Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit der Mitgliederentwicklung von Gewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum von 2001 bis 2018. Dabei wird sich an den zwei nachstehenden Forschungsfragen orientiert:
Lässt sich eine Hierarchie der Phänomene, welche die Ursachen der negativen Mitgliederentwicklung sind, konzipieren? Fraglich ist hier, ob eins dieser Phänomene besonders ausschlaggebend für die Mitgliederentwicklungstendenzen ist.
Lassen sich die unterschiedlichen Mitgliederentwicklungstendenzen auf die Typologisierung des jeweiligen Untersuchungsobjektes zurückführen? Gefragt wird hier, ob es je nach Gewerkschaftstyp unterschiedliche Faktoren gibt, die besonders ausschlaggebend für die Mitgliederentwicklungstendenzen des jeweiligen Gewerkschaftstypen sind.
Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil widmet sich der Begriffsklärung von Gewerkschaften und es wird eine Typologisierung von Gewerkschaften vorgestellt. Der zweite Teil dieser Arbeit widmet sich der Ursachenforschung, woraufhin eine Zusammenfassung hinsichtlich der gestellten Forschungsfragen erfolgen wird.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Begriffsklärung und Gewerkschaftstypologie
1. Gewerkschaften: Vereinigungen und Verbände
2. Typologisierung von Gewerkschaften
2.1 Richtungs- und Einheitsgewerkschaften
2.2 Industrie- und Berufsgewerkschaften
3. Zwischenfazit: Aufgabenprofil und Gewerkschaftstypen
III. Die Problemstellungen des deutschen Gewerkschaftswesen
1. Mitgliederrückgang bei Gewerkschaften
1.1 Industriegewerkschaft Metall (IG Metall)
1.2 Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
1.3 Gewerkschaft der Polizei (GdP)
1.4 Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
2. Zurückgehender Korporatismus
3. Zwischenfazit: Mitgliederentwicklung und Korporatismus
IV. Die aus den Problemstellungen resultierenden Folgen
V. Die Ursachen für den Mitgliederrückgang bei Gewerkschaften
1. Forschungsstand
1.1 Ökonomischer Strukturwandel
1.2 Sozialer Strukturwandel
1.3 Trittbrettfahrer-Problem
1.4 Innergewerkschaftliche Faktoren
2. Zwischenfazit: Rekapitulation des Forschungsstandes
3. Fehlende Identifikation und Solidarität
4. Exkurs: Gewerkschaften und Digitalisierung
VI. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Forschungsfragen
VII. Die Problemlösungsansätze
1. Forschungsstand
1.1 Europäisierung
1.2 Wechsel des Gewerkschaftstypus
1.3 Organizing
1.4 Differenzierung nach Gewerkschaftsmitgliedschaft
2. Handlungsempfehlungen bezüglich der Lösungsansätze
VIII. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Mitgliederentwicklungstendenzen bei deutschen Gewerkschaften im Zeitraum von 2001 bis 2018. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Typologisierung der Gewerkschaften sowie verschiedene ökonomische und soziale Faktoren als Ursachen für den Mitgliederschwund und die Erosion korporatistischer Strukturen identifiziert werden können.
- Analyse der Mitgliederentwicklung bei ausgewählten Gewerkschaften (IG Metall, ver.di, GdP, GEW).
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Gewerkschaftstypus und Mitgliederbindung.
- Erforschung der Auswirkungen des ökonomischen und sozialen Strukturwandels auf die Organisationsmacht.
- Diskussion von Lösungsansätzen wie Europäisierung, Organizing und Differenzierungsklauseln.
Auszug aus dem Buch
1.3 Trittbrettfahrer-Problem
Das Trittbrettfahrer-Problem, welches Olson in seiner Schrift Die Logik des kollektiven Handelns beschrieben hat, wird in der Verbandsforschung ebenfalls als eine Ursache für den Mitgliederrückgang angesehen. So formuliert Olson das Trittbrettfahrer-Problem wie folgt: „Gewerkschaften sind für Kollektiv-, nicht für individuelle Verhandlungen da. Das bedeutet, da[ss] die meisten Erfolge einer Gewerkschaft […], für den rationalen Arbeiter keinen Anreiz zum Beitritt darstellen; seine persönlichen Anstrengungen blieben ohne merkliche Wirkung auf das Ergebnis, und die Erfolge würden ihm in jedem Falle zugute kommen, ob er nun die Gewerkschaft unterstützt oder nicht.“ Für die Mitwirkung an einer Gewerkschaft heißt das in concreto: „Ein rational handelnder Arbeiter wird nicht freiwillig in einer (großen) Gewerkschaft mitarbeiten, die einen kollektiven Vorteil bietet, weil er allein die Gewerkschaft nicht merklich stärken würde und er die Vorteile aus allen Leistungen der Gewerkschaft genießen könnte, ob er sie nun unterstützt oder nicht.“ Die Beobachtungen von Olson offenbaren das generelle Problem von Gewerkschaften, nämlich dass sie „öffentliche Güter [produzieren][…], von deren Nutzen auch Arbeitnehmer profitierten, die keine Gewerkschaftsmitglieder sind und sich somit nicht an den Kosten der gewerkschaftlichen Leistungen beteiligen. So gelten z.B. Tarifverträge für Gewerkschaftsmitglieder wie für Nichtmitglieder“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gewerkschaften als Koalitionen und Darstellung der Forschungsfragen hinsichtlich unterschiedlicher Mitgliederentwicklungen.
II. Begriffsklärung und Gewerkschaftstypologie: Definition des Gewerkschaftsbegriffs und Erläuterung der Typologisierung nach politischer Ausrichtung und arbeitsmarktbezogener Struktur.
III. Die Problemstellungen des deutschen Gewerkschaftswesen: Empirische Präsentation des Mitgliederrückgangs bei ausgewählten Gewerkschaften und der Erosion korporatistischer Einbindung.
IV. Die aus den Problemstellungen resultierenden Folgen: Analyse der Auswirkungen der Problematiken auf die Tarifautonomie und die gewerkschaftliche Macht.
V. Die Ursachen für den Mitgliederrückgang bei Gewerkschaften: Erörterung der Forschungsstand-Perspektiven, inklusive Strukturwandel, Trittbrettfahrer-Problem, innergewerkschaftlicher Faktoren sowie Fragen der Identifikation und Digitalisierung.
VI. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Forschungsfragen: Beantwortung der Forschungsfragen anhand einer konzipierten Hierarchie der Einflussphänomene.
VII. Die Problemlösungsansätze: Diskussion theoretischer und praktischer Ansätze zur Stärkung der Gewerkschaften und Handlungsempfehlungen für die Zukunft.
VIII. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die notwendige Revitalisierung durch neue Forschungsansätze und Reformprozesse.
Schlüsselwörter
Gewerkschaften, Mitgliederrückgang, Korporatismus, Tarifautonomie, Organisationsmacht, Strukturwandel, Trittbrettfahrer-Problem, Mitbestimmung, Multibranchengewerkschaft, Berufsgruppengewerkschaft, Organizing, Solidarität, Digitalisierung, Mitgliederbindung, Politische Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Mitgliederschwunds bei deutschen Gewerkschaften im Zeitraum von 2001 bis 2018 und analysiert die Ursachen sowie die gesellschaftspolitische Relevanz dieser Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Mitgliederentwicklung ausgewählter DGB-Gewerkschaften, die Rolle des Korporatismus, der Einfluss des ökonomischen und sozialen Strukturwandels sowie Strategien zur Mitgliederwerbung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum sich Mitgliederzahlen bei verschiedenen Gewerkschaftstypen (Industrie- vs. Berufsgruppengewerkschaften) unterschiedlich entwickeln und welche Ursachen diesen Trends zugrunde liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen, die Auswertung empirischer Mitgliederdaten sowie historische Vergleiche, um die Auswirkungen von Strukturwandel und Korporatismus auf die Gewerkschaften zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die empirische Lage der gewählten Gewerkschaften (IG Metall, ver.di, GdP, GEW), die Ursachenforschung hinsichtlich Strukturwandel und Machtressourcen sowie Lösungsansätze für die Zukunft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Gewerkschaften, Mitgliederrückgang, Korporatismus, Tarifautonomie, Organisationsmacht, Strukturwandel, Organizing und Mitgliederbindung.
Warum schneiden Berufsgruppengewerkschaften besser ab als Multibranchengewerkschaften?
Die Arbeit legt nahe, dass die homogeneren Mitgliederstrukturen von Berufsgruppengewerkschaften eine höhere Identifikation und somit eine stärkere Bindungskraft ermöglichen, was zu positiven Mitgliederentwicklungen führt.
Welche Rolle spielt die personelle Verflechtung von Parteien und Gewerkschaften?
Die abnehmende personelle Verflechtung, etwa zwischen der SPD und den Gewerkschaften, wird als Indikator für eine Erosion des klassischen Korporatismus und des politischen Einflusses der Gewerkschaften gedeutet.
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- Maximilian Jänichen (Author), 2020, Gewerkschaften in Deutschland. Mitgliederentwicklung von 2001 bis 2018, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/915958