Untersuchungen zur Entwicklung der kommunikativen Kompetenz in der Berufsbildung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

31 Seiten


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung des Begriffs „Kommunikative Kompetenz“
2.1 Bedeutung des Begriffs „Kommunikation“
2.2 Kommunikative Kompetenz
2.3 Neue Anforderungen an die Kommunikative Kompetenz und daraus abgeleitete Konsequenzen für die berufliche Bildung

3. Untersuchungen zur Entwicklung der Kommunikativen Kompetenz in der Berufsbildung
3.1 Die Studie von Fleuchaus (2004)
3.1.1 Befunde in Form empirischer Ergebnisse
3.1.2 Konsequenzen aus der Untersuchung
3.2 Die Studie von van Buer/Matthäus (2001)

4.Förderung der Kommunikativen Kompetenz in ihre Ganzheitlichkeit

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kommunikative Kompetenz fällt in den Bereich der Handlungskompetenz, die heute als Leitziel der Berufsbildung gilt: „Jeder Bildungsgang muss die über das spezielle Ausbildungsinteresse hinausreichende menschliche Entwicklung des Jugendlichen sichern. Dafür sind integrierte Lernprozesse erforderlich, die mit der Fachkompetenz zugleich humane und gesellschaftlich - politische Kompetenz vermitteln“ (Deutscher Bildungsrat 1974, S.49).

Die folgende Abbildung zeigt, aus welchen Teilkompetenzen sich die Handlungs-kompetenz zusammensetzt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Handlungskompetenz[W1]

Aus dieser Darstellung wird ersichtlich, dass die Kommunikative Kompetenz keiner anderen Teilkompetenz unterzuordnen ist. Sie ist vielmehr eine Basisqualifikation, mithilfe derer die anderen Kompetenzen sinnvoll ausgeprägt und über die Sprache sowohl in das Bewusstsein als auch in reale Situationen überführt werden können.

In der vorliegenden Hausarbeit geht es in der Hauptsache um die Kommunikative Kompetenz. In einem ersten Schritt soll erläutert werden, warum die Kommunikative Kompetenz in der beruflichen Bildung gefördert werden muss. Danach sollen Studien über die Entwicklung der Kommunikativen Kompetenz im Rahmen der Berufsbildung vorgestellt werden. Dabei soll die Kommunikative Kompetenz und Methoden zu ihrer Förderung näher beleuchtet werden. Eine Zusammenfassung der gewonnenen Ergebnisse schließt die Arbeit ab.

2. Bedeutung des Begriffs „Kommunikative Kompetenz“

Um den Bogen zum Begriff der „Kommunikativen Kompetenz“ schlagen zu können, soll zunächst auf den Begriff der „Kommunikation“ eingegangen werden.

2.1 Bedeutung des Begriffs „Kommunikation“

Im Alltag geschieht Verständigung mithilfe der Kommunikation. Durch sie wird unser elementares Bedürfnis danach, mit anderen in Kontakt zu treten, befriedigt. Doch was bedeutet Kommunikation im eigentlichen Sinn? In der Literatur wird „Kommunikation“ folgendermaßen definiert: Kommunikation bedeutet „Verständigung, Verbindung, Bildung sozialer Einheiten durch die Verwendung von Zeichen und Sprache“[1].

Zur Erläuterung eines engeren Begriffsverständnisses von Kommunikation wird die Lasswell-Formel herangezogen. Lasswell unterscheidet in seinem Modell folgende Komponenten der Kommunikation:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Die Lasswell-Formel (1948)2 mit ihren Elementen des Kommunikationsprozesses

Übersetzt bedeutet dies: Wer sagt was über welchen Kanal zu wem und welche Wirkung wird damit erzielt. Damit nennt Lasswell schon eine Reihe verschiedener Aspekte der Kommunikation, die es zu erforschen gilt. Die Elemente „Wer“, „Zu wem“ und „Mit welchem Effekt“ beziehen sich auf die an der Kommunikation beteiligten Individuen und die mit der Kommunikation verbundenen intrapsychischen Prozesse. Das „Was“ bezieht sich auf die Eigenschaften der Nachricht selbst und schließlich kann noch der Kanal, über den die Nachricht übermittelt wird, betrachtet werden. Lasswells Modell ist sehr einfach und lässt sich gut auf alle Arten von Kommunikation übertragen.

Die zwischenmenschliche Kommunikation stellt jedoch einen wesentlich komplexeren Vorgang dar, der über Lasswells Modell hinausgeht, weil häufig Störungen und Komplikationen im Sinne von Fehldeutungen und Missverständnissen auftreten können. Im Zusammenhang mit der zwischenmenschlichen Kommunikation stellt Watzlawick in seinem Buch „Menschliche Kommunikation“, fünf Axiome auf, die für jede Kommunikation typisch sind:

- Man kann nicht nicht kommunizieren: Dieses Axiom basiert auf der Annahme, dass „Verhalten kein Gegenteil [hat]“. Geht man nun darüber hinaus davon aus, dass alles Verhalten in zwischenmenschlichen Situationen Mitteilungscharakter besitzt, so kann man jedes Verhalten auch als Kommunikation bezeichnen. Watzlawick folgert daraus, dass man „[…] nicht nicht kommunizieren kann (Watzlawick etal. 1990, S.51).
- Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt: Der erste Aspekt der Kommunikation ist der Inhaltsaspekt. Der Inhalt einer Mitteilung erweist sich hierbei als Information. Der zweite Aspekt, der Beziehungsaspekt, ist weniger offensichtlich. Über ihn teilt der Sender dem Empfänger mit, wie er verstanden werden möchte. Der Beziehungsaspekt kann auch als „Metakommunikation“ bezeichnet werden, d.h. „[…] [wir verwenden Kommunikation] nicht mehr ausschließlich zur Kommunikation, sondern um über die Kommunikation selbst zu kommunizieren […]“ (vgl.ebd., S.41f.).
- Die subjektive Interpunktion der Ereignisfolge bestimmt die Beziehung: Kommunikation erscheint als ein ununterbrochener Austausch von Mitteilungen. In ihrem Verlauf legt jeder Teilnehmer der Kommunikation eine Struktur zugrunde, die sog.Interpunktion der Ereignisfolge. Interpunktionen sind ein wichtiger Bestandteil menschlicher Beziehungen, die sich in verschiedenen Kulturen voneinander unterscheiden. Gibt es Probleme mit der Interpunktion, so sind diese meist die Ursache für Beziehungskonflikte (vgl.ebd., S.57f.).
- Menschliche Kommunikation ist analog und digital:
In der menschlichen Kommunikation existieren zwei Vermittlungsmöglichkeiten. Zum einen kann man sich durch eine Analogie (z.B.eine Zeichnung) ausdrücken oder aber, indem man dem zur Diskussion stehenden Objekt einen Namen gibt (digitale Kommunikation). Die analoge Kommunikation weist eine viel direktere Beziehung zu den Objekten auf, die sie repräsentiert. Sie verwendet hauptsächlich Ausdrucksmittel von außerhalb der Sprache wie z.B.Mimik, Gestik oder Tonfall. Durch beide Arten von Kommunikation kann es zu Fehlinterpretationen kommen, wodurch wiederum Konflikte zwischen den Kommunikationspartnern verursacht werden (vgl.ebd., S.66).
- Kommunikation basiert auf symmetrischen und komplementären Beziehungen: Symmetrische Beziehungen liegen vor, wenn sich die Kommunikationspartner auf gleicher Ebene befinden (z.B.Arbeitskollegen): „Symmetrische Beziehungen zeichnen sich also durch Streben nach Gleichheit und Verminderung von Unterschieden zwischen den Partnern aus […]“ (ebd., S.70). Komplementäre Interaktionen basieren dagegen auf sich gegenseitig ergänzenden Unterschieden auf Seiten der Kommunikationspartner. Je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht, laufen die zwischenmenschlichen Kommunikationsabläufe also entweder symmetrisch oder komplementär ab.

Nach der terminologischen Klärung des Begriffs „Kommunikation“ soll nun eine weitergehende Konkretisierung und Ausdifferenzierung des Begriffs der „Kommunikativen Kompetenz“ erfolgen.

2.2 Kommunikative Kompetenz

Geht man auf den Begriff der „Kommunikativen Kompetenz“ näher ein, stellt sich zuerst einmal die Frage, was „Kommunikative Kompetenz“ überhaupt bedeutet und warum sie in der Berufsbildung gebraucht wird.

Bader etal. (2002) definieren den Begriff wie folgt: „Kommunikative Kompetenz meint die Fähigkeit und Bereitschaft, Sachverhalte und Befindlichkeiten auf dem Weg über verbale (gesprochene und geschriebene) und formale (Formeln, Grafiken etc.) Sprachen, aber auch über nonverbale Mittel (durch Gestik und Mimik) auszutauschen. Hierzu gehört es, eigene Absichten und Bedürfnisse sowie die der Partner wahrzunehmen, zu verstehen und darzustellen. Es geht demnach um das Verstehen und Gestalten kommunikativer Situationen“ (Bader etal. 2002, S.179).

Im Folgenden soll aufgezeigt werden, welche Bedeutung die Kommunikative Kompetenz im Zusammenspiel mit den unter Abbildung1 dargestellten Teilkompetenzen der Handlungskompetenz einnimmt:

Fachkompetenz – Kommunikative Kompetenz (vgl.ebd., S.179) :

- Verstehen und Verständlichmachen fachlicher Begriffe (z.B. Beratungs- und Verkaufsgespräche mit Fachleuten und Nichtfachleuten oder Fachleuten anderer Fachrichtungen führen); inhaltliche Ziele einer Arbeitsaufgabe benennen und interpretieren.
- Verstehen von Befindlichkeiten über verbale, formale und nonverbale Mittel (z.B. Mimik und Gestik im Verkaufsgespräch; Vier-Ohrenmodell[W2]3 beim Fachgespräch).
- Mit fachlich aufbereitetem Material umgehen (Prospekte, Medien verschiedener Art).
- Fremdsprache fachlich korrekt anwenden bzw. fachliche Sachverhalte und Zusammenhänge in einer Fremdsprache verstehen und ausdrücken.
Human- bzw. Selbstkompetenz – Kommunikative Kompetenz (vgl.ebd., S.180):
- Eigene Einstellungen zu Kommunikation reflektieren und weiterentwickeln (z.B. Bedürfnisse, Erwartungen, Befürchtungen, Bewertungen etc.).
- Eigene und Interessen anderer miteinander in Einklang bringen (z.B. überreden/überzeugen; erklären/suggerieren).
- Sich selbst als „Kommunikator“ verstehen.
- Konzeptionelle Haltung zu Grundlagen und Kulturen der Kommunikation einnehmen.
- Fremdsprache anwenden unter Einbeziehung des Verstehens und Gestaltens von Sprachkultur.
Sozialkompetenz – Kommunikative Kompetenz (vgl.ebd., S.181):
- Kommunikation verstehen (z.B. Wie wirke ich auf andere?).
- Entscheidungen in der Gruppe treffen (z.B. Gesprächsregeln vereinbaren; individuelle und gemeinsame Bedürfnisse und Interessen diskutieren; Konsens- und Konfliktfähigkeit und -bereitschaft entwickeln).
- Gemeinsam Arbeitsergebnisse präsentieren (z.B. Einsatz von Medien zur Unterstützung von Lernprozessen).
- Kommunikationsstrategien beherrschen (z.B. Informationen austauschen; zuhören können, geduldig sein; Ich- und Dubotschaften durchdacht senden; sachlich argumentieren und fair diskutieren).
- Fremdsprachliche Kommunikation mit Rücksicht auf regional- und landestypische sowie kulturelle Hintergründe gestalten.

Offensichtlich stellt die Kommunikationsfähigkeit also eine Basisqualifikation dar. Sie ist Voraussetzung für die Ausprägung der anderen Fertigkeiten, der Fachkompetenz, der Human- bzw. Selbstkompetenz und der Sozialkompetenz, die in ihrer Gesamtheit wiederum die Handlungskompetenz des Individuums bilden. Wird nun die Entwicklung der umfassenden Handlungskompetenz eines Individuums als übergeordnetes Ziel betrachtet, kann auf die Kommunikative Kompetenz folglich nicht verzichtet werden.

2.3 Neue Anforderungen an die Kommunikative Kompetenz und daraus abgeleitete Konsequenzen für die berufliche Bildung

Die neuen Anforderungen an die Kommunikative Kompetenz sollen zunächst im Hinblick auf die gesellschaftliche Entwicklung beschrieben werden. Die Gesellschaft hat durch die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien eine Revolution erfahren. Information und Kommunikation prägen unser Leben heute mehr als zuvor. Die Ressource „Wissen“ lebt von der Beobachtung und der Kommunikation mit anderen, vom Austausch von Ideen und Erfahrungen, von der kritischen Auswahl von individuell neuem Wissen und auffindbaren Informationen sowie von deren Übung. Die beschriebenen Veränderungen haben aber nicht nur Auswirkungen auf das praktische Tun des Menschen, sondern auch auf seine intellektuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die nötig sind, um an einer modernen Gesellschaft partizipieren zu können. Ohne eine ausgebildete Kommunikative Kompetenz kann der Einzelne diesen Herausforderungen der heutigen Zeit nicht begegnen (vgl.Fleuchaus 2004, S.26f.).

Die Entwicklung der Berufsbildung ist eingebettet in die allgemeinen gesellschaftlich-ökonomischen Prozesse, die vielfältige Auswirkungen auf die Berufsbildung haben und dort „verarbeitet“ werden müssen. Im Lernfeldkonzept[W3]4 wird hervorgehoben, dass die Lerninhalte konsequent auf die Arbeitstätigkeiten bezogen werden sollen. Gleichzeitig erfordert der Betrieb umfangreiche organisatorische und inhaltliche Adaptionen im Bildungswesen, etwa die Orientierung von Curricula an der Praxis und die Vermittlung eines breiteren Spektrums an neuen Fähigkeiten und Kompetenzen. Nur so ist es möglich, mit dem Wandel Schritt zu halten.

Die Gesamtheit all dieser Veränderungen stellt das Individuum vor eine Vielzahl von Herausforderungen und Aufgaben, sowohl im Privatleben als auch in beruflicher Hinsicht. Fast jeder Auszubildende sieht sich mit der Frage konfrontiert, welche wichtigen Kompetenzen er/sie zu beherrschen hat und was zukünftige Arbeitgeber von einem/einer Auszubildenden erwarten. Die meisten Arbeitgeber verlangen von ihren Auszubildenden ausreichende fachliche Kenntnisse, aber auch vielseitige Qualifikationen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die über das rein Fachliche hinausgehen und dem Bereich der Sozial- bzw. Selbstkompetenz zuzuordnen sind (z.B. Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsfähigkeit, Führungsqualitäten, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit usw.).

[...]


[1] DUDEN. Das Fremdwörterbuch, 1974, S. 384.

2 Vgl. Groner etal. 2007, S.13.

3 Vier- Ohrenmodell: ist ein psychologisches Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation und umfasst die vier Seiten (Sachinhalt, Bezeichnung, Selbstoffenbarung und Appell) einer Nachricht. (Vgl. Schulz von Thun 1993, S. 45)

4 Dieser Begriff wurde von Prof. Dr. Reinhold Nickolaus in seinem Beitrag (Nickolaus, R: Didaktik- Modell u. Konzept beruflicher Bildung. Orientierungsleistungen für Praxis. 2006. S. 87-94) detailliert erklärt und entwickelt.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Untersuchungen zur Entwicklung der kommunikativen Kompetenz in der Berufsbildung
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Erziehungswissenschaft und Psychologie )
Autor
Jahr
2007
Seiten
31
Katalognummer
V91810
ISBN (eBook)
9783638057219
ISBN (Buch)
9783638948272
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommunikative Kompetenz fällt in den Bereich der Handlungskompetenz, die heute als Leitziel der Berufsbildung gilt: „Jeder Bildungsgang muss die über das spezielle Ausbildungsinteresse hinausreichende menschliche Entwicklung des Jugendlichen sichern. Dafür sind integrierte Lernprozesse erforderlich, die mit der Fachkompetenz zugleich humane und gesellschaftlich-politische Kompetenz vermitteln“ (Deutscher Bildungsrat 1974, S. 49).
Schlagworte
Untersuchungen, Entwicklung, Kompetenz, Berufsbildung
Arbeit zitieren
Ping Liu (Autor), 2007, Untersuchungen zur Entwicklung der kommunikativen Kompetenz in der Berufsbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91810

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