Einleitung
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollzog sich eine weltpolitische Umstrukturierung . Ehemalige Kolonien wurden zu emanzipierten Staaten, die jedoch zum größten Teil, aufgrund der jahrelangen Kontrolle und Ausbeutung seitens ihrer einstigen Mutterländer, Diunterentwickelt waren. Der Versuch dieser neuen Staaten sich an dem Leitbild der Industrieländer zu orientieren, scheiterte an den wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Schwierigkeiten. (...)
Verschiedene Ansätze, den Wachstumsprozess der Entwicklungsländer zu beschleunigen und damit den Wohlstand der Bevölkerung zu verbessern, haben nur zu einem gemäßigten Erfolg geführt. Damit stellt sich die Frage nach den zweckmäßigsten internen und externen Maßnahmen, die zur Überwindung von Unterentwicklung führen. (...) Die internen Maßnahmen können von den Entwicklungsländern selbst ergriffen werden und beziehen sich damit auf die inländische bzw. nationale Entwicklungspolitik. Die externen Maßnahmen beziehen sich dagegen auf die Auslandshilfe, welche grundsätzlich in Finanzhilfe und Handelshilfe unterteilt wird. Während die Finanzhilfe die direkte Verbesserung der Finanzposition von Entwicklungsländern zum Gegenstand hat, setzt die Handelshilfe unmittelbar an den Güterströmen an und verbessert somit deren Handelsposition, welches in erster Linie eine Verbesserung der Exportposition bedeutet . (...)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Handelshilfe auf internationaler Ebene
2.1 Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT)
2.1.1 Internationale Waren- und Rohstoffabkommen
2.1.2 Zollpräferenzen
2.2 Die Welthandelsorganisation (WTO)
2.2.1 Aufgaben und Ziele
2.2.2 Grundprinzipien der Handelsbeziehungen
3 Handelshilfe auf supranationaler Ebene
3.1 Handelshilfe-Politik der EU
3.2 Kritik an der Handelshilfe-Politik der EU
3.2.1 Opportunismus
3.2.2 Unilateralismus und Bilateralismus
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit analysiert die Handelshilfepolitik als Instrument der Entwicklungspolitik auf internationaler und supranationaler Ebene, mit dem Ziel, Schwachstellen zu identifizieren und mögliche Lösungsansätze für eine effektivere Unterstützung von Entwicklungsländern aufzuzeigen.
- Analyse der Handelshilfe im Rahmen von GATT und WTO
- Untersuchung der supranationalen Handelshilfepolitik am Beispiel der Europäischen Union
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit von Waren- und Rohstoffabkommen sowie Zollpräferenzen
- Diskussion von Protektionismus, Opportunismus und den Auswirkungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Opportunismus
In den WTO-Verhandlungsrunden wurde deutlich, dass die Mitgliedsländer darauf bedacht sind, die eigenen schwächeren Güter gegen die ausländische Konkurrenz zu schützen und für die stärkeren Güter neue Marktzugänge zu erzielen. Die EU bildet dabei keine Ausnahme. Sie versucht mit allen Mitteln, ihren schwachen Agrarsektor besonders vor den Entwicklungsländern zu schützen. Dabei benutzen sie die Grundprinzipien der GMO um ausländische Agrarprodukte vom einheimischen Markt fernzuhalten. Zum Beispiel bedeutet das Grundprinzip der Gemeinschaftspräferenz nichts anderes, als „…Marktabschottung gegenüber Drittstaaten und eine Diskriminierung von Agrarprodukten von Nicht-EU Anbietern“4. Diese opportunistische und zugleich handelsverzerrende Strategie führt damit zu einer starken Benachteiligung der Entwicklungsländer.
Mit dem Ziel, das Einkommen der Landwirtschaft zu stabilisieren, subventioniert die EU die Agrarproduktion und verkauft die Produkte mit Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt. Es entsteht eine Überproduktion, die neben den Dumpingmaßnahmen zu noch niedrigeren Preisen auf dem Weltmarkt führt. Damit haben die Entwicklungsländer keine Chance eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage durch den Handel von Agrarprodukten zu erreichen.
Eine weitere Form opportunistischen Verhaltens seitens der EU besteht in der Anwendung von Umwelt- und Sozialstandards auf Produkte. Davon besonders betroffen sind die Produkte aus den sog. Schwellenländern. Starkes Interesse – und nicht zuletzt aus protektionistischen Zwecken - haben vor allem spezifische Gruppen, wie z. B. Industrieverbände sowie andere NGOs. Neben den öffentlichen Forderungen, soziale Standards in Entwicklungsländern einzuführen und deren Verletzung mit Handelssanktionen zu belegen, führen derartige zum großen Teil opportunistische Maßnahmen eher dazu, dass die Entwicklungsländer die WTO lediglich als Instrument sehen, mit dem die Industrieländer und damit auch die EU ihre Interessen durchsetzen wollen1.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den historischen Kontext der Entwicklungsländer und definiert die Handelshilfe als essenziellen Bestandteil der Entwicklungspolitik zur Verbesserung der Exportposition.
2 Handelshilfe auf internationaler Ebene: Dieses Kapitel analysiert das GATT und die WTO als internationale Rahmenwerke, die zwar Handelsliberalisierung anstreben, jedoch durch die Sonderrolle der Entwicklungsländer und Interessenkonflikte in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt sind.
3 Handelshilfe auf supranationaler Ebene: Der Fokus liegt hier auf der EU, deren supranationale Kompetenzen zwar eine gezielte Handelshilfepolitik ermöglichen, die jedoch häufig durch protektionistische Interessen und opportunistisches Verhalten konterkariert wird.
4 Fazit: Das Fazit resümiert, dass eine effektive Handelshilfe nur möglich ist, wenn Industrieländer ihre Handelsinteressen den Entwicklungszielen unterordnen und insbesondere die protektionistische Agrarpolitik reformieren.
Schlüsselwörter
Handelshilfe, Entwicklungspolitik, GATT, WTO, Europäische Union, Gemeinsame Agrarpolitik, Protektionismus, Zollpräferenzen, Opportunismus, Exportdiversifizierung, Welthandel, Liberalisierung, Schwellenländer, Agrarsektor, Handelsverzerrung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Handelspolitik als Instrument der Entwicklungshilfe eingesetzt wird, um die wirtschaftliche Situation von Entwicklungsländern zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen internationale Organisationen wie GATT und WTO, die supranationale Handelspolitik der EU sowie die Auswirkungen von Protektionismus und Marktregulierung auf Entwicklungsländer.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Schwächen der aktuellen Handelshilfepolitik aufzudecken, um daraus fundierte Ansätze für eine gerechtere und wirksamere Politik abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Handelsinstrumente (GATT/WTO-Prinzipien) in Kombination mit einer kritischen Untersuchung der EU-Handelspolitik und der Auswertung wirtschaftspolitischer Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse internationaler Abkommen (GATT/WTO), die supranationale Handelspolitik der EU inklusive ihrer Kritikpunkte wie Opportunismus und Unilateralismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Handelshilfe, Protektionismus, EU-Agrarpolitik, WTO-Prinzipien und die wirtschaftliche Integration von Entwicklungsländern.
Inwiefern beeinflusst die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU die Entwicklungsländer?
Durch Subventionen und Schutzzölle schottet die EU ihren Markt ab und drückt mit Dumpingpreisen die Exportchancen der Landwirte in Entwicklungsländern, was deren wirtschaftliche Entwicklung massiv behindert.
Warum wird die Handelspolitik der EU als opportunistisch bezeichnet?
Der Autor argumentiert, dass die EU unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe primär eigene protektionistische Interessen (insbesondere im Agrarsektor) verfolgt, anstatt die Ziele der Entwicklungsländer konsequent zu unterstützen.
- Quote paper
- Christoph Gert (Author), 2008, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik: Handelshilfe-Politik als supranationale Aufgabe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91571