Diese Arbeit wird die Signifikanz der Baumwelt in Italo Calivnos Der Baron auf den Bäumen untersuchen. Zunächst werde ich den Raum textintern, d.h. in Bezug auf den Protagonisten Cosimo, analysieren. Im Anschluss daran werde ich zeigen, wie dieser Raum von Calvino eingesetzt wird, um einerseits die bei Calvino zentrale Thematik der Interaktion von Leser, Autor und Werk zu problematisieren, andererseits, um von den vielschichtigen Möglichkeiten des Spieles mit diesem Raum zu profitieren. Am Ende werden wir erkennen, dass der Raum “Baumwelt” es mit diesen vielseitigen Möglichkeiten unmöglich macht, den Roman einem spezifischen Genre zuzuordnen; Das Thema der Reflexion über Lesen und Schreiben kristallisiert sich aber immer deutlicher heraus, bis am Ende Autor, Leser und Werk metaphorisch ineinander verschmelzen.
Inhaltsverzeichnis
0) Einleitung
1) Baumwelt vs. Gesellschaft
1.1) Flucht
1.2) Nähe
2) Distanz als Möglichkeit des “Impegno” / “Disimpegno”
3) Ein Gegensatz: Die Spanier auf den Bäumen
4) Die Baumwelt als Raum des Abenteuers
5) Problematisierung der Leser-Autor-Werk Thematik
5.1) Die Baumwelt als Raum des Lesers
5.2) Die Baumwelt als Raum des Schreibens
5.3) Das Verschwinden der Bäume
6) Conclusio
7) Bibliographie
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Signifikanz der Baumwelt in Italo Calvinos Roman Der Baron auf den Bäumen. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie der Raum „Baumwelt“ als Instrument fungiert, um die Interaktion zwischen Leser, Autor und Werk zu problematisieren und eine Kategorisierung des Romans in spezifische Genres zu hinterfragen.
- Die Funktion der Baumwelt als Raum zwischen Distanz und Nähe zur Gesellschaft.
- Die Rolle der Baumwelt als Ort für politisches und soziales Engagement (Impegno).
- Die Baumwelt als Raum des Abenteuers und der Erkenntnis.
- Die symbolische Verschränkung von Natur, Lesen und Schreiben im Roman.
- Die Allegorie der Baumlandschaft für den schöpferischen Akt des Autors.
Auszug aus dem Buch
5.3) Das Verschwinden der Bäume
Ombrosa non c’è più. Guardando il cielo sgombro, mi domando se davvero è esistita. Quel frastaglio di rami e foglie, biforcazioni, lobi, spiumi, minuto e senza fine, e il cielo solo a sprazzi irregolari e ritagli, forse c’era solo perché ci passasse mio fratello col suo leggero passo di codibugnolo, era un ricamo fatto sul nulla che assomiglia a questo filo d’inchiostro, come l’ho lasciato correre per pagine e pagine, zeppo di cancellature, di rimandi, di sgorbi nervosi, di macchie, di lacune, che a momenti si sgrana in grossi acini chiari, a momenti si infittisce in segni minuscoli come semi puntiformi, ora si ritorce su se stesso, ora si biforca, ora collega, grumi di frasi con contorni di foglie o di nuvole, e poi s’intoppa, e poi ripiglia a attorcigliarsi, e corre e corre e si sdipana e avvolge un ultimo grappolo insensato di parole idee sogni ed è finito. (Calvino 1993:263)
Dieser letzte Abschnitt ist zentral für den gesamten Roman. Hier setzt Calvino die Baumwelt bzw. die Natur parallel zur Schrift und erschafft damit eine Allegorie zwischen Natur und Schreibprozess. Sprachlich ist diese Sequenz stark verdichtet. Calvino spielt mit der Isotopie Fauna und Flora, sowie mit der des Strickmusters und setzt diese mit Schrift und Literatur gleich. Man könnte diesen Teil des Romans also auch als Resumée des gesamten Geschehens bezeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
0) Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Untersuchung der Baumwelt in Calvinos Roman und führt in die zentrale Fragestellung der Interaktion von Leser, Autor und Werk ein.
1) Baumwelt vs. Gesellschaft: Dieses Kapitel beleuchtet den ambivalenten Rückzug des Protagonisten Cosimo als Akt der Flucht und der Suche nach einer neuen Position außerhalb gesellschaftlicher Zwänge.
2) Distanz als Möglichkeit des “Impegno” / “Disimpegno”: Hier wird untersucht, wie die physische Distanz durch das Leben auf den Bäumen eine objektive Sichtweise und somit ein politisches und soziales Engagement erst ermöglicht.
3) Ein Gegensatz: Die Spanier auf den Bäumen: Der Abschnitt kontrastiert Cosimos freiwilliges Baumleben mit der erzwungenen Existenz der spanischen Adligen, um die unterschiedliche Natur ihrer jeweiligen „Mischwelt“ aufzuzeigen.
4) Die Baumwelt als Raum des Abenteuers: Dieses Kapitel analysiert, wie die Baumwelt durch abenteuerliche Elemente den Roman jenseits klassischer Gattungsgrenzen positioniert und die Vielschichtigkeit der Handlung fördert.
5) Problematisierung der Leser-Autor-Werk Thematik: Dieser Abschnitt thematisiert den Akt des Lesens und Schreibens, indem er die Baumwelt als Schauplatz für die Reflexion über Literatur und die Rolle von Autor und Leser darstellt.
5.1) Die Baumwelt als Raum des Lesers: Der Fokus liegt hier auf Cosimos Rolle als idealer Leser, der Gelesenes aktiv in seine eigene Lebenspraxis integriert.
5.2) Die Baumwelt als Raum des Schreibens: Dieses Unterkapitel betrachtet Cosimo und indirekt Calvino als Schriftsteller, die sich in der Baumwelt von konventionellen Regeln befreien.
5.3) Das Verschwinden der Bäume: Eine Analyse der Schlusspointe des Romans, in der die Baumwelt metaphorisch mit dem Schreibprozess verschmilzt.
6) Conclusio: Die Conclusio fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Baumwelt als zentrale Allegorie für die Symbiose von Leser, Autor und Werk dient.
7) Bibliographie: Verzeichnis der im Rahmen der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Italo Calvino, Der Baron auf den Bäumen, Baumwelt, Impegno, Disimpegno, Leser-Autor-Werk Thematik, Distanz, Abenteuer, Intertextualität, Allegorie, Literaturtheorie, Erzählstruktur, gesellschaftliche Zwänge, Cosimo, Raumkonzept.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der „Baumwelt“ in Italo Calvinos Roman „Der Baron auf den Bäumen“ und untersucht, wie dieser Raum die erzählerische Struktur und die Beziehung zwischen Leser, Autor und Werk prägt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, das politische Engagement (Impegno), die Problematisierung literarischer Gattungen sowie der kreative Prozess des Schreibens und Lesens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die „Baumwelt“ nicht nur ein Handlungsort ist, sondern eine Allegorie für den Schreibprozess, die es unmöglich macht, den Roman einem spezifischen Genre zuzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die den Raum textintern im Bezug auf den Protagonisten sowie im Kontext literaturtheoretischer Diskurse und Allegorien untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Distanz als Mittel zur politischen Partizipation, zum Kontrast des Baumlebens am Beispiel der spanischen Adligen, zur Funktion des Raums für Abenteuer und intertextuelle Bezüge sowie zur finalen Verschmelzung von Autor, Leser und Werk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Baumwelt, Impegno, Distanz, Intertextualität, Allegorie, Leser-Autor-Werk Thematik und Erzählstruktur.
Wie unterscheidet sich Cosimos Leben von dem der spanischen Adligen auf den Bäumen?
Während Cosimos Baumleben ein freiwilliger Akt der Selbstverwirklichung und Distanznahme ist, leben die spanischen Adligen in Olivabassa nur aufgrund äußerer Zwänge im Exil und behalten ihre zivilisatorischen Gewohnheiten vollständig bei.
Welche Bedeutung hat das Verschwinden der Bäume am Ende des Romans für die Interpretation?
Das Verschwinden symbolisiert keine endgültige Beendigung, sondern die Metamorphose der Baumlandschaft in eine reine Metapher für den Schreibprozess, die den Leser dazu auffordert, das „Spiel“ der Interpretation eigenständig fortzusetzen.
- Citation du texte
- Rafaela Breuer (Auteur), 2005, Die Bedeutung der Baumwelt in Italo Calvinos "Il Barone rampante", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91710