Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit zwei Pionierunternehmen im Mikrofinanzsektor. Neben der Grameen Bank aus Bangladesh wird die Banco Solidario aus Bolivien betrachtet. So genannte Mikrofinanzinstitutionen haben eine klare soziale Mission, arme Bevölkerungsschichten zu bedienen, gleichzeitig streben sie aber auch Rentabilität an. Damit stellen sie ein Beispiel für Social Entrepreneurship dar. Muhammad Yunus, der Gründer der Grameen Bank, gilt als Vorbild für innovative profitorientiert denkende Unternehmer mit sozialer Mission. Jedoch ist Social Entrepreneurship kein Phänomen des 21. Jahrhunderts, wie die aktuell geführte Diskussion in der Öffentlichkeit vermuten lässt. Schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es unternehmerisch denkende „Wohltäter“. Doch was bedeutet es genau, wenn ein Unternehmen neben der Rendite einen positiven sozialen Effekt erzielen möchte? Kann jemand als Social Entrepreneur bezeichnet werden, weil er Arbeitsplätze schafft, Gewinne für Anteilseigner erwirtschaftet und damit einen positiven Einfluss auf einen Teil der Gesellschaft hat? Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Social Entrepreneurship als alleiniges Forschungsfeld gibt es erst seit den 1990er Jahren. Ein Grund dafür, dass es keinen Konsens über Bedeutung, Wirkung und Rolle des Social Entrepreneurship für die Gesellschaft gibt. Oft werden die Social Entrepreneurs als „neue Helden“ überschwänglich gefeiert, doch eine empirische Evidenz über Erfolg und Misserfolg liegt nicht vor.
Die Arbeit hat in den ersten Kapiteln eine theoretische Herangehensweise. Abschließend werden die beiden untersuchten Unternehmen in ein herausgearbeitetes Social-Entrepreneurship-Schema eingeordnet, bevor ein Fazit gezogen und ein Ausblick in die Zukunft geworfen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Relevanz
2 Aufbau der Arbeit
I. Konzeptionelle Grundlagen
3 Social Entrepreneurship
3.1 Stand der Forschung
3.2 Begriffsdefinitionen
3.2.1. Theoretische Einordnung der Begriffe Unternehmer/Unternehmertum
3.2.2. Wie kann Unternehmertum „sozial“ sein?
3.3 Systematisierung
3.3.1. Priorität sozialer Ziele für das Unternehmen
3.3.2. Wirtschaftlichkeit / Rentabilität
3.3.3. Positionierungsmatrix
3.4 Merkmale von Social Entrepreneurship
3.5 Handlungsfelder für Social Entrepreneurs
4 Mikrofinanzierung und Mikrofinanzinstitutionen
4.1 Begriffsdefinitionen
4.2 Entwicklung der Mikrokreditidee und Stand der Forschung
4.3 Methoden von MFI bei der Kreditvergabe
4.3.1. Gruppenkredite und Selbsthilfegruppen
4.3.2. Village banking
4.3.3. Individualkredite
4.3.4. Vergleich der Methoden
4.4 Entstehung von MFI
4.4.1. Downscaling und Upgrading
4.4.2. Greenfield-Ansatz und Linkage
4.5 Effizienz und Effektivität von MFI
4.5.1. Soziale Auswirkungen und Effekte
4.5.2. Erreichung finanzieller Nachhaltigkeit
4.5.3. Auswirkungen auf das Finanzsystem und die Gesamtwirtschaft
4.6 Die Rolle von Stakeholdern
4.7 Ausblick: Zukünftige Entwicklung des Mikrofinanzsektors
5 Zwischenfazit: Sind alle MFI „Social Enterprises“?
II. Erfolgreiches Social Entrepreneurship am Beispiel von zwei Mikrofinanzinstitutionen
6 Grameen Bank, Bangladesh
6.1 Organisationsfaktoren
6.1.1. Vision und Mission
6.1.2. Struktur und Funktionsweise
6.1.3. Geschäftsentwicklung
6.2 Umweltfaktoren
6.2.1. Wirtschaftliche Situation des Landes
6.2.2. Externe Hindernisse und Impulse
6.3 Soziale Wirkung und finanzielle Nachhaltigkeit
6.4 Perspektiven und Herausforderungen
7 Banco Solidario, Bolivien
7.1 Organisationsfaktoren
7.1.1. Vision und Mission
7.1.2. Struktur und Funktionsweise
7.1.3. Geschäftsentwicklung
7.2 Umweltfaktoren
7.2.1. Wirtschaftliche Situation des Landes
7.2.2. Externe Hindernisse und Impulse
7.3 Soziale Wirkung und finanzielle Nachhaltigkeit
7.4 Perspektiven und Herausforderungen
8 Einordnung der untersuchten Institutionen in die Positionierungsmatrix
III. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Mikrofinanzinstitutionen (MFI) erfolgreich als Social Entrepreneurship agieren können, indem sie soziale Missionen mit wirtschaftlicher Rentabilität verbinden. Dabei wird analysiert, unter welchen Voraussetzungen MFI finanzielle Nachhaltigkeit erreichen und gleichzeitig einen messbaren sozialen Beitrag leisten können.
- Grundlagen und Definitionen von Social Entrepreneurship.
- Entwicklung und Methoden der Mikrofinanzierung.
- Fallstudien der Grameen Bank (Bangladesch) und der Banco Solidario (Bolivien).
- Analyse der sozialen Wirkung versus finanzieller Nachhaltigkeit.
- Einordnung in eine strategische Positionierungsmatrix.
Auszug aus dem Buch
3.1 Stand der Forschung
Die Social–Entrepreneurship–Forschung basierte ursprünglich auf der Erforschung von privaten Nonprofit–Organisationen in den USA, die in den 1970er und 1980er Jahren aufgrund von sinkenden staatlichen Ausgaben vermehrt betrieben wurde. Der Begriff Social Entrepreneur wurde erstmals 1977 von Chambarlain verwendet, der von einer neuen Art von Führungskräften spricht, „who would be encouraged to commit themselves and their corporations to constructive attacks on social problems by changing the rules under which the corporations operate.“
Als eigenständiges Forschungsfeld rückte das Thema Social Entrepreneurship jedoch erst Mitte der 1990er Jahre ins Blickfeld von Wissenschaftlern. Durch die Anwendung eines neuen Ansatzes, gesellschaftliche Probleme zu lösen, zog das Phänomen Social Entrepreneurship und vor allem die Personen, die Social Entrepreneurs, das Interesse von Wissenschaft und Praxis auf sich. Dennoch betonen Austin et al. bspw. „Its [social entrepreneurship’s] theoretical underpinnings have not been adequately explored, and the need for contributions to theory and practice are pressing“, wobei die Praxis der Theorie weit voraus ist. Auch die empirische Evidenz beschränkt sich auf wenige Fallbeispiele und liefert lediglich einige Analysen und best–practice–Fälle. Trotz des relativ schnellen Anstiegs des Interesses, ist die Anzahl der Quellen nach wie vor gering, besonders deutschsprachige Literatur ist kaum vorhanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtet den Wandel der Entwicklungsfinanzierung und führt in die Rolle der Mikrofinanzierung sowie das Konzept des Social Entrepreneurship ein.
2 Aufbau der Arbeit: Erläutert die zweigeteilte Struktur der Arbeit, bestehend aus einem theoretischen Teil und zwei praktischen Fallstudien.
3 Social Entrepreneurship: Definiert den Begriff, systematisierte verschiedene Organisationsformen mittels einer Matrix und grenzt Social Entrepreneurship von anderen Ansätzen ab.
4 Mikrofinanzierung und Mikrofinanzinstitutionen: Analysiert die Methoden der Kreditvergabe, die Entstehung von MFI sowie die Debatte um Effizienz und finanzielle Nachhaltigkeit.
5 Zwischenfazit: Sind alle MFI „Social Enterprises“?: Reflektiert kritisch, ob Mikrofinanzinstitutionen per se als Social Enterprises einzustufen sind.
6 Grameen Bank, Bangladesh: Analysiert die Vision, Struktur und soziale Wirkung der Grameen Bank als Pionier im Mikrofinanzsektor.
7 Banco Solidario, Bolivien: Untersucht die Transformation von PRODEM zur BancoSol sowie deren marktorientierten Ansatz im bolivianischen Finanzmarkt.
8 Einordnung der untersuchten Institutionen in die Positionierungsmatrix: Vergleicht die Fallstudien anhand der erarbeiteten Kriterien und ordnet sie in die Positionierungsmatrix ein.
Schlüsselwörter
Social Entrepreneurship, Mikrofinanzierung, Mikrofinanzinstitutionen, Armutsbekämpfung, Finanzielle Nachhaltigkeit, Soziale Mission, Grameen Bank, Banco Solidario, Rentabilität, Entwicklungsländer, Social Enterprise, Kreditvergabe, Social Impact, Empowerment, Kapitalzugang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung von Mikrofinanzinstitutionen als Beispiele für erfolgreiches Social Entrepreneurship.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die konzeptionellen Grundlagen des Social Entrepreneurship sowie die Methoden, Wirkungsweisen und Herausforderungen der globalen Mikrofinanzierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, unter welchen Voraussetzungen MFI eine soziale Mission erfüllen und gleichzeitig wirtschaftlichen Erfolg beziehungsweise finanzielle Nachhaltigkeit sichern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Rahmen zur Konzeptionalisierung von Social Entrepreneurship und führt Fallstudien zu zwei Pionierorganisationen (Grameen Bank und Banco Solidario) durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Neben der theoretischen Einordnung des Social Entrepreneurship werden die Entstehung, Kreditvergabemethoden und Auswirkungen von Mikrofinanzinstitutionen sowie zwei Fallstudien umfassend analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Social Entrepreneurship, Mikrofinanzierung, soziale Mission, Rentabilität und finanzielle Nachhaltigkeit sind zentrale Begriffe.
Was unterscheidet die Grameen Bank von der Banco Solidario?
Während die Grameen Bank in Bangladesh primär auf Armutsbekämpfung und Frauen als Zielgruppe fokussiert, agiert die Banco Solidario in Bolivien deutlich stärker als profitorientierte Geschäftsbank.
Wie bewertet der Autor den Erfolg der Mikrofinanzierung?
Der Erfolg ist zwiespältig: Mikrofinanzierung kann den Zugang zu Kapital ermöglichen, ist jedoch kein Allheilmittel gegen Armut und leidet oft unter mangelnder empirischer Evidenz bezüglich der tatsächlichen sozialen Auswirkungen.
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- Artjom Wolf (Author), 2007, Social Entrepreneurship. Mikrofinanzinstitutionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92114