Komparation von Adjektiven. Ein Überblick und eine Lehrwerkanalyse (DaF-Unterricht)


Hausarbeit, 2020

14 Seiten, Note: 1,7

Robert Cramer (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Komparation – ein Überblick
2.1 Das Adjektiv
2.2 Die Komparationsstufen
2.2.1 Der Positiv
2.2.2 Der Komparativ
2.2.3 Der Superlativ
2.2.4 Der Elativ

3. Benötigte Vorkenntnisse und Referenzrahmen

4. Lehrwerkanalyse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Adjektive sind im deutschen Sprachgebrauch nicht in jedem Kontext notwendig, aber beleben und konkretisieren Kommunikation oder Schriftsprache ungemein – mit ihrer Hilfe können eine Sache oder ein Merkmal näher beschrieben werden. Sie verwandeln ein Auto in das schnellste Gefährt und ein Grillhähnchen in ein schmackhaftes Erlebnis. Die meisten Adjektive können in ihrem Grad verändert werden, sind also skalar oder komparierbar. Die Komparation und die Didaktisierung der Komparation sind die zentralen Punkte dieser Arbeit. Dafür werden die Voraussetzungen beschrieben, die nötig sind, um die Komparation im Unterricht einzuführen. Außerdem werden zwei Lehrwerke untersucht, die die Komparation im DaF-Unterricht erstmalig thematisieren.

Weiterhin geht es um die Bildung der verschiedenen Komparationsstufen und die Besonderheiten der Potenziatoren vor Adjektiven. Zu Beginn gibt es eine kurze Einführung zum Adjektiv, da die Hausarbeit sich ausschließlich mit dieser Wortart beschäftigt.

2. Komparation – ein Überblick

2.1 Das Adjektiv

Adjektive dienen in der Regel dazu, einer Sache oder einem Ereignis eine Eigenschaft zuzuschreiben. Dabei unterscheidet der „Duden“ (1998) zwischen verschiedenen Eigenschaften und Kategorien für diese Eigenschaften.

Sensorische Eigenschaften sind beispielsweise Farben, Formen oder Gefühle. Eine qualifizierende Eigenschaft ist Moral, wozu gut, böse oder durchtrieben gehören. Des Weiteren zählen zu den qualifizierenden Eigenschaften zum Beispiel Ästhetik oder Intellekt. Außerdem wird noch zwischen relationalen Eigenschaften, wie Geographie oder Religion und klassifizierenden Eigenschaften, wie beispielsweise Beruf, Epoche oder Bereich unterschieden (Dudenredaktion 1998, 259).

Adjektive werden attributiv, prädikativ oder adverbial benutzt. Beispiele hierfür sind: Ella ist eine schnelle Läuferin (attributiv). Klaus ist hungrig (prädikativ). Peer lernt die chinesische Sprache langsam (adverbial). Bei attributiver Verwendung werden Adjektive in der Regel flektiert, es sei denn es handelt sich um Sonderformen, wie beispielsweise altertümliche Sprache (Hänschen klein) oder Werbung (Henkell trocken) (Dudenredaktion 1998, 259). Sowohl beim prädikativen als auch beim adverbialen Gebrauch werden Adjektive nicht flektiert. Prädikativ stehen Adjektive in Verbindung mit Verben, adverbial werden Zustände, Vorgänge oder Tätigkeiten beschrieben (Dudenredaktion 1998, 261f).

Um Adjektive zu steigern, kann man sich, neben der Komparation in sich, auch zweierlei Arten von Potenziatoren bedienen: einmal unmarkierter, ohne jede emotionale oder expressive Färbung, wie zum Beispiel sehr, heftig, groß, überaus. Oder man benutzt emotional-expressive Steigerungswörter wie beispielsweise unglaublich, unwahrscheinlich, höllisch oder ungeheuer (Suščinskij 1985, 97). Die Expressivität dieser Ausdrücke liegt in der Grundlage der qualitativen, ursprünglichen Bedeutung: furchtbar laut oder furchtbar glücklich (ebd., 97). In diesem Fall ist die morphosemantische Motivation der Wörter nicht gegeben und deshalb ist der Kontext für Lerner mit einer Erstsprache, in der diese Potenziatoren nicht benutzt werden, schwer oder gar nicht erschließbar.

2.2 Die Komparationsstufen

Um ein Adjektiv zu komparieren, muss es skalar sein. Skalarität bedeutet, dass die Dinge, auf die sich das Adjektiv beziehen kann, auf einer Skala bezüglich der Bedeutung dieses Adjektivs angeordnet sind (Schäfer 2018, 293). Zum Beispiel sind Alter oder Höhe skalare Qualitäten von Objekten, da es eine Vergleichbarkeit zwischen Objekten in punkto Alter oder Höhe gibt. Skaliert werden können konkrete Dinge (ein Bild, ein Hund) oder abstrakte (eine Idee) (ebd. 293). Wenn ein Adjektiv nicht über diese Eigenschaft verfügt, also nicht skalar ist, kann es nicht kompariert werden. Beispiele hierfür: ehemalig, (vom Umtausch) ausgeschlossen, tot, stumm, halb. Darunter fallen auch Adjektive, die bereits ein Höchstmaß oder eine Einzigartigkeit ausdrücken: maximal, einzig, minimal. Ebenfalls nicht komparierbar sind Adjektive, die das Fehlen des im Stammwort Genannten in sich tragen: kinderlos, obdachlos, fleischlos oder Adjektive, wie rosa, prima oder super, die in ihrer Grundform nicht flektierbar sind (Dudenredaktion 1998, 306).

Ob die Komparation Flexion oder Wortbildung ist, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Schäfer (2018) nennt Argumente für beides, stellt aber vorab die Diskussion generell in Frage, da Eisenberg (2013) sagt, dass es eine Scheinfrage sei, da die Abgrenzung zwischen Flexion und Wortbildung so oder so oft schwammig sei (Schäfer 2018, 294). Pro Flexion nennt Schäfer das Argument der großen Regelmäßigkeit. Pro Wortbildung führt er die Valenzänderung ins Feld, denn ohne eine Erhöhung der Valenz können bestimmte Formen nicht gebildet werden: Der Mantel ist elegant . – Der Mantel ist eleganter als meiner. – Der Mantel ist am elegantesten von allen.

Die im folgenden erläuterten Vergleichsformen bezeichnen Grade einer Eigenschaft oder eines Merkmals. Positiv ist die Grundstufe, Komparativ ist die Mehr – oder Höherstufe, Superlativ die Meist – oder Höchststufe und Elativ bezeichnet den absoluten Superlativ (Dudenredaktion 1998, 298).

2.2.1 Der Positiv

Der Positiv ist die Grundstufe der Komparation, hier werden die Adjektive ohne graduelle Unterschiede verwendet und er ist die einfachste Form des Ausdrucks einer Eigenschaft oder eines Merkmals: schnell, dick, fest.

Außerdem kann die Grundstufe in Bezug auf ein Merkmal oder eine Eigenschaft einen gleichen Grad ausdrücken und wird zwischen Gradpartikel wie: so, genauso, ebenso und wie gesetzt: Hans ist so dick wie sein Vater oder: Pina ist genauso schön wie ihre Mama.

2.2.2 Der Komparativ

Der Komparativ, die erste Steigerungsform des Adjektivs, drückt aus, dass zwei oder mehr Dinge in Bezug auf ein Merkmal oder eine Eigenschaft ungleich sind. Es folgt in der Regel die Konjunktion als: Leo ist dicker als Hans. Veraltet oder nur noch regional gebraucht sind die Vergleichspartikel wenn und als wie: Es war schöner denn je, oder: Es ist hier anders als wie zu Hause (Thomas Mann) (Dudenredaktion 1998, 299).

Der Komparativ lässt sich durch verschiedene Gradangaben noch verstärken: Cleo ist viel stärker als ihre Schwester, oder: Bruno ist etwas langsamer als sein Sohn. Ein negativer Grad wird in der Regel mit weniger oder minder ausgedrückt: Dieser Baum ist weniger hoch als der, oder: In dem nicht minder leckeren Essen waren Würstchen.

Lässt man eine Vergleichsgröße weg, dann bezieht sich der Komparativ in der Regel auf eine allgemeine Erwartungshaltung und heißt dann „absoluter Komparativ“ (ebd., 299). Hier wird der Komparativ nicht als Steigerung genutzt, sondern eher als Einschränkung: Er stand vor einer größeren Straße. In diesem Fall ist eine Straße gemeint, die größer als eine kleine Straße ist und nicht größer als eine große Straße. Das komparierte Adjektiv „ größeren“ muss also im Zusammenhang mit dem Gegenbegriff „ klein“ bewertet werden.

Bei Gegensatzpaaren wird der Komparativ mit einer anderen Blickrichtung benutzt: Dem Kranken geht es heute schon wesentlich besser, oder: Ein älterer Herr. Dem Kranken geht es immer noch schlechter als wenn es ihm schon gut ginge. Hierbei bezieht sich das komparierte Adjektiv „ besser“ auf den Zustand vom vorigen Tag und die Bedeutung des Wortes „ heute“ ist wichtig. Der ältere Herr ist ein Mann, der nicht mehr jung ist, aber auch noch nicht ganz alt. (ebd., 300). In diesem Fall geht es auch um eine Höflichkeitsform, denn im Vergleich zu „Der alte Mann“ ist das komparierte Adjektiv „ ältere“ eine Abschwächung und vereinfachte Form, wenn das genaue Alter des Mannes entweder nicht genannt werden soll oder nicht bekannt ist.

Wenn der ungleiche Grad zweier Eigenschaften eines Wesens beschrieben werden soll, wird im Allgemeinen mit Gradadverbien wie mehr oder weniger gearbeitet: Ich war mehr tot als lebendig (ebd., 300).

Die Bildung des Komparativs erfolgt in der Regel durch das Anhängen des Suffixes -er an die Grundform: frei-freier. Ein Umlaut tritt nur bei bestimmten Wörtern ein: jung-jünger. (ebd., 300). Bei einigen einsilbigen Adjektiven ist eine Umlautbildung möglich, aber nicht bindend: glatt – glätter oder glatter, oder: krumm – krümmer oder krummer. Insbesondere für einsilbige Adjektive mit dem Diphthong -au als Stammvokal gilt keine Umlautbildung: schlau – schlauer, grau – grauer (ebd., 302) .

Bei Adjektiven, die auf -el enden, wird bei der Komparativbildung das - e der Endsilbe weggelassen: dunkel - ein dunklerer Himmel. Bei Adjektiven auf -er und -en kann das -e der Endsilbe erhalten bleiben, oft wird es aber ausgelassen: Finst(e)rere Gesichter, oder:

Trock(e)neres Handtuch. Die Beugung des Komparativs wird wie bei einem einfachen Adjektiv gebildet: Es gibt kein schöneres Land. Sybille wird immer reizender (ebd., 301).

Unregelmäßige Bildung der Steigerungsformen liegt bei den Adjektiven gut, gern, hoch, nahe, viel und wenig vor. Komparativ und Superlativ werden von anderen Wortstämmen oder durch Veränderung eines Konsonanten gebildet (ebd., 303).

2.2.3 Der Superlativ

Der Superlativ, die Meist- oder Höchststufe, drückt aus, dass von mindestens drei Wesen oder Dingen einem der höchste Grad zukommt: Von allen vier Schuhen hat Philipp den schönsten. Der Superlativ ist nur bei Vergleichen von mehreren Dingen sinnvoll, da bei zweierlei zu vergleichenden Sachen auch der Komparativ verwendet werden kann. Wenn der Superlativ nicht Attribut zu einem Substantiv ist, oder Gleichsetzungsglied, wird ihm am vorangestellt: Jule läuft am schnellsten, oder: Das Schwein schrie am lautesten (Dudenredaktion 1998, 301).

Die Superlative äußerste, innerste, oberste, unterste, vorderste und hinterste werden wie Positive benutzt, sie haben keinen Komparativ.

Verstärkt werden kann auch der Superlativ: Durch Voranstellen von aller, weitaus, bei weitem und denkbar: der aller schönste Sonntag, in denkbar kürzester Zeit. Dem Gegenteil, also dem geringsten Grad wird am wenigsten oder am mindesten vorangestellt: Das blaue Auto war am wenigsten schön (ebd., 301). Durch weitere paraverbale oder schriftliche Mittel kann ebenfalls der höchste Grad ausgedrückt werden: Gertrud ist das (extrem betont) Rennpferd. Das bedeutet, dass Gertrud das schnellste Pferd im Stall von xy ist. Oder: Das ist das Buch der Bücher! Damit soll ausgedrückt werden, dass es sich um das beste Buch handelt (ebd., 301).

Bei attributiv verwendeten Adjektiven kann die Menge, von der sich das Wesen oder Ding abhebt, auch durch einen Genitivsatz ausgedrückt werden: Gabriele ist Kölns schnellste Läuferin.

Die Bildung des Superlativs erfolgt durch Anhängen von -st oder ­-est an die Grundstufe: fleißig – fleißigste, oder: alt – ältester (ebd., 302). Welche der beiden Endungen benutzt wird, hängt vom Auslaut und der Silbenzahl des unkomparierten Adjektivs ab. Einsilbige oder endbetonte mehrsilbige Adjektive auf -d, -s, -sch, -sk, ss, -ß, -t, -x, -z, -los und -haft werden mit -est gebildet: hold – holdeste, rasch-rascheste, brüsk-brüskeste, lax-laxeste, verstört – verstörteste.

Adjektive aus -d, -t und -sch stehen wahlweise auch ohne -e, wie beispielsweise holdste oder buntste. Keine zwei Formen gibt es beim Superlativ von groß: größte (ebd., 302). Mehrsilbige, nicht auf der letzten Silbe betonten Adjektive haben -st in der Endung: klein-kleinste, erhaben-erhabenste. Bestimmte einsilbige, umlautfähige Adjektive werden im Komparativ und Superlativ mit Umlaut gebildet: alt-älter-älteste. Hier liegt der Stammvokal a vor. Außerdem: grob-gröber-gröbeste mit dem Stammvokal o, und: dumm-dümmer-dümmste mit dem Stammvokal u. Ausnahmen liegen beispielsweise bei Adjektiven wie krumm, rot, blass oder glatt vor (ebd., 302).

Alle anderen einsilbigen und mehrsilbigen Adjektive werden nicht mit Umlaut in der Steigerungsform gebildet, zum Beispiel: blank, froh, schlau und mehrsilbig: mager, lose, dunkel. Eine Ausnahme bildet das Adjektiv gesund: gesündeste (ebd., 302) .

Der Superlativ wird wie ein einfaches Adjektiv gebeugt und muss, auch wenn er nicht attributiv benutzt wird, gebeugt werden: Die kürzesten Tage. Dieser Tag ist der kürzeste. Im Winter sind die Tage am kürzesten (ebd., 303) . Als Grundregeln gelten: Komparative und Superlative vor einem Nomen werden dekliniert: Die größeren Autos – das größere Haus. Und: Komparative bei einem Verb werden nicht dekliniert (Clamer, Heilmann 2007, 70): das Auto fährt schnell – die Autos fahren schnell.

2.2.4 Der Elativ

Der Elativ, oder auch absoluter Superlativ, stimmt in der Form mit dem Superlativ überein und wird dann verwendet, wenn keine vergleichende Funktion mehr im Adjektiv vorliegt: In tiefster Trauer, oder: Meine liebste Oma (Dudenredaktion 1998, 303). Absolute Bedeutung haben auch adverbiale Bestimmungen, die oft mit am oder aufs stehen: aufs empfindlichste oder die am geringsten bezahlten (ebd., 303).

Durch beispielsweise sehr, höchst, äußerst oder ungewöhnlich wird ebenfalls der sehr hohe Grad ausgedrückt: Äußerst glückliche Ehe, oder: Überaus schweres Dasein. Auch durch bestimmte Präfixe oder Zusammensetzungen entsteht der sehr hohe Grad eines Adjektivs: ur komisch, stein hart, feder leicht (ebd., 303).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Komparation von Adjektiven. Ein Überblick und eine Lehrwerkanalyse (DaF-Unterricht)
Hochschule
Universität Bielefeld  (LiLi Fakultät)
Veranstaltung
Grammatikdidaktik
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V916685
ISBN (eBook)
9783346239600
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grammatikdidaktik, Grammatik, DaF, DaZ, Deutsch als Zweitsprache, Deutsch als Fremdsprache, Komparation, Adjektive, Superlativ, Elativ, Komparativ, Positiv, Lehrwerkanalyse, Lehrer, Lehren, Schüler
Arbeit zitieren
Robert Cramer (Autor), 2020, Komparation von Adjektiven. Ein Überblick und eine Lehrwerkanalyse (DaF-Unterricht), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916685

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