Die vorliegende Arbeit widmet sich der Fragestellung, inwiefern der Club 27 einen Mythos darstellt und Einfluss auf den Personenkult seiner Mitglieder genommen hat. Die Vermutung liegt nahe, dass der Club 27 als Mythos den Starkult der unfreiwilligen Mitglieder und deren tragische Tode katalysiert. Zur Annäherung an die Fragestellung sollen zunächst die bestehenden Fakten des Club 27 beschrieben werden. Anschließend wird seine erinnerungskulturelle Relevanz beschrieben und der Starkult als spezielle Form des Personenkults abgegrenzt, um eine Einordnung in die überordnende Thematik vornehmen zu können. In diesem Sinne findet auch eine definitorische Annäherung an die Begriffe Star, Idol und Image im Kontext dieser Arbeit statt. Die Eingrenzung erfolgt stets hinsichtlich eines populärkulturellen Kontextes, im Speziellen dem der Rockmusik, in welcher der Club 27 und ein Großteil seiner berühmten Mitglieder, zu verorten ist.
Der Mythos des Club 27 als umfassender Rahmen wird im letzten Teil der Arbeit insbesondere anhand der Kultfigur des Kurt Cobains genauer betrachtet, um feststellen zu können, ob ein direkter Einfluss auf den Starkult stattfindet. Ein konkreter Forschungsstand zu dieser Thematik ist nicht eindeutig zu beschreiben, lediglich sollte an dieser Stelle zuerst Roland Barthes mit seinem Werk "Mythen des Alltags" genannt werden. Er gibt einen recht aktuellen Überblick über den Begriff des modernen Mythos und dessen Funktion. Für den Starkult hat Gottfried Korff seinen äußerst aufschlussreichen Beitrag zum "Personenkult und Kultpersonen. Bemerkungen zur profanen Heiligenverehrung im 20. Jahrhundert" geleistet.
Vor 25 Jahren, am 01.03.1994 spielte die Grunge-Band Nirvana aus Seattle in München ihr letztes Konzert. Kurz darauf beging Kurt Cobain Suizid und wurde somit Mitglied im legendären Club 27. Die Band befand sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Dabei stand sie für das Lebensgefühl einer ganzen Generation und verkörperte Stars, die mitten aus dem Leben kommen. Eine Band die definitiv auch heute, also ein Vierteljahrhundert später, immer noch Kultstatus hat. Diesen Status verdankt sie größtenteils ihrem Frontmann, Sänger und Gitarristen Kurt Cobain. Eine interessante Fragestellung an dieser Stelle ist, inwiefern Cobains Suizid und somit seine daraus resultierende Mitgliedschaft im Club 27, zur Bekanntheit und Beliebtheit der Band und seiner Person beigetragen hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Club 27
2.1 (Rock-) Musik als Teil der Erinnerungskultur
3 Definitorische Annäherung für den Club 27
3.1 Personenkult und der Starkult als moderner Heiligenkult
3.2 Der Star und der Fan
4 Club 27 als Mythos
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Phänomenologie des „Club 27“ und analysiert, inwieweit dieser Mythos den Starkult um seine verstorbenen Mitglieder katalysiert und beeinflusst.
- Erinnerungskulturelle Relevanz von (Rock-)Musik
- Definitorische Abgrenzung von Star, Idol und Image
- Analyse des Personenkults und der modernen Heiligenverehrung
- Mythos-Bildung im Kontext von tragischen Todesfällen
- Fallbeispiel Kurt Cobain und die Rolle von Verschwörungstheorien
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Star und der Fan
Die simpelste Verknüpfung und die Eckpfeiler der Definition eines Stars ist wohl die Zuschreibung von Charisma, Schönheit, besonderem Talent und etwas Glück. Auf der gegenüberliegenden Seite steht der Star hier als ein Produkt der Medienindustrie. Gleichzeitig verkörpert er ein gesellschaftliches Konstrukt und muss immer in seinem dazugehörigen Kontext betrachtet werden. Dabei sind unterschiedliche Ebenen im Zusammenspiel von Relevanz. Das Individuum Star besteht zum einen aus privater und öffentlicher Person. Der Star stellt für seine Fans eine Identifikationsfigur dar und konstituiert somit eine Gruppe, für deren Mitgliedern er als Gemeinsamkeit einen Idealtypus darstellt. Er verkörpert die zentralen Werte der Gruppe. Hier lässt sich auch die Parallele zum politischen Personenkult erkennen, ein Führer, ohne den eine Gruppe keinen Zusammenhalt hätte. Stars stellen außerdem Projektionsflächen für eigene unerreichbare Träume dar, da sie von ihren Anhängern auf eine höhere Ebene gehoben werden.
Unter einem Image wird in der Medienwissenschaft die rein mediale Existenzverstanden, welche zum einen aus medialen Auftritten (Konzertmitschnitte, Musikvideos) und zum anderen aus Texten über den Star besteht (Biographie, Presse), besteht. Gleichzeitig signalisiert es völligen Individualismus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Club 27 ein und formuliert die Fragestellung bezüglich des Einflusses des Club-Mythos auf den Personenkult, insbesondere am Beispiel von Kurt Cobain.
2 Der Club 27: Dieses Kapitel definiert den Club 27 über das Todesalter der Musiker und beleuchtet die historischen Ursprünge sowie die mediale Bekanntheit durch prominenten Todesfälle.
2.1 (Rock-) Musik als Teil der Erinnerungskultur: Der Abschnitt untersucht die emotionale Bindungskraft von Musik und deren Funktion als Medium der Erinnerung, die über Denkmäler hinausgeht.
3 Definitorische Annäherung für den Club 27: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Starkults als säkularisierte Form der Heiligenverehrung in der modernen Mediengesellschaft.
3.1 Personenkult und der Starkult als moderner Heiligenkult: Der Unterpunkt analysiert, wie Stars zu identitätsstiftenden Leitbildern werden und welche affektiven Prozesse zwischen Medien-Nutzern und Stars stattfinden.
3.2 Der Star und der Fan: Dieses Kapitel erläutert die Beziehung zwischen Star und Fan, wobei der Star als Projektionsfläche, Identifikationsfigur und Produkt der Medienindustrie betrachtet wird.
4 Club 27 als Mythos: Das Kapitel befasst sich mit der theoretischen Definition des Mythos nach Roland Barthes und analysiert, warum der Club 27 als Erklärungsmodell für tragische Tode fungiert.
5 Fazit und Ausblick: Die Arbeit resümiert, dass der Club 27 vor allem als Katalysator für Ruhm wirkt, während die wissenschaftliche Statistik den Mythos zwar relativiert, die mediale Wirkung jedoch bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Club 27, Starkult, Personenkult, Mythos, Rockmusik, Kurt Cobain, Identitätskonstruktion, Idol, Mediensoziologie, Erinnerungskultur, Fan-Kultur, Suizid, Musikindustrie, Unsterblichkeit, Verschwörungstheorien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den „Club 27“ nicht nur als Liste berühmter Musiker, die im Alter von 27 Jahren starben, sondern als popkulturelles Phänomen und Mythos.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Soziologie des Starkults, der Definition von Idolen, der Rolle der Medien sowie der psychologischen Bedeutung von Mythen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu klären, inwiefern der Club 27 einen Mythos bildet und diesen nutzt, um den Personenkult um seine Mitglieder zu katalysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse angewandt, die auf medien- und kulturwissenschaftlichen sowie soziologischen Konzepten (u.a. von Roland Barthes und Gottfried Korff) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine definitorische Herleitung der Begriffe Star und Idol sowie eine Analyse der Mythenbildung rund um den Club 27.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Club 27, Starkult, Mythos, Identitätskonstruktion, Fan-Kultur und mediale Rezeption.
Warum wird Kurt Cobain als Fallbeispiel gewählt?
Cobain dient als exemplarisches Beispiel für ein "tragisches Idol", dessen Suizid die mediale Aufmerksamkeit für den Club 27 und die Entstehung von Verschwörungstheorien massiv forcierte.
Wie steht die Autorin/der Autor zur statistischen Widerlegung des Mythos?
Die Arbeit stellt fest, dass wissenschaftliche Studien zwar die statistische Häufung widerlegen können, der Mythos aber auf einer Ebene existiert, die sich einer rein wissenschaftlichen Definition entzieht.
- Citation du texte
- Pauline Breitwieser (Auteur), 2019, Der tragische Mythos des Club 27. Eine Betrachtung des modernen Starkults, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/920348