Diese Arbeit beschäftigt sich damit, einen Zusammenhang zwischen Arendts Gedanken über das Handeln und Sprechen und der Kommunikation im Lehrerberuf herzustellen. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit Arendts Ausführungen auf die Interaktion im Lehrerberuf zutreffen und wo gegebenenfalls Unterschiede zu finden sind.
Zudem wird die Wichtigkeit des Sprechens und Handelns in der Schule mit Hilfe Arendts herausgearbeitet. Um einen Einstieg in das Thema zu ermöglichen, wird zu Beginn Hannah Arendts Theorie über das Handeln und Sprechen zusammengefasst. Anschließend zeigt Kapitel 4 die Wichtigkeit des Sprechens und Handelns eines Lehrers und die Kommunikation mit seinen Schülern im schulischen Unterricht. Im Anschluss daran wird Arendts Theorie mit den Erkenntnissen aus dem schulischen Kontext in Verbindung gebracht. Das erworbene Wissen wird zuletzt in einem Fazit zusammengefasst, um die untersuchte Fragestellung genau zu beantworten.
Im Beruf der Kommunikation ist Sprache das Werkzeug Nummer 1 eines Lehrers. Egal, ob er seinen Schülern neues Wissen vermittelt, eine Aufgabenstellung erläutert oder das Unterrichtsgespräch leitet, nutzt er stets die verbale Sprache. Auch in Elterngesprächen oder im Austausch mit seinen Kollegen wird er immer sprechen. Eng verbunden mit der Sprache ist die Handlung des Lehrers:
Bei jeder Erklärung, bei jedem Gespräch handelt er – entweder bewusst, indem z.B. Anschauungsmittel verwendet werden oder das zu Lernende vorgemacht wird, oder unbewusst mit seiner Körpersprache und Gestik. Diese Körpersprache bietet wieder eine Verbindung zu der Sprache, in diesem Fall nur nonverbal. Mithilfe seiner Worte und Taten leitet er den Unterricht und baut zugleich eine Beziehung zu seinen Schülern auf. Wenn man jedoch einen Blick in die Lehrpläne und Bildungsstandards wirft, fällt auf, dass Kommunikation und Interaktion nur ein geringer Anteil zufallen. Der Fokus in diesen liegt eher auf den Wissensinhalten und Kompetenzen im Bereich des Arbeitsverhaltens.
Hannah Arendt hat sich in ihrer Vita Activa (1958) ebenfalls mit dem Handeln und Sprechen auseinandergesetzt und diese eng miteinander in Verbindung gebracht. Laut Arendt teilt die jeweilige Person mit seinen Taten und Worten seine Individualität und Persönlichkeit dem Gegenüber mit. Dabei bezieht Arendt ihre Theorie auf die Öffentlichkeit und die Politik und spielt der Kommunikation, im Gegensatz zum Lehrplan, eine wichtige Rolle zu.
Struktur der Arbeit
2. Einleitung
3. Handeln und Sprechen in Arendts Vita Activa
3.1 Die Bedeutung des Handelns in Arendts Theorie
3.2 Die Bedeutung des Sprechens in Arendts Theorie
3.3 Die Beziehung von Handeln und Sprechen
4. Kommunikation in der Schule
5. Arendts Sprechen und Handeln in Bezug auf den Lehrerberuf
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Relevanz von Hannah Arendts theoretischen Ausführungen zum Handeln und Sprechen für den modernen Lehrerberuf. Dabei wird hinterfragt, inwieweit die zwischenmenschliche Kommunikation und das interaktive Handeln, die Arendt primär in politischem Kontext verortet, auf das schulische Umfeld übertragbar sind und welche Rolle sie für den Unterrichtserfolg spielen.
- Grundlagen der Arendtschen Theorie des Handelns und Sprechens
- Die Bedeutung der Kommunikation für den Aufbau von Lehrer-Schüler-Beziehungen
- Vergleich zwischen theoretischen Konzepten und schulischer Unterrichtspraxis
- Analyse der Rolle der Lehrperson als Kommunikationspartner
- Identitätsbildung durch interaktives Handeln im Klassenraum
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Bedeutung des Handelns in Arendts Theorie
Das Handeln ist ein großer und wichtiger Aspekt in Arendts Vita Activa. Hierbei versteht man unter Handeln die Umsetzung eines gewollten Zweckes bzw. etwas in Gang zu setzen. Verständlich wird dies durch die beiden Elemente des Handelns, das archein (‚anfangen‘) und das prattein (‚zu Ende führen‘). Das heißt, das Handeln setzt sich aus einer gewollten Tätigkeit zusammen, die begonnen und beendet wird und ein bestimmtes Ziel verfolgt. Dieses Ziel, also die geschaffene Realität, ist nur dann gut, wenn auch die Handlungen gut sind.
In diesem Zusammenhang spricht Arendt von sozialer Identität, die aber nicht zum Gegenstand des Handelns werden kann, sondern das Resultat von Handeln in Verbindung mit dem Sprechen ist. Diese Identität zeigt sich in der Kommunikation mit anderen Menschen. Dabei entsteht ein zwischenmenschliches Bezugsgewebe, das wiederum anderes Handeln hervorbringt und andere Handelnde beeinflusst. Kurz gesagt beeinflussen Handlungen andere Menschen so, dass sie selbst neue Handlungen hervorbringen. Dadurch findet das Handeln seinen Zweck letztendlich in sich selbst und in der Kommunikation mit anderen. Beim Handeln (und Sprechen) tritt man für andere in Erscheinung und präsentiert diesen seine eigene Persönlichkeit und Identität.
Dabei entstehen Eindrücke und Geschichten, die das eigentliche Resultat der Handlung sind. Somit ist das „Produkt des Handelns [...] nicht die Realisierung vorgefasster Ziele und Zwecke, sondern die von ihm ursprünglich gar nicht intendierten Geschichten, die sich ergeben, wenn bestimmte Ziele verfolgt werden“. Diese Geschichten, die das eigentliche Resultat der Handlung darstellen, werden von dem Handelnden nicht bewusst erzählt, sondern sind Teil der zwischenmenschlichen Handlung. Letztendlich sind es nicht die gewollten Zwecke und Ziele, sondern diese Geschichten, die „in der Welt verbleib[en]“.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung begründet die Bedeutung von Kommunikation als zentrales Werkzeug im Lehrerberuf und stellt die Verbindung zu Hannah Arendts Vita Activa her.
3. Handeln und Sprechen in Arendts Vita Activa: Dieses Kapitel erläutert Arendts Begriffe des Handelns und Sprechens als notwendige Voraussetzungen für die Darstellung von Individualität und die Bildung zwischenmenschlicher Bezugssysteme.
4. Kommunikation in der Schule: Es wird analysiert, wie Kommunikation und Interaktion den Unterricht strukturieren und zur Beziehungsbildung sowie Wissensvermittlung zwischen Lehrkräften und Schülern beitragen.
5. Arendts Sprechen und Handeln in Bezug auf den Lehrerberuf: Hier werden die theoretischen Erkenntnisse von Arendt mit der schulischen Realität synthetisiert, um den Einfluss von Interaktion auf den Lernerfolg zu verdeutlichen.
6. Schluss: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei die Arbeit die hohe Relevanz der zwischenmenschlichen Bindung gegenüber bloßen Lehrplaninhalten hervorhebt.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Vita Activa, Handeln, Sprechen, Kommunikation, Lehrerberuf, Unterricht, Interaktion, Identität, zwischenmenschliches Bezugsgewebe, Schulalltag, Wissensvermittlung, Sozialkompetenz, Artikulation, Bildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Konzepte von Handeln und Sprechen nach Hannah Arendt für die tägliche Kommunikationsarbeit im schulischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Arendtsche Theorie, die Dynamik von Kommunikation in der Schule sowie die Rolle des Lehrers als interaktive Persönlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Arendts Gedanken zu Handeln und Sprechen und der realen Kommunikation im Lehrerberuf zu analysieren und deren Wichtigkeit herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, insbesondere Arendts "Vita Activa", und überträgt diese Erkenntnisse auf den pädagogischen Kontext.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst die theoretischen Konzepte von Arendt, beschreibt anschließend die Kommunikation im Schulalltag und bringt beides in einer abschließenden Synthese zusammen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Handeln, Sprechen, Vita Activa, Lehrer-Schüler-Beziehung, Kommunikation und Identitätsbildung.
Warum ist laut der Arbeit die Beziehung wichtiger als der Wissensinhalt?
Da Wissen laut der Arbeit erst durch die zwischenmenschliche Beziehung und die dabei entstehenden "Geschichten" dauerhaft im Gedächtnis verankert werden kann.
Inwiefern beeinflusst eine klare Artikulation den Lernerfolg?
Eine klare Artikulation ist notwendig, um Missverständnisse zu vermeiden, die laut Arendt die Identitätsbildung behindern und das Verständnis von Unterrichtsinhalten schwächen würden.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2018, Kommunikation im Lehrerberuf in Bezug auf Hannah Arendts Handeln und Sprechen in der "Vita Activa". Der Zusammenhang zwischen Taten und Worten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/920216