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Norwegens Distanz zur Europäischen Union: Rahmenbedingungen Hintergründe und Motive

Título: Norwegens Distanz zur Europäischen Union: Rahmenbedingungen Hintergründe und Motive

Proyecto/Trabajo fin de carrera , 1997 , 131 Páginas , Calificación: Sehr gut (1)

Autor:in: Andreas Balsliemke (Autor)

Política - Tema: Unión Europea
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„Norwegen, diese Extravaganz an der Peripherie Europas, zwischen Ölterminal und Sommerhütte, Einödhof und Glasarchitektur, Kapitalexport und Gottesfrieden, ist nicht das irdische
Paradies, sondern ein Monument des Eigensinns, und eine maulende Idylle.“ Mit diesem Satz schloß Hans Magnus Enzensberger eine Reportage aus dem Jahr 1984, zwölf Jahre nachdem eine knappe Mehrheit der Norweger bei einem Referendum den Beitritt ihres Landes zur damaligen Europäischen Gemeinschaft abgelehnt hatte.
Zehn Jahre nach Vollendung der Reportage, in welcher die Paradoxien, welche das Leben in Norwegen charakterisieren, so treffend wie in wenigen anderen Texten beschrieben wurden, fand ein zweites Referendum über eine mögliche Mitgliedschaft des Landes
in der Europäischen Union statt. Diese wurde von einer neuerlichen Mehrheit abgeschmettert.[...]

Statt nach Gründen wird in dieser Arbeit nach Hintergründen gesucht, welche helfen können, den Ausgang des letzten Referendums jenseits der offen vorgetragenen Argumente zu erleuchten. Statt Argumente für oder vor allem gegen den möglichen Beitritt Norwegens zur Europäischen Union zusammenzutragen und zu erörtern, soll erstens die
Frage gestellt werden, inwiefern eine mögliche Mitgliedschaft in der EU mit der nationalen Identität als Ganzem in Norwegen in Konflikt geraten konnte, und zweitens, welche Gruppen der Gesellschaft aus welchen Gründen gegen den Beitritt waren.
Eröffnet wird die Arbeit mit einem Kapitel über begriffliche und geschichtliche Grundlagen, welche für das Verständnis der nachfolgenden Darstellungen unverzichtbar oder
zumindest nützlich sind. In den weiteren Kapiteln werden dann verschiedene Aspekte der politischen Soziologie Norwegens und ihre Relevanz für das Verständnis des Referendums
von 1994 erläutert. Im einzelnen sind dies kulturgeschichtliche Rahmenbedingungen, welche für die ganze Bevölkerung von Bedeutung sind, sowie kulturgeographische und sozioökonomische Rahmenbedingungen, welche jeweils bestimmte Gruppen der Bevölkerung zu beschreiben helfen. Diese Unterscheidung schien aus Gründen der inneren Logik der Abhandlung sinnvoll zu sein, auch wenn sie sich nicht an allen Stellen konsequent durchhalten ließ, da die einzelnen behandelten Aspekte intern verflochten sind.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Inhalt und Gliederung

Kapitel I: Begriffsdefinitionen und eine geschichtliche Einführung

1. Wichtige Begriffe kurz erläutert

2. Einige Hinweise zur Geographie und Demographie Norwegens

3. Eine kursorische Schilderung der politischen ‘Frühgeschichte’ Norwegens

a) Der Unabhängigkeit entgegen: Die Zeit bis zum 17. Mai 1814

b) Der Nation entgegen: Die Zeit bis 1905:

Kapitel II: Kulturgeschichtliche Charakteristika Norwegens

1. Darstellung und Analyse der Entstehungsgeschichte nationaler Identität

a) Einige Anmerkungen zu den Ereignissen im Jahr 1814

b) Die Entstehung der nationalen Identität und der Nationalismus im 19. Jahrhundert:

c) Über die Kunst, sich auf das Wesentliche zu beschränken

2. Kulturgeschichtliche Charakteristika Norwegens

a) Das große Dorf Norwegen

b) Feindbild Union

c) Schaler Nationalismus

3. Zwischenresümee

Kapitel III: Kulturgeographische Charakteristika Norwegens

1. „Litt om motsetninga mellom austlandet og vestlandet“

2. Die Gegenkulturen

a) Die Sprachbewegung und das Nynorsk/ Landsmål

b) Religion, Pietismus und nationale Identität

c) Die Abstinenzbewegung

d) Zwischenresümee

3. Die extreme Peripherie: Nordnorwegen

Kapitel IV: Sozioökonomische Charakteristika Norwegens

1. Die Bauernbewegung, Nei til EU und die Distriktspolitik

a) Über den direkten Einfluß der Landwirte

b) Über die Motivation und den indirekten Einfluß der Landwirte

2. Die Frauenbewegung

a) Überblick über die jüngere Geschichte

b) Zahlen über den Stand der Bemühungen

c) Motivationen für den Widerstand

d) Über den politischen Einfluß der Frauen in den Jahren 1972 und 1994

3. Zwischenresümee

Schlußbemerkungen

1. Rekapitulation und Problematisierung der Aufgabenstellung

2. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die tieferliegenden Hintergründe für die Distanz Norwegens gegenüber dem europäischen Integrationsprozess (insbesondere bezogen auf die EU) aufzuklären. Dabei wird untersucht, inwiefern die norwegische nationale Identität im Konflikt mit einer EU-Mitgliedschaft steht und welche sozioökonomischen und kulturgeschichtlichen Gruppen den Widerstand gegen den Beitritt maßgeblich geprägt haben.

  • Kulturgeschichtliche Rahmenbedingungen und Entstehung nationaler Identität in Norwegen.
  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen Zentrum (städtisch) und Peripherie (ländlich).
  • Bedeutung der „Gegenkulturen“ (Sprachbewegung, religiöser Pietismus, Abstinenzbewegung) für das politische Bewusstsein.
  • Sozioökonomische Einflussfaktoren und die Rolle spezifischer Akteure wie Bauern- und Frauenbewegungen.
  • Untersuchung der Ablehnung europäischer Integration vor dem Hintergrund historischer Erfahrungen und spezifischer nationaler Traditionen.

Auszug aus dem Buch

Die Gegenkulturen

Nachdem die Bauern ihren Einfluß schon in den dreißiger Jahren verstärkt hatten, entwickelte sich ab den fünfziger Jahren der Widerstand gegen die dänisch geprägte Beamtenherrschaft. Er fand in den ‘Gegenkulturen’ [„Motkulturene“] seinen Ausdruck. Ein verbessertes Schulwesen — und damit geringerer Analphabetismus — und der Ausbau des Kommunikationssystems bildeten die Grundlage für verschiedene Bewegungen der „Gegenkultur“.

Die ‘Volkshochschulbewegung’ [„folkehøyskolebevegelse“] nahm sich der Aufgabe an, „nationale, kulturelle, religiöse und menschliche Werte“ zu vermitteln, und legte dabei besonderes Gewicht auf altnordische Mythologie, Geschichte, die norwegische Sprache, sowie auf „Vaterlands- und Volkslieder“. Sie half ferner das Nynorsk [Neunorwegisch] zu verbreiten, war also ein Teil der gegenkulturellen Sprachbewegung. Das Nynorsk war von Ivar Aasen aus verschiedenen Dialekten mit dem Ziel konstruiert worden, eine auf der ländlichen Kultur beruhende rein norwegische Sprache zu schaffen. Sie sollte sich möglichst stark vom Bokmål [also der Buchsprache], der aus dem dänischen entstandenen Schriftsprache der Elite, abgrenzen. Aasen betrachtete die Sprache der Bauern als Erbe aus der Zeit vor der dänisch-norwegischen Union, weil sie sich weitgehend ohne dänische Einflüsse direkt aus der Sprache des mittelalterlichen Norwegens entwickelt hatte.

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel I: Begriffsdefinitionen und eine geschichtliche Einführung: Das Kapitel legt die theoretische Basis durch Definitionen zentraler Begriffe wie Identität, Nation und Nationalismus und gibt einen historischen Abriss bis 1905.

Kapitel II: Kulturgeschichtliche Charakteristika Norwegens: Es wird die Entstehung der nationalen Identität analysiert und aufgezeigt, wie kulturelle Traditionen und Symbole das Selbstbild der Norweger prägen.

Kapitel III: Kulturgeographische Charakteristika Norwegens: Dieses Kapitel beleuchtet den Konflikt zwischen Zentrum und Peripherie sowie die Rolle der Gegenkulturen für die regionale politische Stimmung.

Kapitel IV: Sozioökonomische Charakteristika Norwegens: Der Fokus liegt auf der Rolle von Bauern- und Frauenbewegungen bei der Mobilisierung gegen den EU-Beitritt und deren sozioökonomischen Hintergründen.

Schlüsselwörter

Norwegen, Europäische Union, Nationale Identität, Gegenkultur, Zentrum-Peripherie-Konflikt, Landwirtschaft, Frauenbewegung, Sprachbewegung, Nynorsk, Abstimmungsverhalten, Distriktspolitik, Nationalismus, Souveränität, Storting, Politische Soziologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Hintergründe der norwegischen Skepsis gegenüber einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union unter Berücksichtigung historischer, kultureller und sozioökonomischer Faktoren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die Analyse konzentriert sich auf die Entstehung der nationalen Identität, die Bedeutung der ländlichen „Gegenkulturen“ und das Machtverhältnis zwischen Zentrum und Peripherie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuklären, warum Norwegen trotz seiner engen europäischen Anbindung das EU-Projekt zweimal mehrheitlich abgelehnt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen politikwissenschaftlich-soziologischen Ansatz, kombiniert mit historischen Analysen und der Auswertung von Statistiken zu Abstimmungsverhalten und regionalen Strukturen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Frühgeschichte, die kulturgeschichtlichen Charakteristika, die kulturgeographischen Scheidelinien sowie die sozioökonomische Bedeutung von Interessengruppen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie nationale Identität, Gegenkultur, Zentrum-Peripherie-Konflikt und Distriktspolitik geprägt.

Welche Rolle spielte die Sprachbewegung für die nationale Identität?

Die Entwicklung des Nynorsk als „Gegenkultur“ zur dänisch geprägten Elite-Sprache diente dazu, eine eigene norwegische nationale Identität auf Basis der ländlichen Kultur zu festigen.

Wie beeinflusste der Widerstand der Landwirte das Abstimmungsergebnis?

Die Landwirte nutzten ihre starken Verbände und die Distriktspolitik, um vor der Gefahr einer EU-Integration zu warnen, und mobilisierten erfolgreich gegen den Beitritt.

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Detalles

Título
Norwegens Distanz zur Europäischen Union: Rahmenbedingungen Hintergründe und Motive
Universidad
University of Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Calificación
Sehr gut (1)
Autor
Andreas Balsliemke (Autor)
Año de publicación
1997
Páginas
131
No. de catálogo
V9169
ISBN (Ebook)
9783638159432
ISBN (Libro)
9783656065753
Idioma
Alemán
Etiqueta
Norwegen EU Referendum Volksabstimmung Europäische Union
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Andreas Balsliemke (Autor), 1997, Norwegens Distanz zur Europäischen Union: Rahmenbedingungen Hintergründe und Motive, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9169
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