Wie können die Schüler befähigt werden, ihre individuellen Kenntnisstände zu überprüfen, um so ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und daran zu arbeiten?


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Begründung des Themenschwerpunktes/ Ziele

3. Theoretische Grundlagen

4. Durchführung

5. Reflexion der Ergebnisse

6. Anhang
6.1 Selbstdiagnosebogen
6.2 Auswertung des Diagnosebogens nach Geschlecht
6.3 Beobachtungsbogen & Selbsteinschätzung
6.4 Rückmeldungsbogen
6.5 Auswertung der Mathematikarbeit Nr. 4
6.6 Durchschnittsnotenvergleich Klassenarbeiten 1-4
6.7 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
6.8 Literaturverzeichnis

2. Begründung des Themenschwerpunktes/ Ziele

Im Rahmen des Moduls DFB I, speziell im Schwerpunkt Beurteilung und Bewertung, wurde ich für eine Problemstellung sensibilisiert. In meiner fünften Klasse stellte ich Diskrepanzen zwischen der Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler in Bezug auf ihren Kenntnisstand vor einer Mathematikarbeit und der späteren Auswertung ihrer schriftlichen Leistungen fest.

Aufgrund dieses Missstandes ergab sich folgende Problemstellung, die einer intensiven Auseinandersetzung bedarf: „Wie können die Schüler[1] befähigt werden, ihre individuellen Kenntnisstände zu überprüfen, um so ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und daran zu arbeiten?“

Nach Sichtung einschlägiger Literatur erschien mir die von REIFF (2006) beschriebene Vorgehensweise geeignet, meine Schüler in der Überwindung des beschriebenen Problems zu unterstützen und die im Folgenden beschriebenen Ziele zu verwirklichen.

Im Zuge der Problemüberwindung sollen die Schüler zunehmend Eigenverantwortung im Lernprozess übernehmen und eine realistische Selbsteinschätzung ihres Könnens beherrschen. Diese Aspekte werde ich durch die angewendete Methode der Lerntheke weiterentwickeln und verwirklichen. Die Methode an sich wird im weiteren Verlauf der Arbeit erläutert. Als weiteres Kriterium steht die Schaffung einer zunehmenden Transparenz der an die Schüler gestellten Leistungsanforderungen dar.

Von großer Wichtigkeit ist für mich, zusätzlich zu den schon genannten Zielen, die Gelegenheit, den Schülern geeignete Hilfestellungen an die Hand zu geben, die ihren Lernprozess unterstützen und so den Lernerfolg erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, werde ich Beobachtungsbögen entwickeln und einsetzen, die den Schülern ein konstruktives Feedback geben.

3. Theoretische Grundlagen

Selbstdiagnosebögen (6.1 Selbstdiagnosebogen) stammen ursprünglich aus Schweden und finden zunehmend Zuspruch in Deutschland. Die Selbstdiagnosebögen, wie sie von REIFF beschrieben werden, sind ein neuer Weg, der Schüler in deren Selbstständigkeit und Eigenverantwortung im Lernprozess begleitet und unterstützt. Anhand der Selbstdiagnosebögen sollen die Schüler ihre Kompetenzen bezüglich des Lerngegenstandes realistisch einschätzen, wodurch sie etwaige Stärken oder Defizite erkennen. Die realistische Selbsteinschätzung ist eine Kompetenz, deren Auswirkung auf den zukünftigen Lebensweg eines Schülers weit reichende Folgen hat, so dass ihrer Erlangung unbedingt Beachtung geschenkt werden muss.

Auch ZAUGG (2004) sieht in dem Transparentmachen von Inhalten und Anforderungen eine wichtige Funktion, weshalb er diese in seinem Förderkreislauf zu Beginn ansetzt. Neben der individuellen Kompetenzdiagnose wirkt sich der Einsatz von Selbstdiagnosebögen auch in weiteren Bereichen durchaus positiv aus. So besteht für die Schüler die Möglichkeit, sich anhand der Diagnosebögen einen genauen Überblick über die zu beherrschenden Inhalte und Techniken der aktuellen Unterrichtseinheit zu verschaffen.

Dieser Effekt wirkt sich wiederum positiv auf die Akzeptanz der Schüler aus, da der Lehrer auf diese Art und Weise die von ihm erwarteten Leistungsanforderungen und Ziele transparent macht. Die geschaffene Transparenz erleichtert den Schülern die Übernahme von Eigenverantwortung, eine der Zielsetzungen, da Lerninhalte klar formuliert werden und so gezielt an ihnen gearbeitet werden kann.

Dem Lehrer ergeben sich aus den Schüleraufzeichnungen neue Möglichkeiten der Beurteilung und Förderung. Die Unterlagen der Schüler zeigen, wo jeder einzelne Schüler im Verhältnis zum aufgestellten Ziel steht. Anhand dessen kann der Lehrer die Lernentwicklung seiner Schüler beurteilen und individuell unterstützen (REIFF 2006). Lernrückstände können durch gezielte Förderungen abgebaut werden, was wiederum zu einem höheren Durchschnittsniveau führt. Übergeordnetes Ziel ist eine Förderung aller Schüler und somit die Orientierung an Stärken statt an Lerndefiziten. Um diese Vorgehensweise durchzuführen, sind Diagnose- und Beobachtungskompetenz des Lehrers Voraussetzung.

Eine verstärke Einbeziehung der Schüler in ihren Lernprozess macht aus ehemaligen passiven Wissenskonsumenten zunehmend auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene Produzenten. Das selbstverantwortliche Lernen und der persönliche Erfolg lässt die Schüler die Erfahrung machen, dass sie über eigenes Potential verfügen (PARADIES; LINSER & GREVING 2006). Daraus wiederum erwachsen Selbstvertrauen und Motivation, ihrerseits elementare Bausteine eines individuellen Lernprozesses.

Die Anwendung von Selbstdiagnosebögen hat wie viele neu eingeführte Diagnosemethoden, mit der Ablehnung einiger Lehrer zu kämpfen.

REIFF entgegnet kritischen Stimmen mit einem Verweis auf die Bildungsstandards und den darin neu aufgenommenen Kompetenzbeschreibungen, die eine solche Vorgehensweise nicht nur rechtfertigen, sondern fordern.

Insgesamt kann in dieser Arbeit und Durchführungsphase von einer starken Anlehnung an den Förderkreislauf, entwickelt durch ZAUGG, gesprochen werden. Die Beobachtungsbögen und Selbstdiagnosebögen, ausgefüllt durch Schüler und Lehrer, stellen z.B. Diagnoseinstrumente dar. Diese Diagnoseinstrumente helfen den Schülern, sich in ihrem Lernprozess zu orientieren und eigene Lernfortschritte wahrzunehmen. Dabei handelt es sich um formative Beurteilungen der Schüler. Aus der Bearbeitung heraus, geeignete Fördermöglichkeiten vorausgesetzt, setzen sich die Schüler neue Ziele, deren Erreichung im Fokus steht. Nach einer angemessenen Ergebnissicherung steht eine summative Bewertung der Schülerleistungen.

4. Durchführung

Die Selbstdiagnosebögen wurden von mir auf die Schwerpunkte und Inhalte der Unterrichtseinheit Geometrie in der Jahrgangsstufe 5 abgestimmt. In dieser Jahrgangsstufe unterrichte ich seit dem Schuljahr 07/08 eigenverantwortlich Mathematik, weshalb die Anwendung eines solchen Bogens (meine erste Mathematikklasse in Eigenverantwortung) von besonderer Bedeutung für mich ist.

Der Selbstdiagnosebogen ist so aufgebaut, dass die Schüler in insgesamt 8 Situationen ihre Kompetenzen selbst einschätzen müssen. Da Schüler oftmals befürchten, ein Eingestehen von Schwierigkeiten mit einem Lerninhalt könnte negativ bewertet werden, wies ich explizit auf einen absolut bewertungsfreien Status (formative Funktion) dieses Diagnosebogens hin.

Bevor die Schüler damit begannen, den Selbstdiagnosebogen zu bearbeiten, ließ ich die eventuellen Vorteile der eigenständigen und ehrlichen Bearbeitung bzw. Beantwortung verbalisieren.

Meinen Erwartungen entsprechend stellte sich heraus, dass der Selbstdiagnosebogen als Chance von den Schülern angesehen wurde, weil sie mir auf diese Art und Weise zeigen konnten, welche Inhalte nochmals besprochen oder vertieft werden sollten. Zusätzlich zu den Ausführungen einiger Schüler fügte ich den Hinweis an, dass ich anhand der Diagnosebögen Arbeitsmaterial erstellen werde, welches in der darauf folgenden Woche, an der unter meinen Schülern akzeptierten und beliebten Lerntheke bearbeitet werden kann. Die Lerntheke fördert und fordert von den Schülern die Fähigkeit, den eigenen Lernprozess zu gestalten bzw. zu organisieren (vgl. BARZEL, BÜCHTER & LEUDERS 2007).

Die Methode der Lerntheke erlaubt zusätzlich eine Differenzierung und Individualisierung im Unterricht, da sich die von mir erstellten Aufgaben hinsichtlich ihrer Schwierigkeitsstufen unterscheiden (vgl. BÜTCHER & LEUDERS 2005). Während die Schüler an der Lerntheke arbeiteten, eröffneten sich mir neue Wege der Beobachtung und Diagnose. Es eröffnete sich mir die Chance, meinen Schülern individuelle Rückmeldungen und Hilfestellungen zu geben. Im Anhang (6.3 Beobachtungsbogen) befindet sich ein von jedem Schüler und mir bearbeiteter und besprochener Beobachtungsbogen (formative Beurteilung).

Nach Klärung allgemeiner Bearbeitungshinweise incl. Handhabung des Selbstdiagnosebogens waren die Schüler damit beauftragt, sich in den verschiedenen Kompetenzbereichen der Unterrichtseinheit Geometrie einzuschätzen.

Die Einleitungsfrage lautete: „ Wie sicher fühlst du dich in den folgenden Situationen?“, als Antworten standen den Schülern: „ Unsicher“, „Ziemlich sicher“, „Sicher“ und „Sehr sicher“ zur Verfügung. Durch die bewusste Auswahl von vier positiv behafteten Adjektiven war gewährleistet, dass die Schüler stets wohlgestimmt bei der Einschätzung ihrer Kompetenzstufe waren. Keiner der Schüler nahm sich durch diese Vorgehensweise als „schlecht“ oder „schwach“ wahr.

Während der Bearbeitungsphase waren die Schüler konzentriert und motiviert und auch im Anschluss an die Bearbeitung äußerten sie sich durchweg positiv.

Die sich anschließende Auswertung der Diagnosebögen gab Aufschluss über den aktuellen Grad der Kompetenzerreichung meiner Lerngruppe, den IST-Stand.

Tabelle 1: Auswertung Selbstdiagnosebogen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dem IST-Zustand der Lerngruppe ist zu entnehmen, dass sich keiner der 26 Schüler in den Bereichen 1, 2 und 6 (Lavendel) unsicher fühlt. Im Gegenteil! Gerade in diesen Bereichen weisen die Schüler, im Verhältnis zu den übrigen Bereichen, überdurchschnittliche Kompetenzen auf. In den Bereichen 1 und 6 geben jeweils 77 % der Schüler an, sicher bzw. sehr sicher zu sein. Lediglich Bereich 2 weist mit 92 % sich sicher bzw. sehr sicher fühlender Schüler einen höheren Wert auf. Untersucht man alle 8 Bereiche nach diesem Kriterium, ergibt sich eine gewisse Rangfolge, die in der zweiten Spalte (RANG) der Tabelle visualisiert wird.

Diese Rangfolge findet besondere Beachtung, da sich Anzahl und Schwierigkeitsgrad der in der Lerntheke angebotenen Arbeitsblätter an dieser orientiert.

Eine Aufschlüsselung[2] der Kompetenzeinschätzungen nach dem Geschlecht ergab, dass sich die Jungen der Lerngruppe insgesamt sicherer im Umgang mit den an sie gerichteten Lerninhalten fühlten, als dies die Mädchen der Lerngruppe taten. Dieses Ergebnis stellte für mich keine Überraschung dar, weil sich die Mädchen der Klasse bisher zurückhaltend und unsicher in der Einschätzung ihrer eignen Fähigkeiten gezeigt haben. Das Selbstvertrauen einiger Mädchen wird von mir gerade im sportlichen Bereich aufgebaut, so dass sich in diesem Bereich im weiteren Verlauf des Schuljahres hoffentlich Verbesserungen einstellen werden.

Das größere Selbstvertrauen der Jungen in die eigenen Fähigkeiten beobachtete auch REIFF in ihrer Lerngruppe, so dass dieser Aspekt als wenig überraschend von mir gewertet wird.

Aufschlussreich war allerdings die Auswertung der sich an diesen Abschnitt anschließenden Mathematikarbeit.

Abbildung 1: Notenverteilung der Lerngruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 zeigt die Notenverteilung der Mathematikarbeit zum Thema „Geometrie“. Aufgrund der Selbsteinschätzung habe ich den Klassendurchschnitt sowie die geschlechtsspezifischen Notendurchschnitte ermittelt.

Abbildung 2: Durchschnittsnote der Lerngruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 zeigt, dass die Jungen insgesamt einen Notendurchschnitt von 3,0 erreicht haben. Die Mädchen der Lerngruppe, erreichten bei schwächerer Selbsteinschätzung, einen Notendurchschnitt von 2,8. Insgesamt ist die Klassenarbeit mit einem Durchschnitt von 2,9 gut ausgefallen. Ein Blick zu den Auswertungen der übrigen Klassen der Jahrgangsstufe 5 zeigte, dass die von mir unterrichtete und hier untersuchte Lerngruppe überdurchschnittlich abschnitt. Der Vergleich der einzelnen Selbsteinschätzungen mit den Ergebnissen der Klassenarbeit beweist, wie gut sich die Schüler selbst einschätzen konnten. Die Bereiche mit den höchsten Werten bei der Selbsteinschätzung (S.6), wurden bei der Mathematikarbeit (Nr.2 und Nr. 3) von sämtlichen Schülern gut bis sehr gut gelöst. Weniger gut gelöst und im Selbstdiagnosebogen als Defizit erkannt, wurden die Inhalte von Aufgabe Nr. 5. Die Anzahl der Schüler, die bei dieser Aufgabe 0 Punkte erreichten, deckt sich mit dem Wert der Selbsteinschätzung von 23 % Unsicheren (7. den Flächeninhalt einer beliebigen Figur bestimmen). Große Abweichung von den Werten der Selbsteinschätzung, war bei Aufgabe Nr. 4 zu verzeichnen. Insgesamt gaben 31 % der Schüler an, in diesem Themenbereich (3. parallele und zueinander senkrechte Geraden konstruieren) unsicher zu sein. Vergleicht man dies mit den Ergebnissen der Mathematikarbeit, ist festzuhalten, dass Aufgabe Nr. 4 von jedem Schüler mit Erfolg bearbeitet werden konnte.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden die maskuline Form Schüler verwendet, diese bezieht auch die Schülerinnen mit ein. Sollten nur Jungen oder Mädchen gemeint sein, wird dies im Text explizit geschrieben.

[2] Die Aufschlüsselung befindet sich im Anhang unter Punkt 6.2 Auswertung des Diagnosebogens nach Geschlecht

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wie können die Schüler befähigt werden, ihre individuellen Kenntnisstände zu überprüfen, um so ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und daran zu arbeiten?
Veranstaltung
DFB I
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V91974
ISBN (eBook)
9783638060042
ISBN (Buch)
9783638950244
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schüler, Kenntnisstände, Stärken, Schwächen
Arbeit zitieren
Franz-Michael Becker (Autor), 2008, Wie können die Schüler befähigt werden, ihre individuellen Kenntnisstände zu überprüfen, um so ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und daran zu arbeiten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91974

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