In dieser Arbeit wird untersucht, ob und wie man Menschen und vor allem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, durch sportliche Aktivitäten in Freizeit und Schule, die Integration erleichtern kann. Es werden außerdem Sozialisationseffekte von Sport analysiert, untersucht inwieweit sich Sport auf kognitive Leistungen von Kindern auswirkt und wie man dies gerade im Zweitsprachunterricht nutzen könnte. Darauf aufbauend wird an praktischen Beispielen gezeigt, wie eine gelungene Integration und interkulturelle Erziehung durch Sport an der Schule umgesetzt werden könnte.
Zahlreiche Flüchtlinge nehmen in den letzten Monaten unglaubliche Strapazen auf sich, um Sicherheit und Frieden in einem völlig fremden Land zu finden. Deutschland zählt zu den Ländern, die die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Dies ist keineswegs ein neues Phänomen der heutigen Zeit, denn bereits nach Ende des Zweiten Weltkriegs ließen sich in Deutschland viele Migrationsbewegungen beobachten.
Die Einwanderung und Bitte um Asyl dieser vielen Menschen stellt unser Land auch heute vor große Herausforderungen. Besonderes Augenmerk wird dennoch auf die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gelegt. Durch integrative Maßnahmen möchte man die asylsuchenden Menschen bestmöglich in unsere bestehende Gesellschaft eingliedern und ihnen eine gute Perspektive bieten. Eine häufig genannte Möglichkeit zur Integration dieser Menschen ist der Sport. Da ich selbst ein ambitionierter Sportler und in der Ausbildung zum Sport- und Deutsch als Zweitsprache Lehrer bin, hat mich diese Thematik von Anfang an sehr interessiert. Es macht mir große Freude, Kinder und Jugendliche zum Sport zu motivieren und zu beobachten, was der Sport bei ihnen bewirkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Integration durch Sport
2. Begriffsklärung
2.1. Migration
2.2. Migrationshintergrund
2.3. Integration
2.4. Soziale Integration
3. Historischer Überblick zur Migration in Deutschland seit 1950
4. Migration in Deutschland seit 2014
5. Integrations- und Sozialisationseffekte von Sport
5.1. Sportengagement und die Ausübung von Gewalt
5.2. Freundschaftsbeziehungen durch Sport
5.3. Sportengagement und die Auswirkung auf die Bildung
6. (Interkulturelles)Lernen und Integration durch Bewegung und Sport an der Schule
6.1. Der Zusammenhang von Sportlichkeit und kognitiver Leistung
6.2. Der Ansatz der interkulturellen Bewegungserziehung
6.2.1. Was ist Fremdheit?
6.2.2. Erprobte didaktische Leitideen der interkulturellen Bewegungserziehung
6.2.3. Sportprojekte im Sinne der interkulturellen Erziehung
6.3. Mögliche didaktische Maßnahmen für die Schule
6.4. Spiel- und Übungsformen für ein bewegtes Lernen
7. Fachsprache Sport für Kinder mit Migrationshintergrund
7.1. Fachsprache im Sportunterricht am Beispiel von Geräteturnen
7.2. Spielerisches Lernen der Sportsprache
8. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Sport und Bewegung als Instrument zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Schule und Freizeit, wobei ein besonderer Fokus auf Sozialisationseffekten, kognitiven Lernvorteilen und der Vermittlung von Fachsprache liegt.
- Sozialisations- und Integrationseffekte durch Sport
- Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und Bildungserfolg
- Interkulturelle Bewegungserziehung im schulischen Kontext
- Didaktische Konzepte zur Sprachförderung im Sportunterricht
- Prävention von Gewalt durch strukturierte sportliche Angebote
Auszug aus dem Buch
5.2. Freundschaftsbeziehungen durch Sport
Das Jugendalter ist eine aufregende und spannende Phase, in der Jugendliche ihr eigene Identität und ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Sogenannte Peer-Groups d.h. Gruppen von Gleichaltrigen oder Gleichgesinnten spielen dabei eine äußerst bedeutende Rolle für die Heranwachsenden Kinder, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Diese Gruppen geben ihnen Halt, helfen dabei sich vom Elternhaus abzulösen und neue eigene Erfahrungen zu sammeln. „Freundesgruppen fungieren deshalb als Experimentierfelder, in denen Jugendliche aus einem zunächst kindheitsgemäßen Rollenverhalten nach und nach Verhaltensmuster entwickeln können, die für Erwachsene typisch sind“ (Michael Mutz, 2012, S. 261).
Die Heranwachsenden besitzen zudem einen vollwertigen Status innerhalb ihrer Gruppe, den sie bei der Interaktion mit Erwachsenen noch nicht haben. Dies ermöglicht es, „Einfluss zu nehmen, Aktivitäten zu bestimmen, zu verhandeln und zu gestalten. In diesen Aushandlungs- und Abstimmungsprozessen können Jugendliche lernen, die eigenen Ziele und Absichten sozialverträglich einzubringen. Sie können sich als selbstständige Subjekte und als Mitglieder ihrer sozialen Wirklichkeit erleben und ihre Handlungskompetenzen erweitern. Interessant für die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist zudem, dass es aus entwicklungspsychologischer Perspektive ganz und gar unerheblich ist, aus welchem Land die Freunde stammen, welcher Ethnie sie angehören oder welchen kulturellen Hintergrund sie mitbringen (vgl. Michael Mutz, 2012, S.266). Freundschaften bilden sich dann, wenn statusgleiche Personen mit denselben Interessen zusammentreffen und gemeinsam Aktivitäten mit positiven Erlebnisqualität erleben (vgl. Michael Mutz, 2012, S. 278). Sport eignet sich hervorragend, um gemeinsam solche positiven Erlebnisse zu erfahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Integration durch Sport: Einleitung in die Thematik der Flüchtlingssituation und die Relevanz des Sports als integratives Mittel für Kinder und Jugendliche.
2. Begriffsklärung: Definition zentraler Begrifflichkeiten wie Migration, Migrationshintergrund, Integration und soziale Integration.
3. Historischer Überblick zur Migration in Deutschland seit 1950: Darstellung der Migrationsgeschichte in Deutschland, beginnend mit der Gastarbeiter-Ära bis hin zu späteren politischen Entwicklungen.
4. Migration in Deutschland seit 2014: Analyse des Migrationsgeschehens ab 2014 unter Berücksichtigung des Migrationsberichts 2014 und statistischer Daten aus dem Jahr 2015.
5. Integrations- und Sozialisationseffekte von Sport: Untersuchung der soziologischen Annahmen über Sport, Gewaltprävention und Bildungsförderung bei Jugendlichen.
6. (Interkulturelles)Lernen und Integration durch Bewegung und Sport an der Schule: Darstellung didaktischer Ansätze zur interkulturellen Bewegungserziehung und Vorstellung praktischer Schulprojekte.
7. Fachsprache Sport für Kinder mit Migrationshintergrund: Fokus auf die Bedeutung der Sportsprache und Strategien zur Vermittlung von Fachvokabular im Sportunterricht.
8. Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung des Potenzials von Sport zur Förderung von Kompetenzen und Forderung nach stärkerer Einbindung in den Schulalltag.
Schlüsselwörter
Sportpädagogik, Migration, Integration, Sozialisation, Interkulturelles Lernen, Bewegungserziehung, Fachsprache Sport, Gewaltprävention, Bildungsförderung, Schulsport, Sprachförderung, Geräteturnen, Peer-Groups, Inklusion, Deutsch als Zweitsprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Sport und Bewegung zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in deutschen Schulen und Sportvereinen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Sozialisationsfunktion von Sport, den Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und kognitivem Lernen, interkulturelle Erziehung durch Bewegung sowie die sprachliche Förderung im Sportunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch gezielte sportliche Aktivitäten Integrationsprozesse unterstützt, Sprachbarrieren abgebaut und soziale Kompetenzen gefördert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung aktueller Studien und Berichte (z.B. Migrationsberichte, sportwissenschaftliche Fachliteratur) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Migration, die Auswirkungen von Sport auf Gewaltprävention und Bildungserfolge sowie didaktische Konzepte für den Sportunterricht mit Kindern mit Migrationshintergrund.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Sportpädagogik, Integration, Migrationshintergrund, interkulturelles Lernen und Sprachförderung charakterisieren.
Wie kann Geräteturnen gezielt zur Sprachförderung eingesetzt werden?
Der Autor schlägt vor, spezifische Fachbegriffe (z.B. Gerätebezeichnungen oder Griffarten) direkt am Ort des Geschehens in der Turnhalle durch spielerische Methoden und Bewegungskombinationen ganzheitlich zu erlernen.
Welche Bedeutung hat das "Wir-Gefühl" im Sport für Migranten?
Das durch gemeinsamen Sport erzeugte "Wir-Gefühl" bietet Kindern mit Migrationshintergrund ein Gefühl der Zugehörigkeit, Anerkennung und Wertschätzung, das frustrierende Erfahrungen in anderen Lebensbereichen kompensieren kann.
- Arbeit zitieren
- Matthias Blaschke (Autor:in), 2016, Integration durch Sport. Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch sportliche Aktivitäten in Freizeit und Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/915901