In dieser Hausarbeit soll die Forschungsfrage geprüft werden, inwiefern sich die Ansätze der beiden modernen Theoretiker Niklas Luhmann und Thomas Luckmann voneinander unterscheiden. Der Fokus liegt dabei auf der Funktion der Religion in der modernen Gesellschaft.
Im Genaueren wird daher im ersten Abschnitt der Hausarbeit zuerst auf Luhmann und die Frage nach dem Sinn eingegangen. Dabei wird sowohl auf den Autoren selbst als auch auf den Sinn nach religiöser Kommunikation Bezug genommen. Dies bietet dann Grundlage, um Luhmanns religionssoziologische Theorie kurz zu umreißen und im Anschluss daran genauer die Funktion der Religion zu untersuchen, welche Erkenntnis über die Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft bringen soll.
Im zweiten Abschnitt der Hausarbeit wird auf die Werke und Beiträge des ebenfalls modernen Religionssoziologen Thomas Luckmann eingegangen. Nach einer groben Beschreibung seiner Person, folgt die Darstellung seines empirischen Ansatzes zur Religion. Wie bei Luhmann soll auch hier die Funktion bzw. die Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft bestimmt werden, worauf ebenfalls ein Bezug zu dem Thema der Säkularisierung folgt.
Nach dieser ausschließlichen Gegenüberstellung der Gedankengänge beider Autoren sollen innerhalb eines Vergleichs sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der dargestellten Theorien herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zu der Frage nach dem Sinn
3. Luhmanns Religionssoziologie
4. Funktion der Religion nach Luhmann
5. Luckmanns empirischer Ansatz zur Religion
6. Funktion der Religion nach Luckmann
7. Vergleich beider Autoren
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Unterschiede in den religionssoziologischen Ansätzen von Niklas Luhmann und Thomas Luckmann, insbesondere hinsichtlich der Funktion, die Religion in der modernen Gesellschaft einnimmt.
- Theoretische Fundierung der Religionssoziologie bei Niklas Luhmann (Systemtheorie)
- Empirischer Ansatz und Individuumsfokus bei Thomas Luckmann
- Analyse der Begriffe Transzendenz und Säkularisierung bei beiden Autoren
- Gegenüberstellung und kritischer Vergleich der Konzepte zur Bestimmung der gesellschaftlichen Funktion von Religion
Auszug aus dem Buch
3. Luhmanns Religionstheorie
Zuerst einmal muss gesagt werden, dass Luhmanns Theorie der Religion in dem Kontext seiner allgemeinen Gesellschaftstheorie gesehen werden muss und im Folgenden nur stark verkürzt dargestellt wird. Grundsätzlich finden die Ergebnisse seiner theoretischen Untersuchungen ihren Anfang dabei in der Organisationssoziologie, wodurch auch das Vorhaben aufkam, die religiöse Organisierbarkeit näher zu beleuchten. Dabei stellen sich jedoch mehrere Fragen, wie beispielsweise die Anschließenden: Wodurch werden die Grenzen zwischen den Funktionssystemen gezogen und was führt zuerst einmal zu der Ausdifferenzierung verschiedener Subsysteme in der Gesellschaft. In Bezug auf die Grenzbestimmung zwischen den Systemen lässt sich sagen, dass diese nicht durch Personen getätigt werden, sondern anhand von Kommunikation errichtet, stabilisiert und beständig reproduziert werden (vgl. Kleine 2016: 53).
Eben diese Kommunikation ist auch Grund für das Herausbilden von Subsystemen, womit jedoch keine beliebige Kommunikation gemeint ist. Jedes Teilsystem der Gesellschaft hat, so Luhmann, einen „systemspezifischen Code“ an dem sich die stattfindende Kommunikation grundlegend orientiert. Dieser Code gibt wegweisende Unterscheidungen vor, wie zum Beispiel im Wirtschaftssystem die Differenzierung von Etwas haben und Etwas nicht haben (vgl. ebd.: 53). Innerhalb des Religionssystems ist dies jedoch allgemein schwieriger. Angefangen bei der Funktion, die die Religion für das System der Gesamtgesellschaft hat, die damit zu erklären ist, dass in einer Kommunikation eines jeden Teilsystems nur ausgewählte Themen besprochen werden, die wirklich für das System relevant sind. Somit bleibt das, worüber nicht geredet wurde übrig und zählt gewissermaßen als unbestimmt. Genau an dieser Stelle setzt die Religion an, welche sich ausdrücklich mit dem „Einschluss des Ausgeschlossenen“ (Wohlrab-Sahr 2005: 73) beschäftigt und zu ihrem Zentrum macht. Sie benennt genau das, was unbestimmbar bleibt als Transzendenz. Im Genaueren repräsentiert Religion obendrein gerade das Unbestimmbare, wodurch es bestimmbar scheint. Die Auseinandersetzung mit dem Bestimmten und dem Unbestimmten ist zwar Teil jedes Systems der Gesellschaft, aber ausschließlich der Bereich die Religion setzt sich dies auch als zentrales Bezugsproblem (vgl. Kleine 2016: 55).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Religionssoziologie ein und definiert die Forschungsfrage, welche die Differenzen zwischen Luhmann und Luckmann bezüglich der Funktion von Religion in der Moderne prüft.
2. Zu der Frage nach dem Sinn: Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung des Sinnbegriffs in Luhmanns Theorie und stellt die paradoxe Struktur religiöser Kommunikation als Beobachtung des Nichtbeobachtbaren dar.
3. Luhmanns Religionstheorie: Das Kapitel erläutert die systemtheoretischen Grundlagen Luhmanns, insbesondere die Ausdifferenzierung von Subsystemen und die Bestimmung von Religion als Medium, das Transzendenz thematisiert.
4. Funktion der Religion nach Luhmann: Hier wird dargelegt, dass Luhmann die Funktion der Religion in der Bestimmbarkeit des Unbestimmbaren sowie in der Kontingenzbewältigung verortet.
5. Luckmanns empirischer Ansatz zur Religion: Das Kapitel beschreibt Luckmanns Wende zum Individuum und die Kritik an der Identifikation von Religion mit kirchlichen Institutionen.
6. Funktion der Religion nach Luckmann: Hier steht die „unsichtbare Religion“ und die Vergesellschaftung des Umgangs mit Transzendenzen als zentrale Funktion bei Luckmann im Vordergrund.
7. Vergleich beider Autoren: In diesem Kapitel werden Luhmanns systemtheoretischer und Luckmanns empirisch-individuumszentrierter Ansatz einander gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Differenzen herauszuarbeiten.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Ansätze beider Autoren trotz unterschiedlicher Schwerpunkte weniger stark voneinander abweichen, als zunächst angenommen.
Schlüsselwörter
Religionssoziologie, Niklas Luhmann, Thomas Luckmann, Funktion der Religion, Systemtheorie, Kommunikation, Transzendenz, Säkularisierung, Kontingenzbewältigung, Individuation, moderne Gesellschaft, Gesellschaftssysteme, Unbestimmbarkeit, Privatisierung, religiöse Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die religionssoziologischen Theorien von Niklas Luhmann und Thomas Luckmann mit dem Fokus auf die Funktion der Religion in der modernen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systemtheorie (Luhmann), den empirischen Individualansatz (Luckmann), Konzepte der Säkularisierung, Transzendenz sowie die gesellschaftliche Rolle von Religion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, inwiefern sich die beiden Autoren in der Bestimmung der Funktion der Religion innerhalb der modernen Gesellschaft unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse der religionssoziologischen Hauptwerke beider Autoren, ergänzt um eine theoretische Einordnung in den soziologischen Diskurs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte beider Autoren einzeln dargestellt (Sinnbegriff, Religionstheorie, empirischer Ansatz) und anschließend in einem direkten Vergleich kritisch gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Religionssoziologie, Systemtheorie, Transzendenz, Säkularisierung und das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft charakterisieren.
Was unterscheidet Luhmanns Verständnis von Transzendenz von dem Luckmanns?
Luhmann definiert Transzendenz systemtheoretisch als das Unbestimmbare der Gesellschaft, während Luckmann Transzendenz an menschliche, individuelle Erfahrungen koppelt.
Wie bewerten die Autoren das Phänomen der Säkularisierung?
Beide Autoren verneinen, dass Säkularisierung ein bloßes Verschwinden von Religion bedeutet; sie interpretieren sie stattdessen als einen Prozess der Privatisierung und des gesellschaftlichen Wandels.
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- Anonym (Autor), 2019, Die Theorien von Niklas und Thomas Luhmann. Die Funktion der Religion in der modernen Gesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/919694