Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, aufgrund der Mängel der „klassischen Kostenrechnungssysteme“ und der daraus folgenden erschwerten Informationsbereitstellung des Controlling, Instrumente für ein lebenszyklusorientiertes Controlling zu identifizieren, die den heutigen Anforderungen besser gewachsen sind. Dabei erfolgt, bedingt durch die hohe Kostenrelevanz, eine Konzentration auf den Entstehungszyklus . Daneben wird die Anwendbarkeit der Instrumente bei Einzelfertigung genauer betrachtet, weil auch die neueren Instrumente der Kostenrechnung häufig für Serienfertigung ausgelegt sind. Zudem ist die konsumentenorientierte Sichtweise bezüglich der Produktlebenszyklen eingehend zu beleuchten, da heutzutage die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens hauptsächlich von der Markt- bzw. Kundenorientierung abhängt . Hierbei wird u.a. die Preiskalkulation der Produzenten durch die Konsumentensichtweise erweitert.
Durch die praktische Anwendung der vorgestellten Methoden bei der AF Laser s.a.r.l. sollen mögliche Probleme bei der Anwendung eines lebenszyklusbezogenen Controlling ausfindig gemacht und konkrete Lösungsvorschläge für die Praxis gegeben werden. Eventuelle Schwachstellen der Instrumente werden auf diese Weise aufgedeckt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Lebenszyklusmodelle
2.2 Besonderheiten und Anforderungen der Einzelfertigung
2.3 Lebenszyklusmodell für die Einzelfertigung
2.4 Grundlagen des Controlling
3 Lebenszyklusorientiertes Controlling in Unternehmen mit Einzelfertigung
3.1 Controllinginstrumente im Entstehungszyklus
3.1.1 Target Costing
3.1.2 Konstruktionsbegleitende Kalkulation
3.1.3 Life Cycle Costing
3.2 Controllinginstrumente im Marktzyklus
3.3 Controllinginstrumente im Nachsorgezyklus
4 Preiskalkulation unter Berücksichtigung des integrierten Produktlebenszyklus
4.1 Lebenszykluskosten und –erlöse aus Produzentensicht
4.2 Lebenszykluskosten aus Kundensicht
4.3 Integriertes Konzept
5 Lebenszyklusorientiertes Controlling in der Praxisanwendung bei der AF Laser s.a.r.l.
5.1 Vorstellung des Unternehmens AF Laser s.a.r.l.
5.2 Praktischer Einsatz des lebenszyklusorientierten Controlling
5.2.1 Betrachtung der lebenszyklusphasenbezogenen Kosten
5.2.2 Schadensanalyse
5.2.3 Berücksichtigung der Kundenperspektive
5.2.4 Integrierte Preiskalkulation
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit zielt darauf ab, Instrumente für ein lebenszyklusorientiertes Controlling zu identifizieren, die den spezifischen Anforderungen der Einzelfertigung besser gerecht werden als klassische Kostenrechnungssysteme. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie durch eine ganzheitliche Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus – von der Entwicklung über die Marktphase bis zur Nachsorge – eine aussagekräftigere Informationsgrundlage für die Unternehmensführung geschaffen werden kann, um Fehlentscheidungen zu vermeiden und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
- Analyse und Anpassung von Lebenszyklusmodellen für die Einzelfertigung.
- Untersuchung von Controllinginstrumenten wie Target Costing, Konstruktionsbegleitender Kalkulation und Life Cycle Costing unter Berücksichtigung der Besonderheiten von Einzelaufträgen.
- Entwicklung eines integrierten Konzepts zur Preiskalkulation, das sowohl die Produzenten- als auch die Kundenperspektive einbezieht.
- Praktische Umsetzung und Evaluation des lebenszyklusorientierten Controllings am Beispiel der AF Laser s.a.r.l.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
„Today’s management accounting information ... is too late, too aggregated, and too distorted to be relevant for manager’s planing and control decisions”1.
Entscheidungen, die auf Empfehlungen der heute angewandten Kostenrechnungssysteme beruhen, geraten in Theorie und Praxis immer mehr in Bedrängnis2. Dies liegt vor allem daran, dass die „klassischen Kostenrechnungssysteme“3, die in den fünfziger und sechziger Jahren entwickelt wurden4, den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Steigende Komplexität und Dynamik der Prozesse und Umweltbedingungen5, die sich z.B. in verstärkter Internationalisierung6, sinkenden Produkt- und Prozesslebenszyklen7, kürzeren Innovationszyklen8 und komplexeren Produktionstechnologien9 zeigen, erfordern einen Wandel im Kostenrechnungsdenken.
Hinzu kommen Strukturveränderungen in den Kosten: Die Fix- bzw. Gemeinkostenanteile steigen kontinuierlich an und somit bieten die herkömmlichen Zuschlagsverfahren keine verlässlichen Entscheidungsgrundlagen mehr10. Des Weiteren liegen Kostenfestlegung und Kostenentstehung weit auseinander, so dass der Schwerpunkt des Controlling von der Produktion hin zur Entwicklung und Konstruktion verlagert werden muss, wo etwa 85 Prozent der späteren Kosten festgesetzt werden11. Auch ist eine Fehlerbehebung in den Anfangsphasen eines Produktes kostengünstiger und die sog. „Sunk Cost Problematik“12 noch nicht vorhanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Mängel klassischer Kostenrechnungssysteme bei steigender Prozesskomplexität und definiert das Ziel, Instrumente für ein lebenszyklusorientiertes Controlling in der Einzelfertigung zu finden.
2 Grundlagen: Hier werden theoretische Grundlagen zu Lebenszyklusmodellen, die spezifischen Anforderungen der Einzelfertigung und die allgemeinen Aufgaben des Controllings dargelegt.
3 Lebenszyklusorientiertes Controlling in Unternehmen mit Einzelfertigung: Der Schwerpunkt liegt auf der Anwendung und Modifikation von Instrumenten wie Target Costing und Konstruktionsbegleitender Kalkulation innerhalb des Entstehungs-, Markt- und Nachsorgezyklus.
4 Preiskalkulation unter Berücksichtigung des integrierten Produktlebenszyklus: In diesem Kapitel wird ein integriertes Konzept entwickelt, das Produzenten- und Kundensicht vereint, um eine markt- und lebenszyklusorientierte Preisbestimmung zu ermöglichen.
5 Lebenszyklusorientiertes Controlling in der Praxisanwendung bei der AF Laser s.a.r.l.: Die Arbeit präsentiert die praktische Implementierung des entwickelten Controllings bei der AF Laser s.a.r.l. und analysiert auftretende Herausforderungen bei der Datenbeschaffung und Kostenschätzung.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Relevanz eines lebenszyklusorientierten Controllings zusammen, kritisiert die noch unzureichende Verbreitung in der Praxis und skizziert künftige Entwicklungsnotwendigkeiten wie eine stärkere Integration der Erlösseite.
Schlüsselwörter
Lebenszyklusorientiertes Controlling, Einzelfertigung, Target Costing, Konstruktionsbegleitende Kalkulation, Life Cycle Costing, Produktlebenszyklus, Kostenmanagement, Preiskalkulation, Kundenorientierung, Prozesskostenrechnung, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Konzeption und Umsetzung eines lebenszyklusorientierten Controllings in Unternehmen, die sich auf die Einzelfertigung spezialisiert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Überwindung klassischer Kostenrechnungssysteme, die gezielte Steuerung von Kosten in verschiedenen Lebenszyklusphasen und die marktgerechte Preisgestaltung bei kundenindividuellen Aufträgen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Controllinginstrumente zu identifizieren und anzupassen, die den heutigen Anforderungen (Komplexität, kurze Innovationszyklen) gerecht werden und eine bessere Informationsgrundlage bei der Einzelfertigung bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse theoretischer Konzepte und der praktischen Anwendung und Evaluation dieser Methoden anhand einer Fallstudie bei der Firma AF Laser s.a.r.l.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung des Entstehungs-, Markt- und Nachsorgezyklus sowie der Entwicklung eines Modells zur integrierten Preiskalkulation, welches die Kunden- und Produzentenperspektive verknüpft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören unter anderem Lebenszyklusorientiertes Controlling, Einzelfertigung, Target Costing, Konstruktionsbegleitende Kalkulation, Life Cycle Costing und Kundenorientierung.
Wie geht die Arbeit mit dem Problem der fehlenden Wiederholbarkeit bei der Einzelfertigung um?
Die Autorin betont, dass bei der Einzelfertigung Erfahrungen nur bedingt übertragbar sind. Dennoch wird versucht, durch die Erfassung von Prozessdaten aus der Vergangenheit und Schätzungen eine Wissensbasis aufzubauen, um zukünftige Kalkulationen präziser zu gestalten.
Welchen praktischen Mehrwert bietet das Modell der AF Laser s.a.r.l.?
Das Unternehmen erhält durch die Einführung eine detaillierte Aufschlüsselung der Entwicklungs-, Dokumentations- und Nachsorgekosten, was eine realistischere und wettbewerbsfähigere Preisbildung ermöglicht.
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- Rike Steyer (Author), 2005, Lebenszyklusorientiertes Controlling in Unternehmen. Die AF Laser s.a.r.l. aus Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91675