Es handelt sich um eine eigenständige Untersuchung zu Hintergründen und Motiven von Kirchenaustritten. Hierzu wurde insbesondere der Frage nachgegangen, weshalb in der Altersgruppe der 25-45-Jährigen die meisten Austritte zu verzeichnen sind. Ferner wird erörtert, ob die Verpflichtung zur Entrichtung der Kirchensteuer alleiniger Austrittsgrund ist.
Im Theorieteil werden das Kirchensteuerverfahren und die aktuellsten qualitativen sowie quantitativen Erhebungen bewertet. Sehr bemerkenswert sind die Argumente der Ausgetretenen in der Fachliteratur als auch aus Internetforen. Sehr offen, teils dramatisch äußerten sich auch die Interviewpartner.
"I herewith resign from the Protestant Church of Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz"
Motives for leaving the church - a quantative analysis based on narrative, poimenic interviews - with case studies of church membership resignations conducted in a Berlin parish.
"J’ai l’honneur de vous informer que je renonce à ma qualité de membre de l’église, je vous prie d’accépter ma démission de l’église évangélique Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz."
Motives pour la démission de l’église - recherches qualitatives basées sur des interviews narratives, pastorales - acquis à une paroisse à Berlin.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Kirchenaustritte im Bewusstsein der EKD
1.2 Hypothese und Fragestellungen zum Kirchenaustritt
2 Kirchenmitgliedschaft
2.1 Kirchenrechtliche und formale Aspekte der Mitgliedschaft
2.1.1 Finanzierung der EKD
2.1.1.1 Kirchensteuerverfahren
2.1.1.2 Steuerberatung und Kirchenaustritt
2.2 Ekklesiologische und theologische Aspekte
3 Motive für Kirchenaustritte aus der Literatur
3.1 Fallbeispiele
3.1.1 Retrospektive Wiedereingetretener nach MICHEL-SCHMIDT
3.1.2 Theologischer Briefwechsel nach WIRSCHING
3.1.2.1 Diskurs zum Fallbeispiel nach WIRSCHING
3.2 Kirchenbindung und Kirchenaustritt
3.2.1 Mitgliedschaftsverhalten bei Jugendlichen
3.2.2 Mitgliedschaftsverhalten anderer Evangelischer
3.3 Mangelndes Handeln / Mangelnde Einmischung
3.4 Katholische Protestthemen
4 Motive für Kirchenaustritte aus dem Internet
4.1 www.kirchensteuer.de
4.2 www.kirchensteuern.de
4.3 www.kirchenaustritt.de
4.4 www.studivz.net
4.4.1 Forum „Gott ist nicht tot - Er ist nur aus der Kirche ausgetreten!“
4.4.2 Forum „Escapope - Ja zum Kirchenaustritt“
4.4.3 Forum „Kirchenaustritt - ausgetreten und Seele bei Ebay verkauft“
4.5 www.humanistische-aktion.de
5 Vorgehensweise bei den Interviews
6 Motive für Kirchenaustritte aus den Interviews
6.1.1 Interview 01
6.1.2 Interview 02
6.1.3 Interview 03
6.1.4 Interview 04
6.1.5 Interview 05
6.1.6 Interview 06
6.1.7 Interview 07
6.1.8 Interview 08
7 Kritische Würdigung
7.1 Kommentierte Zusammenfassung
7.2 Bedeutung von Kirchenaustritten für die Zukunft der EKD
7.3 Maßnahmen und Empfehlungen, weiterer Forschungsbedarf
8 Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Motive für Kirchenaustritte, wobei der Fokus auf qualitativen Interviews mit ehemaligen Gemeindegliedern liegt. Ziel ist es, zu analysieren, ob Kirchenaustritte primär durch die Kirchensteuerpflicht bedingt sind oder ob tiefere persönliche, institutionelle und biographische Faktoren ausschlaggebend sind.
- Analyse der Kirchenmitgliedschaft unter rechtlichen und theologischen Aspekten.
- Untersuchung von Austrittsmotiven basierend auf Literatur und Internet-Foren.
- Empirische Untersuchung mittels narrativer, poimenischer Interviews.
- Kritische Reflexion der Kirchenaustrittsforschung und der Bedeutung für die EKD.
- Entwicklung von Empfehlungen für eine zielgruppengerechte Gemeindeentwicklung.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Theologischer Briefwechsel nach WIRSCHING
Von besonderer Bedeutung wird hier ein von WIRSCHING dargestellter Briefwechsel zwischen einer Witwe und einem norddeutschen Pfarrer beigemessen, da er viele Aspekte von möglichen Austrittsgründen aufgreift und somit ein hilfreiches Dokument für das Verständnis der hier untersuchten Thematik ist. WIRSCHING schildert in seiner Publikation „Ich trete aus der Kirche: aus einem theologischen Briefwechsel“ einen ausgesprochen speziellen und sicher untypischen Fall.
„Frau von S.“ und „Pfarrer O.“ sind aber deshalb ein gutes Beispiel um Austrittsgründe nachvollziehen zu können, da durch ihren Briefwechsel unterschiedliche Interessen und Erwartungen an Gemeindearbeit und theologischer Ansichten offenbar werden und diese schwer zu vereinen sind. Dieser Briefwechsel auf hohem theologischem Niveau zeigt hervorragend auf, dass Volkskirche keine Heimat für jedermann ist und diesen Anspruch auch nicht formulieren sollte. Dieses liegt daran, dass zu viele unterschiedliche Interessen sich nicht in den herkömmlichen Strukturen berücksichtigen lassen, da eine Mehrheitsgrundlage gegeben sein muss.
Ferner wird ein unangebrachtes und unsensibles Verhalten des Pfarrers deutlich, der nicht in der Lage zu sein scheint, auf die Bedürfnisse und Sozialisation seiner Gesprächspartnerin einzugehen. Zusammen führen beide Aspekte zum ihrem und zum Austritt ihrer beiden Kinder aus der Kirche. Auf der Suche nach einem neuen gemeindlichen und räumlichen Zuhause verlässt sich nach dem Kirchenaustritt die Bundesrepublik Deutschland.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problematik, der zentralen Forschungsfrage und des methodischen Vorgehens innerhalb der Kirchenaustrittsforschung.
2 Kirchenmitgliedschaft: Erläuterung der kirchenrechtlichen und theologischen Grundlagen der Mitgliedschaft sowie des Finanzierungssystems der EKD.
3 Motive für Kirchenaustritte aus der Literatur: Darstellung von Austrittsgründen anhand von Fallbeispielen aus der Literatur sowie Analyse von Kirchenbindungstypen.
4 Motive für Kirchenaustritte aus dem Internet: Untersuchung von Internetplattformen als Räume für institutionskritische Debatten und Austrittsmotive.
5 Vorgehensweise bei den Interviews: Erläuterung der qualitativen Methode, des narrativen Interviewansatzes und des Forschungsdesigns.
6 Motive für Kirchenaustritte aus den Interviews: Auswertung der acht durchgeführten Interviews mit ehemaligen Gemeindegliedern und Typologisierung der Austrittsgründe.
7 Kritische Würdigung: Synthese der Ergebnisse, Reflexion der Bedeutung für die EKD und Empfehlungen für zukünftige Gemeindearbeit.
8 Nachwort: Abschließende Gedanken zur Notwendigkeit kirchlicher Gemeinschaft und der Bringschuld zu Transparenz in der Mittelverwendung.
Schlüsselwörter
Kirchenaustritt, Kirchensteuer, Evangelische Kirche, Religionspsychologie, Gemeindeaufbau, Kirchenbindung, qualitative Untersuchung, narratives Interview, Institutionenkritik, Konfirmation, Volkskirche, Gemeindepädagogik, Religiosität, Pastoralpsychologie, Kirchenmitglieder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gründe, warum Mitglieder aus der evangelischen Kirche austreten. Dabei wird der Fokus auf qualitative Aspekte und die Perspektive der Betroffenen gelegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kirchenmitgliedschaft, die Finanzierung der Kirche (Kirchensteuer), die Auswirkungen von Lebensstilen auf die Kirchenbindung sowie die Kritik an der Institution Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Verifizierung oder Falsifizierung der Hypothese, dass Kirchenaustritte nicht primär oder ausschließlich aus steuerlichen Gründen erfolgen, sondern durch persönliche und institutionelle Erfahrungen beeinflusst werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Untersuchung, die auf narrativen, poimenischen Interviews mit ehemaligen Kirchenmitgliedern basiert und durch eine Literatur- und Internetanalyse ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Hintergründe, diskutiert Fallbeispiele aus der Fachliteratur und wertet die durchgeführten Interviews aus, um die Motive der ehemaligen Mitglieder zu systematisieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kirchenaustritt, Kirchenbindung, Institutionenkritik, Religionspsychologie und Gemeindeentwicklung.
Welche Bedeutung hat das Konfirmandenalter für Kirchenaustritte?
Die Arbeit legt dar, dass die Konfirmandenzeit oft eine Bruchstelle markiert, in der das kindliche Weltbild durch pubertäre Reflexion und kritische Auseinandersetzung entzaubert wird, was langfristig die Entfremdung fördern kann.
Spielt der soziale Status der Betroffenen eine Rolle bei der Entscheidung?
Ja, die Arbeit zeigt anhand von Beispielen, dass auch soziale Abstiege oder ein Gefühl der fehlenden Repräsentation eigener Werte in der Kirchengemeinde (z.B. bei konservativen Milieus) zum Austritt führen können.
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- Diplom-Religionspädagoge (FH) Andreas Bloch (Author), 2008, "Hiermit trete ich aus der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz aus!", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92021