Stadtentwicklung in Ostdeutschland - Vom 2. Weltkrieg bis zur Wende


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung (Ost)Deutschland nach dem Krieg

2. Grundsätze des Städtebaus

3. Drei Phasen des Städtebaus
3.1. 1945 – 1960
3.2. 1960 – 1975
3.3. 1975 – 1989

4. Entstehung des Plattenbaus

5. Schluss

Literatur

Anhang

1. Einleitung (Ost)Deutschland nach dem Krieg

Nach dem zweiten Weltkrieg sah Deutschland verheerend aus, die Städte waren zerstört, überall klafften Bombenkrater oder Löcher in der Bebauung, wo ursprünglich Häuser gestanden hatten. Am schwersten hatte es die Industriestandorte und Küstenstädte getroffen, das Ruhrgebiet, Hamburg oder Bremen etwa. Anhand der Karte 1 (siehe K1 im Anhang) lässt sich allerdings die unterschiedlich starke Zerstörung in Ost- und Westdeutschland ablesen. Gemessen am Anteil der total zerstörten Wohnungen liegt die Rate bei den Mittelstädten zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern bei über 40%.[1] Das Ausmaß der Kriegzerstörung war im Westteil des Landes mit einer Totalzerstörung des Wohnraums von 18,5% höher, im Osten lag die Zerstörung insgesamt bei 9,1%.

Die Aufteilung Deutschlands unter den Besatzungsmächten beeinflusste die folgende Städtebau- und Stadtentwicklungspolitik maßgeblich, Ostdeutschland wurde sowjetische Besatzungszone. Entsprechend den grundlegend dem westlichen Kapitalismus entgegen gesetzten Vorstellungen sollte dieses Gebiet völlig neu gestaltet werden, um dem in ihm herrschenden Sozialismus Ausdruck zu verleihen. Die Charakteristik der deutschen sozialistischen Städte liegt dabei in ihrem kapitalistischen Fundament, auf welchem sie entstanden. Ausnahmen bilden einige wenige Neugründungen wie Eisenhüttenstadt (ehem. Stalin-Stadt), Hoyerswerda oder Schwedt, die als sozialistische „Idealstädte“ geplant und gebaut wurden.[2]

Wie diese Entwicklung ihren Lauf nahm soll in dieser Arbeit erläutert werden. Dazu soll zunächst auf die entstehenden Grundsätze des sozialistischen Städtebaus eingegangen werden, welche Aufschluss über die Ziele einer solchen Stadtplanung geben.

Im Folgenden wird die Entwicklung der Städte Ostdeutschlands anhand von drei Phasen chronologisch nachvollzogen, wobei die Eckdaten nur Orientierungspunkte darstellen, die auch anders gewählt werden können. Hierbei werden immer wieder konkrete Beispiele, in denen die Städtebaupolitik umbesetzt wurde, zur Veranschaulichung herangezogen werden.

Zum Schluss soll noch ein kurzer Blick auf die Entstehung des Plattenbaus und seine Bedeutung für die DDR geworfen werden, da diese Bauweise fast symbolisch für dieses Land geworden ist.

2. Grundsätze des Städtebaus

Nach dem Systemwechsel in Ostdeutschland und der Gründung der DDR wurden die „16 Grundsätze des Städtebaus“ fixiert, welche dann als Grundlage für das „Aufbaugesetz“ von 1950 dienten. Als Ziel formulieren diese, dass der Städtebau „der gesellschaftlichen Ordnung der Deutschen Demokratischen Republik, den fortschrittlichen Traditionen unseres deutschen Volkes sowie den großen Zielen, die dem Aufbau ganz Deutschlands gestellt sind, Ausdruck verleihen“[3] soll. Insgesamt kann man diese Grundsätze auf drei Prinzipien zusammenfassen, die sich daraus ergeben: Ganzheitlichkeit, Zentralität und Dominanz.[4]

Laut den 16 Grundsätzen diente der Städtebau der „harmonische Befriedigung des menschlichen Anspruchs auf Arbeit, Wohnung, Kultur und Erholung“, wobei die Städte selber „von der Industrie und für die Industrie“ gebaut werden.[5] Die Stadt sollte ein einheitliches und stabiles Ganzes bilden, wobei die Einheit von Funktion, Struktur und Gestalt gewahrt werden sollte, also ganzheitlich sein. Auch sollte sie in ihrem Wachstum begrenzt werden, bestimmt durch die Zweckmäßigkeit. Flierl weist allerdings darauf hin, dass diese Einheit nur auf der niedrigeren Ebene der städtebaulichen Ensembles, also städtischen Teilbereichen, umgesetzt wurde.[6] In diesen Ensembles sollte dann auch das Kollektiv der Menschen erkennbar werden, sowohl innen erlebbar als auch äußerlich ablesbar.

Das zweite Prinzip bezieht sich auf das Stadtzentrum. Die Mitte der Stadt sollte auch Mitte des gesellschaftlichen Lebens sein. Die Städte sollten von „innen heraus“ erneuert werden und die Mitte der Stadt wurde als kommunikativer Ort dem kapitalistischen kommerziellen Stadtkern gegenübergestellt.[7] Dementsprechend befanden sich hier Gebäude des gesellschaftlichen Lebens wie Begegnungsstätten für Tagungen und Kongresse, Bildungseinrichtungen, Gebäude der Kultur und der Erholung, aber auch die Wohnfunktion spielte in der Stadtmitte eine zentrale Rolle. Zudem sollte das Zentrum auch administratives Zentrum sein, so dass sich dort auch einige Verwaltungsgebäude befinden.

Als Beispiel kann hier der Alexanderplatz in Berlin dienen, um den herum sich diverse Einrichtungen befinden, die oben aufgeführt wurden. Man findet dort das Haus des Lehrers als Begegnungsstätte für Pädagogen, die Kongresshalle, das Haus der Technik, das als Sitz des Ministeriums für Elektroindustrie und Elektronik diente, sowie mehrere Wohnblöcke. Die meisten der Gebäude wurden zu Beginn der 1960er Jahre und dementsprechend in der modernen Hochbebauung errichtet.[8]

Durch das fehlen privater Unternehmer und der dadurch nicht entstehenden Konkurrenz zwischen Handels- und Dienstleistungseinrichtungen fehlte diesen Zentren jedoch die bunte Vielfältigkeit, die man aus den Zentren kapitalistischer Städte kennt. Dafür entwickelte sich das Zentrum zum Wohnbereich, da die Bodenpreise und die Zahlungsfähigkeit der Bewohner hier keine Rolle spielte, wie später noch erläutert werden soll.[9]

Zur Bedeutung von Zentralität kommt dann das Prinzip der Dominanz hinzu. Die Hervorhebung und Betonung von gesellschaftlich Bedeutsamen diente der Präsentation und der Repräsentation, das Neue sollte städtebaulich abgegrenzt werden und als Charakteristisch für den Sozialismus erkennbar sein. Seit den 1950er Jahren wurden auch mehrstöckige Bauten bzw. Hochhausbauten bevorzugt. Je zentraler gelegen desto größer war die Devise. Neben den Gebäuden bezog sich dieses Prinzip auch auf Straßen und Plätze. Diese waren zentrales Merkmal der neu umgestalteten Städte, auf ihnen wurden staatliche Demonstrationen, Aufmärsche und Volksfeste inszeniert.[10] Hinzu kam, dass jede wichtige Stadt der DDR eine besondere Höhendominante im Zentrum aufweisen sollte, wie etwa der Fernsehturm in Berlin oder die Universitätsgebäude in Dresden und Leipzig.[11]

[...]


[1] Vgl. Schöller, Peter: Städtepolitik, Stadtumbau und Stadterhaltung in der DDR. [=Erdkundliches Wissen, Heft 81]. Stuttgart, 1968. S.13

[2] Vgl. Häußermann, Hartmut: Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus. In: Häußermann, H./ Neef, R. (Hrsg.): Stadtentwicklung in Ostedeutschland. Opladen, 1996. S. 5-47

[3] Bolz, Lothar: Sechzehn Grundsätze des Städtebaus, in: Vom deutschem Bauen. Reden und Aufsätze. Berlin (Ost): Verlag der Nation 1951, S. 32-52. Zitiert nach www.bpb.de

[4] Vgl. Häußermann, Hartmut: Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus. In: Häußermann, H./ Neef, R. (Hrsg.): Stadtentwicklung in Ostedeutschland. Opladen, 1996. S. 5-47

[5] Bolz (1951) S. 32-52

[6] Vgl. Flierl, Bruno: Stadtgestaltung in der ehemaligen DDR als Staatspolitik. In: Marcuse, Peter/Staufenbiel, Fred (Hrsg): Wohnen und Stadtpolitik im Umbruch. Berlin, 1991. S.49-65

[7] Vgl. Flierl, S.59

[8] Vgl. Heineberg, Heinz: Stadtgeographie. Paderborn, München u.a. 20003. S.228-235

[9] Vgl. Häußermann, S.14

[10] Vgl. ebd., S.11

[11] Vgl. Flierl (1991), S. 61f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Stadtentwicklung in Ostdeutschland - Vom 2. Weltkrieg bis zur Wende
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V91708
ISBN (eBook)
9783638041157
Dateigröße
1703 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtentwicklung, Ostdeutschland, Weltkrieg, Wende
Arbeit zitieren
Julia Kuhne (Autor), 2007, Stadtentwicklung in Ostdeutschland - Vom 2. Weltkrieg bis zur Wende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91708

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