Einflüsse der maurischen Sprache und Kultur auf die spanische


Facharbeit (Schule), 2020

55 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Historischer Hintergrund

2. Maurische Hochkultur in Spanien
2.1. Gesellschaft und Convivencia
2.2. Architektur
2.2.1. Symbole weltlicher Herrschaft: Paläste und Wehrbauten
2.2.2. Gotteshäuser
2.2.3. Sonstiges
2.3. Geld und Handel
2.4. Landwirtschaft und Bewässerung

3. Maurische Einflüsse auf das Leben der Spanier
3.1. Fiestas
3.2. Spiele, Unterhaltung, Tourismus
3.3. Ernährung
3.4. Mathematik, Astronomie, Naturwissenschaften, Medizin, Geografie
3.5. Sprache
3.5.1. Wortschatz
3.5.2. Orte und Namen
3.5.3. Übersetzerschulen
3.6. Kunst
3.6.1. Musik
3.6.2. Malerei und Skulpturen
3.6.3. Keramikfliesen

Resümee

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abstract

Die heutige spanische ist aus dem Zusammenwirken vieler verschiedener Kultu­ren entstanden. Neben den einheimischen Ibererstämmen und den Römern, die ab dem 2. Jhdt. große Teile des Landes geprägt haben, haben auch Germanen (Westgoten, Franken) und eben Mauren das Leben der Spanier tiefgreifend beein­flusst.

Im tiefgläubigen katholischen Spanien findet man allerorts und ins Rampenlicht gestellte, stolz hervorgehobene Spuren aus der anderen, der entgegengesetzten, der maurischen Welt. Ein unvorbereiteter Reisender findet neben Straßen Jesus y Maria oder Los Reyes Catolicos dann auch ein Plaza de puerta de Moros. Im Res­taurant finden sich neben Tortillas und Gazpacho auch Moros y Cristianos und Pinchos Morunos. Und auch in der Sprache werden bewusst oder unbewusst tag­täglich arabischstämmige Wörter verwendet.

All die verschiedenen kulturellen Hinterlassenschaften haben gemeinsam die heu­tige Identität geprägt. Ohne maurische Einflüsse wären grundlegende Bausteine nicht vorhanden - In der vorliegenden Arbeit wird untersucht und belegt, dass in nahezu allen Bereichen der heutigen spanischen Gesellschaft maurische Spuren nicht nur zu finden sind, sondern vielmehr eine wesentliche Rolle spielen.

Abstract

Today's Spanish culture is the result of the interaction of many different cultures. In addition to the native Iberian tribes and the Romans, which from the the 2nd cen­tury on settled in Spain, Germanic tribes (Visigoths, Franks) and Moors also had a profound influence on the life of Spaniards.

In the present Catholic Spain, one finds everywhere and placed in the spotlight, proudly highlighted traces from the other, the opposite, the Moorish world. In addi­tion to streets Jesus y Maria or Los Reyes Catolicos, an unprepared traveller will also find a Plaza de puerta de moros. In the restaurant you can find Tortillas and Gazpacho as well as Moros y Cristianos and Pinchos Morunos. Also in language, Arab origin words are used every day, consciously or unconsciously.

All the different cultural legacies have together shaped today's Spanish identity. Without Moorish influences, fundamental elements would not exist - this project examines and proves that in almost all areas of today's Spanish society, Moorish traces are not only to be found, but rather play an essential role.

Vorwort

In den Sommerferien 2017 habe ich eine individuelle Rundreise durch Andalusien unternommen und dabei Cordoba, Malaga, Sevilla und Granada besucht. Das war nicht nur meine erste Reise nach Spanien, sondern auch meine erste Reise dieser Art, meine erste „Kulturreise“. Die gewonnenen vielfältigen Eindrücke haben mich so fasziniert, dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach Spanien gefah­ren bin und unterschiedlichste Städte bereist und kennengelernt habe.

Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, dass trotz der vielen Unterschiede zwischen den einzelnen spanischen Regionen, auch viele gemeinsame verbin­dende Elemente vorhanden sind, zwischen den Kastiliern und den Katalanen und den Basken und den Galiciern und den Andalusiern.

Durch meinen Wunsch nach der Matura auf internationalem Gebiet tätig zu wer­den, war es für mich naheliegend mich im Rahmen der VWA mit einem multikultu­rellen Thema auseinanderzusetzen.

Besonderen Dank möchte ich meiner Betreuungslehrerin aussprechen, die mir das nötige Informationsmaterial bezüglich des Verfassens einer Vorwissenschaftlichen Arbeit zur Verfügung gestellt hat, sich die Mühe gemacht hat, meine Einreichung der Themenstellung genau zu kontrollieren, sodass diese nach der Überarbeitung erfolgreich war, sich bereit erklärt hat, uns auch nach dem Unterricht zu Gesprächen zusammenzusetzen, in denen sie sich meinen offenen Fragen gewidmet hat, und meine VWA mehrmals kontrolliert hat, sodass ich sie gezielt überarbeiten konnte.

Wien,am 14.02.2020

Einleitung

Das Leben der Spanier wurde in fast allen Bereichen von maurischen Einflüssen geprägt - von der Sprache und Ernährung bis hin zu zahlreichen Wissenschaften, Kunst und Architektur.

Zu Beginn meiner Arbeit gebe ich einen kurzen Überblick die wichtigsten histori­schen Ereignisse, um auch den Hintergrund der Auswirkungen anzusprechen. Anschließend, habe ich meine Arbeit in die unterschiedlichsten Bereiche des Le­bens unterteilt, gehe in den einzelnen Kapiteln auf die jeweils verschiedenen Ein­flüsse näher ein und beschreibe sie.

Ziel der Arbeit ist es, maurische, sowie daraus folgende christliche Errungenschaf­ten zusammenzutragen und zu beurteilen.

Im Rahmen der Erstellung dieser Arbeit habe ich die heute üblichen Recherche- und Studienmethoden angewandt, jedoch leider beschränkt durch finanzielle, zeit­liche und formale Vorgaben.

Es ist mir wichtig, auch persönliche Erfahrungen von meinen bisherigen Reisen nach Spanien mit einzubringen. Ich schätze nicht nur die Vielseitigkeit Spaniens, sondern auch die Gastfreundlichkeit, Offenheit und die Lebenslust der Menschen. Jede Stadt ist auf ihre eigene Art unterschiedlich, hat ihren individuellen Lifestyle, feiert andere Feste und besitzt ihr eigenes Ambiente. Trotzdem spiegeln sich in allen Städten Spaniens, die ich bisher besucht habe, maurische Einflüsse in vielen Bereichen des Alltagslebens, wider.

Für diese VWA waren Quellen unterschiedlicher Art zugänglich. Neben eigenen Erfahrungen und Bildmaterial beziehe ich mich auch auf Bücher verschiedener Genres (wissenschaftliche Werke, Atlanten, Sagen, ...), Zeitungsartikel, Audio- /Videomaterial sowie auf diverse Internetquellen.

1. Historischer Hintergrund

Die reichhaltige maurische Hinterlassenschaft beruht auf den historischen Ereig­nissen der Jahre 710, dem Jahr der Landung der ersten arabischen Truppen, bei der nach dem Anführer benannten Stadt Tarifa, bis 1492, dem Jahr der Kapitulati­on des letzten maurischen Staates Granada. Die Geschichte Spaniens, innerhalb dieser Jahrhunderte, lässt sich in unterschiedliche Zeitabschnitte gliedern, die zwar Gemeinsamkeiten haben, sich aber auch sehr deutlich voneinander unter­scheiden. Auf den folgenden Seiten werde ich einen groben, chronologischen Überblick über die historisch bedeutendsten Ereignisse dieser fast 800 Jahre ge­ben.

Nach der Einnahme fast der gesamten iberischen Halbinsel in den Jahren 710­714 rief Abd al Rahman I. 756 das unabhängige Emirat von Cordoba aus.

Der Höhepunkt der maurischen Episode wurde im 10. Jhdt. erreicht, als Abd al Rahman III. das Emirat zum Kalifat ernannte und somit die Führungsrolle Cordo­bas in der gesamten muslimischen Welt beanspruchte.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Iberien 8.-11. Jhdt. (Eigene Darstellung)

In den ersten Jahren des 11. Jhdts. zerfiel Cordoba, infolge mehrerer innerer Kon­flikte, in viele voneinander unabhängige kleine Fürstentümer, sogenannte Taifas. Diese Stadtstaaten wetteiferten nicht nur untereinander auf verschiedensten Ge­bieten, sie führten auch ununterbrochen Kriege miteinander. Um sich einen Vorteil zu verschaffen, wurden christliche Söldner oder auch ganze christliche Armeen angeheuert.

Während sich in Südiberien Taifas bekriegten und Christenkriegern Geld gaben, wurden die christlichen Königreiche im Norden stärker und mächtiger. Sie nutzen die Uneinigkeit der Taifas aus und eroberten einzelne muslimische Taifas nachei­nander zurück. 1085 fiel Toledo, die ehemalige Hauptstadt des Westgotenreichs, in christliche Hände.

Die verbleibenden Taifareiche riefen die Herrscherdynastie des Maghreb (des heutigen Marokkos), die sogenannten Almoraviden, um Hilfe. Der Vorstoß der Christen wurde gestoppt, es kam eine Zeit lang zu weiteren Kämpfen mit wechsel­seitigen Allianzen und wechselseitigen Erfolgen.2

Bis zum 11. Jahrhunderts gab es in Hispanien ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das viele Gegensätze überbrückte. Religiöse Feste wurden gemeinsam gefeiert, Ostern und Fastenbrechen vereinte Muslime und Christen, man sprach gleiche Sprachen, kleidete sich gleich und ernährte sich ähnlich. Man hatte vieles gemein­sam, Religionsgrenzen wurden vielfach überwunden.

Im 12. Jhdt. war die iberische Halbinsel grob zweigeteilt in einen Norden mit meh­reren christlichen Königreichen und einen Süden mit mehreren Taifas mit jeweils lokalen Herrschern, davon einige unter Schutzherrschaft und Oberhoheit der Almoraviden, andere waren unabhängig.

Beginnend ca. 1050 nahmen jedoch religiös fundamentalistische Ansichten lau­fend zu, religiöse Inhalte erhielten in Auseinandersetzungen immer mehr Bedeu­tung.

Differenzen zwischen Moslems und Christen führten 1212 zur Schlacht von Las Navas de Tolosa. Die vereinten Christenheere besiegten die Moslems unter der nunmehrigen Herrscherdynastie der Almohaden und eroberten in den folgenden Jahren etappenweise ganz Spanien - bis auf das Königreich Granada.3 1453 eroberten die Osmanen Konstantinopel. Muslime bedrohten die Christenheit vom Osten her. Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor im Westen, wie es Granada war, konnte nicht länger geduldet werden.4 Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon eroberten 1492 auch Granada und beendeten somit die Reconquista.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Maurische Hochkultur in Spanien

Der unter islamischer Herrschaft stehende Teil Spaniens, al-Andaluz, erlebte seinen ersten Höhepunkt in politischer, militärischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht im 10 Jhdt. - in der Hauptstadt Cordoba lebten mehrere hunderttausend Einwohner, die Stadt verfügte über eine moderne Infrastruktur mit gepflasterten Straßen, einem Beleuchtungssystem, fließendem Wasser mit Badeanstalten und einem unterirdischen Abwassersystem, das Abfälle hinwegspült. Cordoba galt im Mittelalter als eine schöne Stadt, eine Stadt die einen außergewöhnlich hohen Lebensstandard bot, sauber, ohne Gestank.6 7 Angehörige der drei großen monotheistischen Religionen lebten damals friedlich nebeneinander.

Cordoba soll um die Jahrtausendwende die größte Stadt Europas gewesen sein - wobei genau Zahlenangaben mit Vorsicht zu betrachten sind und oftmals auf Schätzungen und unhinterfragtem Abschreiben beruhen. „Die Vorschläge reichen von 100.000 bis 500.000.“8

Hottinger zitiert überlieferte Quellen aus dem 10. Jhdt.: „Ich zählte die Häuser von Cordoba, die es dort gab.. Es waren 213.077 Häuser..Die Zahl der Läden betrug 8455“.9

Das Wachstum von Bevölkerung und Wohlstand und die Bauten von Moschee und Satelittenstädten belegen jedenfalls den Reichtum der Stadt.

Dies sprach sich in Europa und im gesamten Mittelmeerraum herum, Cordoba wetteiferte mit Byzanz und Bagdad um die Position des Mittelpunktes der zivilisierten Welt.10

Bossong zitiert den Bericht einer deutschen Dichterin, der Nonne Roswitha von Gandersheim, von ca. 970, die sich ihrerseits auf Berichte einer kaiserlichen Ge­sandtschaft beruft. „..2000 öffentliche Bäder, ungezählte Moscheen mit den daran angeschlossenen Schulen sowie umfangreiche Bibliotheken mit dem Wissen der damaligen Welt zur Verfügung. Die Handelsbeziehungen umfassten den ganzen Mittelmeerraum, Wa­ren und Moden aus aller Welt kamen in Cordoba zusammen. Gelehrte, Künstler und Dichter kamen von weit her und brachten ihr Wissen und Können in die Stadt. Der Ruhm der kalifalen Hauptstadt drang in alle Welt, weit über die Iberische Halb­insel hinaus. Botschafter des Heiligen Römischen Reichs und des byzantinischen Kaisers verbreiteten die Kunde von den Wundern des Kalifenstaats.“11

2.1. Gesellschaft und Convivencia

Menschen in al-Andaluz waren nicht gleichberechtigt. Es gab wie in allen mittelal­terlichen Gesellschaften ausgeprägte Standesunterschiede, und auch Volkszuge­hörigkeit, Geburtsort, eigene Religion, Religion der Familie spielten eine Rolle. Während Gesellschaften in Resteuropa relativ homogen waren, war die Bevölke­rung in al-Andaluz bunt gemischt und vielfältig.

Die anderen wurden aber - meistens - in Ruhe gelassen, im Idealfall arbeitete man sogar mit ihnen zusammen, hörte deren Ansichten und las deren Werke, tauschte sich mit ihnen aus.

Viele Christen und Juden übernahmen freiwillig und ohne Zwang Gebräuche und Sitten der Araber. Sie kleideten sich wie sie, sie aßen wie sie, sie sprachen wie sie. Christen, die wie Araber sein wollen, werden Mozaraber genannt.12

Die weltoffene Kultur in Cordoba wird als Modell für ein Zusammenwirken verschiedener Kulturen und gegenseitiger Einflüsse herangezogen13.

Fragen der Toleranz und des harmonischen Miteinanders der Menschen sind besonders sensibel bzgl. ideologischer oder religiöser Weltanschauungen. Hierbei wird friedliches Neben- oder sogar Miteinander oft verwechselt mit Gleichberechtigung und Menschlichkeit.

Es gab in al-Andaluz neben Zeiten eines harmonischen Miteinanders der großen monotheistischen Religionen immer wieder Zeiten der Benachteiligung, Unterdrückung, Verfolgung, Versklavung, Tötung des jeweils anderen, wegen der Abstammung, des Geschlechts, der Religion oder sonstiger weltanschaulicher oder ethischer Gründe.14 Auf muslimischer und auf christlicher Seite gab es auch bewußte Provokationen, Märtyrertum, Spezialsteuern, Einschränkungen in der Religionsausübung, Verbot führende Positionen auszuüben, Vertreibung, Bücherverbrennungen15.

Dennoch sind als besondere Merkmale hervorzuheben: Das Hintanstellen kleinlicher Religionsauslegung, es wurde Alkohol konsumiert, das Bilderverbot großzügig ausgelegt, der Glauben an einen anderen Gott geduldet, und es gab jahrhundertelang ein „Wir Gefühl, für das sprachlich-kulturelle Gemein­samkeiten mindestens so wichtig waren wie die Religionszugehörigkeit“16

2.2. Architektur

Maurische und von maurischer Architekur beeinflußte christliche Bauwerke sind über weite Teile Spaniens verstreut zu finden.17

Sie befinden sich oftmals im Zentrum des jeweiligen Ortes, sind üblicherweise unter den touristischen Hauptattraktionen dieser Stadt zu finden und beliebte Locations für Produktionen von Mittelalter-/Fantasy-Filmen/-Serien oder Virtual Reality-Spielen.

Spanische Regierungen haben den wirtschaftlichen Nutzen erkannt und Gebäude aufwändig restauriert (z.B. Moschee in Cordoba) bzw. planen bzw arbeiten an deren Restaurierung (z.B. Kalifenstadt Medina Azahara nahe Cordoba). Die ersten spanischen UNESCO Weltkulturerbestätten sind die Altstädte und Paläste von Granada und Cordoba.

Zahlreiche maurische Bauwerke werden in ausführlichen interaktiven Internet­auftritten, zum Teil mit virtuellen Rundgängen, und in Videodokumentationen beschrieben.

Kennzeichnende Stilelemente der Mauren kommen oftmals aus dem arabischen

Raum, allenfalls beeinflußt von byzantinischen Baumeistern. Typisch sind

- Ziegelsteine oder abwechselnd Ziegel- und Bruchsteine und Mörtel als Baumaterialien
- Hufeisenbögen über Türen/Toren oder zwischen Säulen oder als Verzierung, selbst teilweise reichhaltig ausgestattet mit Zacken (=Vielpassbogen), oder übereinander angeordnet oder einander überschneidend, Verwendung abwechselnder Farben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Alhambra - Vielpassbögen, Wanddekor mit Koransprüchen (Foto: Verf.)

- Deckenverzierungen mittels herabhängender Stuckelemente (Stalaktiten, Stalaktitgewölbe) oder reichhaltig mit Gold geschmückte Holzdecken (Artesonadodecken)
- reiche Ausgestaltung von Flächen/Wänden mit Keramiken, Holzein- legearbeiten/Intarsien oder Stuck in komplizierten geometrischen Mustern oder mit Koransprüchen
- vierkantige Innenhöfe
- in größeren Anlagen nicht überdachte, gepflasterte Verbindungswege
- durchbrochene rhom busförmige Verzierungen an Innenwänden und Außenfassaden (Rautenpaneel), auch zur Klimamanipulation (Abdunkelung und Beschattung bei gleichzeitiger Belüftung)
- aufwändige gärtnerische und wassertechnische Konstruktionen (Rinnen, Brunnen, Bäder), auch zur Klimabeeinflussung

Als Mudejarstil/Mudejararchitektur bezeichnet man maurische Architektur von Christen in Auftrag gegeben, meist von maurischen Arbeitskräften errichtet. In diesem Stil werden maurische Bauelemente kombiniert mit romanischen oder gotischen Einflüssen.

Diese Mudejararchitektur entwickelte sich unter katholischer Herrschaft zu einem kastilischen Stil weiter, den man in Folge als isabellinischen Stil bezeichnet hat.18

Eine Gruppe von vier Mudejar Bauwerken in Teruel wurde 1986 stellvertretend für die Mudejar Architektur in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. 2001 wurde diese Gruppe um sechs Bauwerke bei Saragossa erweitert.19 Mozarabische Architektur ist die Architektur der Christen im islamisch besetzten Spanien oder nach der Rückeroberung. Auch in der mozarabischen Architektur sind maurisch-orientalische Elemente (Hufeisenbögen, Säulen, Nebenräume ähnlich muslimischen Gebetsnischen) stilbildend.

Christen und Moslems haben einander über viele Jahrhunderte hinweg gegenseitig inspiriert, Ideengebung und Nachahmung verliefen in beide Richtungen. Bei Eroberungen übernommene weltliche und geistliche Bauwerke wurden in der Mehrzahl der Fälle nicht zerstört, sondern umgebaut, mit eigenen Herrschaftssysmbolen ausgestattet, allenfalls ergänzt und dann umgewidmet.

Dieser architektonische Dialog hat sich auch in sprachlicher Hinsicht ausgewirkt. Viele Bezeichnungen gehen auf arabische Wurzeln zurück: albanil (Maurer), albanal (Wasserablauf), alfeizal (Fenster-/Türrahmen), alfombra (Teppich), azulejo (Zierkachel/-fliese), almohada (Kopfpolster), azul (blau), carmesi (karminrot).

In einer Unterart eines Baustils des 19. Jhdts., des Historismus, werden mauri­sche, persische, ägyptische Elemente miteinander kombiniert. Dieser „Orientali­sche Historismus“ oder „Neomaurische Stil“ ist über Spanien hinausgehend in vielen Städten Europas zu finden. In Wien sind bedeutende Bauten dieses Stils die Zacherlfabrik im 19. Bezirk Döbling in der Nußwaldgasse 14, die griechisch­orthodoxe Kirche im 1. Bezirk und die evangelische Kirche im 10. Bezirk am Matzleinsdorfer Platz. - Die Leopoldstädter Synagoge im 2. Bezirk in der Tempelgasse 2, die wiederum in vielen anderen Synagogen kopiert wurde, wurde in der Reichskristallnacht im November 1938 von Nationalsozialisten zerstört.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Neomaurische Stil - Zacherlfabrik Wien 1190 (Foto: Verf.)

2.2.1. Symbole weltlicher Herrschaft: Paläste und Wehrbauten

Von maurischer Architektur beeinflusste weltliche Bauten, Schlösser, Paläste und Burgen sind über ganz Spanien verstreut zu finden.

Die bedeutendsten erhaltenen Palastanlagen befinden sich Saragossa (Aljaferia), Granada (Alhambra) und Malaga (Alcazaba und Gibralfaro). Die von katholischen Königen in Auftrag gegebenen, mit charakteristischen maurischen Elementen versehenen Alcazare befinden in Sevilla (Peter I.) und Cordoba (Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon).

Einzigartig ist die Palaststadt Medina Azahara, ca. 5km vor Cordoba. Baubeginn soll zwischen 936 und 941 gewesen sein, Abd al Rahman III. hat bereits 946 in ihr resididiert. Ähnliche Herrschafts-Satellitenstädte wurden in Bagdad/Irak, Kairo/Ägypten und Kairoun/Tunesien gebaut. Derartige Satellitenstädte sollten den Herrscher, Verwaltungspersonal und Schutztruppen (in Cordoba die Sklavenregimenter) beherrbergen und den Herrscher vor Aufständen (adelige Gegnern oder Religionsführer) schützen, und auch Repräsentatitionsaufgaben einnehmen. Daher musste Medina Azahra gut verteidigt werden können (erhöhte Lage, guter Ausblick, mehrere Terassen, Tore, Innenmaueren, Gänge, starke Außenmauern) und prächtig ausgestattet werden.20

Al Mansur ließ für sich eine eigene Satellitenstadt nahe Cordoba bauen, sie sollte größer und prächtiger werden: Medinatu-Z-Zahira.

Die Verwaltungsbehörden Cordobas übersiedelten 981 nach Medinatu-Z-Zahira, das niemals fertig ausgestaltet wurde.

In der Zeit der Bürgerkriege Anfang des 11. Jhdts. wurden beide Satellitenstädte von eigenen rebellierenden Berbersöldnern erobert und vollkommen zerstört, sämtliche Einwohner jeden Alters und Geschlechts wurden getötet.21

Imposante Verteidigungsanlagen im maurischen oder im Mudejarstil, mit hohen, dicken Mauern und Wehrtürmen, sind die mächtige (und besterhaltenste Burg aus der Zeit des Kalifats von Cordoba) Kalifenburg aus dem 10. Jhdt. Castillo de Burgalimar am Guadalquivir beim Dorf Banos de la Encina in Jaen, und die später errichteten Burgen von Saragossa, das Castillo de La Mota in Medina del Campo, das Castillo de Coca bei Segovia, das Castillo de Almodóvar del Rio und das Schloss Zafra nördlich von Sevilla.22

2.2.2. Gotteshäuser

Von Gotteshäusern aus maurischer Zeit, Moscheen, sind zumeist nur einzelne Bauteile erhalten. Als Beispiele werden erwähnt, die Türme der Kathedralen in Sevilla (UNESCO Weltkulturerbe) oder Valencia, oder in bescheidenerer Größe der Kirche San Sebastian in Ronda. Die ursprünglich Minarette wurden umgebaut, mit christlichen Symbolen versehen und dienten dann christlichen Zwecken.

Der Glockenturm der Kathedrale von Sevilla, die Giralda, ist ein umgebautes muslimisches Minarett im Almohadenstil aus dem 13. Jhdt., aufgestockt und mit aufwändigem Glockengeläut ausgestattet.23

Auch das größte Gotteshaus der Mauren, die große Moschee in Cordoba, die Mezquita, verdankt ihre heutige Existenz mit größter Wahrscheinlichkeit dem Umbau in eine katholische Kirche.24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Mezquita - Hufeisenbögen (Foto: Verf.)

Diese Mezquita von Cordoba ist ein zutiefst beeindruckendes weltweit einzigarti- ges architektonisches Juwel, historisches Zeugnis und das erste UNESCO Weltkulturerbe Spaniens. Bereits in der ersten Bauphase wurde das Konzept der hufeisenförmigen Doppel­bögen mit abwechselnd roten und weißen Steinen und schlanken Säulen entworfen und später bei allen Vergrößerungen beibehalten.

Die aus römischer Zeit vorhandenen Säulen wurden für die Moschee verwendet, waren aber zu niedrig. Um auf eine akzeptable Höhe zu kommen, architektonisch etwas Ausgefallenes zu leisten und die Last des Daches sicher auf die schmalen Säulen abzuleiten, hat ein unbekannter Baumeister diese Lösung erfunden. Nach einer rapiden Ausbreitung des Islams und Massenkonvertierungen der einheimischen Bevölkerung vergrößerte Abd al Rahman II. ca. 840 das erstemal. Nach der Ausrufung des Kalifats sollte Cordoba zum Zentrum der islamischen Welt werden und Mekka und Medina Konkurrenz machen. Abd al Rahman III. lies ein Minarett errichten, mit 30m Höhe das höchste und schönste im islamischen Westen.25

Unter Al-Hakam II. erfolgte 962 ein weiterer Ausbau mit einer Verdopplung der Gebetsräume, mit einem imposanten Gebetsbereich mit bis zur Decke reichenden gekreuzten reich geschmückten Bögen, von vom befreundeten byzantinischen Kaiser gesandten Mosaikspezialisten reichhaltig mit Gold und Mosaiken verziert. Dennoch platzte die Moschee während der Zeit Al Mansurs wieder aus allen Nähten. Al Mansur schloß die letze Vergrößerung 990 ab, mit einer zusätzlichen Erweiterung (in nunmehr einfacherer Bauweise mit nur mehr angemalten Steinen) und der Errichtung eines Außenareals, des Orangenhofs.

Nach der Eroberung Cordobas durch Ferdinand III. 1236 wurde die Moschee sofort in eine Kirche umgeweiht. Veränderungen begannen nach einem gescheitertem Aufstand und der Vertreibung aller Mauren aus Cordoba 1264 und gipfelten in einem massiven Eingriff unter dem spanischen Habsburger Karl V.. Mitten in die Moschee wurde eine imposante gotische Kathedrale mit allen da­zugehörigen Elementen, mit Altar, Orgel und reich verziertem Chorgestühl gebaut. Nach der Beschädigung durch ein Erdbeben wurden Sockel und das Innere des Minaretts mit einem barocken Glockenturm umbaut.

Bereits ab ca 1770 wurde Anstrengungen unternommen, auch die maurischen Elemente zu pflegen, zu konservieren und zu restaurieren und einen größt­möglichen Teil der ursprünglichen Schönheit wiederherzustellen.26

[...]


1 vgl. Clot, Das maurische Spanien, S. 91-93.

2 vgl. Bossong, Das Maurische Spanien, S 123.

3 vgl. Bossong, Das Maurische Spanien, S. 123.

4 vgl. Hottinger, Die Mauren, S. 314.

5 vgl. Bossong, Das Maurische Spanien, S. 123. vgl. Hottinger, Die Mauren, S. 317.

6 vgl. Bossong, Das Maurische Spanien, S.72.

7 vgl.Hottinger, Die Mauren, S. 33.

8 Herbers, Geschichte Spanien im Mittelalter, S. 97.

9 Hottinger, Die Mauren, S. 115.

10 vlg. Schwarz, Die goldene Zeit in Andalusien, TC 21:36.

11 Bossong, Die Zierde des Erdkreises, 29.7.2019.

12 vgl. Bossong, Das Maurische Spanien, S 69.

13 vgl. Boote, Morgenland im Abendland, TC 36:18.

14 vgl. Harmer, Al-Andalus und sein Erbe, 28.7.2019.

15 vgl. ebd.

16 Bossong, Das Maurische Spanien, S 71.

17 vgl. ebd., S 112.

18 vgl. Herbers, Geschichte Spaniens im Mittelalter, S. 315.

19 vgl. Clot, Das maurische Spanien, S. 317.

20 vgl. Hottinger, Die Mauren, S. 108-115.

21 vgl. ebd., S. 115.

22 vgl. Hottinger, Die Mauren, S. 108-115.

23 vgl. Clot, Das maurische Spanien, S. 312. vgl. Hottinger, Die Mauren, S. 220-221.

24 vgl. Hottinger, Die Mauren, S. 113-118.

25 vgl. Hottinger, Die Mauren, S. 113-118.

26 vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Einflüsse der maurischen Sprache und Kultur auf die spanische
Note
1
Jahr
2020
Seiten
55
Katalognummer
V918208
ISBN (eBook)
9783346231796
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mauren, Spanien, Reconquista, Kultur, Sprache, Erbe, Andalusien, Sevilla, Ronda, Granada, Alhambra, Cordoba, Geschichte, Musik, Spanisch, Maurisch, Einflüsse, Mezquita, Katrin Schneider, Katrin, Schneider
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Einflüsse der maurischen Sprache und Kultur auf die spanische, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/918208

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