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Ein Mainstream-Kochbuch als Spiegel der Nahrungsgewohnheiten des 19. Jahrhunderts?

Henriette Davidis und die Küchenliteratur

Titel: Ein Mainstream-Kochbuch als Spiegel der Nahrungsgewohnheiten des 19. Jahrhunderts?

Hausarbeit , 2019 , 20 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Thomas Roesnick (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Arbeit wird versucht zu erfahren, wie viel ein Mainstream-Kochbuch an Wissen für die Gegenwart liefern kann. Kann es als Spiegel der Nahrungsgewohnheiten im 19. Jahrhundert dienen? Was sagen die Rezepte über die Verfügbarkeit von Lebensmitteln aus? Spiegeln die Rezepte die tägliche Nahrungsaufnahme wider? Wenn ja, welcher soziale Adressatenkreis wird hier angesprochen?

Als Untersuchungsgegenstand für die Bearbeitung der Forschungsfrage werden sowohl die Erstausgabe im Nachdruck von Henriette Davidis "Praktisches Kochbuch – Für die gewöhnliche und feinere Küche" (1844) wie auch die Original-Ausgabe der 32. Auflage von 1892 verwendet. Letztere zeigt nicht nur die Entwicklung des Kochbuchs auf sowie die sozialen, politischen Veränderungen auf, sondern führt erstmals Luise Holle als Neubearbeiterin dieses Kochbuches ein. So entsteht ein Blick von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts, bei der eine Bewegung in den Nahrungsgewohnheiten wahrzunehmen ist. Zunächst durch veränderten Zugang zu Nahrungsmitteln im Zuge der Industrialisierung und nicht zuletzt durch technische Errungenschaften bei der Küchenausstattung, was die Zubereitungszeit der Speisen verringern könnte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Kochbuch vieler Generationen

3. Nahrungsgewohnheiten im 19. Jahrhundert

4. Analyse Davidis’ Praktisches Kochbuch

5. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Henriette Davidis’ „Praktisches Kochbuch“ als authentischer Spiegel der Nahrungsgewohnheiten im 19. Jahrhundert dienen kann und welchen Einfluss die industrielle Entwicklung auf die Inhalte dieses Ratgeberklassikers hatte.

  • Historische Entwicklung und Bedeutung des Davidis-Kochbuchs
  • Wandel der Nahrungsgewohnheiten während der Industrialisierung
  • Analyse der inhaltlichen Veränderungen durch Luise Holle
  • Einfluss von industriell gefertigten Produkten und Ersatzstoffen
  • Die Rolle des Kochbuchs als Ratgeberliteratur und Spiegel gesellschaftlicher Normen

Auszug aus dem Buch

Analyse Davidis’ Praktisches Kochbuch

Im Einleitungstext der Erstauflage von 1844 weist Henriette Davidis auf vier wesentliche Anforderungen des Kochens hin: 1. Reinlichkeit, 2. Sparsamkeit, 3. Achtsamkeit, 4. Vorbereitungen. Darin gibt sie Beispiele für diese einzelnen Grundbedingungen. So kämen glasierte Kochgeschirre für Hülsenfrüchte nicht in Frage, weil sie nicht weich zu kriegen seien. Die Erwähnung der Hülsenfrüchte als Komponente pflanzlicher Fette ist an dieser Stelle bemerkenswert, da bei den nachstehenden Rezepten diese kaum mehr Bedeutung finden. So wird auf der nächsten Seite bereits die Wichtigkeit guter Qualität angepriesen, so „kaufe man das Beste an Gemüsen, Fleisch, Federvieh, Butter und Mehl“. Die aufgeführten Nahrungsmittel entsprechen dem gegenwärtigen Wandel in der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. Tierische Fette finden überwiegend Einzug auf dem Speiseplan. Davidis setzt ihre Prioritäten im Einleitungskapitel, indem sie hier bereits die Tonart für die nächsten Seiten vorgibt.

So umfasst das Kapitel A Allgemeine Vorbereitungsregeln 59 Hinweise, darunter 18 Hinweise zu Fleisch, 15 zu Butter, jeweils 5 zu Zucker und Mehl. Die Regeln beinhalten zudem den Einsatz von Gemüse, Obst und Nüssen. Auffallend hierbei ist der hohe Anteil von Fleisch und Butter neben verschwindend geringen Hinweisen zu Kartoffeln, dafür zu Reis und Nudeln. So finden sich im Kapitel C Gemüse- und Kartoffelspeisen nur 22 Rezepte mit Kartoffeln als Hauptbestandteil. Hingegen umfasst das Kapitel D Fleischspeisen aller Art 154 Fleischrezepte zu Ochsen-, Rind-, Kalb-, Hammel-, Schweine- und Geflügelfleisch sowie Wildbret. 32 Fleischsuppen werden dazu im Kapitel B Suppen aufgelistet, im selbigen hingegen nur 7 Rezepte mit Kartoffeln und 5 Suppenrezepte mit Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen als Hauptträger. Als Beilage in gekochter Form oder als Klöße sowie als Brei wird die Kartoffel bei den 154 Fleischrezepten nur 10 mal verwendet. Vermehrt als Beilage kommen Gemüse oder Weißbrotklößchen zum Einsatz bzw. wird zumeist gänzlich auf eine Beilage verzichtet. Die Hülsenfrüchte sind ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu ausgestorben auf deutschen Speiseplänen und werden durch Fleischkonsum erstezt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung analysiert die Bedeutung von Kochbüchern als Ratgeberliteratur und identifiziert die Forschungslücke bezüglich der Repräsentation realer Nahrungsgewohnheiten im 19. Jahrhundert.

2. Ein Kochbuch vieler Generationen: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Davidis-Kochbuchs nach und beleuchtet die Rolle der Bearbeiterinnen sowie den Kontext der Verlagsgeschichte.

3. Nahrungsgewohnheiten im 19. Jahrhundert: Der Abschnitt erläutert den sozioökonomischen Wandel der Ernährung im Zuge der Industrialisierung und die Einflüsse von Wissenschaft und Technik auf die Lebensmittelproduktion.

4. Analyse Davidis’ Praktisches Kochbuch: Hier erfolgt ein detaillierter Vergleich zwischen der Erstausgabe und der 32. Auflage, wobei insbesondere die Zunahme von Fleischrezepten und die Einführung industrieller Hilfsmittel untersucht werden.

5. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass Kochbücher zwar keine exakten Protokolle des Essalltags sind, aber als ideologische Zeitdokumente den Wandel zu industriell geprägten Ernährungsgewohnheiten verdeutlichen.

Schlüsselwörter

Henriette Davidis, Praktisches Kochbuch, 19. Jahrhundert, Nahrungsgewohnheiten, Industrialisierung, Ratgeberliteratur, Luise Holle, Fleischkonsum, Ernährungsgeschichte, Maggiwürze, Lebensmittelindustrie, Warenwelt, kulinarische Tradition, Ernährungswissenschaft, Hausfrau.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das „Praktische Kochbuch“ von Henriette Davidis als historisches Dokument und analysiert, inwieweit dieses Werk als Spiegel der tatsächlichen Nahrungsgewohnheiten und gesellschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert fungieren kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Einfluss der Industrialisierung auf die Ernährung, die Entwicklung der Kochbuchliteratur zur Ratgeberform, die Rolle der Hausfrau und der Wandel von der Eigenproduktion hin zur industriellen Lebensmittelversorgung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob ein Mainstream-Kochbuch aus dem 19. Jahrhundert Wissen über die realen Ernährungsweisen der Zeit vermittelt oder ob es primär ein ideologisch aufgeladenes Konstrukt darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer komparativen Analyse der Erstausgabe (1844) und der 32. Auflage (1892) des Davidis-Kochbuchs, ergänzt durch ernährungswissenschaftliche und historische Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die inhaltlichen Verschiebungen in den Rezepten, insbesondere die Zunahme von Fleischgerichten und die Aufnahme von industriellen Produkten wie Gewürzextrakten, sowie den Einfluss der Neubearbeiterin Luise Holle.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem: Industrialisierung, Davidis-Kochbuch, Nahrungsgewohnheiten, Ratgeberliteratur, Warenwelt, Konsumverhalten und Ernährungswissenschaft.

Welchen Einfluss hatte Luise Holle auf das Werk?

Luise Holle als Bearbeiterin passte das Kochbuch an den technischen Fortschritt an, integrierte industrielle Produkte wie Maggiwürze und förderte das Konzept der Zeitersparnis für die moderne Hausfrau.

Warum ist die Analyse von Fleischrezepten so wichtig?

Die starke Zunahme der Fleischrezepte über die Jahrzehnte hinweg spiegelt den allgemeinen Trend der Zeit wider, in der der Fleischkonsum aufgrund gestiegener Produktion und Bevölkerungszahlen in den Städten massiv anstieg und traditionelle Kost verdrängte.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ein Mainstream-Kochbuch als Spiegel der Nahrungsgewohnheiten des 19. Jahrhunderts?
Untertitel
Henriette Davidis und die Küchenliteratur
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Thomas Roesnick (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V916080
ISBN (eBook)
9783346224293
ISBN (Buch)
9783346224309
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kultur Kochbuch Industrielle Revolution Ernährung Nahrungsgewohnheiten Henriette Davidis 19. Jahrhundert
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thomas Roesnick (Autor:in), 2019, Ein Mainstream-Kochbuch als Spiegel der Nahrungsgewohnheiten des 19. Jahrhunderts?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916080
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Leseprobe aus  20  Seiten
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