"Nach einer bekannten Metapher ist Kultur für Menschen wie "das Wasser für die Fische": Das Wasser bleibt unbemerkt, solange der Fisch darin bleibt; befindet er sich außerhalb seiner gewohnten Lebenswelt, spürt er auf schmerzliche Weise die Folgen dieser Bewegung." So treffend beschreibt Herr Blom das komplexe Thema der Kultur, mit dem sich diese Ausarbeitung beschäftigt.
Dieses Zitat bringt gut hervor, was das Schwierige an der Kultur ist: der Mensch nimmt sie als etwas selbstverständliches wahr, bis er mit einer anderen Kultur interagiert. Hier liegt dann die Herausforderung nicht zu sagen, "die anderen machen es falsch", sondern zu erkennen, dass in der fremden Kultur Dinge anders angegangen werden und dies zu akzeptieren. Ist ein Verständnis für die andere Kultur da, kann geschaut werden, was beide über den jeweils anderen wissen müssen, beziehungsweise wie sie sich anpassen müssen, um eine möglichst gute Geschäftsbeziehung aufbauen und erhalten zu können. Wie dies gelingen kann und was verbale und nonverbale Kommunikation mit Kultur zu tun hat, wird im Laufe dieser Ausarbeitung deutlicher.
Kultur ist ein viel benutztes Wort im Sprachgebrauch (Diskussionskultur, Esskultur, Fankultur, Firmenkultur, Popkultur, Subkultur, oder gar die Hochkultur), und doch hat es keine einheitliche Definition. Das Bundesamt für Politische Bildung schlägt sogar vor, den Kulturbegriff nur noch im Plural zu verwenden und somit von Kulturbegriffen zu sprechen. Dies rührt daher, dass die verschiedensten Bereiche (z.B. die Anthropologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaft, Psychologie, Soziologie, Religions- oder Erziehungswissenschaft) jeweils anders mit dem Begriff umgehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Kulturbegriff
3 Kulturmodelle
3.1 Schichtenmodell von Dülfer
3.2 Modell von Edgar Schein
4 Verbale Kommunikation im interkulturellen Kontext
5 Nonverbale Kommunikation im interkulturellen Kontext
6 Kulturdimensionen von Hofstede
7 Kulturdimensionen von Trompernaars
8 Kulturdimensionen von Hall
9 Kulturdimensionen von Pinto
10 Zusammenhang
11 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss unterschiedlicher kultureller Prägungen auf das interkulturelle Management und beleuchtet dabei die Herausforderungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Im Fokus steht die Forschungsfrage, wie durch das Verständnis theoretischer Kulturmodelle sowie verbaler und nonverbaler Kommunikationsmuster erfolgreiche Geschäftsbeziehungen im internationalen Kontext gestaltet und erhalten werden können.
- Grundlagen des Kulturbegriffs und dessen wissenschaftliche Typologien
- Analyse etablierter Kulturmodelle (Dülfer, Schein, Hofstede, Trompernaars, Hall, Pinto)
- Bedeutung verbaler und nonverbaler Kommunikationsstile im internationalen Umfeld
- Synthese der verschiedenen Modellansätze im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit
- Strategien zur Vermeidung interkultureller Missverständnisse im Berufsalltag
Auszug aus dem Buch
3.1 Schichtenmodell von Dülfer
Das Schichtenmodell der Umweltdifferenzierung und -berücksichtigung von Herrn Dülfer besteht aus sechs Ebenen, die eine gegenseitige Abhängigkeit aufweisen.
Den Grundstock des Modells beschreiben die natürlichen Gegebenheiten, die durch die Topografie, also die Landschaft, das Vorhandensein von Trinkwasser und die klimatischen Bedingungen geprägt sind. Mit der nächsten Ebene der Verfahrenskenntnisse (technologischer Entwicklungsstand) wird die natürliche Umwelt nutzbar gemacht. Diese Produktions- und Technologiestandards des Ziellandes sind ein wichtiger Faktor, der beachtet werden muss, passt die Technologie des eigenen Unternehmens zu den Arbeitsweisen des Ziellandes bzw. ist die Komplexität mit den vorhandenen Standards bewältigbar (hierzu gehört auch die Sprache). Als weitere Ebene sind die kulturell bedingten Wertvorstellungen zu beachten. Dieses Wertesystem setzt sich sowohl aus vorherrschenden Normen im Zusammenspiel mit den individuellen persönlichen Erfahrungen zusammen. Die Normen in den verschiedenen Kulturen sind auch maßgeblich von der vorherrschenden Religion geprägt. Hierzu gehört beispielsweise das traditionelle Rollenverhältnis zwischen Frau und Mann oder etablierte Sitten wie eine Fastenzeit. Neben der Religion wurden die Normen eines Landes auch maßgeblich durch deren Geschichte geprägt. Hierzu gehören das Erleben von kolonialer Unterdrückung, Bürgerkriegen oder Kriege im Allgemeinen, was auch das Image einer Unternehmensmarke, allein durch Ihre Herkunft prägt.
Auf der vierten (bzw. dritten von oben) Ebene befinden sich die sozialen Beziehungen und Bedingungen. Auch hier gibt es viele Unterschiede im internationalen Bereich, die beachtet werden müssen. Länder, die eher kollektivistisch geprägt sind, benötigen eine andere Ansprache, als Länder die kulturell eine individualistische Prägung aufweisen. Auf dem Weg von unten nach oben in dem Kulturmodell befinden sich an vorletzter Stelle die rechtlich-politischen Normen. Jede der Ebenen ist wichtig und trägt einen Teil zum Gelingen der Geschäftsbeziehungen und der interkulturellen Kommunikation bei. Aber diese Ebene hat schon einen erheblichen Einfluss und muss beachtet werden. Wenn ein Produkt den Vorgaben des Landes nicht genügt, kann es zu einem Verbot des Vertriebs kommen. Ebenso sind Steuern ein entscheidender Faktor, der beachtet werden muss (z.B. Luxussteuer).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Kultur oft unbewusst wahrgenommen wird und erst bei interkulturellen Interaktionen die Notwendigkeit für Anpassung und Verständnis deutlich wird.
2 Der Kulturbegriff: Dieses Kapitel erläutert, dass es keine einheitliche Definition für Kultur gibt, und stellt vier von Reckwitz entwickelte Typologien vor, um das Konzept wissenschaftlich greifbar zu machen.
3 Kulturmodelle: Hier werden das Schichtenmodell von Dülfer sowie das Drei-Ebenen-Modell von Edgar Schein präsentiert, um Unterschiede zwischen Gruppenstrukturen zu analysieren.
4 Verbale Kommunikation im interkulturellen Kontext: Das Kapitel untersucht, wie Sprachunterschiede und unterschiedliche Kommunikationsstile in verschiedenen Kulturkreisen die Gesprächsqualität und Machtverhältnisse beeinflussen.
5 Nonverbale Kommunikation im interkulturellen Kontext: Es wird die Bedeutung von Gestik, Mimik und Körpersprache hervorgehoben, die oft vom Unterbewusstsein gesteuert wird und daher einen hohen Wahrheitsgehalt besitzt.
6 Kulturdimensionen von Hofstede: Vorstellung des Modells von Geert Hofstede, das durch sechs Dimensionen wie Machtdistanz oder Unsicherheitsvermeidung kulturelle Unterschiede messbar macht.
7 Kulturdimensionen von Trompernaars: Dieses Kapitel diskutiert die sieben Dimensionen von Trompernaars, die durch Managementtrainings gewonnen wurden, um kulturelle Ausprägungen zu klassifizieren.
8 Kulturdimensionen von Hall: Fokus auf die Konzepte Proxemik (Raumnutzung), High-Context vs. Low-Context Kommunikation und Zeitverständnis (monochron vs. polychron).
9 Kulturdimensionen von Pinto: Erläuterung des Konzepts der F-Kulturen (feingegliedert) und G-Kulturen (grobgegliedert) nach Pinto.
10 Zusammenhang: Ein Vergleich der vorgestellten Modelle, der Schnittmengen und Unterschiede in ihren Ansätzen zur Kulturbewertung aufzeigt.
11 Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Resümee, dass das Verständnis der eigenen und fremden Kultur essenziell für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen ist, wobei individuelle Toleranz im stressigen Alltag entscheidend bleibt.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Management, Kulturbegriff, Kulturdimensionen, Kommunikation, Geschäftsbeziehungen, Geert Hofstede, Edgar Schein, F-Kulturen, G-Kulturen, Nonverbale Kommunikation, Organisationskultur, Diversity, Sozialisation, Global Leadership, Interkulturelle Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Einfluss, den kulturelle Unterschiede auf das Management und die Kommunikation im internationalen Geschäftsumfeld ausüben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Kultur, der Vorstellung verschiedener wissenschaftlicher Kulturmodelle sowie der Analyse verbaler und nonverbaler Kommunikationsweisen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch theoretisches Wissen über kulturelle Eigenheiten und Kommunikationsstrategien die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern verbessert und Missverständnisse reduziert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Modellanalyse, indem sie etablierte Theorien (wie Hofstede, Schein oder Trompernaars) gegenüberstellt und reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung grundlegender Kulturbegriffe, die detaillierte Darstellung einzelner Kulturmodelle und eine Analyse der verbalen sowie nonverbalen Kommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Interkulturelles Management, Kulturdimensionen, Kommunikation, Organisationskultur und interkulturelle Kompetenz.
Inwiefern beeinflusst das Zeitverständnis nach Hall die interkulturelle Kommunikation?
Hall unterscheidet zwischen monochronen Kulturen, die Pünktlichkeit und sequenzielle Abläufe priorisieren, und polychronen Kulturen, in denen Multitasking und Flexibilität in zeitlichen Abläufen üblich sind.
Was ist die zentrale Erkenntnis aus dem Vergleich der Modelle im zehnten Kapitel?
Obwohl die Modelle unterschiedliche Ansätze verfolgen, zeigen sie deutliche Schnittmengen, etwa beim Umgang mit Regeln oder dem Zeitverständnis, unterscheiden sich aber in spezifischen Fokusbereichen wie etwa der expliziten Betrachtung der Umweltbeziehung.
Warum ist das Schichtenmodell von Dülfer für das Management relevant?
Es verdeutlicht, dass kulturelle Einflussfaktoren hierarchisch aufeinander aufbauen – von natürlichen Gegebenheiten bis hin zu rechtlich-politischen Normen –, was für die strategische Planung im Ausland essenziell ist.
Welche Rolle spielt Stress laut Fazit im interkulturellen Alltag?
Das Fazit betont, dass Stress dazu führen kann, dass interkulturelles Wissen in den Hintergrund tritt, weshalb Toleranz und Menschlichkeit im täglichen Miteinander der wichtigste Puffer bei Fehlern sind.
- Quote paper
- Philipp Schmidt (Author), 2020, Der Einfluss von Kultur auf das interkulturelle Management, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/920354