Die Motive Deutschlands zur Intervention im Spanischen Bürgerkrieg 1936-39


Seminararbeit, 2007

12 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Der politisch-historische Verlauf bis zu Hitlers Entscheidung
2.2 Motive für die deutsche Intervention in Spanien
2.2.1 Politisch-ideologische Motive
2.2.2 Militärische Motive
2.2.3 Wirtschaftliche Motive

3. Schlussteil

Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der 17. Juli 1936 stellt in der politisch-historischen Geschichte Spaniens ein entscheidendes Datum dar. Unter der Führung Generals Francos brach in Melilla in Spanisch-Marokko eine Militärrevolte aus, die den Spanischen Bürgerkrieg einleitete. Bereits nach den Wahlen vom 16. Februar 1936, die die Volksfront gegen die bisherige Rechtsregierung gewonnen konnte, ließ die dortige Stimmung Mutmaßungen über eine militärische Aktion der Extremisten des unterlegenen Lagers zu. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen beider politischen Lager, öffentlichen Unruhen, Streiks, Verhaftungen und Morden.

In den Folgetagen des 17. Juli breitete sich der Aufstand über das spanische Festland aus. Das Hautproblem der Aufständischen unter General Franco bestand darin, dass ihre kampferprobteste Truppe, die Fremdenlegion und Marokkaner, sich in Spanisch-Marokko befand und es ihr nicht möglich war, das spanische Festland zu erreichen, da die regierungstreue Flotte die Meeresenge kontrollierte.[1]

General Franco wandte sich in seiner Not nun an Deutschland. Am 25. Juli 1936 fällte Hitler den Entschluss General Franco zu unterstützen.

In der folgenden Hausarbeit soll die Frage beleuchtet werden, wie sich der Verlauf bis hin zur Entscheidung Hitlers darstellte und vor allem was die Motive für die Entscheidung zur deutschen Intervention waren. Mit dem politisch-historischen Verlauf zwischen Deutschland und Franco bis hin zur Zusage deutscher Hilfe beschäftigt sich der erste Teil der Arbeit.

Im zweiten Teil sollen die Motive beleuchtet werden, die Deutschland zu der Intervention bewegten. Hierbei werden die Motive drei Ebenen zugeordnet: der politisch-ideologischen, der militärischen und der wirtschaftlichen Ebene. In beiden Teilen der Arbeit dienen die „Akten zur deutschen auswärtigen Politik“[2] als Quelle. Als Literaturbasis dienen unter anderem Werke von Walther Bernecker[3], Manfred Merkes[4] Robert Whealey[5] und einige Aufsätze z.B. von Hans-Henning Abendroth[6].

2. Hauptteil

2.1 Der politisch-historische Verlauf bis zu Hitlers Entscheidung

Bereits am 22. Juli 1936 wandten sich General Franco und der ehemalige Militärattaché in Berlin, Beigbeder über das Konsulat in Tetuan an den deutschen Militärattaché in Paris General Kühlental. In dem Telegramm wurde die Bitte gestellt, zehn Transportflugzeuge nach Spanisch-Marokko zu senden. „ General Franco und Oberstleutnant Beigbeder begrüßen den Freund und Ritter General Kühlental, mitteilen ihm die neue nationale spanische Regierung und bitten ihn durch deutsche private Firmen Sendung von zehn Flugzeugen für Truppentransporte…“[7]

Das Telegramm erreichte das Auswärtige Amt am 23.Juli um 1.45 Uhr. Gerade mal 8 Stunden später, um 9.35, traf ein Telegramm vom Botschafter in Paris ein.

Dieses berichtete über eine geplante Unterstützung der spanischen Regierung von französischer Seite. „Erfahre streng vertraulich, daß französische Regierung sich bereit erklärte, nächste Tage Kriegsmaterial im erheblichem Umfange an Spanische Regierung zu liefern..“[8] Zudem wurde explizit erwähnt, dass diese Unterstützung die Lage Francos entscheidend verschlechtern würde. Zu dieser Zeit stand Deutschland gesinnungsmäßig sicherlich auf der Seite der Aufständischen unter Franco.

Die offiziellen Stellen verhielten sich jedoch neutral und versuchten keine Parteinahme erkennen zu lassen. Das Auswärtige Amt in Berlin lehnte am 24.Juli eine Unterstützung Francos ab. „Ein Eingehen auf den spanischen Wunsch kann nach Ansicht des Auswärtigen Amts zur Zeit nicht in Frage kommen.“[9]

Eine Entscheidung zu dieser Frage sollte jedoch einen Tag später ohne eine Befragung des Auswärtigen Amtes getroffen werden. Diese unterschiedlichen Ansichten ließen sich bereits zuvor erkennen. Der Deutsche Botschafter Welczeck versuchte zum Beispiel bereits in den Jahren 1933/1934 die Sympathien von Führern spanischer Rechtsparteien zu stärken. Im Mai 1934 besuchte der Faschistenführer José Antonio Primo de Rivera Deutschland. Mit diesem Besuch verbunden war eine Anfrage einer Frau Präge verbunden, die eine Unterstützung von 350000 Reichsmark für die christlichen Gewerkschaften vorsah. Das Auswärtige Amt lehnte dies ab.

Auch kurz vor dem Ausbruch im Sommer 1936 war die Haltung des Auswärtigen Amtes ablehnend. Es versuchte stets eine Einmischung in die spanische Innenpolitik zu vermeiden. Waffenlieferungen nach Spanien wurden abgelehnt.[10]

Am 23. Juli 1936 traf eine deutsche, in Las Palmas beschlagnahmte, Ju 52 der Lufthansa in Tetuán ein. Für Franco war dies eine erneute Chance deutsche Hilfe zu erhalten. Eine deutsche Maschine ohne spanisches Hoheitszeichen würde größere Chancen haben, bei der Zwischenlandung in Frankreich nicht beschlagnahmt zu werden. Zudem erhoffte sich Franco wohl eine positive Reaktion offizieller deutscher Stellen durch die Entsendung von Unterhändlern.[11] Am selben Tag bekam das Auswärtige Amt, durch Kanzler Wegener in Tetuán, ein Telegramm.

Ein beschlagnahmtes Flugzeug der Lufthansa sei auf dem Weg nach Berlin um ein Handschreiben Francos direkt an den Führer zu überbringen. An Bord seien Johannes Bernhardt, der damalige Wirtschaftsstellenleiter der Auslandsorganisation der NSDAP, Adolf Langenheim, der Ortsgruppenleiter der Auslandorganisation und ein spanischer Offizier.[12]

Am 24. Juli traf das Flugzeug in Berlin ein. Wieder einmal zeigte sich die ablehnende Haltung des Auswärtigen Amtes. Aus den Aufzeichnungen des Leiters der politischen Abteilung Dieckhoff geht hervor, dass das Reichskriegsministerium und das Auswärtige Amt davon überzeugt waren, dass die Abgesandten Francos von keinen amtlich- militärischen Stellen empfangen werden sollten. „ Schon gestern hatte sich das Reichskriegsministerium in dieser Angelegenheit an uns gewandt. Wir sind uns mit diesem einig, daß die Offiziere von keinen amtlichen militärischen Stellen empfangen werden sollten.“[13] Es wurde befürchtet, dass Waffenlieferungen an Franco bekannt werden würden. Diese Angst war nicht ganz unbegründet, da bereits eine französische Zeitung über Waffenlieferungen berichtet hatte. „Waffenlieferungen an die Aufständischen würden sehr bald bekannt werden(Liberté hat bereits derartige Nachrichten gebracht.)“[14] Zudem sei der Gedanke deutscher Lieferungen, durch getarnte Flugzeuge, über das Ausland in den Augen des Auswärtigen Amtes nicht realisierbar.

Francos Unterhändler trafen am 24. Juli zunächst auf den damaligen Gauleiter und Chef der Auslands-Organisation Bohle. Diesem wurde durch den zuvor genannten Leiter der politischen Abteilung Dieckhof davon abgeraten, die Unterhändler mit parteiamtlichen Stellen zusammenzubringen. Bohle nahm dies zur Kenntnis, führte dann jedoch eine längere Unterhaltung mit dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß. Dieser entschied sich, die Unterhändler Francos sofort zu Hitler zu schicken.[15]

Am Abend des 25. Juli kam es zum direkten Treffen der Akteure mit Hitler in Bayreuth, da dieser sich zu den Wagner Festspielen dort befand. Nach der ersten Unterredung mit Bernhardt, Langenheim ließ Hitler Generalfeldmarschall Göring, Generaloberst vom Blomberg und einen Admiral zu sich schicken.

In dieser Nacht entschied sich Hitler, Francos Bitte nachzugehen und die Forderungen zu erfüllen. Hitler fällte seine Entscheidung ohne seine engsten Berater heranzuziehen. Für das Auswärtige Amt stellte die Nachricht, dass Deutschland Franco militärische Hilfe leisten würde, eine Überraschung dar.[16]

Wie schon zuvor erwähnt, lehnte das Auswärtige Amt ein Zusammentreffen mit Francos Unterhändlern kategorisch ab. Durch das passive Verhalten des Amtes unterstütze es eher die Absichten Francos.

[...]


[1] Manfred Merkes: Die Deutsche Politik im spanischen Bürgerkrieg 1936-1939, Bonn 1969.

[2] Akten zur deutschen Auswärtigen Politik (ADAP) 1918 bis 1945, Serie D, Bd. III: Deutschland und der spanische Bürgerkrieg 1936-1939 S.5-21.

[3] Walther L. Bernecker: Krieg in Spanien 1936 – 39 (2.Auflage), Darmstadt 2005.

[4] Manfred Merkes: Die deutsche Politik im spanischen.

[5] Robert H. Whealey: Hitler and Spain. The Nazi-Role in the Spanish Civil War 1936-1939, Lexington 1989.

[6] Hans-Henning Abendroth: Hitlers Entscheidung, in: Wolfgang Schieder/Christof Dipper(Hrsg): Der Spanische Bürgerkrieg in der internationalen Poltik (1936-1939).13 Aufsätze, München 1976.

[7] Akten zur deutschen Auswärtigen Politik (ADAP) 1918 bis 1945: Deutschland S.5.

[8] Akten zur deutschen Auswärtigen Politik (ADAP) 1918 bis 1945: Deutschland S.6.

[9] Akten zur deutschen Auswärtigen Politik (ADAP) 1918 bis 1945: Deutschland S.8.

[10] Hans-Henning Abendroth: Hitlers S.79-81.

[11] Hans-Henning Abendroth: Hitlers S.86.

[12] Akten zur deutschen Auswärtigen Politik (ADAP) 1918 bis 1945: Deutschland S.9.

[13] Akten zur deutschen Auswärtigen Politik (ADAP) 1918 bis 1945: Deutschland S.11-12.

[14] Akten zur deutschen Auswärtigen Politik (ADAP) 1918 bis 1945: Deutschland S.12.

[15] Merkes: Die Deutsche Politik S.28.

[16] Merkes: Die Deutsche Politik S.29.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Motive Deutschlands zur Intervention im Spanischen Bürgerkrieg 1936-39
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Der Spanische Bürgerkrieg 1936-39 und seine Rezeption
Note
2,2
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V91894
ISBN (eBook)
9783638059848
ISBN (Buch)
9783638950206
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motive, Deutschlands, Intervention, Spanischen, Bürgerkrieg, Spanische, Rezeption
Arbeit zitieren
Tobias Hahn (Autor), 2007, Die Motive Deutschlands zur Intervention im Spanischen Bürgerkrieg 1936-39, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91894

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