Einleitung
Die Arbeit mit Textquellen ist eine in der Literatur viel diskutierte Thematik. Sowohl Sinn und Zweck als auch der Umfang und die Art und Weise des auf Quellen basierenden Unterrichts sind umstritten. Bei der Beschäftigung mit diesem Themengebiet ist deutlich geworden, dass die Diskussion um die Arbeit mit Textquellen im Geschichtsunterricht untrennbar mit der Definition des Unterrichtsziels verbunden ist. Wenn es lediglich das Ziel des Geschichtsunterrichts ist, den Schülern möglichst viel Wissen über die Vergangenheit vermitteln, scheint die Quellenarbeit eher zeitverschwenderisch und unnötig zu sein. Soll jedoch erzielt werden, den Schülern einen tieferen Einblick von dem aufzuzeigen, was „Geschichte“ bedeutet, kann nicht auf die Arbeit mit Textquellen verzichtet werden. Da ich mich der herrschenden Meinung anschließe, dass die Erlernung des historischen Denkens im Mittelpunkt des Geschichtsunterrichts stehen sollte, basieren alle weiteren Ausführungen auf dieser Annahme.
Im ersten Kapitel dieser Hausarbeit, welches sich mit der Behandlung von Textquellen in der Forschungsliteratur befasst, wird daher zugrunde gelegt, dass es im Geschichtsunterricht nicht bloß darum geht, den Schülern Faktenwissen zu vermitteln, sondern sie auch einen Eindruck von der Erforschung der Geschichte erlangen sollen. Somit werden zunächst die didaktische Begründung und die Zielsetzung der Quellenarbeit erläutert. Darauf aufbauend erläutere ich, was bezüglich Quellengattungen und Quellendefinition, Quellenauswahl und Quelleninterpretation beachtet werden muss, damit sich didaktische Begründung und Zielsetzung auf diese Aspekte stützen können.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. BEHANDLUNG VON TEXTQUELLEN IN DER FORSCHUNGSLITERATUR
1.1 Zielsetzung und didaktische Begründung der Quellenarbeit im Geschichtsunterricht
1.2 Quellengattungen und Quellendefinition
1.3 Quellenauswahl
1.4 Quelleninterpretation
2. BEHANDLUNG VON TEXTQUELLEN IN SCHULBÜCHERN
2.1 Quellengattungen und Quellendefinition
2.2 Quellenauswahl
2.3 Quelleninterpretation
2.4 Zielsetzung und didaktische Begründung der Quellenarbeit im Geschichtsunterricht
3. FAZIT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwieweit die didaktischen Anforderungen der geschichtsdidaktischen Forschungsliteratur an die Arbeit mit Textquellen in aktuellen Schulbüchern umgesetzt werden. Ziel der Untersuchung ist es, aufzuzeigen, ob die gewählte Quellendarbietung im Unterricht tatsächlich zur Entwicklung von historischem Denken beitragen kann oder ob sie hinter den theoretischen Ansprüchen zurückbleibt.
- Vergleich zwischen theoretischen Standards und schulischer Praxis
- Kriterien der Quellenauswahl und -interpretation
- Bedeutung von Quellengattungen für das historische Lernen
- Didaktische Begründung der Quellenarbeit im Geschichtsunterricht
- Analyse konkreter Beispiele aus gängigen Schulgeschichtsbüchern
Auszug aus dem Buch
1.2 Quellengattungen und Quellendefinition
Wenn man sich im Geschichtsunterricht mit Textquellen beschäftigen will, ist es unerlässlich zunächst auf die verschiedenen Quellengattungen (Akten, Autobiographien, Briefe, Chroniken, Flugschriften, Gesetze, Protokolle, Reden, Tagebücher, Urkunden, Verträge, Zeitungen usw.) einzugehen, da die Gattung selbst Aussagekraft besitzt und Wichtiges über den Aussagewert der Quelle verrät. Demnach ist zu beachten, dass ein Zusammenhang zwischen Gattung, Erkenntniswert und didaktischer Funktion besteht und zudem Erkenntniswert und didaktische Funktion je nach Quellengattung variieren. Folglich müssen die Schüler mit den verschiedenen Quellengattungen vertraut gemacht werden, damit sie aus der jeweiligen Gattung Hinweise für die Interpretation und den Überlieferungscharakter entnehmen können. Hans-Jürgen Pandel begründet die enorme Relevanz der Differenzierung der einzelnen Gattungen damit, dass „die Art der Quelle wie eine zweite Chronik über ihrem Inhalt liegt“.
Des Weiteren ist eine genaue Abgrenzung der Definition des Begriffs Quelle notwendig, da daraus ebenfalls dienliche Informationen für die Quelleninterpretation gewonnen werden können. Daher ist es sinnvoll den Schülern die Unterscheidung nach „Überrest“ und „Tradition“ nahe zu bringen, damit ihnen der Unterschied einer absichtlich und einer unabsichtlich überlieferten Quelle bewusst wird und sie genauer zwischen einzelnen Quellen differenzieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung legt den theoretischen Rahmen fest, in dem die Quellenarbeit im Geschichtsunterricht untrennbar mit dem Ziel der Förderung historischen Denkens verbunden wird.
1. BEHANDLUNG VON TEXTQUELLEN IN DER FORSCHUNGSLITERATUR: Dieses Kapitel erläutert die fachwissenschaftlichen Standards für den Umgang mit Quellen, einschließlich der Bedeutung von Gattung, Auswahl und Interpretationskompetenz.
2. BEHANDLUNG VON TEXTQUELLEN IN SCHULBÜCHERN: Hier findet die praktische Analyse zweier Schulbücher statt, wobei die dortige Umsetzung der theoretischen Anforderungen kritisch geprüft wird.
3. FAZIT: Das Fazit stellt fest, dass die untersuchten Schulbücher die Ansprüche der Forschungsliteratur weitgehend verfehlen und schlägt eine effizientere, qualitätsorientierte Quellenarbeit vor.
Schlüsselwörter
Geschichtsdidaktik, Textquellen, Quellenarbeit, Geschichtsunterricht, Quellenauswahl, Quelleninterpretation, historisches Denken, Quellengattungen, Geschichtsbücher, Methodenkompetenz, Überrest, Tradition, Schulpraxis, Quellenkritik, historisches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert, wie Textquellen in der Forschungsliteratur definiert und im Unterricht behandelt werden sollen, im Vergleich zur tatsächlichen Umsetzung in gängigen Geschichtsbüchern für die zehnte Klasse.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Definition von Quellengattungen, die Kriterien für eine sinnvolle Quellenauswahl sowie die methodische Anleitung zur Quelleninterpretation.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Autorin?
Die Arbeit hinterfragt, ob die in Schulbüchern praktizierte Quellenarbeit den didaktischen Ansprüchen der Geschichtswissenschaft genügt, um bei Schülern tatsächlich historisches Denken zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Es wurde ein vergleichendes Vorgehen gewählt: Zunächst wurden theoretische Anforderungen aus der Didaktik erarbeitet und diese anschließend an die Analyse zweier konkreter Schulbücher (Geschichtsbuch 4 und Geschichte und Geschehen) angelegt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Quellenarbeit und eine detaillierte Auswertung, wie die behandelten Schulbücher die Bereiche Gattung, Auswahl und Interpretation umsetzen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wichtige Begriffe sind Quellenkritik, Methodenkompetenz, Quelleninterpretation, historisches Lernen und der Unterschied zwischen Überrest und Tradition.
Warum hält die Autorin die derzeitige Quellenauswahl in Schulbüchern für problematisch?
Sie kritisiert, dass oft die Quantität vor der Qualität steht, die Texte wenig Komplexität oder Rätselhaftigkeit bieten und die Schüler lediglich zum Nachplappern von Inhalten statt zum kritischen Denken anregen.
Welche spezifische Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Schulbuchgestaltung?
Die Autorin empfiehlt, die Anzahl der Quellen zugunsten einer höheren Qualität und längerer Quellentexte zu reduzieren, um eine intensivere methodische Arbeit zu ermöglichen.
- Quote paper
- Stephanie Dahmen (Author), 2006, Vergleich der Behandlung von Textquellen in der geschichtsdidaktischen Literatur und in schulischen Geschichtsbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92042