Kinder- und Jugendliteratur hat unter den heutigen Freizeitbeschäftigungen einen schweren Stand. Viele Jugendliche lesen kaum noch freiwillig. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler im Unterricht wieder Spaß am Lesen gewinnen, um ihre Kreativität und Phantaisie neu zu entdecken. Produktionsorientierte Verfahren bieten den Kindern die Möglichkeit einer sinnvollen und motivierenden Auseinandersetzung mit der Lektüre.
Inhaltsverzeichnis
1. Kinder- und Jugendliteratur heute
1.1 PISA- Schock
1.2 Lesesozialisation
2. wissenschaftliche und didaktische Überlegungen zum Literaturunterricht
2.1 Literaturdidaktik im Wandel der Zeit – von 1945 bis heute
2.2 Überblick über Methoden des Literaturunterrichts
3. Kategorisierung von traditionellen und modernen Methoden
3.1 handlungs- und produktionsorientierte Verfahren
3.2 ausgewählte produktionsorientierte Verfahren zur Anwendung bei Ganzschriften
3.2.1 produktive Konkretisation
3.2.2 produktive Veränderung
4. Anwendung auf Kinder- und Jugendliteratur
4. 1 produktionsorientierter Umgang mit Peter Härtlings Fränze
4. 2 produktionsorientierter Umgang mit Kirsten Boies Erwachsene reden. Marco hat was getan.
4. 3 produktionsorientierter Umgang mit Peter Härtlings Jakob hinter der blauen Tür
4. 4 produktionsorientierter Umgang mit Heidi Hassenmüllers Gute Nacht, Zuckerpüppchen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz produktionsorientierter Verfahren im Literaturunterricht mit dem Ziel, die Lesemotivation und das Textverständnis von Schülerinnen und Schülern durch eine aktive, kreative Auseinandersetzung mit literarischen Ganzschriften zu fördern und verschiedene Lerntypen besser zu erreichen.
- Grundlagen der Kinder- und Jugendliteratur und Lesesozialisation
- Historischer Überblick zur Entwicklung der Literaturdidaktik
- Systematisierung und Kategorisierung didaktischer Methoden
- Konkrete Umsetzung produktionsorientierter Verfahren anhand ausgewählter Ganzschriften
- Methodenmix im Literaturunterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren
Etwa ab den 1980er Jahren haben handlungs- und produktionsorientierte Verfahren immer größeren Raum in Fachdiskussionen eingenommen und fanden auch schließlich Einzug in die Lehrpläne. Anstoß für diese Entwicklung war die Beobachtung, dass analytisch-rezeptiver Literaturunterricht allein den unterschiedlichen Lerntypen (auditiv, visuell, kommunikativ und motorisch) und den unterschiedlichen Schülerinnen und Schüler nicht gerecht wird. Gerade langsame, scheue und sinnhaft-praktisch veranlagte Schülerinnen und Schüler kommen im traditionellen Literaturunterricht oft zu kurz. Auch die erschreckenden Ergebnisse der PISA-Studie (s. o.) machen deutlich, dass ein Literaturunterricht neben den Fähigkeiten des aktiven Lesens und Verstehens auch dringend die Schülerinnen und Schüler wieder zum Lesen motivieren muss. Erst die Erweckung der Leselust kann weitere sinnvolle analytische Interpretationen nach sich ziehen.
Der Begriff handlungs- und produktionsorientierter Unterricht enthält zwei Grundformen einer aktiv-produktiven Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit einem literarischen Text, die in der Praxis oft vermischt werden. Bei handlungsorientierten Methoden (Haas) steht in Anlehnung an die Erziehungswissenschaften die jeweilige Methode im Vordergrund, die die Schülerinnen und Schüler zu Selbsttätigkeit bewegen soll und zur Leseförderung beitragen soll. Das Ergebnis sind Schülerproduktionen jeglicher Art, wie z.B. Texte, Lieder, Bilder, Rollenspiele usw. Bei produktionsorientierten Methoden (Waldmann), die einen starken Bezug zur Rezeptionsästhetik aufweisen, steht der Originaltext im Vordergrund. Der produktionsorientierte Umgang damit (textproduktive Verfahren) soll die Schülerinnen und Schüler zu mehr Kreativität und Imagination anregen und durch die Produktion von eigenen Texten zur literarischen Bildung beitragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kinder- und Jugendliteratur heute: Dieses Kapitel thematisiert den Stellenwert der Kinder- und Jugendliteratur angesichts konkurrierender Medien sowie die Bedeutung der Lesesozialisation und der Lesekompetenz.
2. wissenschaftliche und didaktische Überlegungen zum Literaturunterricht: Hier wird der historische Wandel der Literaturdidaktik seit 1945 beleuchtet und ein Überblick über verschiedene Unterrichtsmethoden gegeben.
3. Kategorisierung von traditionellen und modernen Methoden: Das Kapitel differenziert zwischen analytisch-rezeptiven und handlungs- sowie produktionsorientierten Verfahren und stellt deren didaktische Potenziale dar.
4. Anwendung auf Kinder- und Jugendliteratur: Hier werden konkrete unterrichtspraktische Aufgabenstellungen für vier ausgewählte Ganzschriften (Fränze, Erwachsene reden. Marco hat was getan., Jakob hinter der blauen Tür, Gute Nacht, Zuckerpüppchen) entwickelt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass produktionsorientierte Verfahren ein effektives Instrument zur Motivationsförderung und zur Berücksichtigung unterschiedlicher Lernvoraussetzungen darstellen.
Schlüsselwörter
Literaturdidaktik, Produktionsorientierte Verfahren, Handlungsorientierter Unterricht, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Ganzschriften, Lesesozialisation, Lesekompetenz, Kreativität, Phantasie, Rezeptionsästhetik, Leerstellen, Lesemotivation, Schülerproduktionen, Methodenmix.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Literaturdidaktik und dem Einsatz produktionsorientierter Verfahren bei der Behandlung von Kinder- und Jugendliteratur im Schulunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Lesesozialisation, die historische und methodische Entwicklung der Literaturdidaktik sowie die praktische Umsetzung handlungs- und produktionsorientierter Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler durch aktive Textproduktion stärker für das Lesen motiviert und in ihrem Textverständnis gefördert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Arbeit, die auf der Analyse bestehender Literaturdidaktik-Konzepte basiert und diese auf spezifische belletristische Texte anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben einer theoretischen Kategorisierung von Lehrmethoden konkrete unterrichtspraktische Aufgaben für vier Kinder- und Jugendbücher erarbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Produktionsorientierung, Handlungsorientierung, Lesemotivation, Ganzschriften und Fachdidaktik Deutsch.
Warum ist die Unterscheidung zwischen produktionsorientierten und handlungsorientierten Methoden wichtig?
Die Unterscheidung hilft Lehrkräften, gezielt zu entscheiden, ob der Fokus stärker auf der Methode (handlungsorientiert) oder auf der textproduktiven Auseinandersetzung mit dem Original (produktionsorientiert) liegen soll.
Wie geht die Autorin mit dem sensiblen Thema Kindesmissbrauch in Literatur um?
Die Autorin betont die Notwendigkeit hoher Sensibilität, eine fundierte Vorbereitung der Lehrkraft und den engen Bezug zum Nachwort, um bei betroffenen Schülerinnen angemessen reagieren zu können.
Welchen Stellenwert nimmt die "Zettelkonferenz" in den Praxisbeispielen ein?
Die Zettelkonferenz dient als eine spezifische produktionsorientierte Methode, die es ermöglicht, Gedanken, Gefühle und Fragen der Lernenden zu einem Text anonym und strukturiert in den Austausch zu bringen.
Welche Rolle spielt die Rezeptionsästhetik?
Die Rezeptionsästhetik dient als theoretisches Fundament, da sie davon ausgeht, dass Leser Leerstellen in Texten aktiv ausfüllen, was die Grundlage für produktive Konkretisierungen bildet.
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- Vera Pohlmann (Author), 2007, Produktiver Umgang mit Kinder- und Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92063