Können sich Kryptowährungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr etablieren?

Bekanntheit, Akzeptanz und die Nutzung von Kryptowährungen in Deutschland


Bachelorarbeit, 2020

85 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichni

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Ausgangslage

1.2 Ziele und Forschungsfragen

1.3 Aufbau und Methodik

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Geldtheorie

2.1.1 Funktionen des Geldes

2.1.2 Eigenschaften des Geldes

2.1.3 Erscheinungsformen

2.1.4 Fiatgeld und die digitalen Währungen

2.2 Zahlungsverkehr

2.2.1 Zentrale und dezentrale Zahlungssysteme

2.2.2 Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr

2.3 Gundlagen der Kryptowährungen

2.3.1 Entstehung

2.3.2 Kryptotransaktionssysteme

2.3.3 Blockchain-Technologie

2.3.4 Bitcoin Transaktionen

2.3.5 Wallet

2.3.6 Mining

2.4 Entwicklungen im Kryptowährungsmarkt

2.4.1 Akzeptanzstellen und Bitcoin-Geldautomaten

2.4.2 Karten- und App-basierte Zahlungslösungen

2.4.3 Stablecoins und digitale Zentralbankwährungen

2.5 Limitationen im Zahlungsnetzwerk des Bitcoins

2.5.1 Wechselkursvolatilität

2.5.2 Sicherheitsrisiken

2.5.3 Skalierbarkeit und Geschwindigkeit

3 Empirische Forschung

3.1 Forschungsthematik

3.2 Ziele der Forschung

3.3 Methodologische Einordnung

3.4 Erstellung des Forschungsdesigns

3.5 Grundgesamtheit und Stichprobe

3.6 Erstellung des Fragebogens

3.6.1 Gütekriterien

3.6.2 Skalen- und Messniveaus

3.6.3 Fragen- und Antwortformate

3.6.4 Pretesting

3.6.5 Aufbau und Fragenkatalog

4 Präsentation der Ergebnisse

4.1 Bereinigung der Datensätze

4.2 Auswertung

4.3 Zahlungsverhalten

4.4 Kryptowährungen

4.4.1 Bekanntheit

4.4.2 Akzeptanz und Nutzung

4.4.3 Vorkenntnisse und Interesse

4.4.4 Einschätzung als Zahlungsmittel

4.4.5 Gründe für und gegen die Nutzung von Kryptowährungen

4.5 Fragen zur Person

5 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse

5.1 Analyse des Bitcoins anhand der Geldkriterien

5.1.1 Geldfunktionen

5.1.2 Geldeigenschaften

5.2 Ergebnisse der Forschung

5.3 Limitierungen der Forschung

5.4 Empfehlung für die weiterführende Forschung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang A: Fragebogen

Anhang B: Auswertung

Abkürzungsverzeichnis

BaFin. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

BTC.. Bitcoin (Währungseinheit)

CBCD.. Central Bank Digital Currency

FinTech. Finanztechnologie

KYC.. Know Your Customer

POS. Point of Sale

Inhaltsangabe

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob sich die Kryptowährungen im zukünftigen bargeldlosen Zahlungsverkehr etablieren können. Dabei wird der Bitcoin stellvertretend für alle Kryptowährungen genauer betrachtet. Auf Grundlage der Geldtheorie wird dieser bezüglich den Geldkriterien analysiert. Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte empirische Forschung gibt Aufschluss über die derzeitige Bekanntheit, Akzeptanz und die Nutzung von Kryptowährungen in der deutschen Gesellschaft. Weiter wird auf die Kryptotransaktionssysteme und die Blockchain-Technologie näher eingegangen. Die aktuellen Entwicklungen im Kryptowährungsmarkt und die Limitationen im Zahlungssystem des Bitcoins werden besprochen. Ziel dieser Arbeit ist, die aktuelle Verbreitung von Kryptowährungen zu erfassen und das mögliche zukünftige Potential von dezentralen Zahlungssystemen zu eruieren.

Abstract

This paper deals with the question whether cryptocurrencies can establish in future cashless payment transactions. The Bitcoin is examined in detail on behalf of all cryptocurrencies. Based on the monetary theory, it is analyzed with respect to the monetary criteria. The empirical research carried out in the context of this thesis provides information about the current awareness, acceptance and use of cryptocurrencies in German society. Furthermore, the crypto-transaction systems and the blockchain technology are described. The current developments in the cryptocurrency market and the limitations in the Bitcoin payment system are discussed. The aim of this thesis is to assess the current spread of cryptocurrencies and to determine the possible future potential of decentralized payment systems.

1 Einleitung

1.1 Ausgangslage

Der andauernde Trend der Digitalisierung durch das Internet hat neue, digitale Währungen hervorgebracht. Die erste Kryptowährung, der Bitcoin, wurde im Jahr 2008 mit der Veröffentlichung des Whitepapers unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ins Leben gerufen (Nakamoto, 2008, S. 1 ff.) . Der Bitcoin und die Blockchain entwickelten sich daraufhin innerhalb eines Jahrzehnts zu einem globalen Phänomen und zählen zu den innovativsten Technologien unserer Zeit. Durch diese Entwicklung entstanden zahlreiche neue Nutzungsmöglichkeiten, die auf der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie basieren (Berentsen & Schär, 2018, S. 8). Ursprünglich wurde der Bitcoin als ein neues, globales und dezentrales Zahlungssystem entwickelt. Ein Zahlungssystem, welches sich durch seine kryptografischen Eigenschaften und seine Dezentralität von anderen elektronischen Zahlungssystemen unterscheidet und zudem anonym und zugänglich für jedermann ist (Sixt, 2017, S. 45-46). Dabei gewannen die Kryptowährungen als kontrovers geführte Debatte rege Aufmerksamkeit in den Medien. Sie erlangten daher über die letzten Jahre weltweite Bekanntheit. Diese Entwicklung zeigt sich am Beispiel des Bitcoins (s. Abb. 1). Die nachfolgende Statistik zeigt die Anzahl aller bestätigter Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk. Im Jahre 2019 belief sich die Anzahl auf 300.000 – 400.000 Transaktionen pro Tag (Blockchain.com, 2020a).

Abb. 1: Bestätigte Transaktionen pro Tag 2009 - 2020 (Quelle: Blockchain.com, 2020a)

[Abbildung in der Leseprobe nicht enthalten]

Nachfolgende Grafik verdeutlicht den stetigen Anstieg aller Bitcoin-Transaktionen weltweit (s. Abb. 2). Bis Ende März 2020 wurden insgesamt 516,7 Millionen Transaktionen durchgeführt. Im Vorjahr belief sich die Gesamtzahl noch auf 397 Millionen. (Bockchain.com, 2020b)

Abb. 2: Gesamtzahl der Transaktionen in der Bitcoin-Blockchain 2016 - 2020 (Quelle: Blockchain.com, 2020b, dargestellt auf Statista)

[Abbildung in der Leseprobe nicht enthalten]

Auch die Anzahl der existierenden Bitcoin-Adressen, auf welchen die Währung gehalten und gehandelt wird, erreichte im Mai 2020 einen Höchststand von 49 Millionen Adressen (Blockchain.com, 2020c). Dies entspricht einer Verfünffachung innerhalb der vergangenen drei Jahre. Seit den letzten Jahren interessieren sich auch vermehrt Institutionelle Investoren und Banken für die neuen, virtuellen Währungen. Denn die Blockchain-Technologie könnte den Zahlungsverkehr, sowie auch ganze Unternehmensbereiche revolutionieren (Drost & Holtermann, 2020). Die Abwicklung von Transaktionen geschieht sofort und ohne Intermediär. Die Transaktionskosten sind verschwindend gering und die Aufbewahrung erfolgt ohne zentrale Verwaltung (Sixt, 2017, S. 29-31). Damit stellt sich die bislang unbeantwortete Frage, ob sich die Kryptowährung als adäquates Zahlungsmittel im bargeldlosen Zahlungsverkehr etablieren kann.

1.2 Ziele und Forschungsfragen

In dieser wissenschaftlichen Arbeit soll untersucht werden, ob sich Kryptowährungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr etablieren können. Da die Thematik noch immer als neu und innovativ angesehen werden kann, existieren Studien und wissenschaftliche Literatur nur in geringem Maße. Das zu erreichende Ziel ist deshalb die Durchführung und Auswertung einer empirischen Forschung. Die Erhebung und Bewertung einer repräsentativen Umfrage soll die momentane Akzeptanz und Bekanntheit der Kryptowährungen in der deutschen Gesellschaft untersuchen. Zudem soll herausgefunden werden, ob in der Gesellschaft die Bereitschaft besteht, zukünftig mit Kryptowährungen zu bezahlen. Dabei sollen die Vor- und Nachteile der Kryptowährungen – aus Sicht der potentiellen Nutzerinnen und Nutzern – bewertet werden. Weiter werden das aktuelle Zahlungsverhalten und die Art und Häufigkeit der Zahlungen mit bargeldlosen Zahlungsmitteln analysiert. Ein weiteres Ziel der vorliegenden Arbeit ist die ökonomische Analyse bezüglich der Geldkriterien am Beispiel des Bitcoins, um aufzuklären, ob die genannte Kryptowährung als Geld klassifiziert und somit als geeignetes Zahlungsmittel genutzt werden kann. Im Rahmen dieser Arbeit steht folgende Forschungsfrage im Mittelpunkt:

Haben die Kryptowährungen das Potenzial sich im zukünftigen bargeldlosen Zahlungsverkehr zu etablieren?

Angelehnt an die zentrale Forschungsfrage wurden folgende vorangehende Forschungsfragen formuliert, die zur wissenschaftlichen Überprüfung notwendig sind:

Kann eine kryptografische Währung wie der Bitcoin als Geld klassifiziert werden und eignet sie sich somit als Zahlungsmittel?

Sind Kryptowährungen in der Gesellschaft bekannt und werden diese akzeptiert und bereits genutzt?

Können sich die Personen vorstellen, zukünftig im privaten Zahlungsverkehr mit Kryptowährungen zu zahlen?

1.3 Aufbau und Methodik

Die Abhandlung der Thematik erfolgt in mehreren Abschnitten. Das erste Kapitel führt den Leser in das Thema ein und beschreibt die aktuelle Situation sowie die zu erreichenden Ziele dieser Arbeit.

Das zweite Kapitel benennt die theoretischen Grundlagen für den Hauptteil der Thesis. Die zentralen Begriffe der Themenstellung werden definiert und erläutert. Die Theorie des Geldes dient hierbei als Fundament , um im späteren Verlauf zu analysieren, ob der Bitcoin als Geld klassifiziert werden kann. Des Weiteren beschäftigt sich das Kapitel mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr und aktuellen Trends, welche die Entwicklung der Kryptotransaktionssysteme beeinflussen. Darauf aufbauend thematisiert dieser Abschnitt den Begriff der Kryptowährungen und die zugrundeliegende Blockchain-Technologie. Im Zuge dessen soll ein kompakter Überblick über die Funktionsweise kryptografischer Währungen geschaffen werden. Hierzu wird, stellvertretend für alle Kryptowährungen, der Bitcoin intensiver betrachtet. Weiter wird auf aktuelle Entwicklungen im Kryptowährungsmarkt und Limitationen im Zahlungsnetzwerk des Bitcoins eingegangen.

Das dritte Kapitel beinhaltet die empirische Forschung. Es wird eine Erhebung in Form einer repräsentativen Umfrage durchgeführt. Durch diese sollen neue Erkenntnisse im Sinne der zentralen Forschungsfrage und der daraus abgeleiteten Fragen erlangt werden.

Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse im Kapitel fünf der Thesis zusammengefasst. Es werden weitere Forschungsansätze aufgezeigt und ein kritisches Fazit gezogen. Zum Schluss wird ein Ausblick gewagt.

2 Theoretische Grundlagen

Damit sich ein neues Zahlungsmittel als ein solches eignet, muss es verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Für die spätere ökonomische Analyse der Kryptowährungen - anhand des Bitcoins - müssen die Grundlagen des Geldes näher betrachtet werden. Das folgende Kapitel befasst sich mit den Grundlagen der Geldtheorie.

2.1 Geldtheorie

„Geld ist alles, was Geldfunktionen erfüllt.“ (Engelkamp, Sell, & Sauer, 2017, S. 166)

Grundsätzlich gibt es keinen einheitlich definierten Geldbegriff. Geld kann demnach, je nach Fachgebiet, unterschiedlich definiert werden. Da Geld mehrere komplexe Funktionen erfüllen muss, ergeben sich aus staatlicher, juristischer und ökonomischer Perspektive verschiedene Anhaltspunkte zur Definition von Geld.

Laut Duden-Definition stellt das Geld ein „in staatlichem Auftrag aus Metall geprägtes oder auf Papier gedrucktes Zahlungsmittel“ dar (Dudenredaktion (Hrsg.), o. J.). Ähnlich beschreibt das Gesetz Geld als „das von einem Staat oder einer durch ihn ermächtigten Stelle als Wertträger beglaubigte, zum Umlauf im öffentlichen Verkehr bestimmte Zahlungsmittel“ (§§ 146 StGB, 244 Abs. 1 BGB). Geld in einer Volkswirtschaft ist also zumeist ein gesetzliches Zahlungsmittel, das laut staatlicher Anweisung akzeptiert werden muss.

Aus ökonomischer Sicht bewertet Mankiw Geld hingegen als einen „spezifischen Vermögensteil, der zur Durchführung von Transaktionen verwendet werden kann“ (Mankiw, 2017, S. 98). Der Wert des Geldes entsteht durch Vertrauen, den Tauschhandel und den Gebrauch. Weiter unterteilt Peto (2002) diese beiden Auffassungen in die nominalistische und die konventionalistische Theorie. Erstere vertritt die Auffassung, dass Geld durch ein staatliches Gesetz geschaffen wird. Die konventionalistische Theorie, auch Funktionstheorie genannt, besagt hingegen, dass Geld durch die beidseitige Einwilligung zwischen Tauschpartnern entsteht. Die getroffene Vereinbarung legt dabei den Wertmaßstab für die Transaktion fest. Dies bedeutet, dass Geld eine gesellschaftliche Konvention ist (S. 14). Laut Peto (2002) können neben dem staatlichen Zahlungsmittel auch andere Tauschmittel in Form von Vermögensgegenständen oder Gütern existieren, welche einzelne oder mehrere Geldfunktionen erfüllen (S. 14).

Weiter kann zwischen Bargeld (Sachgeld) und Buchgeld (Giralgeld), sowie zwsichen Waren- und Nominalgeld unterschieden werden. In der modernen Volkswirtschaft wird Nominalgeld als Zahlungsmittel genutzt. Zum Nominalgeld gehören Bargeld sowie Banknoten und Münzen, die von einer staatlichen Instanz ausgegeben werden. Das Buchgeld kann als ein rein digitaler Geldbestand angesehen werden. Es entsteht durch die Geldschöpfung, die Einzahlung auf Bankkonten oder durch die Kreditvergabe. Es dient dem Zweck der elektronischen Zahlung mittels Überweisung oder der Nutzung unbarer Zahlungsinstrumente (Hartmann & Ketterer, 2000, S. 65). Warengeld definiert sich neben dem Tauschwert vor allem durch seinen intrinsischen Wert. Beispiele hierfür sind Rohstoffe wie z. B. Edelmetalle. Nominalgeld hingegen besitzt keinen inneren Wert. (Mankiw, 2017, S. 99)

2.1.1 Funktionen des Geldes

Generell muss Geld drei Funktionen erfüllen, um als solches charakterisiert werden zu können. Es muss der Wertaufbewahrung dienen, ein Tauschmittel darstellen und sich als Recheneinheit eignen. (Mankiw, 2017, S. 98-99)

Wertaufbewahrungsfunktion

Die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes erlaubt den Transfer von Kaufkraft aus der Gegenwart in die Zukunft (Mankiw, 2017, S. 98-99). Der Erwerb und die Ausgabe des Geldes können somit zeitlich voneinander getrennt und ohne Verlust erfolgen. Es wird Kaufkraft gespeichert, was nur dann gelingt, wenn der Geldwert innerhalb einer Volkswirtschaft stabil bleibt (Peto, 2002, S. 18). Jedoch kritisiert Mankiw (2017), dass Geld kein vollkommenes Mittel zur Geldaufbewahrung darstellt. Er begründet dies damit, dass der reale Wert des Geldes durch steigende Preise sowie durch Inflation sinkt und die Wertaufbewahrungsfunktion nicht vollständig gewährleistet ist. (S. 98)

Zahlungsmittelfunktion

Die Durchführung komplexer und direkter oder indirekter Transaktionen wird in einer Volkswirtschaft durch Geld ermöglicht, wenn es die Funktion eines Tauschmittels bzw. Zahlungsmittels erfüllen kann. Wird die Zahlungsmittelfunktion erfüllt, so kann Geld verwendet werden um Finanztransaktionen, Käufe und Verkäufe durchzuführen. Da das Geld in unserer Volkswirtschaft ein gesetzliches Zahlungsmittel ist, wird es als Tauschmittel akzeptiert, weshalb es auch das liquideste Vermögensobjekt darstellt. (Mankiw, S. 98-99)

Recheneinheit und Wertmaßstab

Geld muss laut Mankiw (2017) zudem eine messbare Größe repräsentieren, anhand welcher eine ökonomische Transaktion und deren Wert beschrieben werden kann. Damit dient es in seiner dritten Funktion als Recheneinheit. Dadurch können Preise formuliert werden, Schulden aufgezeichnet werden und ein Preisvergleich wird möglich, welcher die Preise in Relation zu den angebotenen Gütern setzt (S. 98-99). Gemäß Peto (2002) kann diese Ausführung um den Zweck des Wertübertragungsmittels ergänzt werden, da es auch einseitige Transaktionen wie Schenkungen gibt, denen keine direkt zurechenbare Gegenleistung gegenübersteht (S. 18).

Tab. 1: Die Geldfunktionen im Überblick

Wertaufbewahrungsmittel

Zahlungsmittel

Recheneinheit

· Kaufkraft wird gespeichert

· Zukünftiger Werterhalt

· Finanztransaktionen werden ermöglicht

  • Tauschmittel für Waren und Güter

· Messbare Größe setzt Preise in Relation zu den Gütern

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Deutsche Bundesbank, 2019, S. 10

2.1.2 Eigenschaften des Geldes

Das Medium des Geldes muss zudem bestimmte Eigenschaften erfüllen, damit die Voraussetzungen für einen stabilen Tauschwert und eine anhaltend hohe Kaufkraft gegeben sind. Zu den wichtigsten Eigenschaften gehört laut Barfuss (1992) die allgemeine Akzeptanz, die Wertschätzung und die Knappheit des Geldes. Weiter muss eine Geldeinheit so beschaffen sein, dass sie sich untereinander vollständig vertreten kann. Dies bezeichnet man als Homogenität oder Fungibilität. Sie muss zudem wertbeständig, haltbar und teilbar sein. Es dürfen lediglich unwesentliche Wertverluste des Geldstoffs auftreten und das Medium muss in kleinere Einheiten unterteilt werden können, um auch Tauschgeschäfte mit geringen Beträgen zu ermöglichen. Zuletzt muss die Geldeinheit noch transportierbar sein, damit auch große Mengen ohne erhebliche Transportkosten und -risiken bewegt werden können. (S. 2-3)

Weiter spricht Herger von spezifischen Merkmalen, die ein geeignetes Medium aufweisen sollte, um Fälschungen vorzubeugen (Herger, 2016, S. 63).

2.1.3 Erscheinungsformen

Die vorangegangenen Eigenschaften findet man in den verschiedenen Erscheinungsformen des Geldes. Nachfolgend werden die unterschiedlichen Erscheinungsformen näher beschrieben, um den Wandel der Geldformen bis hin zur Entstehung der Kryptowährung zu verdeutlichen.

Warengeld: Anfänglich erfüllten allgemein geschätzte Waren die Geldfunktion. Hierbei wurden Muscheln, Perlen, Felle, Salz oder auch Vieh verwendet. Später wurden diese Waren durch Naturalgeld wie etwa Edelmetalle ersetzt. (Barfuss, 1992, S. 4)

Münzen: Aus dem ungemünzten Edelmetall entwickelte sich eine vollwertige Münze in Form eines Stück- oder Zeichengeldes. Diese erhielten eine Prägung, die Gewicht und Reinheit angab. Der genannte Wert der Münze entsprach ihrem Materialwert. In der modernen Volkwirtschaft hingegen ist der Nennwert der Münzen höher als ihr Materialwert und die Produktionskosten. (Barfuss, 1992, S. 4)

Papiergeld und Banknoten: Ab dem 14. Jahrhundert wurden Münzen bzw. Edelmetalle bei Geldwechslern gegen Depotscheine eingetauscht. Diese galten als Quittungen, um den Empfang zu bestätigen. Dies senkte das Transportrisiko und Zahlungen konnten durchgeführt werden, ohne dass Edelmetalle aus dem Depot genommen werden mussten. Dies war der Vorläufer unserer heutigen Banknote (Barfuss, 1992, S. 5). Die Banknote ist das einzige unbeschränkt annahmepflichtige Zahlungsmittel in unserem Staat (§ 14 Abs. 1 Satz 2 BbankG).

Buch- oder Giralgeld: Die heutzutage häufigste Erscheinungsform des Geldes ist das Buch- oder Giralgeld. Statt der Ausgabe von Depotscheinen wurde bei der Einzahlung ein Guthaben eingeräumt. Gutschriften von Buch- oder Giralgeld stehen damit nach der Verkehrssitte gleich mit der Barzahlung, obwohl Sie bis heute kein gesetzliches Zahlungsmittel sind. Im 19. Jahrhundert wurden durch den technologischen Fortschritt möglich Gironetze geschaffen. Somit entstand der bargeldlose Zahlungsverkehr. Dieser wird im nachfolgenden Kapitel genauer betrachtet. (Barfuss, 1992, S. 6)

Elektronisches Geld: Elektronisches Geld ist gemäß der Europäischen Zentralbank eine auf einem technischen Medium elektronisch gespeicherte Werteinheit, die genutzt werden kann, um Zahlungsvorgänge durchzuführen (Europäische Zentralbank, 1998, S. 159). Das elektronische Geld ist dabei entweder kartenbasiert oder aber softwarebasiert (Breuer, 2001, S. 81). Durch die Digitalisierung im 20. Jahrhundert wurde das elektronische Geld etabliert. Als neue Zahlungsmittel führt Rosenberger (2018) die Kredit-, EC-, und Geldkarten auf. Weiter nennt er die Entwicklung des E-Payment, des Onlinebanking und des Mobile Payment. (S. 8-9)

2.1.4 Fiatgeld und die digitalen Währungen

Fiatgeld (lat. Fiat, „es werde“) ist ein Objekt ohne inneren Wert, welches als staatliches Tauschmittel dient. Es ist nicht durch Rohstoffe oder Edelmetalle gedeckt und wird von staatlichen Zentralbanken geschaffen und verwaltet, um unter anderem die Preisstabilität innerhalb eines Währungsraumes zu gewährleisten. Theoretisch ist die Geldmenge daher unbegrenzt und die Geldschöpfung findet durch die Zentral- und Geschäftsbanken statt. Der Euro oder der US-Dollar sind Beispiele für Fiatgeld (Mises, 1912, S. 31 ff). Weltweit existieren derzeit circa 162 offizielle Währungen. Der Euro und der US-Dollar gelten dabei als internationale Leitwährungen. (Eglitis-media, 2020)

Digitale, auch virtuelle Währungen genannt, werden von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde als „eine digitale Darstellung eines Werts, die von keiner Zentralbank oder öffentlichen Stelle emittiert wurde und nicht zwangsläufig an eine echte Währung angebunden ist, aber von natürlichen oder juristischen Personen als Zahlungsmittel akzeptiert wird und auf elektronischem Wege übertragen, gespeichert und gehandelt werden kann“ definiert (European Banking Authority, 2014). Sie zeichnen sich hauptsächlich dadurch aus, dass sie auf einem software- oder computerbasierten System gespeichert und transferiert werden können (Breuer, 2001, S. 81). Ihre Existenz ist rein digital. Kryptowährungen, wie der Bitcoin, könnten demnach der Gruppierung der digitalen Währungen zugeordnet werden, da sie ausschließlich für bargeldlose Transaktionen genutzt werden können. Sie stellen jedoch keine Währung im eigentlichen Sinne dar.

Das Fiatgeld unterscheidet sich von den Kryptowährungen hauptsächlich hinsichtlich der Dezentralität und der Geldschöpfung (s. Kapitel 2.3.6) (Rosenberger, 2018, S. 17). Beispielsweise ist die Geldmenge – im Währungssystem des Bitcoins – auf 21 Millionen Stück begrenzt (Nessel, 2015, S. 269). Die Kryptowährung gilt daher auch als digitale Alternativlösung zur konventionellen Fiatwährung. Sie stellt den Nutzerinnen und Nutzern vor allem Unabhängigkeit und Anonymität in einem verteilten, dezentralen System - ohne eine autoritäre Macht - in Aussicht. (Rosenberger, 2018, S. 17)

Die Evolution des Geldes zeigt den historischen Wandel der Erscheinungsformen von Geld und wie sich die Anforderungen im Laufe der Zeit verändert haben. Der Wandel der Geldformen durch die Etablierung neuer elektronischer Zahlungsarten und die Schaffung digitaler Währungen könnte ein erster Anhaltspunkt auf dem Weg in eine zukünftige bargeldlose Gesellschaft sein, in welcher auch die Kryptowährungen immer bedeutsamer werden. Nachdem die Grundlagen des Geldes für die spätere Analyse des Bitcoins vorgestellt wurden, beschäftigt sich die Arbeit nachfolgend mit der Einordnung der Kryptowährungen in den Zahlungsverkehr.

2.2 Zahlungsverkehr

Grundsätzlich kann der Zahlungsverkehr entweder beleggebunden oder beleglos erfolgen. Beim beleglosen Zahlungsverkehr spricht man vom elektronischen Zahlungsverkehr. Weiter wird der Zahlungsverkehr nach dem verwendeten Zahlungsmittel in Barzahlung, halbbare Zahlung und bargeldlose Zahlung unterteilt (Metzger, 2018). Die Kryptowährungen können demnach dem bargeldlosen Zahlungsverkehr zugeordnet werden, da die Transaktionen zwischen den beteiligten Wirtschafssubjekten ausschließlich digital stattfinden.

2.2.1 Zentrale und dezentrale Zahlungssysteme

Wie bereits im Abschnitt der Geldtheorie angemerkt wurde, nutzen Kryptowährungen wie der Bitcoin ein dezentrales Netzwerk für die Abwicklung von Transaktionen. Demgegenüber steht unser herkömmliches Zahlungssystem, welches auf einer zentralen Funktionsweise beruht (Herger, 2016, S. 18). Nachfolgend werden beide Zahlungssysteme und deren Unterschiede dargestellt.

In einem zentralen Zahlungsnetzwerk (s. Abb. 3) werden die Eigentumsverhältnisse, Übertragungsbeziehungen und Transaktionen von digitalen Werten durch eine zentral regierende Instanz verwaltet und validiert. Ein Beispiel hierfür ist das Bankensystem. Besitzverhältnisse werden einem verifizierten Konto und damit einer Person zugeordnet. Transferiert also eine Person Geld an ein anderes Konto, so wird die Transaktion von der zentralen Instanz, der Bank, überprüft und freigegeben. Ein zentral organisiertes Netzwerk ist somit auf einen Netzwerkknotenpunkt angewiesen (Pohlmann, 2019, S. 468). Ein Nachteil ist, dass es daher auch anfälliger für Angriffe oder Ausfälle ist. Man nennt diese Problematik auch den ‚Single Point of Failure‘. Dieser informationstechnologische Begriff bezeichnet den Ausfall eines ganzen Systems aufgrund des Versagens einer einzelnen Komponente (EMC Education Services, 2012, S. 210). In der Abbildung 3 wird das zentrale Netzwerk, sowie ein mögliches Ausfallszenario bildlich dargestellt.

Abb. 3: Zentrales Netzwerk und der Single Point of Failure (Quelle: Wenz, 2019)

[Abbildung in der Leseprobe nicht enthalten]

In einem dezentralen Zahlungsnetzwerk (s. Abb. 4) werden die Informationen zu Eigentumsverhältnissen und Transaktionen digitaler Werte in einem sogenannten Peer-to-Peer Netzwerk verteilt gespeichert. In einem solchen Netzwerk ist jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin ein gleichberechtigter Knotenpunkt des Systems und verfügt über den gleichen aktuellen Informationsstand. Die Verifizierung von Eigentums- und Tauschbeziehungen geschieht über Konsensmechanismen zwischen den sogenannten ‚Nodes‘ (Netzwerkknotenpunkten) des Netzwerks. Jeder dieser Punkte synchronisiert dabei den aktuellen Informationsstand gleichermaßen. Dieser ist demnach bei jedem Teilnehmenden im Netzwerk vollständig vorhanden. Ein Ausfall des gesamten Systems ist äußerst unwahrscheinlich. (Pohlmann, 2019, S. 468)

Abbildung 4 zeigt, dass trotz Ausfällen in einem dezentralen Netzwerk die restlichen Nodes noch intakt sind. Betrachtet man beispielhaft die Blockchain (s. Kapitel 2.3.3), so ist ein Angriff auf ein dezentrales Netzwerk komplexer und mit einem enormen finanziellen Aufwand verbunden. Man müsste mehr als 50% der Rechenleistung innerhalb des Netzwerks kontrollieren, um Veränderungen an diesem vornehmen zu können. (Rosenberger, 2018, S. 120)

Abb. 4: Dezentrales Netzwerk und der Single Point of Failure (Quelle: Wenz, 2019)

[Abbildung in der Leseprobe nicht enthalten]

Im Rückschluss bedeutet dies, dass dezentrale Zahlungsnetzwerke, wie die der Kryptowährung, theoretisch ein höheres Maß an Sicherheit und Unabhängigkeit gegenüber den zentralen Zahlungsnetzwerken bieten. Ebenso lässt sich daraus schließen, dass es in einem dezentralen System keiner kostenaufwändigen zentralen Instanz bedarf und die Rechenleistung aller Netzwerkknoten stattdessen zugunsten des Systems verwendet werden kann. Zentrale Systeme können hingegen besser gesteuert und reguliert werden. Im Notfall ist ein Eingreifen möglich.

Nach der Gegenüberstellung der klassischen zentralen Zahlungssysteme und der dezentralen Zahlungssysteme der Kryptowährungen werden folgend die Entwicklungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr näher betrachtet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
Können sich Kryptowährungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr etablieren?
Untertitel
Bekanntheit, Akzeptanz und die Nutzung von Kryptowährungen in Deutschland
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
85
Katalognummer
V916118
ISBN (eBook)
9783346224705
ISBN (Buch)
9783346224712
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kryptowährungen, Währung, Zukunft, bargeldlos, Zahlungsverkehr, unbar, Kryptowährung, Bitcoin, XRP, Ripple, Bitcoins, dezentral, Zahlungssysteme, dezentrale Zahlungssysteme, Geld
Arbeit zitieren
Simon Wilhelm (Autor:in), 2020, Können sich Kryptowährungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr etablieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916118

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