Bei der vorliegenden Arbeit werden die derzeitige Situation und die Entwicklung des Vertriebes von Arzneimitteln beschrieben und beurteilt. Es gibt im Bereich der Arzneimittel sehr viele unterschiedliche Interessensgruppen, die alle mehr oder weniger auf den Weg, den ein Arzneimittel zum Kunden durchläuft, Einfluss nehmen wollen und können. Es wird stets ein alternativer Vertriebsweg gesucht, der wirtschaftlicher, schneller und zielgerichtet zugleich ist.
Der Umgang mit Arzneimitteln birgt aber auch gesetzliche Barrieren und stellt ein besonderes Gut dar. Es gelten drei Besonderheiten, die es zu beachten gilt, damit der Vertrieb und die Verteilung von Arzneimitteln keine Gefährdung der Gesundheit darstellen. Es besteht eine Patientenbesonderheit, da der Patient sich in der Regel in einer Notsituation befindet und nicht einschätzen kann, welche Maßnahmen zu treffen sind. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer Produktbesonderheit, da der Apotheker den Kunden in der Verwendung der Produkte beraten muss. Des Weiteren liegt auch eine Versicherungsbesonderheit vor, denn Vertragspartner sind nicht Kunde und die abgebende Person, sondern an die Stelle des Kunden tritt eine Versicherung (vgl. Glaeske et al. 2003, S. 123).
Zunächst werden in Kapitel B die Teilnehmer des Marktes für Arzneimittel und der gesetzliche Rahmen, in dem sie ihre Möglichkeiten nutzen können, dargestellt. In Kapitel C werden dann die derzeitigen Wettbewerbsbeschränkungen bei der Versorgung mit Arzneimitteln betrachtet, analysiert und ökonomisch abgewogen. Hierzu wird zuerst die rechtliche Situation dargestellt, um dann mit einer ökonomischen Betrachtung die Entwicklungstendenz erkennen zu können. Danach werden in Kapitel D die zu erwartenden Änderungen implementiert und die Folgen für die Arzneimitteldistribution dargestellt. Hierfür werden die Interessenten vorgestellt, ihre Bestrebungen analysiert und neue Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
A Einführung
B Rahmenbedingungen bei der Arzneimittelversorgung
B.1. Pharmazeutische Unternehmen und Großhändler
B.2. Präsenzapotheken
B.3. Krankenhausapotheken
B.4. Versandapotheken (am Beispiel von DocMorris)
C Mehr- und Fremdbesitzverbot in der Europäischen Union und in Deutschland
C.1. Gesetzliche Regelungen und Rechtsprechungen
C.1.1. Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU
C.1.2. Fremdbesitzverbot
C.1.3. Mehrbesitzverbot
C.2. Verhältnismäßigkeit der Verbote
D Auswirkungen auf die Distribution von Arzneimitteln
D.1. Konzernbildung und Investoren
D.2. Drogeriemärkte und Discounter
D.3. Versandhandel
D.4. Möglichkeiten für freiberufliche Apotheker
E Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die aktuelle Situation und die zukünftige Entwicklung des Arzneimittelvertriebs in Deutschland vor dem Hintergrund zunehmender Liberalisierung und wettbewerblicher Veränderungen. Das primäre Ziel besteht darin, die Auswirkungen einer möglichen Aufhebung des Mehr- und Fremdbesitzverbots auf die Arzneimitteldistribution sowie die daraus resultierenden Handlungsspielräume für verschiedene Marktteilnehmer zu evaluieren.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Wettbewerbsbeschränkungen im deutschen Apothekenmarkt.
- Die ökonomische Analyse des Fremd- und Mehrbesitzverbots sowie dessen Verhältnismäßigkeit.
- Mögliche Auswirkungen einer Marktöffnung auf Konzernbildung und Investoreninteressen.
- Die Rolle und Anpassungsstrategien von Präsenzapotheken, Versandhandel und Drogeriemärkten im Wandel.
Auszug aus dem Buch
C.1.3. Mehrbesitzverbot
Neben dem Fremdbesitzverbot existiert auch noch ein Mehrbesitzverbot von Apotheken. Bis zum Jahre 2004 galt, dass ein Apotheker nur Eigentümer einer einzigen Apotheke sein darf. Am 01.01.2004 wurde diese Regelung durch § 1 Abs. 2 in Verbindung mit § 2 Abs. 4 und 5 ApoG abgelöst, man spricht nun von einem eingeschränkten Mehrbesitzverbot (Vielbesitzverbot). Seit diesem Zeitpunkt darf ein Apotheker bis zu drei weitere Filialen neben seiner eigenen Apotheke betreiben. Für diese Apotheken muss er Apotheker anstellen und es gilt ein maximaler Umkreis, in dem diese Apotheken liegen dürfen. Diese Änderung wirft die Frage auf, welche Umstände dazu geführt haben, dass ein Apotheker nun mehrere Apotheken leiten kann und welche Schwierigkeiten dafür zuvor bestanden haben.
Wie bereits in Abschnitt B.2. gesehen, hat sich der Beruf des Apothekers tatsächlich durch die Entwicklung von Fertigarzneimittel verändert. Durch die gesetzliche Änderung wird diesem Tatbestand offensichtlich durch die Änderung in ein Vielbesitzverbot zum Teil Rechnung getragen. Jedoch widerspricht die Regelung der Auffassung, dass ein Apotheker für seine Apotheke die Leitungs- und Überwachungsfunktion hat. Denn diese Aufgaben werden dem angestellten Apotheker übertragen, so dass das Berufsbild des Apothekers durch eine Tätigkeit erweitert wird, nämlich der indirekten Leitung. Eine persönliche Leitung ist nicht in den Filialapotheken möglich, egal wie nah sie bei der Hauptapotheke liegen, da „er sonst […] seine Anwesenheitspflicht, die ihm in seiner Hauptapotheke obliegt, verletzen würde“ (Diekmann und Reinhardt 2006, Abschnitt III.1.). Daher wird in Abschnitt C.2. darüber diskutiert, inwiefern das Vielbesitzverbot und eine Begrenzung auf drei Filialen ökonomisch gerechtfertigt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
A Einführung: Dieses Kapitel skizziert die aktuelle Situation des Arzneimittelvertriebs und definiert die zentralen Interessensgruppen sowie die gesetzlichen Besonderheiten des Produkts Arzneimittel.
B Rahmenbedingungen bei der Arzneimittelversorgung: Es werden die Grundlagen der Arzneimittelverteilung, von pharmazeutischen Unternehmen über Großhändler bis hin zu verschiedenen Apothekenformen, analysiert.
C Mehr- und Fremdbesitzverbot in der Europäischen Union und in Deutschland: Dieses Kapitel untersucht die rechtlichen Grundlagen und die ökonomische Verhältnismäßigkeit der geltenden Wettbewerbsbeschränkungen für Apotheken.
D Auswirkungen auf die Distribution von Arzneimitteln: Hier werden die Konsequenzen einer möglichen Aufhebung von Besitzverboten für verschiedene Marktteilnehmer wie Investoren, Drogeriemärkte und Apotheker beleuchtet.
E Zusammenfassung und Ausblick: Diese abschließende Betrachtung fasst die Transformationsprozesse des Apothekenmarktes zusammen und betont die Notwendigkeit, trotz Liberalisierung hohe Sicherheitsstandards für die Patientengesundheit zu wahren.
Schlüsselwörter
Arzneimitteldistribution, Apotheken, Fremdbesitzverbot, Mehrbesitzverbot, Versandapotheken, Arzneimittelgesetz, Wettbewerb, Konzernbildung, Gesundheitspolitik, Liberalisierung, Apothekenmarkt, Pharmazeutischer Großhandel, Patientensicherheit, Distribution, Arzneimittelversorgung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel des Arzneimittelvertriebs in Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt der Wettbewerbsregulierung und der möglichen Aufhebung von Fremd- und Mehrbesitzverboten für Apotheken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt rechtliche Rahmenbedingungen, die Rolle von Versandapotheken und Großhändlern sowie die ökonomischen Folgen einer Marktöffnung durch neue Investorengruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen einer Marktliberalisierung zu bewerten und zu hinterfragen, ob die bisherigen Restriktionen wie das Fremdbesitzverbot im Lichte aktueller ökonomischer Entwicklungen noch verhältnismäßig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Literaturanalyse, um den rechtlichen Status quo, ökonomische Argumente der Marktteilnehmer und die Auswirkungen auf die Arzneimittelsicherheit zu untersuchen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Situation in der EU und Deutschland sowie die spezifischen Auswirkungen auf verschiedene Akteure wie Drogeriemärkte, Investoren und den pharmazeutischen Großhandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Arzneimitteldistribution, Fremdbesitzverbot, Apothekenmarkt, Liberalisierung und Versandhandel.
Warum ist das Fremdbesitzverbot aus Sicht des Autors kritisch zu hinterfragen?
Der Autor argumentiert, dass durch weisungsunabhängige angestellte Apotheker auch bei einem Nicht-Apotheker als Eigentümer ein „Schutzring“ für die Patientensicherheit aufrechterhalten werden kann, was ein pauschales Verbot unverhältnismäßig macht.
Welche Rolle spielen Krankenhausapotheken in diesem Kontext?
Krankenhausapotheken werden als Sonderform betrachtet, bei der trotz einer arbeitsteiligen Struktur zwischen Eigentümer und Apotheker keine Gefährdung der Gesundheitsversorgung gesehen wird, was als Argument gegen die Unverzichtbarkeit des Fremdbesitzverbots dient.
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- Stefan Strunck (Author), 2007, Die Arzneimitteldistribution im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91811