In den folgenden Abschnitten dieser Hausarbeit werden sowohl die Figur der Ophelia in Shakespeares "Hamlet" als auch die gleichnamige Figur in Heiner Müllers "Hamletmaschine" auf ihre Gemeinsamkeiten, Unterschiede und allgemeine Bedeutung für das jeweilige Werk analysiert. Hierbei wird bei beiden vor allem die Sexualität und deren Einstellung gegenüber den zugeteilten Geschlechterrollen thematisiert. Im zweiten Teil wird dabei ebenfalls auf die Verschmelzung mit der mythologischen Figur Elektra eingegangen, die Müller durchführt. Um eine Interpretation der Figurenadaption wagen zu können, wird Bezug auf das Frauenbild des Autors selbst genommen und weitere weibliche Charaktere anderer Werke Müllers betrachtet.
Shakespeares Werke sind einige der Wenigen, die unzählige Male in Form von Filmen, Romanen und Theaterstücken adaptiert wurden. Eines seiner bekanntesten Stücke „Hamlet“ wurde vom ostdeutschen Autor Heiner Müller aufgegriffen und umgeschrieben. In diesem finden sich fast ausschließlich die Figuren des dänischen Prinzen Hamlet und Ophelia in Sprechrollen wieder. Hierbei zeigt vor allem die Sprecherin die meiste Abweichung von der Figur aus dem ursprünglichen Werk.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Ophelia und ihres Stellenwertes als Frau
2.1. Ophelia in Shakespeare’s „Hamlet“
2.2. Ophelia in Heiner Müllers „HAMLETMASCHINE “
2.3. Heiner Müllers Frauenbild und dessen Bedeutung für die Revolution
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Transformation der Figur der Ophelia von Shakespeares „Hamlet“ hin zu Heiner Müllers „HAMLETMASCHINE“, wobei ein besonderer Fokus auf der Darstellung weiblicher Geschlechterrollen, der Sexualität und dem revolutionären Potenzial der Figur liegt.
- Vergleichende Analyse von Ophelia in Shakespeares Originalwerk und Müllers Adaption
- Untersuchung der Rolle der Sexualität und der Geschlechterrollen
- Analyse des Frauenbildes im Werk von Heiner Müller
- Betrachtung von Bezügen zur mythologischen Figur der Elektra
- Erforschung des revolutionären Gehalts weiblicher Figuren als Gegenentwurf zur männlichen Dominanz
Auszug aus dem Buch
2.2. Ophelia in Heiner Müllers „HAMLETMASCHINE“
Heiner Müller hingegen teilt sein Stück „HAMLETMASCHINE“ in fünf Akte ein, wobei Hamlet und Ophelia jeweils zwei Akte dominieren und sich den dritten Akt in ihren Sprechrollen teilen. Ophelia erscheint im zweiten und letzten Akt allein. Das Stück Müllers kann zunächst als zerstreut, skurril und wenig verständlich wahrgenommen werden. Bei genauerer Betrachtung werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Shakespeares Original jedoch klar. Hierbei wird hauptsächlich Bezug auf die Absätze genommen, die für die Adaption der Ophelia relevant sind. Sie beginnt im zweiten Akt „DAS EUROPA DER FRAU“ mit der Aussage „Ich bin Ophelia. Die der Fluß nicht behalten hat. […] Gestern habe ich aufgehört mich zu töten“.7 Schon die ersten Sätze der Figur zeigen einen gravierenden Unterschied zur wehrlosen Originalfigur. Sie identifiziert sich noch mit den Selbstmordversuchen, doch entscheidet bewusst diesen nicht mehr nachzugehen. Im folgenden Absatz wird verdeutlicht, dass Müllers Ophelia im Vergleich nicht länger passiv als Instrument benutzt wird, sondern eigene aktive Maßnahmen ergreift:
„Ich zertrümmre die Werkzeuge meiner Gefangenschaft den Stuhl den Tisch das Bett. Ich zerstöre das Schlachtfeld, das mein Heim war. Ich reiße die Türen auf, damit der Wind hereinkann und der Schrei der Welt. […] Mit meinen blutenden Händen zerreiße ich die Fotografien der Männer, die ich geliebt und die mich gebraucht haben […]“.8
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenstellung ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Unterschiede zwischen der Shakespeare-Originalfigur und der Müller-Adaption zu untersuchen.
2. Analyse der Ophelia und ihres Stellenwertes als Frau: Dieses Kapitel vergleicht die naive, unterdrückte Ophelia bei Shakespeare mit der aktiven, revolutionären Ophelia bei Müller und setzt diese in den Kontext des Frauenbildes des Autors.
3. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Müllers Werk trotz der anfänglichen Groteske ein klares Bekenntnis zu weiblicher Emanzipation und eine Kritik an männlicher Dominanz darstellt.
Schlüsselwörter
Heiner Müller, Hamletmaschine, William Shakespeare, Ophelia, Frauenrollen, Revolution, Geschlechterrollen, Emanzipation, Theateradaption, Sexualität, Unterdrückung, Elektra, Medea, Literaturanalyse, Feminismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische Figur der Ophelia und deren Wandlung von Shakespeares klassischem Drama bis hin zu ihrer Darstellung in Heiner Müllers „HAMLETMASCHINE“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Analyse von Geschlechterrollen, die Bedeutung von Sexualität sowie die Darstellung von Frauenfiguren als revolutionäre Akteurinnen in Müllers Werk.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie und warum sich Ophelias Rolle zwischen den Autoren unterscheidet und welche Bedeutung das neue Frauenbild für Müllers Verständnis von revolutionärer Umwälzung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf der Untersuchung von Primärtexten, der Analyse von Regieanweisungen und dem Einbezug von Sekundärliteratur zu Heiner Müllers Frauenfiguren basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ophelia-Figur bei Shakespeare, deren radikale Umgestaltung bei Müller sowie die Einbettung dieses Frauenbildes in Müllers allgemeines Werkverständnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Heiner Müller, Hamletmaschine, Ophelia, Geschlechterrollen, Emanzipation und revolutionäre Umwälzung.
Warum spielt die mythologische Figur der Elektra eine Rolle in der Analyse?
Müller führt im letzten Akt eine Verschmelzung von Ophelia mit Elektra durch, was als symbolischer Akt der Befreiung und Aggressivität gegenüber den auferlegten Rollen interpretiert wird.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „Hausfrauen-Daseins“ in Müllers Werken?
Die Arbeit zeigt auf, dass Müller die Akzeptanz traditioneller Rollenmuster wie das „Hausfrauen-Dasein“ kritisiert und seine weiblichen Charaktere diese Rollen zugunsten einer stillen oder aktiven Revolution aufbrechen lässt.
Welche symbolische Bedeutung hat das „Herausreißen des Herzens“ bei Müllers Ophelia?
Dieses Motiv wird als Ausdruck der Wehr gegen Unterdrückung und als Entscheidung verstanden, gegen die vorgegebene „Mechanik“ ihres Daseins zu handeln, um eine eigene Identität zu finden.
- Arbeit zitieren
- Cora Schöbel (Autor:in), 2018, Welche Bedeutung haben Frauenrollen für die Revolution? Heiner Müllers Ophelia in seinem Werk "Die Hamletmaschine", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916324