Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage, wovon es abhängt, ob es bis zum Frühjahr 2019 zur Einrichtung einer UN-Friedensmission in der Ostukraine zur Beilegung der Auseinandersetzungen im Donbass kommen wird. Der aus der ursprünglichen Perspektive in die Zukunft gerichtete Blick der Fragestellung legt eine prognostische Herangehensweise und Methode der Antwortfindung fest.
Räumlich begrenzt sich der Gang der Untersuchung auf den Donbass mit den autonomen Teilrepubliken Donezk und Lugansk, personell auf die hauptsächlich handelnden Parteien Ukraine, Russland, sowie Donezk und Lugansk. Durch die Beteiligung Russlands ergibt sich zur Ermittlung einer prognostisch belastbaren Ausgangssituation zwangsläufig die Frage, wie die Beteiligung von Großmächten, verstanden als permanente Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, auf die Einrichtung von Friedensmissionen wirkt.
Die vorliegende Arbeit dient somit zudem der beispielhaften Erprobung von Prognosemodellen zur Vorhersage von Entwicklungen in den internationalen Beziehungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung des Forschungsdesigns
2.1. Einrichtung von UN-Friedensmissionen als Explanandum
2.2. Ermittlung eines prognostischen Ankers im Outside-View
2.3. Anreicherung des Ankers durch politikwissenschaftliche Analysen im Inside-View
3. Beendigung eines Großmachtkonflikts durch eine UN-Friedensmission
3.1. Abläufe bis zur Einrichtung einer UN-Friedensmission
3.2. Hypothesen in Bezug auf die Einrichtung von UN-Friedensmissionen
4. Theoriegeleitete Ergründung der unabhängigen Variablen
4.1. Grundvoraussetzungen für die Einleitung von Friedensprozessen
4.2. Wahrscheinlichkeit einer UN-Friedensmission
4.3. Formelle Verabschiedung einer UN-Friedensmission
4.4. Zusammenfassung des Prognosemodells
5. Eine UN-Friedensmission in der Ostukraine?
5.1. Grundvoraussetzungen für die Einleitung eines Friedensprozesses
5.2. Wahrscheinlichkeit einer UN-Friedensmission
5.3. Formelle Verabschiedung einer UN-Friedensmission
5.4. Zusammenfassung der Prognoseparameter
6. Fazit: Prognose über eine UN-Friedensmission in der Ostukraine
7. Kritische Würdigung des Forschungsprozesses
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, basierend auf politikwissenschaftlichen Prognosemethoden zu ermitteln, ob bis zum Frühjahr 2019 mit der Einrichtung einer UN-Friedensmission zur Beilegung des Konflikts in der Ostukraine zu rechnen ist. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich die Beteiligung von Großmächten, insbesondere als ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, auf die Implementierung solcher Missionen auswirkt.
- Analyse der Bedingungen für UN-Friedensmissionen in Großmachtkonflikten
- Entwicklung eines dreistufigen Prognosemodells (Friedensprozess, Mission, Mandat)
- Empirische Anwendung des Modells auf den Konflikt im Donbass
- Bewertung der Einflussfaktoren wie Interessenlage Russlands und politische Stabilität der Ukraine
- Kritische Reflexion der prognostischen Ergebnisse und Politikempfehlungen
Auszug aus dem Buch
2.3. Anreicherung des Ankers durch politikwissenschaftliche Analysen im Inside-View
Da der Outside-View naturgemäß innere Faktoren sowie „unbekannte Unbekannte“ nicht zu berücksichtigen weiß, kann sich eine Problembetrachtung auf politischer Mikro-Ebene als lohnend erweisen. Gemäß den Methoden politikwissenschaftlichen Prognostizierens (Fritzsche 2018 et al.) soll dazu die zu behandelnde Problemstellung in kleinere Teilstücke zerlegt werden.
Dieser als Fermisierung (Tetlock/Gardner 2015: 110ff.) oder Dekomposition (MacGregor 2001) bezeichnete Prozess dient der genaueren Handhabbarkeit strategisch komplexer (Prognose-)Strukturen.
In Ermangelung einer kohärenten politikwissenschaftlichen Theorie, die das hier behandelte Abstrakt-Explanandum (Wovon hängt ab, ob es in einem Großmachtkonflikt zur Einrichtung einer UN-Friedensmission kommt?) soll diese Frage in drei logische Teilbereiche aufgegliedert werden, die sich theoriegeleitet bzw. theorieorientiert behandeln lassen. Zwecks dessen wird die Annahme getroffen, dass sich der Prozess der Einrichtung einer UN-Friedensmission für Großmachtkonflikte in einem Dreischritt vollzieht, der mit den Schlagworten Friedensprozess – Friedensmission – Friedensmandat bezeichnet werden kann. Kap. 3 dient der Konzeptualisierung dieses Theorems, auf welches aufbauend Kap. 4 die zu Grunde gelegten unabhängigen Variablen einführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den aktuellen Kontext der Ukraine-Krise dar und definiert die Fragestellung sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Vorstellung des Forschungsdesigns: In diesem Kapitel wird das theoretische Vorgehen, insbesondere die Trennung in Outside-View und Inside-View zur Prognoseerstellung, detailliert erläutert.
3. Beendigung eines Großmachtkonflikts durch eine UN-Friedensmission: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Entstehung von UN-Friedensmissionen und die notwendigen Schritte bis zu deren Implementierung analysiert.
4. Theoriegeleitete Ergründung der unabhängigen Variablen: Dieses Kapitel führt die spezifischen Variablen ein, die zur Beurteilung der Wahrscheinlichkeit einer Friedensmission herangezogen werden.
5. Eine UN-Friedensmission in der Ostukraine?: Die gewonnenen Erkenntnisse und Variablen werden in diesem Kapitel auf den konkreten Fall des Donbass-Konflikts angewendet.
6. Fazit: Prognose über eine UN-Friedensmission in der Ostukraine: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass mit einer UN-Mission bis zum Frühjahr 2019 nicht zu rechnen ist.
7. Kritische Würdigung des Forschungsprozesses: Abschließend wird die Arbeit selbst kritisch hinterfragt, insbesondere im Hinblick auf die methodischen Grenzen und die Anwendbarkeit des Modells.
Schlüsselwörter
UN-Friedensmission, Ostukraine, Großmachtkonflikt, Donbass, Sicherheitsrat, Prognosemodell, Friedensprozess, Peacekeeping, Außenpolitik, Russland, Ukraine, Konfliktlösung, Internationale Organisationen, Mandat, Wahrscheinlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Frage, ob unter den gegebenen politischen Bedingungen eine UN-Friedensmission zur Beilegung des Konflikts in der Ostukraine bis zum Frühjahr 2019 wahrscheinlich ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Abläufe der Entstehung von UN-Friedensmissionen, die Rolle ständiger Mitglieder des UN-Sicherheitsrates in Großmachtkonflikten und die Analyse spezifischer Einflussfaktoren im Ukraine-Konflikt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer UN-Intervention im Donbass, um zu prüfen, ob die in der politischen Debatte suggerierte Erwartung einer Mission realistisch ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Methoden des politikwissenschaftlichen Prognostizierens, insbesondere die Dekomposition komplexer Strukturen in kleinere Teilstücke (Outside-View und Inside-View), um Wahrscheinlichkeiten mathematisch und qualitativ abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Kriterien für Friedensprozesse und Missionen entwickelt und anschließend akribisch auf die Akteurskonstellation (Ukraine, Russland, Separatisten) in der Ostukraine angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie UN-Friedensmission, Großmachtkonflikt, Prognosemodell, Sicherheitsrat und politische Interessenlage Russlands.
Warum bewertet der Autor die Wahrscheinlichkeit einer UN-Mission als sehr gering?
Die Analyse zeigt, dass die Nähe des Konflikts zu Russland als Vetomacht des Sicherheitsrates und die gegensätzlichen Interessen der Konfliktparteien eine konsensuale Einigung auf eine Mission extrem unwahrscheinlich machen.
Welche Alternative zu Blauhelmen schlägt die Arbeit vor?
Der Autor empfiehlt, sich eher auf die Stärkung und Ausweitung des Mandats der bereits existierenden OSZE-Beobachtermission zu konzentrieren, da dies prognostisch realistischer ist als die Entsendung von UN-Blauhelmen.
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- Magnus Obermann (Author), 2018, Krieg und Frieden in Großmachtkonflikten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/919671