Entstehung und Bedeutung der Jesuitenprovinz Paraguay im 17. Jahrhundert


Seminararbeit, 2008
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Paraguay vor den Jesuiten
2.1 Die indigene Bevölkerung
2.2 Das Gebiet
2.3 Der Kolonialismus
2.4 Missionierungsarbeiten vor den Jesuiten

3 Entstehung des Jesuitenstaates von Paraguay
3.1 Ankunft der ersten Jesuiten
3.2 Synode von Asunción 1603
3.3 Die Anfänge der Jesuitenprovinz Paraguay
3.4 Jesuitische Reduktionen

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit der Entdeckung der Neuen Welt durch Spanier und Portugiesen ist die Geschichte Lateinamerikas auch eine Geschichte der Unterdrückung und Ausrottung der Indios. Nachdem sich die Kolonisten festgesetzt hatten und durch Gold- und Silberfunde nicht zu erhofftem Reichtum gekommen sind, nutzten sie die Arbeitskraft der Indios beim Ausbau ihrer Landwirtschaft und Viehzucht aus. Dabei kam es zu hemmungsloser Ausbeutung und zu unvorstellbaren Grausamkeiten.[1]

Eine Entwicklung, die diesem Zustand der Sklaverei entgegenwirkte, trat mit der Errichtung von Reduktionen durch jesuitische Missionare ein. Durch lokale Trennung der Indios von europäischen Siedlungen suchte man einerseits, ihren Schutz zu gewährleisten und andererseits, gute Christen nach europäischem Vorbild aus ihnen zu machen. Konflikte mit den Siedlern, die ihren kostengünstigen Arbeitskräften „beraubt“ wurden, waren somit vorprogrammiert. Diese Arbeit befasst sich mit den Anfängen des Jesuitenstaates von Paraguay, welche Situation vor der Ankunft der Jesuiten vorherrschte und welche Veränderungen mit ihnen eintraten.

2 Paraguay vor den Jesuiten

2.1 Die indigene Bevölkerung

1516 entdeckte der spanische Seefahrer Juan Díaz de Solís im Südosten des Kontinents die Mündung des Rio de la Plata. Auf der Suche nach dem „Goldland“ im Innern, das Gerüchten zufolge von einem weißen König regiert wurde, zogen in den folgenden Jahren spanische conquistadores flussaufwärts und gründeten 1537 am Fluss Paraguay die Stadt Asunción.[2] In diesem Gebiet trafen sie auf zwei unterschiedliche Typen von Eingeborenen, die Guaycurú und die Guaraní.

Die Guaycurú, ein Stamm der Gran Chaco Indianer, aus der Region westlich von Asunción, waren kriegerische Jäger und Sammler. Dieser Stamm bedrohte ständig Asunción und versperrte die Wege durch den Chaco in die Andenländer.[3]

Die Guaraní (übersetzt: Krieger) dagegen wurden von den Spaniern trotz ihrer Bezeichnung und trotz anfänglicher Auseinandersetzungen als freundlich und friedlich bezeichnet. Sie betrieben im Gegensatz zu den Gran Chaco Indianern Ackerbau in Form von Wanderwirtschaft. Ihre Hauptanbauprodukte waren Mandioka, Süßkartoffeln, Zapallo (eine Kürbisart), Mais, Erdnuss, Bohnen und Baumwolle. Wenn der Boden ausgeschöpft war, was in der Regel 5 – 6 Jahre dauerte, zogen sie weiter. Neben der Bodenwirtschaft ernährten sich die Guaraní von der Jagd und der Fischerei. Sie betrieben Handwerk wie Weben, Färben, Töpfern und beherrschten die Kunst der Holzschnitzerei. Kleidung kannten sie nicht, beschmückten sich aber mit Federn und Körperbemalungen. Die Guaraní bewohnten ein riesiges Gebiet, das vom Orinoko im Norden bis zur La Plata-Mündung im Süden und vom Vorgebirge der Anden im Westen bis zur Atlantikküste im Osten reicht. In der Religion der Guaraní existierte eine „Hochgottgestalt“, die Ñanderuvuzú genannt wurde. Daneben wurden Naturgeister verehrt. Sie glaubten an die Unsterblichkeit der Seele und an ein Paradies, aber auch an einen Teufel und eine Art Hölle.[4] Die Tatsache, dass die Guaraní eine Religion besaßen, die in ihrer Grundstruktur Ähnlichkeiten zum christlichen Glauben aufwies, begründet, warum dieses Volk für die Missionierung besonders empfänglich war.

2.2 Das Gebiet

Nach der Gründung Asuncións 1537 folgten auf Eroberungszügen die Gründungen weiterer Städte, z. B. Santa Fe und Corrientes; 1580 wurde Buenos Aires neu gegründet. Hauptstadt der Region war Asunción.[5] Die Jesuiten begannen 1587 mit der Bekehrung der indigenen Bevölkerung in der Guayrá Region, aber die Durchdringung des Gebietes südlich des Amazonasbeckens gelang dem Orden erst nach Gründung der Jesuitenprovinz Paraguay im Jahre 1604. Obwohl die Provinz Paraguay benannt wurde, beinhaltete es eine ausgedehnte Region, das aus dem heutigen Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay und etwa einem Drittel Boliviens und Brasiliens, also einem Gebiet von ca. 7 Mio. km², bestand.[6]

2.3 Der Kolonialismus

Asunción, das jahrelang nur als Zwischenstation auf dem Weg zur „Sierra de la Plata“ angesehen wurde, entwickelte sich zunehmend zu einer festen Siedlung. Deshalb versuchte man eine soziale Ordnung für Siedler und Indianer zu schaffen, was dazu führte, dass auf den von Königin Isabella aus dem Jahre 1503 stammenden Erlass, die sogenannte encomienda , zurückgegriffen wurde. 1556 wurde die encomienda unter Domingo Martínez de Irala in Asunción eingeführt.[7] Sie sollte der Beschaffung von Arbeitskräften und der Eingliederung der Indios in die christlich-spanische Kultur dienen. Als Gegenleistung für die erbrachte Arbeit sollten die encomenderos den ihnen unterstellten Indios Schutz und eine christliche Erziehung gewährleisten. Jedoch kam es häufig dazu, dass diese Machtstellung von vielen Siedlern missbraucht wurde und zu sklavereiähnlichen Verhältnissen führte. Deshalb wurde das Encomiendasystem zusammen mit der Indianersklaverei bereits 1542 von Karl V. abgeschafft. Die Durchführung dieses Beschlusses wurde aber für sehr lange Zeit hinausgezögert, sodass noch Jahre später Indios unter dem Joch der encomienda zu leiden hatten, bis diese im Laufe des 17. Jahrhunderts endgültig verschwand.[8]

Da die Siedlung nunmehr im Vordergrund stand, war in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch die Städtegründung von zunehmender Bedeutung. Den größten Teil der Bevölkerung, die ursprünglich aus Siedlern und Indios bestand, bildeten nun die Mestizen (Kinder mit einem Elternteil europäischer und einem Elternteil indianischer Herkunft). Die führende Schicht bildete sich aus den wenigen Spaniern, die aus dem Mutterland kamen und den Kreolen (Kreole: in der Neuen Welt geborener Spanier). Die Zahl der indigenen Bevölkerung reduzierte sich drastisch, wegen der aus Europa eingeschleppten Krankheiten, der von Paulistanern (portugiesische Sklavenjäger; für gewöhnlich Mestizen) geführten Sklavenjagden und der Eheschließungen indianischer Frauen mit den Spaniern.[9]

[...]


[1] Krauss, Heinrich, Täubl, Anton, Mission und Entwicklung. Der Jesuitenstaat in Paraguay, Koesel, München, 1979, S.34; Kahle, Günter, Grundlagen und Anfänge des paraguayischen Nationalbewußtseins, Universität zu Köln, Köln, 1962, S.11

[2] Krauss, Heinrich, Täubl, Anton, Mission und Entwicklung. Der Jesuitenstaat in Paraguay, Koesel, München, 1979, S.34; Kahle, Günter, Grundlagen und Anfänge des paraguayischen Nationalbewußtseins, Universität zu Köln, Köln, 1962, S.24, 35

[3] Krauss, Heinrich, Täubl, Anton, Mission und Entwicklung. Der Jesuitenstaat in Paraguay, Koesel, München, 1979, S.30 f.

[4] Kahle, Günter, Grundlagen und Anfänge des paraguayischen Nationalbewußtseins, Universität zu Köln, Köln, 1962, S. 68 – 76; Krauss, S. 34 - 36

[5] Caraman, Philip, Ein verlorenes Paradies. Der Jesuitenstaat in Paraguay, Koesel, München, 1979, S. 17

[6] Livi-Bacci, Massimo, Maeder, Ernesto J., The Missions of Paraguay: The Demography of an Experiment, in: Journal of Interdisciplinary History, Vol. XXXV, Nr. 2, Autumn 2004, S. 185-224, S. 186

[7] Kahle, Günter, Grundlagen und Anfänge des paraguayischen Nationalbewußtseins, Universität zu Köln, Köln, 1962, S.52 f.

[8] Krauss, Heinrich, Täubl, Anton, Mission und Entwicklung. Der Jesuitenstaat in Paraguay, Koesel, München, 1979, S. 57

[9] Kahle, Günter, Grundlagen und Anfänge des paraguayischen Nationalbewußtseins, Universität zu Köln, Köln, 1962, S.82 f.

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Details

Titel
Entstehung und Bedeutung der Jesuitenprovinz Paraguay im 17. Jahrhundert
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Die Mission Lateinamerikas: Jesuiten in Paraguay, Mexico und Brasilien
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V92010
ISBN (eBook)
9783638060127
ISBN (Buch)
9783640109012
Dateigröße
864 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Bedeutung, Jesuitenprovinz, Paraguay, Jahrhundert, Mission, Mexico, Brasilien, Lateinamerika, Jesuiten, Missionierung
Arbeit zitieren
Ismail Durgut (Autor), 2008, Entstehung und Bedeutung der Jesuitenprovinz Paraguay im 17. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92010

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