Der Terrorismus ist zur Zeit wohl eines der größten Probleme, welches die Politik zu bewältigen hat. Die Anschläge vom 11. September 2001, die der Weltmacht USA mit dem Terrorismus einen neuen Kriegsgegner beschert haben; oder die Gewalt im Nahen Osten zwischen Israel und radikalen Palästinenserorganisationen, die jetzt schon seit Monaten immer weiter eskaliert und bei der ein Ende nicht absehbar ist. Die baskische Terrororganisation ETA, die in konsequenten Abständen immer wieder Anschläge auf spanische Politiker oder andere Diener des Staates verübt. Man kann sicher noch viele weitere aufzählen.
In dieser Arbeit möchte ich mich mit den Mitteln und Zielen des Terrorismus auseinandersetzen, wenn auch in nicht sehr konventioneller Hinsicht. Mein Ziel wird es sein, die Zielsetzungen terroristischer Aktionen darauf zu überprüfen, ob sie dazu dienen, Staaten zurück in einen vorstaatlichen Zustand zu versetzen. An Thomas Hobbes′ Natur- oder Kriegszustand, der ein Beispiel für einen solchen Zustand darstellt, will ich untersuchen, ob es Ziele des Terrorismus gibt, die Eigenschaften des Naturzustandes vorweisen.
Zunächst stelle ich Hobbes Naturzustand dar, zeige, warum er einen Kriegszustand darstellt. Danach möchte ich den Naturzustand als Beispiel für ein Gefangenendilemma beschreiben und damit erklären, was für Hobbes den Ausweg aus diesem Kriegszustand darstellt.
Den nächsten Teil widme ich dem Terrorismus. Zunächst werde ich erklären, was unter Terrorismus zu verstehen ist. Da dies in engem Zusammenhang mit den Mitteln und Zielen des Terrorismus steht, werden diese Faktoren ebenfalls unter diesem Punkt behandelt. Bei den Zielen und Mitteln werde ich zudem nur jene darstellen, die für nahezu alle Varianten des Terrorismus Gültigkeit besitzen.
Im dritten Teil versuche ich dann, auf Grundlage der vorigen Kapitel, die Zusammenhänge zwischen den Zielen terroristischer Anschläge und Kennzeichen des Hobesschen Kriegszustandes zu finden und zu erklären. Dieser Teil wird zudem großteils meine eigene Einschätzung widerspiegeln, da die Wissenschaft sich dem Zusammenhang zwischen Hobbes Naturzustand als Ziel terroristischer Akte - meines Wissens nach - noch nicht eingehender gewidmet hat.
Den Schluss werde ich hauptsächlich die Ergebnisse kurz bewerten und zudem noch einen kleinen Ausblick auf mögliche zukünftige gefahren des Terrorismus vornehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Naturzustand bei Thomas Hobbes
2.1 Der Naturzustand als Kriegszustand
2.2 Der Naturzustand als Beispiel für ein Gefangenendilemma
2.3 Die Überwindung des Naturzustandes durch Installation des Leviathan
3. Terrorismus
Explikation des Begriffes, Mittel und Zielsetzung terroristischer Akte
4. Dienen terroristische Akte dazu, den Hobbesschen Kriegszustand herbeizuführen?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretische Verbindung zwischen der politischen Philosophie von Thomas Hobbes und dem modernen Phänomen des Terrorismus, mit dem Ziel zu analysieren, ob terroristische Strategien darauf abzielen, staatlich geordnete Gesellschaften in einen vorstaatlichen, Hobbesschen Kriegszustand zurückzuführen.
- Analyse des Hobbesschen Naturzustands als theoretisches Konstrukt und Kriegszustand.
- Übertragung der spieltheoretischen Logik des Gefangenendilemmas auf zwischenmenschliche Konflikte im Naturzustand.
- Untersuchung der Zielsetzungen und taktischen Mittel des politischen Terrorismus.
- Vergleichende Analyse der Terrorismus-Methodik mit den Merkmalen des Hobbesschen Kriegszustands.
- Bewertung der staatlichen Resilienz gegenüber Provokationen und der Bedeutung des staatlichen Schutzvertrags.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Naturzustand als Kriegszustand
Der von Hobbes beschriebene Naturzustand ist ein rein hypothetisches Konstrukt (Heger 1981: 29). Zugrunde legt er den in einer zivilisierten Gesellschaft lebenden Menschen inklusive all seiner Bedürfnisse. Zum Naturzustand gelangt Hobbes dadurch, dass er das Verhalten der Menschen beschreibt wären diese nicht zur Einhaltung von Gesetzen und Verträgen gezwungen (Macpherson 1996: 132). Es gibt im Naturzustand keine Regeln, keine moralische und auch keine rechtliche oder staatliche Ordnung (Kersting 1994: 64). Daraus folgt, dass alle Individuen ihre Interessen ohne Beschränkung gegeneinander geltend machen können (Heger 1981: 30). Denn für Hobbes als Rechtspositivist stellt der Naturzustand keinen Naturrechtszustand dar (Kersting 1994: 73). Es gibt weder eine vernunftrechtliche, noch eine naturrechtliche Ordnung. Recht und Unrecht können nicht existent sein, da es nur Gesetze gibt wenn diese vom Staat festgelegt sind. Von „Natur aus“ gültige Gesetze gibt es nicht. Der Naturzustand ist die „Negation der zivilisierten Gesellschaft“ (Macpherson 1996: 134). So sind beispielsweise keine Industrie, Künste, Wissenschaften oder andere gesellschaftliche Errungenschaften vorhanden. Friedliche Kooperation zwischen den Menschen findet nicht statt, sondern es herrscht ein Konfliktzustand und die Bereitschaft zur Gewaltanwendung ist permanent vorhanden (Kersting 1994: 64). Das Leben in diesem Zustand bezeichnet Hobbes daher als „solitary, poore, nasty, brutish, and short.“ (1991: 89)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz des Themas Terrorismus und stellt die Forschungsfrage nach der Übereinstimmung zwischen terroristischen Zielen und dem Hobbesschen Kriegszustand.
2. Der Naturzustand bei Thomas Hobbes: Dieses Kapitel erläutert Hobbes’ philosophisches Konzept des Naturzustands als Konfliktzustand, analysiert ihn als Gefangenendilemma und beschreibt die vertragliche Notwendigkeit zur Errichtung eines souveränen Staates.
3. Terrorismus: Hier werden Definitionen, Mittel und Zielsetzungen des Terrorismus dargelegt, wobei insbesondere die Rolle von Angst, Kommunikation und Provokation im Fokus stehen.
4. Dienen terroristische Akte dazu, den Hobbesschen Kriegszustand herbeizuführen?: Dieses Kapitel führt die Ergebnisse zusammen und prüft, inwiefern terroristische Strategien aktiv versuchen, das staatliche Gewaltmonopol zu untergraben und gesellschaftliche Sicherheitsgarantien zu zerstören.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Aktualität von Hobbes’ Theorie im Kontext moderner Bedrohungsszenarien zusammen und gibt einen kurzen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich des Terrorismus.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Naturzustand, Kriegszustand, Terrorismus, Gefangenendilemma, politische Philosophie, Sicherheit, Gewaltmonopol, Staatstheorie, Provokation, Gesellschaftsvertrag, politische Gewalt, Souveränität, Bedrohungsszenarien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretische Schnittstelle zwischen der politischen Philosophie von Thomas Hobbes und dem Phänomen des modernen Terrorismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf den Hobbesschen Naturzustand, spieltheoretische Konzepte wie das Gefangenendilemma und die taktische Instrumentalisierung von Gewalt im Terrorismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird geprüft, ob terroristische Aktionen gezielt darauf ausgerichtet sind, staatliche Ordnungen zu destabilisieren und gesellschaftliche Zustände in einen Hobbesschen "Krieg aller gegen alle" zurückzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und den Vergleich philosophischer Konzepte des 17. Jahrhunderts mit modernen politikwissenschaftlichen Erkenntnissen zum Terrorismus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Herleitung des Naturzustands bei Hobbes, eine Definition der terroristischen Methodik und eine direkte Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf reale und abstrakte terroristische Ziele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Leviathan, Naturzustand, Terrorismus, Gefangenendilemma, Gewaltmonopol und Gesellschaftsvertrag.
Wie bewertet der Autor die Reaktion des Staates auf Terrorismus?
Der Autor argumentiert, dass die Taktik des Terrorismus darin besteht, den Staat zu überharten und unverhältnismäßigen Reaktionen zu provozieren, um dessen moralische Legitimität zu untergraben.
Welche Bedeutung hat das "Gefangenendilemma" für die Argumentation?
Es dient dazu zu verdeutlichen, warum rationale Akteure im Naturzustand ohne eine übergeordnete Zwangsgewalt nicht in der Lage sind, friedlich zu kooperieren, was die Notwendigkeit des Staates unterstreicht.
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- Sebastian Hoder (Author), 2002, Dienen terroristische Anschläge dazu, den Hobbesschen Kriegszustand herbeizuführen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9192