Fürstin Pauline zur Lippe. Muttersein und Regentschaft um 1800


Magisterarbeit, 2013

97 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das ausgehende 18. Jahrhundert
1.1 Die Stellung der Frau um 1800
1.2 Die Erziehung der Mädchen
1.3 Das Ehe- und Familienleben
1.4 Die Kindererziehung

2. Pauline Christine Wilhelmine zur Lippe
2.1 Erziehung zur Regentin
2.2 Die Brautzeit und das Ehelebene
2.3 Pauline als Ehefrau und Mutter
2.3.1 Die Jahre von 1796 bis 1800
2.3.2 Der Tod der Prinzessin Louise Christine Friederike
2.3.3 Die Jahre von 1800 bis 1815

3. Paulines Regentschaft
3.1 Erfolge und Herausforderungen
3.2 Paulines Handlungsmotivationen
3.3 Regentschaftsübergabe an Leopold II

4. Regentinnen im Vergleich
4.1 Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach
4.1.1.1. Anna Amalia als Ehefrau und Mutter
4.1.1.2. Anna Amalias Regentschaft
4.2 Maria Theresia von Österreich
4.2.1 Maria Theresia als Ehefrau und Mutter
4.2.2 Maria Theresias Regentschaft

5. Schlussbetrachtungen

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

„Meine Söhne [...] sind das beste Gut meines Lebens.“ 1 schrieb Fürstin Pauline zur Lippe am 20. November 1809. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits seit sieben Jahren Regentin des Fürstentums Lippe. Zwei Jahre zuvor hat sie Napoleon, Kaiserin Joséphine und weitere einflussreiche Menschen ihrer Zeit getroffen, Paris gesehen und vieles erreicht. Dennoch stellte sie ihre Söhne in den Mittelpunkt ihres Lebens.

Die oben zitierte Aussage ist ein Beweggrund für das Erstellen der vorliegenden Arbeit. Weitere Gründe sind u.a. ihr durchaus widersprüchliches Leben, ihr Mut ihrem Vater zu widersprechen und „Nein“ zu Leopold zu sagen, Napoleon die Zusicherung abzutrotzen die Unabhängigkeit Lippes zu gewährleisten und auch die Erkenntnis, dass Familien Unterstützung in der Kinderbetreuung benötigen. Insgesamt sind ihre Leistungen beeindruckend und bei allen absolutistischen Machtansprüchen überraschend modern und ihrer Zeit voraus oder eher zeitlos.2

Da ihre Taten und ihr Leben zwangsläufig in Bezug zu ihrem Geschlecht gesetzt werden, zieht diese Arbeit die Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach und die Kaiserin Maria Theresia von Österreich zum Vergleich hinzu. Es soll versucht werden, herauszufinden ob Mutterschaft einen Einfluss auf die Regentinnen hatte und wie diese Tatsache zur Geltung kam.

Zunächst wird ein kurzer Einblick in die europäischen Geschehnisse der untersuchten Zeit gegeben, bevor auf die konkrete Situation von Frauen der gehobenen Stände im ausgehenden 18. Jahrhundert eingegangen wird. Dabei wird unterschieden zwischen der Stellung der Frau, der Erziehung der Mädchen, dem Ehe- und Familienleben, sowie der Kindererziehung, die gewöhnlich im Verantwortungsbereich der Mütter lag.

Das zweite Kapitel stellt die Fürstin Pauline zur Lippe in den Vordergrund und orientiert sich dabei an der Gliederung des ersten Kapitels. Nach einem kurzen Einblick in die Kinder- und Jugendjahre wird vor allem auf die Brautzeit eingegangen werden, um anschließend die Ehe des Fürstenpaares näher zu untersuchen. Den Abschluss bilden die Jahre von 1796 bis 1815. In dieser Zeitspanne nimmt die Erziehung der Söhne eine Schlüsselfunktion ein. In den letzten 5 Jahren ihres Lebens nimmt sie ihre Kinder als erwachsen wahr bzw. werden von ihr kaum noch Erziehungsanstrengungen unternommen.

Im dritten Kapitel wird die Regentschaft der Fürstin näher beleuchtet, vor allem unter den Gesichtspunkten ihrer Erfolge und Herausforderungen, ihrer Handlungsmotivationen, sowie ihrer Regentschaftsübergabe an Leopold II.

Das vierte Kapitel stellt die zwei anderen Regentinnen, Herzogin Anna Amalie von Sachsen-Weimar-Eisenach und Kaiserin Maria Theresia von Österreich vor. Die Lebenswege der beiden Frauen, ihr Verhältnis zu ihren Kindern, die Kennzeichen ihrer Regentschaft, sowie ihre Handlungsmotivationen sollen herausgearbeitet werden.

In den Schlussbetrachtungen werden die verschiedenen Leistungen der drei Regentinnen miteinander verglichen und der Bezug zu soziobiologischen und soziophilosophischen Forschungen zum Thema Mutterinstinkt und Mutterliebe hergestellt.

Als Quellen dienen vor allem der Briefwechsel von Fürstin Pauline und ihrem Cousin Herzog Friedrich Christian II.3 und die Reisetagebücher der Fürstin4. Weitere Quellen sind Briefe der Fürstin Pauline an Christine Brand5 und die von Severin Perrig herausgegebenen Briefe der österreichisch kaiserlichen Familie6. Zusätzlich wurden Äußerungen aus der zitierten Literatur verwandt.

Die angesprochenen Themen der vorliegenden Arbeit sind in der Forschung zum Teil intensiv bearbeitet worden, so dass eine Auswahl getroffen werden musste.

Wichtig für das Zeitpanorama waren die Darstellungen von Rudolf Vierhaus7, Werner Schneiders8 und Peter Nitschke9.

Für die Geschichte vom Familien- und Eheleben sind vor allem der Band von Andreas Gestrich, Jens-Uwe Kraus und Michael Mitterauer10 und der Band von Georges Duby und Michelle Perrot11, sowie die Monographie von Heide Wunder12 zu nennen. Die Besonderheiten von Frauen in den gehobenen Ständen waren für den betrachteten Zeitraum nicht direkt aufzufinden, daher wurde versucht einen Spannungsbogen zwischen der Darstellung von Anke Hufschmidt13 und dem Band von Monika Kubrova14 herzustellen. Dieser wurde durch den Band von Birgit Panke-Kochinke15 und den Beitrag von Inge Baxmann16 gestützt.

Im Gegensatz zu den meisten Darstellungen über Maria Theresia die 1980 zum 200. Todestag der Kaiserin erschienen, sind die Monographien über Anna Amalia deutlich aktueller. Heide Schulz17 hat ihre Darstellung 2011, Annette Seemann18 2007 und Leonie Berger19 2006 verfasst.

Die aktuellste und vielfältigste Arbeit über Fürstin Pauline ist ein Begleitband zur Ausstellung aus dem Jahre 2003, herausgegeben von Jutta Prieur20, der für die vorliegende Darstellung von großem Wert war. Als ebenso wichtig ist die ausführliche Biographie der Fürstin von Hans Kiewning21 zu nennen. Auch die Beiträge von Hilde Kraemer22 und Elisabeth Solle23 in den Lippischen Mitteilungen, sowie die Arbeit von Johannes Arndt24 waren von Bedeutung. Als wesentlich für die Besonderheiten und Realitäten der Mutterschaft stellten sich die Darstellungen von Sarah Blaffer Hrdy25 und Elisabeth Badinter26 heraus.

Auffallend ist, dass sich der Trend nach den anfänglich besonders positiven bis verklärenden Darstellungen über Fürstin Pauline27 umzukehren scheint und sie nun besonders kritisch beleuchtet werden soll. So stehen vor allem ihre Wirtschaftpolitik und ihre „Vielregierei“ im Zentrum der Kritik. Darauf wird im Kapitel 3 Paulines Regentschaft näher eingegangen.

Soweit bekannt, wurde ihre Beziehung zu ihren Kindern noch nicht in Bezug zu ihrer Regentschaft gesetzt.

Im folgenden Kapitel werden zunächst die prägendsten Ereignisse in Europa vorgestellt. Anschließend wird die Situation der Frauen um 1800 näher beleuchtet.

1. Das ausgehende 18. Jahrhundert

Pauline wird in eine Zeit geboren, in der sich ältere Widersprüche innerhalb des sozialen Lebens in Europa verschlimmern und den Menschen zunehmen bewusst werden.28

Gut 200 Jahre nach der Reformation erreichte eine neue Geisteshaltung in Europa ihren Höhepunkt. Fragte Martin Luther noch nach der ursprünglichen Verbindung zu Gott, so waren die Aufklärer auf der Suche nach der Wahrheit. Luther formulierte das Priestertum aller Gläubigen, 1784 gipfelte dieser Gedanke in Kants Satz „sapere aude! Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“. Werner Schneiders sieht in der Aufklärung des 18. Jahrhunderts eine geistige und gesellschaftliche Reformbewegung, die sich eine Verbesserung aller Gegebenheiten versprach.29 Für Rudolf Vierhaus ist es

„ein Jahrhundert der intellektuellen Emanzipation und der angehenden Mobilität, der Publizität und der um sich greifenden Diskussion um Staat und Gesellschaft, ja sozusagen der Entdeckung der Gesellschaft.“ 30

Er führt weiter aus, dass „die Ordnung und Gestaltung menschlichen Daseins mehr als zuvor zum Thema der Erkenntnis und zur Aufgabe gesellschaftlichen Handelns gemacht wurde.“ 31 Dennoch war die Gesellschaftsstruktur stabil und im Denken der Menschen fest verankert. Sie lebten in einer Agrargesellschaft in der Landbesitz Herrschaftsstatus verlieh, soziale Mobilität innerhalb der Ständegesellschaft eher ungewöhnlich bzw. nicht erwünscht war und wenn, eher in der Stadt möglich, als auf dem Land. Durch das vermehrte zur Schau stellen der Privilegien wurden die Standesunterschiede stärker wahrgenommen und gleichzeitig die Legitimation dessen, auch durch das aufklärerische Gedankengut, infrage gestellt.32

„Das Ancien Régime geriet in eine Krise, die in den verschiedenen Ländern unterschiedlich stark, mit zeitlichen Verzögerungen, aus unterschiedlichen Bedingungskonstellationen und mit unterschiedlichem Ausgang in Erscheinung trat.“33

In Frankreich kommt es im Juli 1789 zum Sturm auf die Bastille und löst damit die Französische Revolution aus. Die Grundgedanken von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit werden anfangs in Europa schichtenübergreifend frenetisch begrüßt. Es schien, als würde eine neue Zeit anbrechen und tatsächlich jeder nach seiner Fasson glücklich werden können.34 Viele Aufklärer gerieten dadurch allerdings in Konflikte mit ihren revolutionsfeindlichen Regierungen. Als 1792 König Ludwig XVI. gefangengenommen und später hingerichtet wird, distanzieren sich viele Anhänger von der Revolution. Somit bildet die Französische Revolution das Ende der Aufklärung35, „auch wenn viele ihrer Vertreter noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebten und publizierten.“36 In Mainz wurde 1792 die erste Demokratie auf deutschem Boden ausgerufen und ein Jahr später allgemeine Wahlen durchgeführt, bis die Rückeroberung die Alliierten im Juli 1793 die alten Verhältnisse wieder hergestellte. Währenddessen begann in Frankreich die Herrschaft der Jakobiner und mit ihnen die grande terreur. In Europa beherrschten die Koalitionskriege den Alltag, in denen sich Napoleon Bonaparte verdient machte. Die Ungewissheit der Zukunft und die Furcht in direkte Auseinandersetzungen verwickelt zuwerden, spiegelt sich auch in Paulines Briefen wieder. Sechs Jahre später übernahm Bonaparte durch einen Staatsstreich die Macht in Frankreich und krönte sich 1804 zum Kaiser der Franzosen. Durch die wiedereingeführte Erbmonarchie wurden die demokratischen Ideen der Revolution ins Gegenteil verkehrt. Pauline, die ihn verehrte, traf ihn 1807 in Paris und beeindruckte ihn derart, dass er ihr die Unabhängigkeit Lippe garantierte.37

Die Napoleonischen Kriege bestimmten die Lage in Europa bis Napoleon 1814 von der Koalition nach Elba verbannt wurde. Während die Großmächte auf dem Wiener Kongress Europa neu verteilten, kehrte Bonaparte noch einmal für 100 Tage zurück und wurde in Waterloo vernichtend geschlagen. Für Peter Nitschke „ist es eine Epoche, die in Ritualen schwelgt und lebt, in der Menschen mit Etiketten allenthalben ihren sozialen Alltag ordnen und begreifen.“38 Vierhaus betont desweiteren die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, das Nebeneinander von Noch und Schon“39, das im 18. Jahrhundert besonders anzutreffen ist und warnt davor, die Epoche nicht als moderner anzusehen, als sie war.40

1.1 Die Stellung der Frau um 1800

Das vorliegende Kapitel versucht, vor allem die Stellung der bürgerlichen und adligen Frauen um 1800 in den Vordergrund zu stellen. In der Literatur wird diese Zeitspanne oft nur am Rande betrachtet, so dass versucht wurde Tendenzen, die zum Ende der Frühen Neuzeit entstehen und in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt haben, als Spannungsbogen abzubilden.

In dieser Zeit bildet sich allmählich das Idealbild der (vor allem bürgerlichen) Frau heraus. Die Bedeutung der ständischen Zugehörigkeit nimmt ab und die der Geschlechterzugehörigkeit nimmt zu. Dennoch wurden Frauen zu allen Zeiten im Bezug zur Männerwelt beschrieben, als könnten sie nur durch ihren Status als Jungfrau, Ehefrau, geschiedene Frau oder Witwe unterschieden werden. Laut Heide Wunder gab es in der Frühen Neuzeit keine generelle Unterordnung aller Frauen. „Es ging vielmehr darum, [mit dem Mann] gemeinsam soziale Selbständigkeit zu erlangen und zu bewahren, ein Ziel, das weder Mann noch Frau als alleinstehende Personen erreichen konnten.“ 41 Angeregt durch die Aufklärung und deren Auseinandersetzung mit der Natur bzw. dem Naturrecht des Menschen werden erstmals biologische Unterschiede zur Erklärung einer wissenschaftlichen Geschlechtertheorie verwandt. In wissenschaftlichen Abhandlungen wird beschrieben wie die Frau ist bzw. zu sein hat und warum sie nur so sein kann. Nachdem in der Frühaufklärung Tendenzen zu einer Gleichberechtigung der Geschlechter und einer Mündigkeit der Frauen entstehen42, beginnt im 18. Jahrhundert die Idealisierung der kleinbürgerlichen, patriarchalen Familie, „ die real auf der Abhängigkeit von Frau und Kindern vom Mann – als alleinigem Besitzer und Verfüger über das Eigentum – und einer entsprechenden geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung innerhalb der Familie beruht43.

Laut Inge Baxmann leitet Rousseau aus der natürlichen Fähigkeit der Frauen Kinder zu gebären, deren Erziehung als ihre angestammte, natürliche Aufgabe ab. Rousseau betont die Bedeutung dieser Aufgabe, denn Frauen haben dadurch Anteil an der Realisierung der sittlichen Gesellschaft, erziehen sie doch deren zukünftige Bürger. Mütter, und damit alle Frauen als potenzielle Mütter, sind demnach verantwortlich für das moralisch-richtige Verhalten zukünftiger Generationen und haben eine „wichtige gesellschaftsstabilisierende Rolle“44. Wird die Annahme der Gleichheit aller Menschen, wie sie im Zuge der Französischen Revolution zum Schlagwort der Zeit wurde, hinzugenommen, gilt diese Rolle gleich für alle Frauen jeglichen Standes.

Diese noch lange bis ins 20. Jahrhundert hinein nachwirkende Konstruktion gipfelt in der Aussage, dass der Mensch nur dauerhaft glücklich sein kann, wenn er mit seiner Natur in Übereinstimmung lebt. Mutterschaft ist daher nicht nur Pflicht im Sinne einer funktionierenden Gesellschaft, sondern auch die einzige Möglichkeit für Frauen glücklich zu sein. Unabdingbar dazu gehört die monogame Ehe.45 In seiner 1762 erschienen Schrift „Emil“ schildert Rousseau die ideale Gefährtin Sophie recht unscheinbar und eher mittelmäßig und darum besonders geeignet, dem Ehemann zum Wohlgefallen zu sein und die eigene Erfüllung in seiner Karriere, um ein modernes Wort zu wählen, zu finden.46

In diesem Zusammenhang scheint es angebracht auf die (meist männliche) Betrachtungsweise des weiblichen Körpers näher einzugehen. Sara F. Matthews Grieco konstatiert, dass „das soziale Dasein (der Frauen schon immer) sowohl durch die generelle Einstellung zum Körper als auch durch spezifische Definitionen der Geschlechter beherrscht“47 wurde.

Laut Birgit Panke-Kochinke geriet der weibliche Körper im 18. Jahrhundert immer mehr in den Mittelpunkt des Medizin-wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses.48

Die Autorin untersucht Konzeptionen und deren Umsetzung von bürgerlicher Moral u.a. anhand von medizinischen Abhandlungen und stellt fest, dass im 18. Jahrhundert der menschliche Charakter in der Biologie verankert wurde. Dadurch konnte der Betrachter auf den ersten Blick den Wert der gegenüberstehenden Person erkennen, „noch bevor das erste Wort gesprochen ist.“49 Es ließen sich auch Rückschlüsse auf die Bildung ziehen.

„Eine ‚wahrhaft gebildete Frau’ ist dann erkennbar an dem ‚wohlthuenden Gleichmaß aller Bewegungen’, der ‚Quelle der Anmuth’, der ‚Sicherheit des Auftretens und der Haltung’“ 50

Es lassen sich ebenfalls detaillierte Aussagen über das Äußere finden, die in der Ansicht gipfeln: „Das Antlitz des Weibes ist nur schön, wenn der Ausdruck des Geistreichen sich mit der bezaubernden Freundlichkeit paart, die auch Güte, Liebe, Unschuld und Frohsinn entspringt.“ 51

Die beschriebenen bürgerlichen Vorstellungen erreichten erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, also nach dem Tod der Fürstin Pauline, ihren Höhepunkt und sind als normative Zuschreibungen zu verstehen. Trotz dieser Zwänge und Beschränkungen gelang es Frauen immer wieder sich davon freizumachen. Sie wurden zum Teil unterstützt von ihren Vätern, Brüdern oder Ehemännern. Andererseits konnten auch ihre Lebensumstände sie zwingen, unkonventionelle oder nicht gewollte Wege einzuschlagen. Heide Wunder konstatiert, dass die Regentschaft fürstlicher Frauen, die durch den frühen Tod ihres Ehemannes gezwungen waren das Erbe ihres Sohnes bis zu seiner Volljährigkeit zu verwalten, zur Normalität der Frühen Neuzeit gehörte. Diese Tatsache sei wohl von der Forschung viele Jahre nicht dargestellt worden.52

Die Situation der Frauen des deutschen Adels untersucht Anke Hufschmidt.53 Sie stellt Frauen aus dem niederen Landadel aus dem Weserraum zwischen 1570 und 1700 in den Vordergrund. Die Autorin stellt fest, dass:

„Frauen gleichsam weniger adlig (waren) als Männer, denn sie konnten ihren adligen Status nicht auf einen Ehemann übertragen.“ 54 Dennoch war die Stellung adliger Frauen nicht durch Ausschluss von der Öffentlichkeit bestimmt, ihre Tätigkeitsbereiche waren vielfältig, wie im Kapitel über das Eheleben näher ausgeführt wird.55

Laut Monika Kubrova war die Standeszugehörigkeit noch im 19. Jahrhundert der bestimmende Faktor im Adel. Sie stellt fest, dass die adlige Normalbiographie für Frauen vom bürgerlichen Leitbild „Gattin, Hausfrau, Mutter“ abweicht. Die Autorin fasst sie mit „Gattin, Mutter, Herrin, Gesellschaftsdame“ zusammen56, denn adlige Frauen waren nicht auf Häuslichkeit festgelegt. Sie konnten sich als „teilhabende und gestaltende Personen der Adelsgesellschaft wahrnehmen und deuten.“57 Die von ihr untersuchten autobiographischen Quellen ergeben ein Erzählspektrum, dass von „Partizipation durch Familienzugehörigkeit“58 gekennzeichnet ist. Kubrova stellt heraus, dass adlige Familien sowohl die vergangenen, also verstorbenen Familienmitglieder, als auch die Zukünftigen stets in ihr Selbstverständnis mit einbezogen. Oftmals wird das Bild der Gliederkette verwandt, um die Nützlichkeit und Kontinuität jedes Einzelnen für die ganze Familie zu betonen. Die Autorin spricht vom Utilitätsprinzip. Während Männer durch Heldentaten, im Krieg o. ä., das Ansehen der Familie aktiv steigern konnten, war Frauen dies durch die Zeugung des Erben möglich. Aber eben nicht nur dadurch.59 Diese Ansichten spiegeln sich auch in der Erziehung der Töchter wider, wie das nachfolgende Kapitel herausstellen wird.

1.2 Die Erziehung der Mädchen

Anke Hufschmidt stellt fest, dass sich der Adel aufgrund der verbesserten Überlebenschancen der Kinder60 und der dadurch entstehenden Frage nach der Verteilung des Familienvermögens, sowie der zunehmenden Konkurrenz durch das gelehrte Bürgertum um Funktionen in den landesherrlichen Verwaltungen gezwungen sah seine Nachkommen besser auszubilden. Insbesondere der niedere Adel versuchte seine Standesprivilegien abzusichern und auszubauen.61 „Von herausragender Bedeutung für die Statuswahrung war die Entwicklung eines differenzierten Verhaltenskodex‘, der ganz auf die Repräsentation adliger Personen abzielte. Repräsentativer Habitus war sichtbarer Ausdruck und Bestätigung von Macht und sozialem Rang und signalisierte gleichzeitig den Anspruch auf gesellschaftliche Führung und Herrschaft.“ 62

Diese Sichtweise schloss die Mädchen der adligen Familien mit ein. Kubrova betont, dass die Erziehung der Mädchen die besondere Ambivalenz der Stellung der adligen Frauen berücksichtigen musste.

So „[…] waren Frauen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit Beherrschte, aufgrund ihrer Adelszugehörigkeit Herrschende. Erziehung und Sozialisation adliger Mädchen mußten somit nach einem Prinzip erfolgen, das der Doppelstruktur von Unterordnung und Überlegenheit Rechnung trug.“ 63

Dadurch kristallisierten sich folgende Orte der Erziehung heraus: Der Großteil der weiblichen Kinder wurde im Elternhaus unterrichtet und blieb dort bis zur Verheiratung unter der Aufsicht der Mutter. Häufig erhielten die Töchter gemeinsam mit den Söhnen Unterricht, bis diese das Haus zur weiteren Bildung verließen. Auch der temporäre Aufenthalt in einem Kloster oder Stift, sowie der Aufenthalt bei Verwandten war geläufig. Die Mädchen wurden zwischen dem siebten und zwölften Lebensjahr dort aufgenommen.64 Seltener wurden Töchter an Fürstliche Höfe geschickt, um dort die höfischen Sitten zu lehren. Dies geschah meist aufgrund einer angespannten finanziellen Lage des Elternhauses oder in der Hoffnung auf bessere soziale und politische Kontakte.65

Im Vordergrund der Erziehungsbemühungen standen in der Frühen Neuzeit scheinbar das Einhalten von demütigen, keuschen und freundlichen Verhaltensweisen, die in den Anweisungen gipfelten bei Tisch wenig bis nichts zu essen, „denn eine Frau, die bei Tisch viel zu sich nehme, gelte als unfein und grob.“ 66

Monika Kubrova spricht für das 19. Jahrhundert von einer Art „Seins-Optimierung67. Elementarfähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen und Fremdsprachenkenntnisse in Französisch oder Latein galten als Standard. Oftmals wurden die Mädchen ebenso in den musischen Künsten wie Musik und Malerei unterrichtet.68 Wichtig war vor allem, die Mädchen zu befähigen einem Haushalt vorzustehen. Sie mussten lernen mit dem Gesinde umzugehen, Fertigkeiten in den verschiedensten Handarbeiten erwerben69 und die Verarbeitung von Lebensmitteln erlernen70. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts lässt sich ein gesteigerter Bildungsanspruch nachweisen.71 Der Anspruch die Töchter zu befähigen, dass sie eine vorgesehene Stellung einzunehmen in der Lage sind, galt noch im 19. Jahrhundert.72

Martine Sonnet macht in ihrem Aufsatz „Mädchenerziehung“ die ökonomische Notwendigkeit von qualifizierten Arbeitskräften für den Ausbau der Bildungseinrichtungen in der Frühen Neuzeit verantwortlich.73 Zum Ende des 17. Jahrhundert kristallisierte sich der Konsens “Frauen einen gewissen Bildungsgrad zuzugestehen“74 heraus, ohne jedoch die ihnen zugestandene Funktion als Ehefrau und Mutter abzusprechen oder zu schmälern. Im Zuge der Aufklärung wird Bildung zum zentralen Thema, sie galt als „Schlüssel zur Formung eines neuen gesellschaftlichen Wesens, frei von alten Vorurteilen und beseelt von der neuen Vernunft.“75 Wie bereits im Kapitel über die Stellung der Frau angeführt, wurde man sich der Verantwortung der Frauen bei der Erziehung der Kinder und zukünftigen Bürger bewusst.

Im 18. Jahrhundert wurde das Elternhaus als Lernort favorisiert. Unterrichtsinhalte sollten Religion, Tanz, Musik, lebende Sprachen, Literatur, Geschichte und Orthographie sein.76 Die Anschauungen variierten je nach Standpunkt. Wissen sollte demnach für Frauen kein Selbstzweck sein, sondern Männern ihre Gegenwart angenehm machen. Sonnet führt eine Reihe von englischen Frauen an, allen voran Mary Wollstonecraft77, die sich zum Ende des 18. Jahrhunderts gegen „ die Frivolität und Hohlheit konventioneller Stundenpläne“ 78 wehrten. Da eine staatliche Reglementierung noch völlig fehlte, waren die Kinder abhängig von der Einstellung, Motivation und dem Vermögen ihrer Eltern. Dadurch existieren immer wieder Beispiele von Frauen (und auch Männern), die eine herausragende und für ihre Zeit ungewöhnlich umfassende Bildung erhielten.79 Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich die Mädchenbildung nur quantitativ verbessert, immer mehr Mädchen wurde eine elementare Schulbildung zuteil. Dennoch „[…] bestand kaum jemals die Gefahr (welche Schule ein Mädchen auch besucht), daß sie als Gelehrte daraus hervorgehen würde.“ 80 Sie wurden von jeglichem intellektuellen Gedankengut ferngehalten und zu frommen Übungen und Handarbeiten angehalten. Wie sehr diese Gedanken verbreitet waren, zeigt eine Briefstelle, in der Pauline sich sehr wundert, dass sie ein Schreiben von einem ihr Unbekannten erhalten habe, dass die Lektüre von Kant nicht gut für sie wäre und sie dieselbe tunlichst meiden sollte. Man hört förmlich ihre Empörung über diese Einmischung in ihre Entscheidungen. „Ein Unbekannter, nahmens [sic] Melzer aus Berlin, hat, ohne mir dazu zu schreiben, eine Broschure [sic] unter den Titel Aristaeus und Philoletes gesendet, deren Endzweck es ist, die Gefahr der Kantischen Philosophie für Frauenzimmer und Ungelehrte zu zeigen. Es ist elendes, unverdautes Gewäsch, und mir unbegreiflich, wie der Verfasser, der mir ganz fremd ist, dem ich es wahrscheinlich auch bin, dazu kömmt, mir dies zu senden.“ 81

1.3 Das Ehe- und Familienleben

Seit dem Spätmittelalter setzte sich die Bedeutung des Konsenses der Ehepartner durch. Von den Reformatoren wurden diese Tendenzen erkannt und z.T. radikalisiert - wie zum Beispiel die Ablehnung des Ehesakraments. Im Zuge der Aufklärung setzten sich Gedanken und Konstruktionen zum Thema „Liebe“ durch. Einer Liebe allerdings, aus der alles Leidenschaftliche und Sinnliche herausgelöst war. Geschlechtlichkeit war lediglich als Mittel zum Zweck der Fortpflanzung akzeptiert. „Ein erfülltes Leben […] gründet sich geradezu auf der Begrenzung sexueller Lust.“82 Panke-Kochinke vergleicht verschiedene philosophische Anschauungen über Ehe und Liebe und stellt sie in einen Zusammenhang mit öffentlich geführten Auseinandersetzungen zwischen Politikern, Theologen und Juristen u.a. über die Form der Eheschließung, Ehescheidung, etc.. Es ergibt sich eine Diskrepanz zwischen der „Fassade eines öffentlich propagierten Eheideals und einer ebenso öffentlich geführten Diskussion über angemessene Eheformen[…].“83 Monika Kubrova spricht in diesem Zusammenhang vom Ideal der Harmonie in der Hierarchie, in dem ein Übereinkommen der Ehepartner eine ausgewogene Wechselbeziehung von Unterordnung und (Selbst-)Verantwortung Freiräume erschloss und ermöglichte.84

Die Bandbreite der Variationen wird groß gewesen sein, auch im Adel. Dies belegen sowohl die zahlreichen Scheidungen, auch im Umfeld von Fürstin Pauline, als auch die glückliche Ehe von Herzog Friedrich Christian II. und seiner Frau oder auch Paulines eigene Ehe.

Anke Hufschmidt arbeitet heraus, dass das Eheleben des Adels durch verschiedene Faktoren vorstrukturiert war. Sowohl das Heiratsalter, als auch der Altersunterschied, die Art ihres Kennenlernens und der jeweilige soziale Status wirkten sich auf das gemeinsame Leben aus.

Das Ehealter der Bräute bei Erstehen in der Frühen Neuzeit orientierte sich an zwei Gegebenheiten. Zum einen ist der Beginn der Geschlechtsreife mit ungefähr 20 Jahren zu nennen und zum anderen erreichten Frauen im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen mit dem 25. Lebensjahr eine gewisse Mündigkeit; sie durften ab diesem Zeitpunkt selbständig eine Ehe eingehen.85 Es ist zu vermuten, dass die Töchter des Adels bewusst vor diesem Zeitpunkt verheiratet wurden, da das Durchschnittsalter zwischen 23 und 24 Jahren lag.86

Adlige Männer heirateten rund 10 Jahre später, aufgrund des Generationenwechsels – es war üblich erst nach dem Tod des Vaters zu heiraten und das Erbe anzutreten. Somit ergab sich oft ein Entwicklungsgefälle in der Persönlichkeit zwischen den Ehepartnern. Hufschmidt hebt die noch formbare Persönlichkeit der Bräute hervor.87 Generell sollten die Heiratskandidaten folgende „Eigenschaften“ aufweisen, die verschieden gewichtet wurden: „adlige Geburt, ökonomische Fähigkeiten, d.h. für Frauen Kenntnisse in der Haushaltsführung, Reichtum sowie verwandtschaftliche, soziale und politische Beziehungen, Gesundheit, ein passenden Alter und gutes Aussehen.“88 Im Adel hatte sich die Anfertigung eines Ehevertrages durchgesetzt. Es fällt auf, dass vielfach testamentarische Verfügungen vorweggenommen wurden. So wurde u.a. die Versorgung der Ehefrau im Falle des vorzeitigen Ablebens des Ehemanns sichergestellt oder Vormundschaftsregelungen für die, zu erwartenden, Kinder getroffen.89

Mit der Hochzeit wurde aus der Braut die Hausmutter, sie stand dem Hausvater bei seinen Aufgaben bei. Die Erwartungen an die Hausmutter waren ständeübergreifend gleich. Es wurden neben anderen Tugenden vor allem Keuschheit, Treue, Sanftmut und Frömmigkeit erwartet. Sie sollten zudem fruchtbar und physisch stark genug sein, um ihren Pflichten nachzukommen.90 Konkret konnten dies, neben der Beaufsichtigung des Gesindes und ganz allgemein dem wirtschaftlichen und organisatorischen Verwalten des Haushaltes, Buttern, die Flachsverarbeitung, das Bleichen des Leinens, die Bewirtschaftung des Kräutergartens und auch Spinnen sein.91

Anke Hufschmidt arbeitet weiterhin heraus, dass adlige Ehefrauen aktiv an der Repräsentation und Erinnerungskultur der Familie mitwirkten. Sie führten vielfach die Familienstammbücher in denen Geburts-, Heirats- und Todesdaten eingetragen wurden. Sie pflegten zudem den Kontakt zu den Familien und Freunden. Desweiteren waren sie Auftraggeberinnen für Epitaphien, Leichenpredigten oder Familienporträts.92 Auch durch ihre Wohltätigkeitsarbeit, Krankenpflege und im Umgang mit den abgabepflichtigen Bauern wirkten sie am Ansehen der Familie mit.93

Die wichtigste Aufgabe lag allerdings in der Zeugung von Nachkommen zur Sicherung der „Kontinuität in der Geschlechterfolge“94 und um „das zeitübergreifende Ahnengedächtnis“95 zu gewährleisten. Vielfach folgte eine Schwangerschaft in Abständen von ein bis zwei Jahren auf die andere. Somit waren Kinderzahlen im zweistelligen Bereich keine Seltenheit. Die Forschung geht davon aus, dass dies durch den Einsatz von Ammen, mehr oder minder bewusst, hervorgerufen wurde. Die teilweise empfängnisverhütende Wirkung des Stillen war bereits in der Frühen Neuzeit bekannt.96

Die vielen Schwangerschaften und Geburten schwächten die Frauen, der Tod im Kindbett gehörte zum Alltag. Wie bewusst den Frauen diese Gefahren waren, davon zeugen Testamente, die Frauen kurz vor der Niederkunft verfassten.97 Auch Fürstin Pauline hat in dieser Situation einen solchen Brief an ihren Ehemann geschrieben, auf den später näher eingegangen wird.

Die Forschung versucht anhand des Wiederverheiratungsverhaltens im Todesfall des Ehepartners Rückschlüsse auf die emotionale Verbundenheit der Paare zu ziehen. Grundsätzlich heirateten Männer meist wieder und suchten sich jüngere Partnerinnen aus, die noch gebärfähig waren. Für Frauen gab es viele Gründe, die gegen eine weitere Ehe sprachen. Zwar galt das Witwentum in der Frühen Neuzeit als elend und einsam, dennoch waren Witwen rechtlich selbständiger als Ehefrauen, laut Hufschmidt wurden sie oftmals als Vormund für die gemeinsamen Kinder eingesetzt. Vor allem adlige Witwen waren meist versorgt und konnten auf dem Familiensitz des Ehemannes wohnen bleiben. Witwen, die erneut heirateten, mussten ihre Kinder aus erster Ehe zurücklassen und verloren auch die Vormundschaft. Da Männer meist jüngere Frauen bevorzugten und Frauen seltener im gebärfähigen Alter Witwen wurden, ergibt sich daraus ein Missverhältnis. Laut Hufschmidt heirateten Frauen vor allem dann erneut, wenn ihr Auskommen nicht gesichert war.98 Es lässt sich nicht eindeutig nachweisen, aber für Fürstin Pauline war eine zweite Ehe keine Option, da davon ausgegangen werden kann, dass sie das Erbe ihrer Kinder eigenhändig sichern wollte. Als Indizien können ihr Engagement um die Unabhängigkeit der Grafschaft und ihre „Vielregiererei“ gelten.99

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich ein Wertewandel vollzogen hat. Die romantische Idee der Liebe lässt die Geschlechterdifferenzen polarisieren und neue Tugenden wie Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein werden wichtig.100 Desweiteren ist darauf hingewiesen worden, dass adlige (Ehe-)Frauen in vielfältigen Bereichen selbständig tätig und keineswegs von der Öffentlichkeit ausgeschlossen waren. Welcher Art diese Tätigkeiten waren, hing stark von der gesellschaftlichen Position der Familie(n) ab. Die persönlichen Freiheiten einer Frau konnten sich im Falle einer vorzeitigen Witwenschaft sogar noch vergrößern, wenn das Auskommen gesichert war. Dennoch ist festzuhalten, dass der Lebensweg von Frauen vorgezeichnet war und ohne (Ehe-)Mann nicht den Konventionen entsprach. Die Forschung spricht von der „natürlichen Bahn“101. Im Hinblick auf das Ziel der vorliegenden Arbeit wurden Frauen, die ihr Leben der Pflege von Verwandten widmeten oder in ein Kloster, Konvent o.ä. eintraten, nicht berücksichtigt.

Im anschließenden Kapitel wird auf die Besonderheiten der Kindererziehung und damit deren Bedeutung für ein Frauenleben eingegangen.

1.4 Die Kindererziehung

Im 16. und 17. Jahrhundert war es das Hauptziel Kinder zu frommen Christen zu erziehen. Darüber hinaus waren Tugenden wie Demut, Keuschheit, Nüchternheit und Mäßigkeit erwünscht. Anke Hufschmidt führt an dieser Stelle die Vorbildfunktion des Adels als Motivation an.102 Mit der Aufklärung wandelten sich diese Ziele. Zum Teil wurden Tugenden umbenannt oder in einem anderen Licht betrachtet. So sind Keuschheit und Mäßigkeit nicht weit von der von Rousseau geforderten Sittlichkeit entfernt. Frömmigkeit wurde von den Aufklärern weiterhin akzeptiert, Aberglaube jedoch strengstens verurteilt. Monika Kubrova bringt es mit dem Schlagwort von einem „geraden Charakter“ auf den Punkt.

„Ein ‚gerader Charakter‘ kennt keine Zweifel, bezieht daraus seine Verhaltenssicherheit gegenüber Gleichgestellten und richtet seine Überlegenheit auf andere: ‚krumm‘ sind immer die Untergebenen.“ 103

Im 19. Jahrhundert sind vor allem Eigenschaften wie Mut, Entschlossenheit und Aufrichtigkeit die grundlegenden Ziele der Charakterbildung im Adel. Erreicht wird dies durch einen autoritären Stil, der die „wiederkehrende Tugend der Selbstbeherrschung oder Selbstdisziplin“104 befördern sollte. Mittel dazu waren u.a. Übungen im Umgang mit Jagdhunden und Pferden, ebenso wie Besuche des Theaters und Balletts zur Ausbildung des „guten Geschmacks“ und „wahrer Grazie“.105 Das Brechen des kindlichen Willens und die bedingungslose Unterordnung unter den Willen der Eltern blieb bis weit ins 20. Jahrhundert nicht nur normative Zuschreibung, sondern oft auch Realität.106 Dennoch waren viele Eltern-Kind-Beziehungen von Zuwendung und Fürsorge geprägt. Gestrich spricht in diesem Zusammenhang von einem „ eher weiche(n) Umgang mit den Kindern“107 in der Erziehungspraxis.

In der Forschung werden verschiedene Faktoren für die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein auftretende hohe Kindersterblichkeit angeführt. Neben den schlechten hygienischen Bedingungen, dem (geringen) Wissenstand der Medizin und der unsicheren Versorgungslage durch Missernten u.ä., gelten das weit verbreiteten Ammenwesen, das Aussetzen der Kinder, sowie eine z.T. bewusste Vernachlässigung als Gründe für die hohe Mortalitätsrate. Vor allem die letztgenannten Faktoren werden als postnatale Geburtenkontrolle in der Forschung diskutiert.108 Laut Gestrich ist die emotionale Ambivalenz der Eltern109 der entscheidende Faktor für die genannten Verhaltensweisen. Vor allem in den Unterschichten sind ambivalente Gefühle nachzuweisen, bedingt durch die schwierigen Lebensbedingungen. Es ist immer schwierig persönliche Bindungen und Emotionen zu rekonstruieren. Hauptsächlich dienen Briefe oder auch Tagebuch(ähnliche) Aufzeichnungen als Quellen. Die neuere Forschung geht davon aus, dass es durchaus von Beginn an emotionale Bindungen trotz der hohen Ammenquote und der Kindersterblichkeit gegeben hat. Die o. g. Quellen sind jedoch lediglich Momentaufnahmen und zeigen nicht immer was in der betroffenen Person wirklich vorgegangen ist. So führt Hufschmidt als Beispiel für emotionale Zurückhaltung die Reaktion einer Mutter, deren Sohn im Krieg gefallen ist, an. Solche Situationen sind nur bedingt eindeutig, da es keinerlei Aussagen zum Verhältnis zwischen Mutter und Sohn oder auch zwischen Mutter und der Briefadressatin gibt. Es kann nicht nachvollzogen werden, warum die Mutter so und nicht anders reagiert hat.110

Wie bereits erwähnt, wurde der weibliche Körper um 1800 für die Medizin interessant und somit auch alle Vorgänge rund um die Fortpflanzung. „Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert wurde ausgehend von den bürgerlichen Kreisen in Europa das Stillen zum eigentlichen Prüfstein für Mütterlichkeit.“ 111

In den letzten zwei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erschienen zahlreiche Schriften, die sich mit der Bedeutung des Stillens auseinandersetzten und sich in vielen Einzelheiten widersprachen. Wurde zunächst ein Stillen nach Bedarf propagiert, galten später feste Stillzeiten und –pausen als optimal. Auch die gesamte Stilldauer, über die der Mann entscheiden durfte, variierte und wurde immer mehr verkürzt, was sicherlich auch mit dem Wandel in der Nahrungsversorgung zusammenhängt. Dennoch ist ein Zusammenhang zwischen der Stillkampagne, durch die eine vermehrte Bereitschaft der Frauen ihre Kinder selbst zu stillen erreicht wurde, und der Verringerung der Kindersterblichkeit zu erkennen.112

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass mehr und mehr Bereiche der Kindererziehung im Sinne eines wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses pädagogisiert wurden. Dies ist ein Vorgehen welches noch heute anzutreffen ist und bei dem sich die Frage stellt, wessen Wohl im Vordergrund steht: das des Kindes, das der Eltern oder das Wohl der Wissenschaft und/ oder der Gesellschaft.

Wie im nachfolgenden Kapitel ersichtlich wird, hat sich Fürstin Pauline zur Lippe ebenfalls für pädagogische Schriften interessiert.

[...]


1 Pauline an Friedrich Christian am 20.11.1809. In: Rachel, Paul (Hrsg.): Briefe aus den Jahren 1790 – 1812. Fürstin Pauline zur Lippe und Herzog Friedrich Christian von Augustenburg. Leipzig 1903, Brief-Nr. 66, S. 237.

2 Auch heute wird über Kinderbetreuung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Politik viel gesprochen. Ebenso über den Umgang mit sozial weniger privilegierten Schichten.

3 Rachel, Paul (Hrsg.): Briefe aus den Jahren 1790 – 1812. Fürstin Pauline zur Lippe und Herzog Friedrich Christian von Augustenburg. Leipzig 1903.

4 Niebuhr, Hermann (Hrsg.): Eine Fürstin unterwegs : Reisetagebücher der Fürstin Pauline zur Lippe 1799 – 1818. Detmold 1990.

5 Böving, Cornelia; Dörner, Jana; John, Ramona; Kanning, Julia; Mischer, Karoline; Prieur, Jutta: Haar-Kunst in Briefen. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Bd. 76. Detmold 2007, S. 255 - 283.

6 Perrig, Severin (Hrsg.): „Aus mütterlicher Wohlmeinung“ Kaiserin Maria Theresia und ihre Kinder. Eine Korrespondenz. Weimar 1999.

7 Vierhaus, Rudolf: Kultur und Gesellschaft im achtzehnten Jahrhundert. In: Fabian, Bernhard; Schmidt-Biggemann, Wilhelm (Hrsg.): Das achtzehnte Jahrhundert als Epoche. Studien zum achtzehnten Jahrhundert. Deutsche Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts, Bd. 1. Nendeln 1978, S. 71-86.

8 Schneiders, Werner: Das Zeitalter der Aufklärung (=C.H. BECK WISSEN Beck'sche Reihe) München 1997.

9 Nitschke, Peter: Einführung in die Kulturwissenschaften der Moderne. In: Nitschke, Peter (Hrsg.): Kulturwissenschaften der Moderne. Band 1: Das 18. Jahrhundert. Frankfurt/Main u.a. 2010, S. 8 - 20.

10 Gestrich, Andreas; Kraus, Jens-Uwe; Mitterauer, Michael: Geschichte der Familie (=Europäische Kulturgeschichte, Bd. 1), Stuttgart 2003.

11 Duby, Georges; Perrot, Michelle (Hrsg.): Geschichte der Frauen. Bd. 3 Frühe Neuzeit. Frankfurt/ Main, New York 1994.

12 Wunder, Heide: „Er ist der Sonn’, sie ist der Mond“. Frauen in der Frühen Neuzeit. München 1992.

13 Hufschmidt, Anke: Adlige Frauen im Weserraum zwischen 1570 und 1700. Status – Rollen – Lebenspraxis (=Geschichtliche Arbeiten zur Westfälischen Landesforschung. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gruppe, Bd. 15), Münster 2001.

14 Kubrova, Monika: Vom guten Leben. Adlige Frauen im 19. Jahrhundert. In: Reif, Heinz: Elitenwandel in der Moderne. Bd. 12, Berlin 2011.

15 Panke-Kochinke, Birgit: Die anständige Frau. Konzeption und Umsetzung bürgerlicher Moral im 18. und 19. Jahrhundert (=Frauen in Geschichte und Gesellschaft, Bd. 31), Pfaffenweiler 1991.

16 Baxmann, Inge: Von der Egalité im Salon zur Citoyenne – Einige Aspekte der Genese des bürgerlichen Frauenbildes. In: Kuhn, Annette; Rüsen, Jörn (Hrsg.): Frauen in der Geschichte III. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Beiträge zur Geschichte der Weiblichkeit vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart mit geeigneten Materialien für den Unterricht. Düsseldorf 1983, S. 109 - 137.

17 Schulz, Heide: Weimars schönster Stern. Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach. Quellentexte zum Entstehen einer Ikone. Unter Mitarbeit von Heinrich Fliedner, Heidi Albonesi und Brigitte Helbig. Heidelberg 2011.

18 Seemann, Annette: Anna Amalia. Herzogin von Weimar. Mit zahlreichen Abbildungen, Fotos von Constantin Beyer. Frankfurt/Main und Leipzig 2007.

19 Berger, Leonie und Joachim: Anna Amalia von Weimar. Eine Biographie. München 2006.

20 Prieur, Jutta (Hrsg.): Frauenzimmer. Regentin. Reformerin. Fürstin Pauline zur Lippe 1802-1820. Detmold 2003.

21 Kiewning, Hans: Fürstin Pauline zur Lippe 1769-1820. Detmold 1930.

22 Kraemer, Hilde: Die Handbibliothek der Fürstin Pauline zur Lippe. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Bd. 38, Detmold 1969, S. 17-100.

23 Solle, Elisabeth: Glaube und soziales Handeln der Fürstin Pauline zur Lippe (1769-1820). In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Bd. 38, Detmold 1969, S. 101-150.

24 Arndt, Johannes: Das Fürstentum Lippe im Zeitalter der Französischen Revolution 1770-1820. Münster, New York 1992.

25 Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Aus dem Amerikanischen von Andreas Paul, Ellen Vogel, Karin Hasselblatt, Matthias Reiss und Monika Schmalz, Berlin 2002.

26 Badinter, Elisabeth: Die Mutterliebe. Geschichte eines Gefühls vom 17. Jahrhundert bis heute. 2. Auflage, München, Zürich 1982.

27 Hierbei sei u.a. an die Biographie von Elise Polko gedacht. Vgl. Polko , Elise: Eine deutsche Fürstin. Pauline zur Lippe. Versuch eines Lebensbildes aus Notizen, Briefen und Tagebuchblättern zusammengestellt. Leipzig 1870.

28 Vgl. Vierhaus, Rudolf: Kultur und Gesellschaft im achtzehnten Jahrhundert. In: Fabian, Bernhard; Schmidt-Biggemann, Wilhelm (Hrsg.): Das achtzehnte Jahrhundert als Epoche. Studien zum achtzehnten Jahrhundert. Deutsche Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts, Bd. 1. Nendeln 1978, S. 78.

29 Vgl. Schneiders, Werner: Das Zeitalter der Aufklärung. (=Beck´sche Reihe). München 1997, S. 11.

30 Vierhaus: Kultur und Gesellschaft im achtzehnten Jahrhundert, S. 74.

31 Ebd., S. 74.

32 Vgl. Ebd., S. 78.

33 Vierhaus: Kultur und Gesellschaft im achtzehnten Jahrhundert, S. 78.

34 Dieser Satz stammt von Friedrich II. von Preußen (1712-1786), der als einer der Vertreter des aufgeklärten Absolutismus gilt. Er schrieb am 22.Juni 1740 an den Rand einer Akte „Die Religionen müssen toleriert werden [...] denn hier muss jeder nach seiner Fasson selig werden.“ Vgl. Leithold, Norbert: Friedrich II. von Preußen. Ein kulturgeschichtliches und bebildertes Panorama von A bis Z. Frankfurt/Main 2011, S. 11.

35 Schneiders behält sich verschiedene „konkrete“ Daten vor; er schlägt sowohl den Beginn der Revolution 1789, als auch die Terrorherrschaft der Jakobiner 1793 oder auch die Beendigung der Revolution durch Napoleon 1799 vor. Vgl. Schneiders: Das Zeitalter der Aufklärung, S. 18.

36 Schneiders: Das Zeitalter der Aufklärung, S. 18.

37 Im Gegensatz zum Preußischen Königspaar, mit dem er nur über Mode plaudert und somit seine Geringschätzung zum Ausdruck bringt. Vgl. Hedinger, Bärbel: Louise – die Kleider der Königin. Mode, Schmuck und Accessoires am Preußischen Hof um 1800. München 2010, S. 9.

38 Nitsche, Peter: Einführung in die Kulturwissenschaften der Moderne. In: Nitschke, Peter (Hrsg.): Kulturwissenschaften der Moderne. Band 1: Das 18. Jahrhundert. Frankfurt/Main u.a. 2010, S. 8.

39 Vierhaus: Kultur und Gesellschaft im achtzehnten Jahrhundert, S. 76.

40 Vgl. Ebd., S. 76.

41 Wunder, Heide: „Er ist der Sonn’, sie ist der Mond“. Frauen in der Frühen Neuzeit. München 1992, S. 265.

42 Vgl. van Dülmen, Andrea (Hrsg.): Frauenleben im 18. Jahrhundert. München 1992, S. 21.

43 Baxmann, Inge: Von der Egalité im Salon zur Citoyenne – Einige Aspekte der Genese des bürgerlichen Frauenbildes. In: Kuhn, Annette; Rüsen, Jörn (Hrsg.): Frauen in der Geschichte III. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Beiträge zur Geschichte der Weiblichkeit vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart mit geeigneten Materialien für den Unterricht. Düsseldorf 1983, S. 125.

44 Baxmann, Inge: Von der Egalité im Salon zur Citoyenne, S. 125.

45 Vgl. Ebd., S. 126.

46 Vgl. Rousseau, Jean-Jacques: Emil oder Über die Erziehung. Vollständige Ausgabe in neuer deutscher Fassung besorgt von Ludwig Schmidts. 11. Auflage, Paderborn u.a. 1993, S. 448.

47 Matthews Grieco, Sara F.: Körper, äußere Erscheinung und Sexualität. In: Duby, Georges; Perrot, Michelle (Hrsg.): Geschichte der Frauen. Bd. 3 Frühe Neuzeit. Frankfurt/ Main, New York 1994, S. 61f.

48 Panke-Kochinke, Birgit: Die anständige Frau. Konzeption und Umsetzung bürgerlicher Moral im 18. und 19. Jahrhundert (=Frauen in Geschichte und Gesellschaft, Bd. 31), Pfaffenweiler 1991, S. 20f.

49 Ebd., S. 61.

50 Panke-Kochinke: Die anständige Frau, S. 61.

51 Ebd., S. 62.

52 Vgl. Wunder: „Er ist der Sonn’, sie ist der Mond“, S. 262.

53 Vgl. Hufschmidt, Anke: Adlige Frauen im Weserraum zwischen 1570 und 1700. Status – Rollen – Lebenspraxis (=Geschichtliche Arbeiten zur Westfälischen Landesforschung. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gruppe, Bd. 15), Münster 2001.

54 Ebd., S. 24.

55 Vgl. Ebd., S. 27.

56 Vgl. Kubrova, Monika: Vom guten Leben. Adlige Frauen im 19. Jahrhundert. In: Reif, Heinz: Elitenwandel in der Moderne. Bd. 12, Berlin 2011, S. 98.

57 Ebd., S. 100.

58 Ebd., S. 100.

59 Ebd., S. 101-104.

60 Vgl. Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 20f.

61 Vgl. Ebd., S. 19-21.

62 Ebd., S. 22.

63 Kubrova: Vom guten Leben, S. 108f.

64 Vgl. Ebd., S. 65f. & 68.

65 Vgl. Kubrova: Vom guten Leben, S. 74f.

66 Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 86.

67 Kubrova: Vom guten Leben, S. 109.

68 Vgl. Gestrich: Neuzeit, S. 589.

69 Vgl. Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 111.

70 Vgl. Ebd., S. 113.

71 Vgl. Ebd., S. 98.

72 Vgl. Kubrova: Vom guten Leben, S. 109.

73 Vgl. Sonnet, Martine: Mädchenerziehung. In: Duby, Georges; Perrot, Michelle (Hrsg.): Geschichte der Frauen. Bd. 3 Frühe Neuzeit. Frankfurt/ Main, New York 1994, S.119.

74 Ebd., S. 124.

75 Ebd., S. 125.

76 Vgl. . Sonnet, Martine: Mädchenerziehung, S. 127.

77 Mary Wollstonecraft (1759-1797) war eine englische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Sie arbeitete in London für den radikaldemokratischen Verleger Joseph Johnson und plädierte für eine weibliche Erziehung im Sinne der Aufklärung. Sie berichtete von 1792-1795 aus Frankreich über die Vorgänge der Revolution. Als sie nach Großbritannien zurückkehrte, heiratete sie William Godwin. Sie starb kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Ihr Ehemann gab posthum ihre schriftstellerischen Arbeiten heraus. Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden, 19. völlig neu bearbeitete Auflage, Bd. 8 FRU-GOS, Mannheim 1989, S. 627, linke Spalte.

78 Sonnet: Mädchenerziehung, S. 128.

79 Sonnet nennt als Beispiele: Madame de Chastenay, Manon Phlipon, sowie die Schwestern und die Cousine des Baron de Frénilly. Vgl. Sonnet: Mädchenerziehung, S. 130f.

80 Sonnet: Mädchenerziehung, S. 141.

81 Pauline an Friedrich Christian am 26. May 1791. In: Rachel, Paul (Hrsg.): Briefe aus den Jahren 1790 – 1812. Fürstin Pauline zur Lippe und Herzog Friedrich Christian von Augustenburg. Leipzig 1903, Brief-Nr. 16, S. 163.

82 Panke-Kochinke: Die anständige Frau, S. 13.

83 Ebd., S. 98.

84 Vgl. Kubrova: Vom guten Leben, S. 137.

85 Vgl. Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 119f.

86 In den von der Autorin untersuchten Familien liegt das Durchschnittsalter der Töchter von der Familie von Münchhausen zwischen 1550 und 1724 bei 24,2 Jahren und das der eingeheirateten Schwiegertöchter im selben Zeitraum bei 22,8 Jahren. Vgl. Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 122.

87 Vgl. Ebd., S. 129.

88 Ebd., S. 136.

89 Vgl. Ebd., S. 178f.

90 Vgl. Ebd., S. 188f.

91 Vgl. Ebd., S. 193.

92 Vgl. Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 214f.

93 Vgl. Ebd., S. 208f.

94 Ebd., S. 232.

95 Ebd., S. 232.

96 Vgl. Ebd., S. 233.

97 Vgl. Ebd., S. 235.

98 Vgl. Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 255-261.

99 Vgl. Arand, Tobias: „Unsere Fürstin hat vielen geholfen!“ Paulines Leben und ihr Regentschaft. In: Prieur, Jutta (Hrsg.): Frauenzimmer. Regentin. Reformerin. Fürstin Pauline zur Lippe 1802-1820. Detmold 2003, S. 16 & 23.

100 Vgl. Kubrova: Vom guten Leben, S. 134.

101 Ebd., S. 123.

102 Vgl. Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 242.

103 Kubrova: Vom guten Leben, S. 110.

104 Ebd., S. 111.

105 Vgl. Ebd., S. 111f.

106 Vgl. Gestrich: Neuzeit, S. 586 & 597. Die teilweise grausamen Erziehungsmethoden im europäischen Hochadel sind bekannt. Gestrich führt als Beispiel die Kindheit König Ludwig XIII. an. Vgl. Gestrich: Neuzeit, S. 586.

107 Gestrich: Neuzeit, S. 585.

108 Vgl. Gestrich: Neuzeit, S. 571-579.

109 Gestrich verweist auf verschiedene Hinweise für elterliche Zuwendung und Liebe in der Frühen Neuzeit in allen Schichten. Vgl. Gestrich: Neuzeit, S. 569f. & 576.

110 Vgl. Hufschmidt: Adlige Frauen, S. 249.

111 Ebd., S. 580.

112 Vgl. Gestrich: Neuzeit, S. 574.

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Fürstin Pauline zur Lippe. Muttersein und Regentschaft um 1800
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät für Geisteswissenschaften, Departements für Philosophie und Geschichtswissenschaft)
Note
1,1
Autor
Jahr
2013
Seiten
97
Katalognummer
V917634
ISBN (eBook)
9783346235923
ISBN (Buch)
9783346235930
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mutterschaft, Regentschaft, Eheleben, Frauengeschichte, Frühe Neuzeit, 1800, Anna Amalia, Maria Theresia, Napoleon, Familienleben, Kinderziehung, Mädchenbildung, Pauline zur Lippe, 18. Jahrhundert, Frauenbildung, Erziehung zur Regentin, Regentin, Muttersein, Witwe
Arbeit zitieren
Magister Sandra Rehle (Autor), 2013, Fürstin Pauline zur Lippe. Muttersein und Regentschaft um 1800, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/917634

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