Die Auswirkungen der Entwicklung des Griechischen Bürgerkriegs auf die Entstehung der Truman-Doktrin


Hausarbeit, 2005

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Die Entwicklung des griechischen Bürgerkriegs bis zur Verkündung der Truman-Doktrin
1.1 1. Phase: Oktober 1943 bis Februar 1944
1.2 2. Phase: Dezember 1944 bis Februar 1945
1.3 3. Phase: Juni 1946 bis Oktober 1949

2. Die Gründe/Ursachen für die Entstehung der Truman-Doktrin
2.1 Die Ausbreitung des Kommunismus
2.1.1 Die Sichtweise der USA
2.1.2 Die Situation in Griechenland
2.1.3 Synthese/Gegenüberstellung
2.2 Die Gefährdung der Situation auf dem Balkan
2.2.1 Sichtweise der USA
2.2.2 Die Situation in Griechenland
2.2.3 Synthese/Gegenüberstellung

3. Fazit

4. Quellenverzeichnis/Literaturverzeichnis

Einleitung

Um die Entwicklung der Geschichte Griechenlands zu verstehen, ist es von enormer Relevanz, sich vor Augen zu führen, dass für Griechenland - mit der Erlangung seiner Unabhängigkeit von der Türkei 1829, welche durch die Schutzmächte Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion garantiert wurde[1] - eine stetige Phase der politischen Instabilität begann. Unter dem Einfluss Großbritanniens gelang es Griechenland nicht einen politischen Weg einzuschlagen, welcher den mehrheitlichen Bedürfnissen der griechischen Bevölkerung entsprach.

Ein stetiger und zentraler Aspekt, welcher die Instabilität immer wieder anheizte, war die Frage der Staatsform. Dieser Konflikt zwischen Monarchie und Republik führte im Rahmen der Uneinigkeit bei der Entscheidung des Eintritts in den 1. WK zwischen Premierminister Eleftherios Venizelos und König Konstantin I. dazu, dass Griechenland in zwei einander fanatisch bekämpfende Lager zerrissen wurde.[2] Die Frage der Staatsform war schließlich auch für die Entstehung und den Verlauf des griechischen Bürgerkriegs von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Zur Sicherung der eigenen Interessen setzte sich Großbritannien während des Bürgerkriegs für die Beibehaltung der englandtreuen Regierung unter Georg II. ein, ohne die Probleme, die aus dieser Vorgehensweise erwuchsen, zu beachten. Auch nach Beendigung des 2. Weltkriegs gelang es aufgrund des innergriechischen Konfliktpotentials nicht die politische Situation zu stabilisieren, so dass es Ende 1946 zur Eskalation des griechischen Bürgerkriegs und am 12. März 1947 schließlich zur Verkündung der Truman-Doktrin kam. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die Truman-Doktrin tatsächlich die „Reaktion auf ein spezifisches Problem unter singulären Umständen“[3] gewesen ist, oder ob die amerikanische Regierung die Intervention in Griechenland eher als „ein trojanisches Pferd“[4] genutzt hat. Daher beschäftigt sich diese Arbeit mit der Fragestellung, inwieweit tatsächlich die Entwicklung des griechischen Bürgerkriegs verantwortlich für die Entstehung der Truman-Doktrin war.

Im ersten Kapitel dieser Arbeit soll zunächst ein Überblick über die drei Phasen des griechischen Bürgerkriegs vermittelt werden, wobei wirklich nur auf die wesentlichen Ereignisse eingegangen werden kann. Darauf aufbauend befasst sich das zweite Kapitel mit den Gründen der Truman-Doktrin und dem entsprechenden Hintergrund der griechischen Geschichte. Aufgrund der Komplexität dieser Themengebiete habe ich mich entschlossen, lediglich die beiden Hauptgründe für die Intervention in Griechenland – die Ausbreitung des Kommunismus und die Gefährdung der Situation auf dem Balkan – näher zu beleuchten. Um Klarheit in die stark miteinander verworrenen Geschehnisse zu bringen, schildere ich bei beiden Gründen einerseits den Kenntnisstand und die Sichtweise der USA bezüglich dieses Aspekts und andererseits die Situation in Griechenland , wobei die Geschehnisse einfließen, die einen Bezug zu dem jeweiligen Grund aufweisen. Schließlich werden im Rahmen des Gliederungspunktes Gegenüberstellung beide Versionen verglichen, um festzustellen inwieweit sich die Sichtweise der USA mit der Situation in Griechenland deckt. Hierbei fließen auch weitere Ursprünge der Truman-Doktrin in die Überlegungen ein.

Das Gesamtergebnis sowie Probleme und Fragestellungen, die sich während der Bearbeitung des Themas ergeben haben, werden im Fazit dargestellt und erläutert.

Bezüglich der Literaturlage ist zu erwähnen, dass es zwar zahlreiche Literatur sowohl über den griechischen Bürgerkrieg als auch über die Außenpolitik der USA gibt, allerdings kaum Literatur zu finden ist, die die Truman-Doktrin mit dem griechischen Bürgerkrieg verknüpft.

1. Die Entwicklung des griechischen Bürgerkriegs bis zur Verkündung der Truman-Doktrin

1.1 1. Phase: Oktober 1943 bis Februar 1944

Ursache der ersten Phase des griechischen Bürgerkriegs waren bewaffnete Zusammenstöße zwischen den beiden Widerstandsorganisationen ELAS[5] und EDES[6], welche sich bezüglich der griechischen Nachkriegsordnung uneinig waren. Während sich die ursprünglich republikanisch eingestellte EDES im Sommer 1943 auf Grund stark zunehmender Beteiligung der Royalisten in eine von Rechten dominierte Widerstandsorganisation verwandelte,[7] erstrebte die EAM[8] /ELAS die Errichtung eines neuen politischen Systems mit sozialistischer Ausrichtung und strebte vor allem gegen die Restauration des sogenannten Monarchofaschismus unter Georg II..[9]

Ende November 1943 deutete alles auf einen Sieg der ELAS hin, woraufhin sich Großbritannien bemühte, den Konflikt zu schlichten, und schließlich erwirkte, dass Georg II. unter Vorbehalt versicherte, nicht vor Abhaltung eines Plebiszits bezüglich der Staatsform aus seinem Exil nach Griechenland zurückzukehren.[10] In Folge dessen erklärten sich EAM/ELAS und EDES zu Friedensverhandlungen bereit und unterzeichneten am 29. Februar 1944 die Waffenstillstandsvereinbarung von Myrofyllo–Plaka.[11] Für die KKE[12] bedeutete das Ergebnis der Friedensverhandlungen eine politische Niederlage, da es ihnen nicht gelungen war, eine Beteiligung an der Exilregierung durchzusetzen.[13]

Um darüber hinaus die kommunistischen und antiroyalistischen Elemente innerhalb der EAM zu schwächen, setzte sich Großbritannien für die Bildung einer neuen nationalen Regierung ein, so dass am 26 April 1944 der antikommunistische Georgios Papandreou neuer Premierminister der Exilregierung wurde.[14] Nach Interventionen der Sowjetunion, welche mit einer im Mai 1944 getroffenen Vereinbarung[15] zwischen dem britischen Außenminister A. Eden und dem sowjetischen Botschafter Gusev über eine Interessenaufteilung der Balkangebiete zu begründen sind[16], traten Ende Juli 1944 auch fünf Repräsentanten der PEEA[17] /EAM/KKE, den Bedingungen des Libanon-Abkommens entsprechend, in die Exilregierung ein.[18]

1.2 2. Phase: Dezember 1944 bis Februar 1945

In Anbetracht des bevorstehenden Abzugs der deutschen Truppen[19] setzte sich Großbritannien Mitte September 1944 für ein militärisches Abkommen mit den Widerstandsorganisationen ELAS und EDES ein, um weiteren Konflikten entgegenzuwirken und zudem den britischen Einfluss zu stärken.[20] In Folge dessen kam es am 26. September 1944 in der italienischen Stadt Caserta zur Unterzeichnung eines Vertrages, welcher alle griechischen Guerillaorganisationen der britischen Kontrolle unterwarf und für die KKE eine weitere Niederlage bedeutete.[21] In diesem Zusammenhang führten Streitigkeiten bezüglich der Demobilisierung der Widerstandsorganisationen zum Rücktritt der EAM-Regierungsmitglieder und zur Anberaumung einer Demonstration im Athener Zentrum für den 03.Dezember 1944. Diese von Papandreou noch kurzfristig untersagte Demonstration geriet völlig außer Kontrolle und leitete die zweite Phase des Bürgerkriegs ein.[22] Nachdem es bei dem folgenden „Kampf um Athen“ zunächst nach einem Sieg der ELAS aussah, wendete sich durch britische Interventionen und dem Ausbleiben der von der EAM - die nichts von dem Moskauer Prozentabkommen vom 09. Oktober 1944 wusste - erhofften sowjetischen Unterstützung das Blatt, so dass am 11. Januar 1945 ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Im darauf folgenden Vertrag von Varkiza vom 12. Februar 1945 einigte man sich schließlich sowohl auf die Durchführung eines Referendums über die Frage der Staatsform und Parlamentswahlen als auch auf eine Amnestie für politische Vergehen und die Demobilisierung der ELAS bis zum 15. März 1945.[23]

1.3 3. Phase: Juni 1946 bis Oktober 1949

Die von Varkiza ausgegangenen Hoffnungen auf einen nationalen Frieden mussten jedoch sehr bald der Realität weichen, da unter Premierminister Nikolaos Plastiras[24] eine staatlich geduldete Verfolgung der politischen Linken stattfand, was eine erneute Radikalisierung und Polarisierung der unterschiedlichen Lager bewirkte.[25]

Um die politische Lage zu normalisieren fanden gemäß dem Abkommen von Varkiza am 31. März 1946 unter Beobachtung von Großbritannien, Frankreich und der USA die Parlamentswahlen statt. Aufgrund der Boykottierung der Wahlen seitens der KKE einerseits und der zunehmenden Angst vor einer Bedrohung durch Albanien, Jugoslawien und Bulgarien sowie der Spannungen zwischen der Sowjetunion und den westlichen Alliierten andererseits, ging eine rechte Koalition als Sieger aus den Wahlen hervor.[26] Dieses Ergebnis wurde auch durch das Plebiszit bezüglich der Staatsform am 01. September 1946 bestätigt, bei dem, trotz diesmaliger Beteiligung der Kommunisten, 69% für die Beibehaltung der Monarchie und die Rückkehr von Georg II. stimmten.[27]

Dieser extreme Rechtsdruck stimulierte die KKE darin, durch Guerilla-Aktionen den bewaffneten Widerstand aufzunehmen und somit die dritte Phase des Bürgerkriegs einzuleiten.[28]

[...]


[1] Ab 1875 war Großbritannien alleinige Schutzmacht.

[2] Botsiou, Konstantina: Griechenlands Weg nach Europa, Von der Truman-Doktrin bis zur Assoziierung mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, 1947-1961, Dissertation, Frankfurt am Main 1999, <=Moderne Geschichte und Politik, Bd. 14>, S. 35.

[3] Kofas, Jon V.: Die Truman-Doktrin und der griechische Bürgerkrieg, in: Mittelweg 36, 14 (1), 2005, S. 68.

[4] Kofas: Die Truman-Doktrin und der griechische Bürgerkrieg, S. 68.

[5] Ellinikos Laikos Apeleftherotiko Stratos; gegründet im März 1942.

[6] Ethnikos Dimokratikos Ellinikos Syndesmos; gegründet im September 1941.

[7] Esche, Matthias: Die Kommunistische Partei Griechenlands 1941-1949. Ein Beitrag zur Politik der KKE vom Beginn der Resistance bis zum Ende des Bürgerkriegs, Dissertation, München, Wien 1982, < = Studien zur modernen Geschichte, Bd. 27>, S. 98.

[8] Ethniko Apeleftherotiko Metopo; gegründet am 27.09.1941.

[9] Kallis, Ines: Griechenlands Weg nach Europa. Das Ringen um demokratische Strukturen im 20. Jahrhundert, Dissertation, Münster 1999, S. 170.

[10] Kallis: Griechenlands Weg nach Europa, S. 17.

[11] Close, David H.: The origins of the Greek civil war, New York 1995, S. 106.

[12] Kommounistiko Komma tis Elladas.

[13] Kallis: Griechenlands Weg nach Europa, S. 172.

[14] Botsiou: Griechenlands Weg nach Europa, S. 58.

[15] Diese Vereinbarung wurde am 09.10.1944 im Moskauer Prozentabkommen manifestiert.

[16] Esche: Die Kommunistische Partei Griechenlands, S. 139.

[17] Politiki Epitropi Ethnikis Apelevtherosis.

[18] Richter, Heinz: Griechenland zwischen Revolution und Konterrevolution (1936-1946), Frankfurt am Main 1973, S. 448f.

[19] Die letzten deutschen Truppen verließen am 03.11.1944 Griechenland.

[20] Esche: Die Kommunistische Partei Griechenlands, S. 153.

[21] Baerentzen, Lars / Close, David H.: The British defeat of EAM, 1944-5, in: The Greek civil war, 1943-1950. Studies of polarization, hrsg. von David H. Close, London 1993, S. 80.

[22] Botsiou: Griechenlands Weg nach Europa, S. 64.

[23] Kallis: Griechenlands Weg nach Europa, S. 175ff.

[24] 03.01.1945 bis 09.04.1945.

[25] Botsiou: Griechenlands Weg nach Europa, S. 66f.

[26] Esche: Die Kommunistische Partei Griechenlands, S. 239f.

[27] Xydis, Stephen G.: Greece and the great powers 1944-1947. Prelude to the “Truman Doctrine”, Thessaloniki 1963, S. 300.

[28] Kallis: Griechenlands Weg nach Europa, S. 184.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der Entwicklung des Griechischen Bürgerkriegs auf die Entstehung der Truman-Doktrin
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Neuere und Neueste Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V92041
ISBN (eBook)
9783638054485
ISBN (Buch)
9783638947305
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auswirkungen, Entwicklung, Griechischen, Bürgerkriegs, Entstehung, Truman-Doktrin, Proseminar
Arbeit zitieren
Stephanie Dahmen (Autor), 2005, Die Auswirkungen der Entwicklung des Griechischen Bürgerkriegs auf die Entstehung der Truman-Doktrin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92041

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