Das Zusammenwachsen Europas bildet den integralen Bestandteil für die nächsten Generationen. Der europäische Gedanke scheint, so er in allen Bereichen Europas umgesetzt werden kann, die Kraft für eine wirtschaftliche sowie politische Einheit und eine gemeinsame Bewältigung bzw. Überwindung von Konflikten zu besitzen. Diesem Vorsatz stehen allerdings weitreichende, ungelöste Problemfelder gegenüber, die dieses Ziel höchst visionär anmuten lassen. Regionale Unruhen, Minderheitenkonflikte, ungleiche Ressourcenverteilung, Nationalismus, Macht- und Eliteninteressen, um nur einige davon zu nennen, sind längst nicht überwunden und bedürfen der Lösung. Dem Integrationsprozess Westeuropas, als einem Musterbeispiel zukünftigem Zusammenwachsens Europas, stehen vor allem Desintegrationsbestrebungen und Nationalitätenprobleme Osteuropas entgegen.
Mit welchen Mitteln versucht Europa auf diese Entwicklungen zu reagieren, welche Verfahren aus dem bisherigen Integrationsprozess wurden entwickelt und erweitert, um auf die außen- und sicherheitspolitischen Fragen Europas eine Antwort zu geben und welche Probleme sind dabei zu überwinden? Welche Positionen trafen und treffen immer noch aufeinander?
In dieser Arbeit soll versucht werden einen in den nächsten Jahren wohl zunehmend bedeutender werdenden Aspekt der europäischen Zusammenarbeit im Überblick zu schildern – den Weg zu einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP). Ein so weitreichendes Thema wird in diesem Rahmen nicht erschöpfend abgehandelt werden können. Im Folgenden wird die Entwicklung der Europäischen Politischen Zusammenarbeit (EPZ) und die Fortführung der EPZ als GASP 1969-1993 Gegenstand der Betrachtungen sein. Dabei soll die institutionelle Entwicklung der EPZ zur GASP skizziert und die Standpunkte Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens, als ausgewählte Mitgliedsstaaten, während der Verhandlungen zur Politischen Union erläutert werden. Vorangestellt wird ein kurzer Abriss zu den Anfängen des Integrationsprozesses nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Grundeinstellungen der Mitgliedsstaaten sind teilweise bis heute unverändert und daher nicht nur für die damaligen Bemühungen wichtig, sondern liefern auch das Verständnis für heutige Positionen. In dieser Entwicklung ist immer wieder das zögerliche Ringen um eine umfassende gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik ersichtlich. Es zeigt sich, dass die Defizite und Probleme der EPZ auch mit Maastricht nur unzureichend gelöst wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Integrationsbestrebungen nach dem Zweiten Weltkrieg
3. Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ)
3.1 Luxemburger Bericht
3.2 Kopenhagener Bericht
3.3 Tindeman- Bericht
3.4 Londoner Bericht
3.5 Einheitliche Europäische Akte (EEA)
3.6 Bilanz der EPZ
4. Regierungskonferenzen und Standpunkte zur politischen Union
4.1 Deutschland
4.2 Frankreich
4.3 Großbritannien
5. Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP)
5.1 Ziele
5.2 Probleme
5.3 Bilanz
6. Resümee
Zielsetzung und zentrale Themen
Diese Arbeit analysiert den historischen Entwicklungsprozess der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik im Zeitraum von 1969 bis 1993. Ziel ist es, die institutionellen Etappen von der Europäischen Politischen Zusammenarbeit (EPZ) hin zur Verankerung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) im Vertrag von Maastricht darzustellen und dabei die divergenten sicherheitspolitischen Standpunkte Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens kritisch zu beleuchten.
- Historische Evolution der EPZ und ihrer Gründungsdokumente
- Analyse der nationalen sicherheitspolitischen Interessen der drei Hauptakteure
- Regierungskonferenzen als Prozess der europäischen Integration
- Strukturelle Defizite und operationelle Herausforderungen der GASP
- Verhältnis zwischen europäischer Identität und transatlantischer Bindung
Auszug aus dem Buch
4.1 Deutschland
Die Bundesrepublik Deutschland war und ist ständig im Spannungsfeld zwischen den USA und Frankreich. Einerseits sollten die guten Beziehungen zu den USA nicht gefährdet werden, vor allem galt es die NATO als alleiniges Verteidigungsbündnis zu erhalten. Die Bundesrepublik profitierte letztlich vom amerikanischen atomaren Schutzschild. Dennoch musste die WEU gestärkt werden und eine organisatorische Anbindung an die Union erfolgen, um einen angemessenen Teil zur Stärkung der NATO beizutragen und damit gleichzeitig die europäische Position zu stärken. Die WEU sollte dabei den integralen Bestandteil für die europäische Einigung bilden. Andererseits galt es Frankreich die Angst vor der deutschen Wiedervereinigung zu nehmen, die bisherigen Integrationsbestrebungen mit dessen Hilfe fortzuführen. Deutschland, geographisch im Herzen Europas, bildet damit eine entscheidende Brückenfunktion zu Osteuropa. Die Integrationsbemühungen setzten zunächst auf die Stärkung der bisherigen Institutionen im Rahmen der EG und der NATO.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Grundstein für die Analyse der europäischen Zusammenarbeit und thematisiert das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach einer politischen Einheit und den realpolitischen Herausforderungen der Integration.
2. Integrationsbestrebungen nach dem Zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel skizziert die Anfänge der europäischen Sektorintegration in den 1950er Jahren und erläutert das Scheitern früher Ansätze einer gemeinsamen Verteidigungsgemeinschaft.
3. Europäische Politische Zusammenarbeit (EPZ): Das Kapitel behandelt die Entwicklung der EPZ von ihrer Gründung durch den Luxemburger Bericht bis zur Einheitlichen Europäischen Akte und bewertet die praktischen Erfolge sowie die systemischen Schwächen des Formats.
4. Regierungskonferenzen und Standpunkte zur politischen Union: Hier werden die komplexen Verhandlungen zur Politischen Union sowie die spezifischen, teils gegensätzlichen sicherheitspolitischen Positionen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens vor Maastricht untersucht.
5. Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP): Dieses Kapitel analysiert die institutionelle Implementierung der GASP als zweite Säule der EU, ihre Zielsetzungen sowie die fortbestehenden Probleme bei der operativen Umsetzung in Krisenzeiten.
6. Resümee: Das Resümee bilanziert die Ergebnisse der Maastrichter Verträge kritisch und reflektiert den fortwährenden Prozesscharakter der europäischen Sicherheitsarchitektur angesichts globaler Veränderungen.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, EPZ, GASP, Vertrag von Maastricht, Sicherheitspolitik, Verteidigungsidentität, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, NATO, WEU, Politische Union, Intergouvernementalismus, Außenpolitik, Konfliktprävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Weg Europas zu einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) zwischen 1969 und 1993, wobei der Schwerpunkt auf der institutionellen Entwicklung und den nationalen Standpunkten liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der europäischen Integration, die institutionelle Struktur der EPZ, die Verhandlungen zum Maastrichter Vertrag sowie die sicherheitspolitische Ausrichtung ausgewählter EU-Mitgliedstaaten.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die europäischen Staaten unter dem Druck internationaler Ereignisse zu einer engeren außenpolitischen Kooperation bewegten und welche Kompromisse für die Verankerung der GASP erforderlich waren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Analyse wissenschaftlicher Publikationen, Vertragsanalysen der EPZ und EU-Dokumente sowie die Auswertung historischer Positionierungen der beteiligten Staaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der schrittweise Ausbau der EPZ, die unterschiedlichen nationalen Interessen im Vorfeld von Maastricht und die strukturelle Etablierung der GASP detailliert beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie europäische Integration, GASP, NATO, nationale Interessen und sicherheitspolitische Kooperation geprägt.
Wie bewertet der Autor das Ergebnis von Maastricht in Bezug auf die GASP?
Der Autor stellt fest, dass Maastricht zwar einen wichtigen Schritt darstellte, die Ergebnisse jedoch hinter den ehrgeizigen Erwartungen zurückblieben, da zentrale Probleme wie das Fehlen militärischer Handlungsfähigkeit nicht gelöst wurden.
Welche Rolle spielt die NATO in der Argumentation des Autors?
Die NATO wird als wesentlicher Pfeiler der Sicherheit beschrieben, deren Erhalt für Großbritannien und Deutschland Priorität hatte, was wiederum die europäische Entwicklung der GASP stark beeinflusste.
- Quote paper
- Magister Artium Jens Weis (Author), 2003, Der Weg zur GASP und ihrer Verankerung im Maastrichter Vertrag 1969-1993, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91758