Social Responsibility im Roman "North and South" von Elizabeth Gaskell


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Historischer Hintergrund

2. North and South von Elizabeth Gaskell
2.1 North and South
2.2 Industrial Novel
2.3 Biographische Einflüsse
2.4 Ziel des Buches

3. Social Responsibility in North and South
3.1 Verschiedene Bewegungen der Zeit
3.2 Religion
3.3 Soziale Ungleichheit
3.4 Viktorianische Stereotype/Komponente

4. Informationen zum Buch

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Historischer Hintergrund

“It was a time of cultural and social collision when revolution was countered by despotism and the armies of the romantics unfurled their banners against the conservative cause. It was a conflict that surged through the age, creating a new landscape of the imagination and society.”1

Vor allem in der Zeit der Industriellen Revolution spielte der Kampf der verschiedenen Schichten eine wichtige Rolle. Diese Epoche, geprägt vom Umschwung von einer landwirtschaftlichen hin zu einer maschinellen Wirtschaft, fand ihre Anfänge im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts in England. Wie bereits im St. James's Magazine vom 8. Oktober 1825 erwähnt wurde, war der Status der damaligen englischen Gesellschaft kompliziert. „[.] all classes are too much dovetailed into each other, to allow us to entertain the least apprehension of any rising of one part against another.“2

Die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen, das Leiden der Arbeitnehmer, die Krankheiten und die unhygienischen, menschenunwürdigen Konditionen waren kaum auszuhalten.

Medizinische Hilfe wurde Arbeitern und ihren Familienverweigert und ihre Arbeitsbereitschaft ausgebeutet, um die Geldbeutel der reichen Fabrikherren zu füllen. Untergebracht wurden Arbeiterfamilien auf engstem Raume und unter inhumanenBedingungen. Elendsviertel waren 3 daher nicht selten.3 Jedoch kümmerte dies die Fabrikherren wenig. Ihre Gleichgültigkeit gegenüber ihren Arbeitern führte nicht selten zu organisierten Revolten, Protesten, Märschen, Streiks und endete in gewalttätigen Handlungen und Sabotagen.4

2. North and South von Elizabeth Gaskell

Nicht selten wurden die Themen der sozialen Ungleichheit zwischen den Schichten und die Auffassung der sozialen Verantwortung in den Werken des Viktorianischen Zeitalters aufgegriffen. Bestes Beispiel hierfür sind die Romane der britischen Autorin Elizabeth Gaskell.

Elizabeth Gaskell, bekannt für ihre Romane, in welchen Szenen des englischen Landlebens mit dem Stadtleben verglichen werden, macht die Kluft zwischen Arm und Reich besonders deutlich. Coral Lansbury beschreibt sie in seinem Buch Twayne's English Author Series wie folgt: “Discontinuity and incongruence characterize the literary perceptions of Gaskell's writing. For those who acclaim her novels of industrial society there are the disconcerting and often macabre short stories that seem to 5 evoke the very spirit [...].

2.1 North and South

North and South, welches im Jahre 1855 als Buchversion veröffentlicht wurde, behandelt die Konsequenzen der Industrialisierung und ihre Wirkung auf die damalige englische Gesellschaft. Einen besonderen Fokus legt die Autorin auf den geographischen und sozialen Wandel „[...] zwischen dem ländlichen Süden und dem industrialisierten Norden Englands um die Mitte des 19. Jh.s.“5 6

Eben dieser Fokus auf die unterschiedlichen Regionen wird in Gaskells Werk North and South mehrfach verdeutlicht. Der ständige Kontrast zwischen den fiktiven Orten Helstone im ländlichen Süden und dem fabrikreichen Milton-Northern im Norden Englands zeigt dem Leser auf wie sich die damalige Gesellschaft mit den doch so großen Unterschieden innerhalb eines Landes beschäftigte.7

2.2 Industrial Novel

North and South zählt, wie die meisten der Industrieromane, zu den sogenannten „social novels“, welche sich „aus sozialkritischer Sicht oder christlich-humanitärer Anteilnahme mit den Bedingungen und Folgen der Industrialisierung in England während der ersten Hälfte des 19. Jh.s beschäftigen.“8

Grundlegendes Ziel dieser „social novels“ war es Informationen über die industriellen Bedingungen zu geben. Ebenso boten sie viel Freiraum für Interpretationen und zeigten das menschliche Dilemma dieser Zeit auf.9 Die Autorin Deidre David erklärte in ihrem Buch Fictions of the resolution in three Victorian Novels, dass es für uns, Leser aus dem 20. Jahrhundert, schwer sei die damalige Situation nachvollziehen zu können und, dass diese Industrieromane die beste Möglichkeit seien uns Einblicke in das Leben zur Zeit des industriellen Aufschwungs zu geben.10

Das Beschreiben der Probleme und der grausamen wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeiterschicht, das Aufzeigen der Kluft zwischen Arm und Reich und ab und an ein Verweis an das Göttliche zeichnen den Sozialroman des anfänglichen 19. Jahrhunderts aus.11 Mit ihrem Fokus auf “portrayal of the problems of the laboring classes, wage-earners, and slum-dwellers, some of whom are politically conscious, educated in revolutionary ideas, while the majority, resigned to their unhappy lot, simply carry on.”12

Insbesondere die weiblichen Schriftsteller zu dieser Zeit verhalfen der industrial novel zu zahlreichen Variationen, wie unter anderem zur „[...] proletarian novel, the novel of manners, the novel of purpose, the political novel, [...].”13 Ebenso hat diese eine Neigung zu anderen Arten der Novelle, „such as the social novel, the humanitarian novel, the novel of purpose, the regional novel, and the psychological novel.”14 Zugleich weist die social novel Charaktereigenschaft einer „realistic novel“ auf. Diese zeichnet sich dadurch das das damalige Leben und die damaligen Verhaltensweisen wahrheitsgemäß wider zu geben:15

“They have presented an accurate picture of working-class life in the various industrial areas. They have discussed the relations between labour and capital, talked of strikes, riots, trade unions, and of the growing alienation between the employers and the employed and drawn our attention.”16

Auch zeigt die social novel Eigenschaften einer „humanitarian novel“auf:Gefüllt mit karitativen Motiven versucht diese Art eines Romans die Zufriedenheit und das Wohlergehen der Menschheit zum Ziel eines Jeden zu benennen. Um eben dieses erreichen zu können, werden Lösungswege gegeben, welche unter anderem parlamentarische und soziale Reformenzur Folge hätten.17

Als Letztes wären die Charaktereigenschaften einer „regional novel“ zu nennen. Speziell Elizabeth Gaskell legt in ihren Werken den Fokus auf die Regionalität und versucht ihre gewohnte Umgebung mit Worten einzufangen, um so die Realität ihrer Geschichten zu unterstreichen.

Besonders relevant sind hierbei „abounding in local colour, [...] dwells on picturesque details, usually scenery, quaint customs, and dialect,[...].”18

2.3 Biographische Einflüsse

Geboren am 10. September 1810 in Knutsford, welches 16 Meilen südwestlich von Manchester entfernt liegt, wuchs Elizabeth Gaskell in der Epoche der Industriellen Revolution auf. Somit war sie mit den in ihren 19 Werken beschriebenen Lebensverhältnissen vertraut.19

Als Tochter und Ehefrau in einer unitarischen Familie entwickelte Gaskell eine Vorliebe für Wohltätigkeit und soziale Hilfe. Sie verbrachte viel Zeit damit den Armen und Bedürftigen im Industriegebiet Manchesters zu helfen. Durch ihre Nähe zu den Problemen und ihrer Detailkenntnis eben jener, sowie durch ihre lebendigen Charakterbeschreibungen verlieh sie ihren Werken eine starke Authentizität.20 „Das unterscheidet ihre Romane von den eher abstrakten ,social novels‘ eines Benjamin Disraeli oder den literarisierenden Darstellungen der Industriearbeit bei Charles Dickens.“21 So sind in ihrem Roman North and South sehr viele biographische Einflüsse zu finden.

Die Szenen in London basieren vermutlich auf Gaskells Besuchen in Holland bei ihren Verwandten in Park Lane und Lower Brook Street. Helstone verkörpert die Landschaften der Grafschaft Cheshire im Nordwesten Englands, Avonbanks und New Forest.22 Die Stadt Milton­Northern hingegen ist eine direkte Kopie der englischen Stadt Manchester, der lediglich nur ein neuer Name gegeben wurde. Mit ihrem speziellen Fokus auf Manchester verarbeitete Gaskell ihre Erfahrungen mit der Grausamkeit des industriellen Systems.

Die Hauptfigur des Romans North and South Margaret, zum Beispiel, übernimmt einige Eigenschaften ihrer Erfinderin. Ebenso wie Gaskell wird Margaret mit Armut, Leiden und der Offenheit der Arbeiterschaft konfrontiert und muss sich erst einmal in der neuen Umgebung einfinden. Auch wie Gaskell wächst Margaret am Anfang des Buches bei ihrer Tante auf und entwickelt während ihrer Anpassung an die Arbeiterschafteine Vorliebe für karitatives Handeln.23

Mr. Hale, Margarets Vater, welcher die Kirche verlässt und ein neues Leben in Milton-Northern beginnen möchte und seine Tochter und Frau in neue Lebensumstände bringt, erinnert an eine weitere Situation in Elizabeth Gaskells Leben. Denn das abenteuerliche Verhalten ihres Vaters ähnelt sehr dem Verhalten Mr. Hales.24 In Margarets Bruder, der im Laufe des Buches stirbt, sieht Elizabeth Gaskell den Verlust ihres eigenen Bruders, welcher ertrank.25 Doch eben diese Offenheit der Autorin und ihre auf realen Begebenheiten basierenden Erzählungen verstärken ihre Authentizität.

2.4 Ziel des Buches

Natürlich möchte Elizabeth Gaskell mit ihrem Roman North and South nicht nur ihre Erfahrungen mit den unmenschlichen Lebensverhältnissen verarbeiten, sondern bietet auch einige Lösungsvorschläge an, um die Bedingungen für die Arbeiterschaft zu verbessern. Die Autorin selbst „verstand den Roman als Antwort auf die moralisierenden Kritiken an ihrem Romanerstling Mary Barton. A Tale of Manchester Life (1848), in dem sie die sozialen Unruhen der Jahre 1842 bis 1843 geschildert hatte.“26

Vor allem fühlte sie sich gezwungen etwas für ihre Kultur zu tun. Sie wollte die Auseinandersetzungen zwischen Arbeiterschaft und Fabrikherren aus der Welt schaffen und den Norden Englands mit dem Süden in Einklang bringen. Ebenso versuchte sie die christliche Morallehre mit der gegebenen sozialen Situation zu verknüpfen und das Individuum mit der Gesellschaft zu vereinen.27

Deswegen begann sie neue Formen der narrativen Gestaltung zu verwenden und erschuf so eine Möglichkeit Romane nicht nur als Unterhaltungsmittel, sondern ebenso als Diskussions-Forum zu verwenden. Sie gebrauchte ihre Werke, um gegenwärtige soziale und industrielle Missstände auszudrücken, was im Nachhinein zum Wachstum 28 der social novel führte.28

3. Social Responsibility in North and South

Soziale Verantwortung beschreibt einen ethischen Rahmen, in welchem Menschen handeln sollten, um Problemen wie sozialer Ungerechtigkeit aus dem Weg gehen zu können. Soziale Verantwortung spielt in den Romanen von Elizabeth Gaskell eine besonders große Rolle, da sie es sich, wie bereits erwähnt, unter anderem zum Ziel gemacht hat, Lösungsansätze zu geben, um soziale Probleme zu reduzieren.

[...]


1 Lansbury (1984: 1).

2 Lansbury (1984: 47).

3 Vgl. Shrivastava (1985: 2).

4 Vgl. Shrivastava (1985: 3).

5 Vgl. Lansbury (1984: Preface).

6 Vgl. Welz (2008)

7 Vgl. Welz (2008).

8 Vgl. Welz (2008).

9 Vgl. Craik (1975: x).

10 Vgl. David (1981: 5f.).

11 Vgl. Shrivastava (1985: 2).

12 Shrivastava (1985: 2).

13 Shrivastava (1985: 1).

14 Shrivastava (1985: 11).

15 Vgl. Shrivastava (1985: 4).

16 Shrivastava (1985: 1).

17 Shrivastava (1985: 12).

18 Shrivastava (1985: 12f.).

19 Vgl. Gerin (1976: 5 - 8).

20 Vgl. Gaskell (1994: Vorwort).

21 Welz (2008).

22 Vgl. Foster (2002: 108).

23 Vgl. Foster (2002: 108).

24 Vgl. Gerin (1976: 151).

25 Vgl. Lansbury (1984: 6).

26 Welz (2008).

27 Vgl. David (1981: 8).

28 Vgl. Shrivastava (1985: 34).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Social Responsibility im Roman "North and South" von Elizabeth Gaskell
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V918609
ISBN (eBook)
9783346227409
ISBN (Buch)
9783346227416
Sprache
Deutsch
Schlagworte
social, responsibility, roman, north, south, elizabeth, gaskell
Arbeit zitieren
Christine Pensenstadler (Autor), 2014, Social Responsibility im Roman "North and South" von Elizabeth Gaskell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/918609

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