h. er ist überfordert mit den Anfor-derungen sowie Gegebenheiten seines Berufs und kann sich davon nicht erholen. Das zweite Ausprägungsmerkmal ist die Depersonalisierung. Dieses Merkmal meint den zy-nischen, distanzierten Umgang mit sozialen Kontakten auf der Arbeit, beispielsweise mit Klienten oder Arbeitskollegen. Gleichzeitig verringert sich die Leistungsbereit-schaft, welches das 3. Merkmal wäre. 5

Bis der Betroffene diesen Zustand mit den beschriebenen Merkmalen erreicht, ignoriert er über einen längeren Zeitraum Anzeichen der Erschöpfung und Überforderung. Es ist ein schleichender Prozess, welcher aus medizinischer Sicht zu einer Hyperstressreaktion führt. 6

Oft werden Burnout und Depressionen im Alltag verwechselt und für das selbe Krank-heitsbild verwendet - dem ist aber nicht so. Das Burnout schließt immer noch den be-ruflichen Aspekt mit ein.7

Und obwohl das Burnout einen Krankheitszustand beschreibt, ist das Syndrom nicht als Krankheit im ICD von der Weltgesundheitsorganisation eingetragen. Jedoch sollte dem Betroffenen bei einer Diagnose vom Gesundheitssystem geholfen werden, denn es kön-nen andere psychische oder physische Erkrankungen durch das Burnout ausgelöst wer-den. 8

2.1.3 Ursachen für ein Burnout

Es gibt nicht „die" eine Ursache, welche zu einem Burnout führt, sondern es ist ein Zu-sammenspiel aus mehreren Komponenten. Wesentlich hierbei sind zum einen die perso-nenbezogenen Möglichkeiten und Anforderungen und zum anderen die situativen Ge-gebenheiten. Sind die genannten Faktoren unvereinbar und hindern den Betroffenen beim Bewältigen seines Alltags, kommt es zum sogenannten Ausbrennen. Wichtig hier-bei ist, dass man die Ursachen nicht pauschalisieren kann. Jedes Individuum reagiert unterschiedlich. So kann es sein, dass eine Person mit offensichtlich jahrelangem hohem Druck glücklich die Rente erreicht, während eine andere Person in der selben Situation schon in den ersten Jahren im Beruf ausbrennt.9

Um die situativen und personenbezogenen Faktoren besser zu verstehen, gibt es ein Modell, welches die Grundbedürfnisse des Menschen thematisiert. Der Psychologe Klaus Grawe entwickelt dieses Modell im Jahr 2004. Wenn diese Bedürfnisse gestillt sind, ist die Basis für eine Bewältigung von Problemen und für ein glückliches Leben gegeben. Der Mensch ist im Einklang mit sich selbst. Er hat eine innere Ruhe und Ba­lance.

Wenn die Bedürfnisse auf Dauer nicht gestillt werden, herrscht ein Ungleichgewicht im Menschen. Der Mensch ist unzufrieden. Das Verletzen der Grundbedürfnisse kann zu Krankheiten führen.10 11

Das erste Grundbedürfnis lautet „das Bedürfnis nach Bindung und Zugehörigkeit“. Der Mensch ist ein soziales Wesen und kann nicht alleine leben. Schon in den ersten Jahren wird die Basis von Urvertrauen und Urmisstrauen durch Eltern und Familie gelegt. Er-fahrungen mit diesem Bedürfnis bestimmen unsere persönlichen Gegebenheiten, welche wiederum Einfluss auf unsere Bewältigung von Stress und Problemen haben.12

Das zweite Grundbedürfnis ist das Bedürfnis nach Kontrolle, Orientierung und Selbst-bestimmung. Man möchte weder im privaten Leben noch im Beruf fremdbestimmt le-ben, sondern Herr seiner Selbst sein. Das bedeutet, je mehr Handlungsspielraum ich auf der Arbeit habe, desto mehr wird dieses Bedürfnis gestillt.13

Das dritte Grundbedürfnis ist das Bedürfnis nach Selbstwertschutz und Selbstwerterhö-hung. Wenn man sich mit Menschen umgibt, die einen schätzen und loben, wird dieses Bedürfnis gestillt. Auch hier spielt wieder die Kindheit eine Rolle: Wurden die Grund-steine richtig gelegt und hat man ein gesundes Selbstwertgefühl? Wird man durch feh-lende Anerkennung von außen schneller gekränkt, da es einem an gesundem Selbstver-trauen fehlt, kann das auch zum schnelleren Eintreten eines Burnout führen.14

Das vierte Grundbedürfnis lautet „Bedürfnis nach Lustgewinnung und Vermeidung von Unlust“. Der Mensch sehnt sich nach erfreulichen Erfahrungen. Diese Gefühle können zum Beispiel ausgelöst werden, in dem man eine schwierige Aufgabe auf der Arbeit gemeistert hat (auf welche man eventuell auch nicht so große Lust hatte) und durch das eigene Belohnungssystem wie auch extrinsisch durch Lob positive Gefühle ausgelöst werden.15

Mithilfe dieses Modells lassen sich situative Faktoren im Beruf besser betrachten. Stu-dien zeigen, dass das Arbeitsengagement positiv von den Arbeitsressourcen beeinflusst wird, während die Arbeitsbelastung dies tendenziell negativ beeinflusst. Im Umkehr-schluss begünstigen Arbeitsbelastungen einen Burnout während Arbeitsressourcen das Gegenteil bewirken.16

Unter Arbeitsressourcen versteht man vor allem die Möglichkeit zum selbstbestimmten Handeln und den Erhalt von sozialer Unterstützung. Sind solche Ressourcen gegeben und somit auch Grundbedürfnisse gestillt, beobachtet man in der Arbeitswelt mehr Vita-lität, Hingabe sowie höhere Aufnahmefähigkeit. Die Chance zu einer Identifikation mit dem Job sowie ein erhöhtes Engagement ist gegeben. Sind diese auf Dauer nicht gege-ben, kann die Depersonalisierung eintreten - ein Merkmal des Burnouts. Arbeitsbelas-tungen, wie z.B. Zeitdruck und Arbeitsauslastung, können ebenfalls einen negativen Einfluss haben, denn es führt zu Stress.17

Stress wird von einem Stressor ausgelöst und kann in gesunden Maßen den menschli-chen Körper zu Höchstleistungen bringen. Kann der Mensch jedoch diesen Stressor auf Dauer nicht bewältigen, wird der Stress chronisch und gefährlich und spielt eine große Rolle beim Entstehen des Burnouts.18

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nachfolgend auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beider-lei Geschlecht.

2 Vgl. Hillert, A., Burnout Geschichte, o. J., o. S.

3 Vgl. Storch, M., Burnout ade, 2018, S. 157ff.

4 Vgl. Maslach, C., Fragebogen Burnout, 1986, o. S.

5 Vgl. Storch, M., Burnout ade, 2018, S. 160f.

6 Vgl. Schermann, U., Stress und Burnout in Organisationen, 2015, S.8.

7 Vgl. Schuh, H., Burnout am Arbeitsplatz, 2013, S. 159f.

8 Vgl. Schermann, U., Stress und Burnout in Organisationen, 2015, S.22.

9 Vgl. Hillert, A., Ursachen Burnout, o. J., o. S.

10 Vgl. Storch, M., Burnout ade, 2018, S. 165.

11 Vgl. Grawe, K., Neuropsychotherapie, 2004, S. 186ff.

12 Vgl. Grawe, K., Neuropsychotherapie, 2004, S. 192ff.

13 Vgl. Grawe, K., Neuropsychotherapie, 2004, S. 230ff.

14 Vgl. Grawe, K., Neuropsychotherapie, 2004, S. 250ff.

15 Vgl. Grawe, K., Neuropsychotherapie, 2004, S. 260ff.

16 Vgl. Schmidt, F., Burnout und Arbeitsengagement, 2011, S. 24f.

17 Vgl. Schmidt, F., Burnout und Arbeitsengagement, 2011, S. 25ff.

18 Vgl. Storch, M., Burnout ade, 2018, S. 168f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Burnout bei Führungskräften. Ursache, Verlauf und Prävention
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Dortmund früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V915503
ISBN (eBook)
9783346222336
ISBN (Buch)
9783346222343
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Work-Life-Balance, Führungskräfte, Burn-out, Präventionen, Erkennen eines Burnouts, Vermeidung eines Burnouts, Burnout-Gefährdung
Arbeit zitieren
Lavinia Vasilev (Autor:in), 2020, Burnout bei Führungskräften. Ursache, Verlauf und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/915503

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